Donnerstag, 07. November 2013, 13:02 Uhr

Wie man es nicht macht

Eine schwäbische Hausfrau hätte das so gemacht: Sie hätte zuerst in ihr Portemonnaie geschaut, ihr Geld gezählt, überlegt, was sie unbedingt für den Haushalt braucht und was dann noch übrig bleibt, um sich etwas außer der Reihe zu gönnen. Aber die schwäbische Hausfrau ist an den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen leider nicht beteiligt.

Deshalb läuft es in Berlin andersherum. Zuerst wird aufgeschrieben, was man sich alles Teures gönnen will, dann ist man über seine ungehemmte Ausgabenlust völlig erstaunt und muss schauen, ob man sich das überhaupt leisten kann.

Ein merkwürdiges Verfahren, das bei der letzten schwarz-gelben Koalition dazu geführt hatte, dass alles unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wurde, womit der Keim für ihr Scheitern im Koalitionsvertrag eingepflanzt wurde.

Schade, dass Sigmar Gabriel und die ehemalige schwäbische Hausfrau Angela Merkel daraus so wenig gelernt haben. Jetzt geistert jeden Tag eine neue Wohltat durch die Blätter und am Ende muss ein großer Teil davon wieder eingesammelt werden. Was zum Verdruss der freudig beglückten Wähler führt.

Das Verfahren hat einen zweiten Nachteil: wer erst die Ausgaben formuliert, neigt am Ende zum Schuldenmachen oder, wenn dies per Schuldenbremse verboten ist, dazu, die Kosten den Beitragszahlern und Autofahrern aufzubürden und das einstmals gegebene Versprechen, Schulden abzubauen, gleich ganz zu vergessen.

Diesem Anfang der Großen Koalition wohnt bisher kein Zauber inne. Horst Seehofer hat das Stichwort schon gegeben. Bisher ist es eine Wünsch-Dir-Was-Koalition.

Und noch eine zweite Botschaft enthalten die bisherigen Verhandlungen. Innenminister Hans-Peter Friedrich ist für sein Amt endgültig diskreditiert.

Der Superverharmloser des NSA-Skandals und Erfinder des – nicht existierenden – “Supergrundrechtes Sicherheit” musste seinen Vorschlag zurückziehen, auch in Deutschland weiter an der Überwachungsschraube zu drehen. Die LKW-Maut-Kontrollen zur Autofahrer-Überwachung einzusetzen – das war selbst CSU-Chef Horst Seehofer zu viel.

Friedrich hat einfach nicht kapiert, dass mehr Überwachung nicht mehr in die Zeit passt. Eine relevante Zahl der Bürger, wenn offenbar auch nicht die Mehrheit, hat seit dem NSA-Skandal davon die Nase voll.

Bisher lernt der interessierte Bürger aus den Koalitionsverhandlungen nur eines: Wie man es nicht macht.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

46 Kommentare

1) Michael, Donnerstag, 07. November 2013, 13:37 Uhr

Die Grundidee, erst zu schauen, was man denn so zu tun gedenkt, ist schon richtig. Der zweite Schritt sollte aber nicht sein, die Projekte wegen Geldmangels abzublasen, sondern zusehen, dass man das nötige Geld zusammenbekommt. Sinnvolle und ohnehin längst überfällige Möglichkeiten dazu gibts genug:
– Erhöhung der Einkommensteuer für Spitzenverdiener
– Abschaffung der Abgeltungssteuer, stattdessen fließen diese Einkünfte in die Einkommensteuer ein
– (Wieder-) Einführung einer Vermögens- und einer Kapitalertragssteuer

Da kann eine Menge Geld zusammenkommen. Man muss es nur wollen. Und das ist das eigentliche Problem an der ganzen Chose.

2) Mende Tegen, Donnerstag, 07. November 2013, 14:17 Uhr

So sehr Ihrer Klage über diese Koalitionsverhandlungen in Teilen zuzustimmen ist, vor allem auch, was Ihre Bemerkungen zu Herrn Friedrich angeht, so erschütternd ist es andererseits, dass sich der längst widerlegte, sich aber hartnäckig haltende Mythos (alternativ: Unsinn), eine Volkswirtschaft ließe sich wie ein „schwäbischer“ Privathaushalt managen, auch in Ihrem Denken verwurzelt ist. Nun gut, ich hätte es zwar nicht anders erwartet, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Andererseits ist die Unfähigkeit dieser SPD, aus der linken Parlamentsmehrheit zusammen mit den Grünen und der Linken einen wirklichen Politikwechsel herbeizuführen statt mit den Christlichen das Tanzbein zu schwingen, natürlich umso schwerer verdaulich. Wobei auch in diesem Fall selbstverständlich gilt: das war allerspätestens seit der Wahl Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten klar.

3) Andreas, Donnerstag, 07. November 2013, 15:17 Uhr

Ja aber was haben Sie denn erwartet?

Bei einer Mehrheit von 80& im Parlament, findet sich immer genug Einfältige die nicht den notwendigen Widerstand geben, damit Lösung auch solange diskutiert werden bis sie gut sind.

Angeblich wollten die Wähe ja eine große Koalition, nun denn viel Spaß damit. Das Problem ist nur wenn in 4 Jahren andere den Dreck wegräumen müssen, bekommen sie dafür auch wieder Haue.

4) Tilman_s, Donnerstag, 07. November 2013, 16:29 Uhr

Eine schwäbische Hausfrau würde das so machen. Zwei schwäbische Hausfrauen, die sich ein Budget teilen müssen, hätten da sicherlich schon mehr probleme, weil jede andere Prioritäten hätte. Und genau so ist es hier, nur dass in dieser “Regierung im Aufbau” sogar 3 Parteien zanken.

5) Beate, Donnerstag, 07. November 2013, 16:36 Uhr

Herr Sprengsatz.

Je stärker der Staat sich verschuldet desto weniger Geld fliesst ins Ausland.

Deutsche Anleger haben in den letzten 10 Jahren laut DIW 600 Milliarden Euro verloren.

Ohne den Staat würde die Binnenwirtschaft ganz zudsammenbrechen.

6) Cato, Donnerstag, 07. November 2013, 16:41 Uhr

Wer den politisch Blinden, Tauben und Lahmen weiter die politische Verantwortung überläßt begeht
Selbstmord!

7) Rapunzel, Donnerstag, 07. November 2013, 17:11 Uhr

Ist nicht viel mehr Macht-, Geld- und Postengier das zentrale Motiv der derzeitigen Koalitionsberhandlungen zwischen Pest und Cholera ?

Wer der verfassungsfeindlich und stets unverlässlich agierenden “Dagegen-CDU” schon wieder den Weg zur Regierung ebnet, muss sich da nicht wundern.

Im übrigen ist Frau Merkel nun wirklich alles andere als eine schwäbische Hausfrau. Die von den Ihren stets “Mutti” genannte ist Dr. Der Physik und kommt -wie unschwer an Ihren diffusen Aussagen zum Thema Überwachung ablesbar ist- aus der ehemaligen DDR.

Welch perverse Auswüchse konservativ verblendete Ideologie mit sich bringt, lässt sich übrigens dieser Tage mal wieder am Beisoiel einer Kindrtagesstätte im hessischen Bad Homburg betrachten. Hier muss nach entsprechender Androhung von Gewalt ein Laternenzug der dort betreuten Kinder von der Polizei bewacht werden. Zuvor hatte das islamophobe konservative Portal “politically incorrect” zur Entsprechenden Hetze aufgerufen.
Das sind die Konsequnenzen konservativer Perversionen.
Es sollte endlich mal Recht und Gesetz auch für Konservatove gelten.
Leider kann man davon in der “Berliner Republik Merkelscher Prägung” nicht mehr sprechen.

8) karel, Donnerstag, 07. November 2013, 17:12 Uhr

Ob der interessierte Bürger auch lernt,
daß die Folgen des Wettbewerbs um die “guten Taten”er letztlich selber zahlen muß?
Denkt da nicht ein Jeder, das bezahlt sowieso der Andere?
Dumm nur, daß auch der “Andere” denkt, ich sei der “Andere”……

“Deshalb läuft es in Berlin andersherum. Zuerst wird aufgeschrieben, was man sich alles Teures gönnen will, dann ist man über seine ungehemmte Ausgabenlust völlig erstaunt und muss schauen, ob man sich das überhaupt leisten kann.”

Herr Spreng, Ihre Feststellung erinnert mich lebhaft an die 70er, als der “Wettlauf” begann…..,
nicht erst in Berlin:

Viellecht kann der Journalismus auch entscheidend dazu beitragen,
daß der interessierte Bürger eher das “Vernünftigere” wählt..

9) Chambord, Donnerstag, 07. November 2013, 17:33 Uhr

Sehr ärgerlich sind auch die zusätzlichen Vertretungsposten für den Parlamentspräsidenten und zu erwartende neue Ministerien, da die Spd mehr Ministerposten möchte, als die FDP hatte. Bevor es überhaupt losgeht macht man erst einmal einen schlechten Eindruck.

10) Doktor Hong, Donnerstag, 07. November 2013, 19:26 Uhr

@2) Mende Tegen

Sicher funktioniert eine Volkswirtschaft offenbar nicht wie der Haushalt der schwäbischen Hausfrau.

Natürlich muss sich jemand verschulden, damit ein anderer sparen kann, auch das ist ganz klar.

Dennoch muss man sich im klaren darüber sein, dass der Staat seine Schulden nur bezahlen kann, indem er sich sein Geld von seinen Bürgern holt.

Im Eurosystem ist der Euro eine Auslandswährung für Deutschland. Die Bundesrepublik hat die Bundesschatzbriefe abgeschafft und verschuldet sich auf den Finanzmärkten, auf denen meistens Banken tätig sind.

Wir reden also von einer Umverteilung durch Staatsverschuldung – von wo nach wo? Wollen wir das?

Natürlich kann man die Zinszahlungen immer auf neue Schulden hochbuchen – das gibt eine Exponentialfunktion.

Wenn die Zinsschuld irgendwann das Bruttosozialprodukt eines Landes übersteigt, dann wird auch der gierigste Banker nicht mehr glauben, dass der Staat noch solvent ist. Wahrscheinlich schon viel früher. Es hat schon Fälle gegeben, da fraßen die Zinslasten den kompletten Staatshaushalt auf.

Im Interesse aller muss der Staat ein zuverlässiger Schuldner bleiben, zumal Staatsschulden nicht nur Lebensversicherungen, sondern auch die Währung besichern.

Und da muss man schon schauen, ob man nicht langsam an der Grenze dessen kratzt, was noch handhabbar ist.

11) max, Donnerstag, 07. November 2013, 19:28 Uhr

Herr Spreng, Sie wollen mir nicht ernsthaft erzählen, dass Sie von einer großen Koalition Sparsamkeit erwartet haben.
2005 ist exakt dasselbe passiert wie 2013, zusätzlich hat ziemlich jede schwarz-rote Koalition auf Landesebene (zumindest neu enstandene) dasselbe gemacht.
Auch der Grund ist bekannt: Bei fehlender Opposition und mit Parteimitgliedern/Wählern die diese Option meist nicht wollen müssen beide Seiten Ihre Projekte durchsetzen.
In Berlin bringt das ein Stadtschloß und eine neue Bibliothek, im Bund jede Menge neue Rentenempfänger.

12) M.M., Donnerstag, 07. November 2013, 22:10 Uhr

Weil ich Co2 ausstosse gibt es Windräder im Meer und Solaranlagen obwohl der Himmel monatelang noch nicht mal meinen Solar-Maulwurfschreck zum tuten bringt. IRRE. Zusätzlich stamme ich vom Affen ab. IRRE. DAS SIND UNSERE DEUTSCHEN ELITEN. Niemals werde ich das glauben, egal wie die Neue deutsche Regierung heisst.

13) Bernd, Donnerstag, 07. November 2013, 23:10 Uhr

Tja, man muss sagen: Die Wähler wollten die GroKo, jetzt haben sie die GroKo. Und – sorry: Wenn die FDP auch wenig auf die Reihe bekommen hat, so zeichnete sie v.a. aus, was sie *nicht* gemacht hat: Nämlich den – nun unvermeidlichen – Marsch in den Überwachungsstaat mitzumachen – trotz NSA&Co.

Übrigens gibt die SPD in dieser Hinsicht ein jämmerliches Bild ab: Wenn es ein Feld gäbe, um sich auf Dauer gerade bei Jungwählern zu profilieren, dann in der Internetpolitik. Aber wie von 2005 – 2009 zu sehen war, wurde diese Chance leichtfertig vertan (ich erinnere an den AK Internet, der sich aus Protest gegen das Mittragen von Zensursula selbst aufgelöst hatte…)

14) sdr, Freitag, 08. November 2013, 06:44 Uhr

Herr Spreng, wie kommen Sie darauf eine schwäbische Hausfrau (die tun mir echt leid) für Erklärungen in Volkswirtschaftlichen Fragen heran zu ziehen?

15) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 08. November 2013, 07:53 Uhr

Und dann ist da noch Herr Draghi, der mit seinen Woodoo-Zinsen den Politikern die weitere Verschuldung billig macht. Ich bin gespannt, mit welchen Tricks und Schattenhaushalten demnächst die Schuldenbremse umschifft wird. Politik verkommt zu reiner Kulissenschieberei. Bezahlen müssen das die Bürger, die so dämlich sind, sparsam zu wirtschaften und Rücklagen zu bilden.

Mal eine Frage, Herr Draghi: Warum muss eigentlich über eine Mietpreisbremse und ein neues EEG-Gesetz diskutiert werden, wenn doch die Inflationsrate so schrecklich niedrig ist? Könnte es sein, dass mit Ihren Zahlen etwas nicht stimmt? Wenn uns vor 13 Jahren jemand gesagt hätte, dass einmal ein Italiener, ein Ex-Goldman-Sachs-Manager zudem, EZB-Präsident sein wird, wir hätten einen kollektiven Herzinfarkt erlitten.

16) StefanP, Freitag, 08. November 2013, 08:01 Uhr

Volle Kassen haben die Politik schon immer sinnlich gemacht, das ist kein Grund, einen bestimmten Politiker oder eine bestimmte Partei herauszugreifen. Wer darüber lamentiert, scheint einfach nicht begreifen zu wollen, wie das Geschäft funktioniert. So sind bisher noch immer Staaten an die Wand gefahren worden. Die deutsche Politik hat immerhin das Problem erkannt und sich wie Odysseus in der Antike mit der Schuldenbremse selbst gebunden. So dürfen die unzähligen Sozialpolitiker in den Koalitionsverhandlungen nochmal ihren Träumen aus den Wahlkämpfen frönen, bevor ihnen die Finanz- und Haushaltspolitiker mit dem Vorschlaghammer auf die Finger hauen. In der Hoffnung, dass es schön weh tut.

Diese Selbstfesselung ist natürlich den vielen Verteilungspolitikern und linken Bundesgenossen ein ständiges Ärgernis. Schließlich haben sie ihre Profession gewählt, weil sie nicht rechnen können und nicht rechnen wollen. Sonst wären sie ja so kaltherzig wie die Zahlenfüchse. Und das ist nun wirklich unter ihrer Würde.

Der Wahlsieger, die Union, hat immerhin ein paar Pflöcke eingeschlagen: keine Steuererhöhungen und keine neuen Schulden. Damit haben sie die 2,5 Millionen Wähler von der FDP geködert und so reüssierten sie bei Selbständigen und den besserverdienenden Angestellten. Die meisten Versprechungen können sich die Fachpolitiker also in die Haare schmieren. Die neue Steuerschätzung wird voraussichtlich einen Verteilungsspielraum von 10 Mrd. EUR erbringen, damit kann auch die kleine Politik der großen Koalition etwas anfangen.

So wird man am Ende etwas gegen die permanente Steuererhöhung (“Kalte Progression”) tun, allerdings nicht zuviel, wer sägt schon an dem Ast, auf dem er sitzt? Die SPD / Hannelore Kraft wird ein paar weitere kommunale Zuschüsse bekommen und dann bleibt ja immer noch etwas in der Kasse. Die Union wird ihre Verbesserung bei der Mütterrente und die Sozialdemokraten im Gegenzug ihre MIndestrente in abgespeckter Form bekommen. Diese Maßnahmen haben den Charme, dass sie die Arbeitgeber und die Besserverdienenden sowie vor allem die jüngeren Generationen zahlen werden. Die sitzen allerdings bei den Koalitionsverhandlungen der alten Herren und Damen, die von eben so graugesichtigen Soziallobbyisten umrahmt werden, leider nicht mit am Tisch.

Es soll ja schon Leute geben, die es reut, im September nicht die FDP gewählt zu haben. Die Liberalen, die ja bekanntlich frisch aus dem Bundestag geflogen sind, konnten im vergangenen Monat als einzige Partei ein leichtes Plus bei der Mitgliederentwicklung verzeichnen. Nach der Selbstgeißelung nähern wir uns nun der Phase der neuen Vorsätze.

P.S.: Es gibt nicht viele, die sich den Job des Innenministers antun wollen. Nach dem Kanzler / Kanzlerin gehört der Chefbeauftragte für die innere Sicherheit zu den am meisten gefährdetsten Zielen. Friedrich hat sich nicht nach der Aufgabe gedrängt. Ein bisschen Nachsicht ist also durchaus angebracht.

17) Beate, Freitag, 08. November 2013, 09:14 Uhr

Die letzte grosse Koalition hat die unsozialste Steuer die Mehrwertsteuer um 3% erhöht.

Dafür hat die CDU/CSU/SPD die Steuern für Unternehmen, die Kapitalertragssteuern, die Renten und damit die Rentenbeiträge, … zum Teil drastísch gesenkt.

Die SPD ist nur noch Erfüllungsgehilfe für eine Politik die die Bevölkerung in ihrer Mehrheit nicht will.

18) JG, Freitag, 08. November 2013, 09:45 Uhr

Sie haben recht, Herr Spreng. Aber hatten nicht auch Sie in eine Neuauflage der GroKo noch vor kurzem Erwartungen gesetzt, die ich mal als “bemerkenswert” bezeichnen möchte?

19) Erika, Freitag, 08. November 2013, 12:02 Uhr

Wir konnten in 2 Legislaturperioden der Kanzlerin Merkel vielfach (Atomkraftwerke, Klimapolitik, Eurorettung, Außenpolitik, Kinderbetreuung) beobachten, “wie man es nicht macht”.

Offenbar geht es Ihnen wie <<"Schade, dass Sigmal Gabriel und die ehemalige schwäbische Hausfrau Angela Merkel daraus so wenig gelernt haben" (Bezeichnend ist, dass Sie Gabriel zuerst nennen, die Herrin im Ring ist jedoch mit 42 % die amtierende Kanzlerin Angela Merkel.)

Was hatten Sie erwartet, wenn Angela Merkel ein solches Wahlergebnis erhält?

Mut? Ideen? Transparenz? Zukunftsplan? Keine Maut? Eine Maut?

20) Dierke, Freitag, 08. November 2013, 14:39 Uhr

Große Koalition auf kleinsten und teuersten gemeinsamen Nenner ! Das ist das Ergebnis, das sich die deutschen Bürger gewünscht haben oder jeder bekommt die Regierung, die er verdient. Ein Leserbriefschreiber schrieb der FAZ ins Stammbuch, dass unsere Regierenden die Probleme schaffen, die es ohne sie n i c h t gäbe.

21) Frank Reichelt, Freitag, 08. November 2013, 17:55 Uhr

Als ich noch ein kleiner Junge war, habe ich meinen Eltern an Weihnachten eine Liste mit meinen Wünschen vorgelegt, diese haben dann entschieden, wieviel Geld sie zur Verfügung haben und die Wünsche entsprechend erfüllt oder nicht. Selbstverständlich habe ich nicht vorher gefragt: “Liebe Eltern, wieviel Geld könnt ihr denn für Geschenke ausgeben?” Das wäre ja auch schön blöd von mir gewesen, erst habe ich meine Maximalforderungen, pardon, Maximalwünsche natürlich, aufgeschrieben.

Jede Arbeitsgruppe legt die Ergebnisse der Verhandlungen vor und am Ende wird über die Finanzierbarkeit und die Priorität entschieden.

Das, wie Herr Spreng schreibt “Jeden Tag eine Wohltat durch die Blätter geistert” ist der völlig absurden Spekulationswut der Medien geschuldet.
Es war ja interessant, kaum waren die Koalitionsverhandlungen vereinbart, jaulte die Presse: “Jetzt schachern sie um die Posten” um dann aber betrübt festzustellen, dass dem gar nicht so war und die Koalitionäre diszipliniert erst die Sachthemen abarbeiten, der künftige Zuschnitt der Ministerien steht ja noch gar nicht fest. Nun sind die albernen Klickstrecken über das Aussehen des künftigen Kabinetts auch wieder aus den Blättern verschwunden.

Ich finde, dass die Verhandlungen erfreulich konstruktiv und ruhig verlaufen. Man läßt sich Zeit, von mir aus kann es auch bis Weihnachten dauern bis die neue Regierung steht. Die Geschäftsführende Regierung ist technisch arbeitsfähig.
Loben möchte ich an dieser Stelle die FDP-Minister, die ihre Arbeit scheinbar verantwortungsbewußt fortsetzen, unabhängig von der inhaltlichen Ausgestaltung. Sie hätten mit guten Gründen nach der Wahl auch zurücktreten können.

22) Frank Reichelt, Freitag, 08. November 2013, 18:20 Uhr

Kleiner Nachsatz:

Natürlich sind die Koalitionäre keine kleinen Jungen und Mädchen, die Bundeskanzlerin ist aber auch keine schwäbische Hausfrau, mal von Herrn Schäuble ganz zu schweigen!

23) Werner Berger, Freitag, 08. November 2013, 23:34 Uhr

Ich denke gerade an den Frührentner, der sich als Parkplatzwächter etwas dazu verdiente und auf einem Autobahnparkplatz bei Schwäbisch Hall wegen 10 Euro Stellplatzgebühr von einem LKW überrollt und getötet wurde. Sein Mörder ist bis heute nicht gefasst – weil die Mautdaten nicht zur Strafverfolgung herangezogen werden dürfen. Finden Sie das etwa richtig, Herr Spreng?!

24) Bernhard Paul, Samstag, 09. November 2013, 01:45 Uhr

Exakt so isses! Trifft’s, Herr Spreng, nix weiter anzumerken.

Sehr wohl hingegen bei 15) Sabine Zielke-Esser: Die Anleger gehen doch exakt deswegen in Immobilien und treiben damit Kauf- und Mietpreise in die Höhe, weil man auf den Sparkonten und bei konventionellen Anlagen aufgrund der Niedrigstzinsen nur Miese macht. Das auch noch in Zusammenhang mit der EEG-Materie zu bringen, ist schon ziemlich wirr.
Wir sind auf dem Weg in die Deflation, der Draghi mit seiner Zisnpolitik gegenzusteuern versucht. Das hat mit Woodoo-Zinsen nullkommanull zu tun. Deflation lässt Sparer verarmen, wenn Sie verstehen.

25) Jack, Samstag, 09. November 2013, 09:57 Uhr

Ich stimme 21) Frank Reichelt zu. Der Weg, erst einmal zu überlegen, was nötig ist bzw. politisch gewollt (s. Wahlprogramme der Parteien), und dann zu entscheiden, was tatsächlich gemacht wird, ist nicht per se unsinnig. Wenn man das Gesamttableau kennt, kann man auswählen, was wirklich wichtig ist, priorisieren und ggf. zeitlich verteilen.

Im Übrigen ist der finanzielle Spielraum ja keine fixe Größe. Um im Bild zu bleiben, die schwäbische Hausfrau weiß heute im Herbst 2013 nicht, wie groß der Spielraum in den Jahren 2014 bis 2017 tatsächlich sein wird. Es heißt nicht umsonst Steuerschätzung. Ein wichtiger Faktor ist dabei die konjunkturelle Entwicklung. Hier lebt Deutschland derzeit auf einer Insel der Seligen, aber wenn man sich in der Weltwirtschaft umsieht, kann der Exportweltmeister nicht darauf vertrauen, dass andere Länder, deren Volkswirtschaften schwächeln, weiterhin in bisherigem Ausmaß deutsche Produkte kaufen. Der Binnenkonsum kann das in Deutschland nicht wettmachen. Zwar sind die Leute bei Minizinsen durchaus geneigt, ihr Geld lieber auszugeben als zu sparen, aber bei 8 Millionen Erwerbstätigen im Niedriglohnsektor und Lohnerhöhungen kaum über der Inflationsrate, dazu unsicheren Konjunkturperspektiven ist klar, warum der Konsum in Deutschland nur begrenzt zum Wirtschaftswachstum beitragen kann.

26) Doktor Hong, Samstag, 09. November 2013, 12:24 Uhr

@ 24) Bernhard Paul

Das müssen Sie mir mal erklären.

Wenn in einer Deflation die Preise fallen, wieso verarmt dann einer, der Geld gespart hat? Er kann doch dann mit seinem Geld mehr kaufen?

27) StefanP, Sonntag, 10. November 2013, 10:28 Uhr

26) Doktor Hong

Wenn in einer Deflation die Preise fallen, wieso verarmt dann einer, der Geld gespart hat? Er kann doch dann mit seinem Geld mehr kaufen?

Das gilt für Konsumenten, nicht für Sparer. Die Zinsen fallen ja auch, da Geld extrem billig ist. So erhält der Sparer als Konsequenz der Geldpolitik keinen Zins mehr, der den realen Wert erhält. Dafür muss man nicht Volkswirtschaftslehre studieren, das kann man derzeit beobachten.

28) Horst Klohocker, Sonntag, 10. November 2013, 10:54 Uhr

Eine schwäbische Hausfrau ist nicht an den Verhandlungen zur großen Koalition dabei – wohl aber der Sohn einer schwäbischen Hausfrau. Ich spreche von Wolfgang Schäuble und er ist auch noch für Finanzen zuständig.

Allerdings hat dieser Wolfgang Schäuble zahlreiche Kinder (Politiker) um sich geschart und Diese möchten, dass viele andere Kinder (Wähler) noch sehr lange mit Ihnen spielen. Als Kinder halfen da Süßigkeiten und die waren nicht allzu teuer. Die Geschenke an die großen Kinder – also an uns alle sind viel größer und teurer. Und noch ein Unterschied besteht zur Schokolade von Damals: die Geschenke von Heute müssen wir irgendwann hinterher selber bezahlen.

29) karel, Sonntag, 10. November 2013, 13:12 Uhr

Die schwäbische Hausfrau sparte weniger für das Alter.
eher für die Bildung ihrer Kinder.
Heute wird gespart für die “Götter der Finanzen”.

30) kleinErna, Sonntag, 10. November 2013, 14:23 Uhr

@Erika
Bravo liebe Erika, da bin ich voll bei Ihnen!

Darüber hinaus geht mir das Gelaber über die große Koalition mittlerweile ziemlich auf die Nerven, denn, es wird eine solche große Koalition nicht geben (Wetten, dass…?),
– nicht geben, weil es nicht angehen kann, dass jedwede K-Vereinbarung nur unter Finanzierungsvorbehalt vereinbart wird (wie schon bei schwarz-gelb) und
– nicht geben, weil die SPD-Vorturner in selbstzerstörerischer, aber demokratischer Absicht das Ganze einer abschließenden Mitgliederbefragung / -Entscheidung unterworfen haben.

Es ist nämlich schon lange nicht mehr so, wie Wolfgang Schäuble noch an diesem Wochenende in seiner schwäbischen Heimat getönt hat, dass “sich die Mehrheit der Deutschen eine große Koalition wünscht”. Das ist längst vorbei seit man zusehen kann, auf welch “bescheidenes” Niveau die Kompromisse der Verhandler hinaus laufen. Dem kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den die ursprünglich großkotzig hochgelobten Wahlversprechen beider Seiten herunter geschraubt werden, wird die SPD-Basis niemals zustimmen, egal wie auch immer Gabriel, Nahles & Co ihre Schäfchen um Zustimmung anwinseln werden.
Die, die eine große Koalition wollen, sind ausschließlich Unions-Anhänger (schon nicht unbedingt mehr die CDU/CSU-Wähler) und ganz bestimmt keine SPD-Basis-Mitglieder (und schon gar nicht bei diesen ausgesprochen blassen und schwachen Verhandlungsergebnissen!).

Ich bin davon überzeugt, dass auch die Mehrzahl der Unions-Mitglieder, würden sie ebenfalls vor Abschluss befragt, der nun zu erwartenden Koalitionsvereinbarung nicht zustimmen würden. Nur, einer solchen “Pleite” wollten sich die CDU/CSU-Granden erst gar nicht aussetzen.

Wem nutzt eine Koalition/Regierung, wie sie sich aus den jetzt schön langsam absehbaren Verhandlungsergebnissen herauskristallisiert (und man weiß ja auch noch gar nicht, welche Minister, nach welchem Proporz und mit welcher “Eignung” das dann umsetzen sollen; da haben wir zuletzt ja besonders schlechte Erfahrungen mit “Merkels Händchen” gemacht)? Sicher nicht der Mehrheit der Bürger dieses Landes!

Es ist an der Zeit, über eine Minderheitsregierung von CDU und CSU nachzudenken (rot-rot-grün halte ich derzeit auch nicht für sinnvoll!), die bei vernünftiger Politik in vielen Bereichen auch mit nötigen Mehrheiten aus den Oppositionsparteien rechnen könnten. Ich glaube allerdings, dass die beiden C-Parteien zu feige sein werden, dieses Wagnis einzugehen und daher wird, nach verweigerter Zustimmung der SPD-Basis, letztlich Alles auf Neuwahlen hinauslaufen, deren Ergebnisse für keine Partei (!) derzeit abschätzbar sind.

Es wird also wohl nichts mit einer neuen Regierung, oder Aussicht auf eine solche zum Jahreswechsel und Merkel und Seehofer haben sich zu früh gefreut über ihr grandioses, aber sicher nicht mehr wiederholbares Wahlergebnis in diesem Jahr. Wer weiß, wozu das Alles gut ist?

31) Bernhard Paul, Montag, 11. November 2013, 20:39 Uhr

@26 Doktor Hong

Stefan P hat unter #27 bereits geantwortet. Sparer werden in jedem Fall ärmer, aber nicht nur die. Die Wirtschaft insgesamt schrumpft bei einer Deflation, Löhne, Gehälter, Umsätze, Investitionen sinken, weil insbesondere auch – trotz fallender Preise – Konsumzurückhaltung einsetzt, so paradox das klingt. Verbraucher verschieben ihre Käufe in der Erwartung auf weiter fallende Preise immer noch weiter. Dieses Phänomen hatten wir in der Weltwirtschaftskrise Anfang der Dreißiger.

32) mfk, Mittwoch, 13. November 2013, 00:34 Uhr

” nicht existierenden – “Supergrundrechtes Sicherheit” ist
http://www.fotocommunity.de/fotografin/mf-k/1962445
von in den Arbeiten “sie hören mit” und “abgehört”
dargestellt.

33) uwekarlheinzweber, Mittwoch, 13. November 2013, 13:18 Uhr

Find ich einfach super gut was SprengKraft schreibt

34) Freethinx13, Donnerstag, 14. November 2013, 17:55 Uhr

Nicht einmal im übertragenen Sinne konnte, kann und könnte ich Angela Merkel als schwäbische Hausfrau bezeichnen. Niemals. Never.

Der Spreng hat Nerven! Hat der Nerven! Kommen Sie nochmal ins Ländle!

Unabhängig davon: Sparen wird so bei uns in Schwaben gemacht. Sparen heißt ja auch etwas was man übrig hat, auf die Seite legen. Damit man sich in Notzeiten oder wenn`s besonders viel ist, auch mal etwas Gutes leisten kann. Aber in Berlin versteht man sparen eben so, das wie der Spreng schreibt, erstmal die Wünsche geäußert werden und dann ob`s Geld reicht. Verdammte Eintopfpolitik.

Also Meister Spreng: Gut gebrüllt, aber keine schwäbischen Vergleiche mehr bitte.

Grüßle ausm Ländle

35) Klimsch, Freitag, 15. November 2013, 10:38 Uhr

Treffende Beurteilung des Innenminister-Versuchs Friedrich.

36) Rapunzel, Samstag, 16. November 2013, 18:28 Uhr

Die (unglaubwürdige) Inszenierung der “schwäbische Hausfrau Angela Merkel soll wohl von Ihrer SED Vergangenheit und Ihrer eigentlich vorhandenen Neigung zum autokratischen Überwachungsstaat ablenken. Bezogen auf die Koalitionsverhandlungen muss man (außerhalb Berlins, wo man noch denkt, bevor man schreibt) feststellen: Selbst die Positionen innerhalb der Union sind nicht geklärt. Wenn CDU und CSU wie bei Maut und Volksabstimmung auf gegensätzlichen Positionen verharren, dann steht zur Frage ob die Union generell regierungsfähig ist. Wer mit den Enteignern und Spitzel- und Steuerhinterzieherfreunden der Union koaliert sitzt eben im selben Boot. Selbst innerhalb der SPD hat sich dies unterdessen herumgesprochen (siehe die schlechten Ergebnisse auf dem Parteitag der SPD, für alle, die für die GroKo werben). Man sollte sich nicht leichtfertig mit den rechtsideologische verqueren Wertevernichtern der Union einlassen.

37) Doktor Hong, Sonntag, 17. November 2013, 15:08 Uhr

@27) StefanP

Ich bin mir nicht sicher, was Sie unter realem Wert verstehen.

Angenommen, ein Brötchen kostet 30 Cent. Dann kriegen Sie für 10 Euro 33 Brötchen. Sei nun die durchschnittliche Inflationsrate 2% und der Zins 3% auf langfristige Anlagen. Dann kostet das Brötchen nach 20 Jahren gerundet 45 Cent. In der gleichen Zeit wächst Ihr Vermögen von 10 Euro auf 18,06 Euro. Für dieses Geld bekommen Sie knapp 40 Brötchen.

Angenommen, man habe 0.5% Zinsen und 0.5% Deflation im Jahr (gleicher Zinsabstand). Dann kostet das Brötchen nach 20 Jahren 27 Cent und aus den 10 Euro sind bescheidene 11,05 Euro geworden. Für dieses Geld bekommt man dann 41 Brötchen.

Ich sehe nicht, wo hier der reale Wertverlust ist. Für weniger Geld bekommen Sie die gleiche Gütermenge, also ist es schwierig zu sehen, wo der reale Wertverlust sein soll.

Deflation heißt ja Schrumpfung der Geldmenge. Also wird Geld im Vergleich zu Gütern knapper, also wertvoller.

Und warum sparen die Menschen? Vielleicht, weil sie das Geld später konsumieren wollen? Sei es, um eine Immobilie zu erwerben, sei es, im Alter Rücklagen zu haben, oder es zu vererben. Kein Mensch spart doch, um nicht hinterher zu konsumieren. Dann kann man direkt auf das überflüssige Einkommen verzichten, da es niemals abgerufen wird, also sinnlos ist.

@ 31) Bernhard Paul

Das ist kein Paradox, sondern allgemein bekannt. Beantwortet leider nicht die Frage, warum in der Deflation ausgerechnet diejenigen angeschmiert sein sollen, die Geld haben.

Ich wollte auf etwas anderes hinaus. Ich dachte, vielleicht kommen Sie ja von selber darauf. Betrachten Sie doch einmal den Fall (z.B. wie 1929), wo jemand auf Kredit Aktien kauft, weil Aktien ja für immer und ewig steigen. Plötzlich verfallen die Aktienkurse, aber nominal ist derjenige genauso hoch verschuldet wie vorher, und das bei einer Geldaufwertung.

Betrachten Sie den Fall, das jemand überteuert eine Immobilie kauft, weil er aufgrund der aktuellen niedrigen Zinsen mehr aufnehmen kann. Dann setzt ein Preisverfall ein; sein Kredit wird unterbesichert. Nominal schuldet er der Bank aber genauso viel wie vorher. In den meisten Kreditverträgen kann die Bank Nachschüsse verlangen, um den Preisverfall auszugleichen. Was, wenn der Schuldner dieses Geld nicht hat?

Er kann auch nicht auf Zeit spielen, denn in der Deflation sinken die Preise, so auch Vermögenspreise. Schauen Sie mal in die USA oder Spanien, und vergleichen Sie die Immobilienpreise 2007 mit denen von heute.

In der Deflation besonders angeschmiert sind folglich nicht die Sparer, sondern die Schuldner. Es sei denn, Sie steuern schlüssige Argumente bei, die mich vom Gegenteil überzeugen.

Gut, wenn die Titanic absäuft, dann geht’s allen Decksebenen an den Kragen. Das wäre in einer Deflation der Fall.

38) Humankapital, Montag, 18. November 2013, 05:24 Uhr

Bei all den Wünschen unter Finanzierungsvorbehalt (diese müssen eben so hingenommen werden) ist für mich nun interessant wie die Prioritäten gesetzt sind. Was wird in jedem Fall umgesetzt und was wird hinten angestellt? Als SPD-Mitglied, als das ich am Ende über eine Koalition abstimmen kann. wäre dies nun mit ausschlaggebend. Ohne eine Antwort darauf kann ich mir keine Meinung bilden und werde in diesem Fall sicher dagegen stimmen.

39) brinki, Montag, 18. November 2013, 08:38 Uhr

Hallo Herr Spreng ,
wenn es zum Mindestlohn kommen sollte , fallen doch eine Menge Aufstockungen weg.Wird dadurch nicht eine ganze Menge Geld frei , um zumindest einen Teil der Wahlversprechen zu bezahlen?
Vielleicht stelle ich mir das auch zu einfach vor, aber mich nervt schon lange , daß ein Teil der Arbeitgeber ihre Gewinne damit puschen , weil sie ihre Arbeinehmer zur Arge und in die Aufstockung schicken.

40) StefanP, Montag, 18. November 2013, 09:13 Uhr

@39) brinki

Wenn es zum Mindestlohn kommen sollte , fallen doch eine Menge Aufstockungen weg.

Hier gehen Sie den Wahlkämpfern auf den Leim. Ein Mindestlohn von 8,50 EUR ändert an der Zahl der Aufstocker (fast) gar nichts, hat das DIW in Berlin bei Analyse der umfangreichen Haushaltsdaten herausgefunden:

Auch die Anzahl der sogenannten Aufstocker, also jener Personen, die neben einem Erwerbseinkommen Arbeitslosengeld II beziehen, würde sich nach Einschätzung der Experten nicht wesentlich ändern. „Die allermeisten Aufstocker arbeiten verkürzt, und ihr Lohneinkommen wird mit den Sozialleistungen verrechnet. Ein höherer Lohn wird an ihrer Lage nichts ändern. Diese Aufstocker haben kein Einkommens-, sondern ein Unterbeschäftigungsproblem.“

Eine Auswertung der SOEP-Daten zeigte, dass die rund 280.000 Aufstocker mit einer Vollzeitstelle meist Sozialleistungen beziehen, weil größere Haushalte zu versorgen sind, nicht weil sie sehr niedrige Stundenlöhne erhalten. Im Durchschnitt verdienen die Aufstocker 8,66 Euro pro Stunde, nur bei der Hälfte sind es 7,85 Euro oder weniger.

Folglich wird kein Geld frei, folglich werden Gewinne nicht “gepusht”.

41) StefanP, Montag, 18. November 2013, 13:15 Uhr

@37) Doktor Hong

Eine Deflation führt zum Geldhorten, weil die Menschen in Erwartung sinkender Preise Ausgaben zurückhalten. Soweit sind wir uns einig. Doch schauen wir auf die momentane Situation, wovon die meisten Beobachter und auch die EZB davon ausgehen, dass sie länger anhalten wird. Dabei vernachlässigen wir im ersten Schritt die Aspekte, die bei Ihnen untergegangen sind.

Eine 10-jähige Bundesanleihe erbringt dieses Jahr 1,7%, die Preisentwicklung lag im Oktober 2013 ohne Berücksichtigung der Preise für Mineralöl ebenfalls bei 1,7%. Das bedeutet, ein sicherheitsbewusster Anleger bekommt derzeit bestenfalls den Werterhalt seines Kapitals. Nicht berücksichtigt sind in dieser Rechnung Prämien für Risikoübernahme, für den Verleih sowie Nebenkosten des Kapitals wie Kontoführungsgebühren, Auskunftskosten, Kosten des Erwerbs etc.

Sie haben darüber hinaus eine Rechnung vor Steuern aufgemacht. Die Zinsen sind mit 26,38% (Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag) zu versteuern, mithin verbleiben nach Steuern 1,25% Zinsertrag – wie gesagt, ohne Risikoprämie und Nebenkosten. Vergleichen Sie das nun mit der Inflationsrate, wird klar, dass Sparen heute keine Option ist. Folgerichtig sinkt die Sparquote, was wiederum verhängnisvoll ist für eine kapitalintensive Wirtschaft und eine rapide alternde Gesellschaft.

Mit Ihren weiteren Ausführung zeigen Sie darüber hinaus, wie problematisch die seit der Finanzkrise anhaltende Geldpolitik der führenden Notenbanken ist. Preise, Erwartungen und Risiken werden völlig verzerrt und damit ein globales Ungleichgewicht in Finanzwirtschaft, bei Investitionen und Konsum erzeugt.

42) Doktor Hong, Dienstag, 19. November 2013, 19:52 Uhr

@41) StefanP

D’accord. Ich hatte auch keineswegs vor, die Gefahren einer Deflation schönzureden.

Letztendlich sind Sparer Gläubiger, und z.B. Lebensversicherer auch Schuldner. In einer Deflation kommen Schuldner unter die Räder.

Am Ende erwischt es mit hoher Wahrscheinlichkeit eben auch den Sparer, wenn sein Schuldner in der Deflation absäuft. Dann zahlt der Gläubiger die Schulden, indem er abschreiben muss, weil seine Forderung uneinbringlich geworden ist.

(Übrigens einer der Gründe, warum ich die massiven Exportüberschüsse Deutschlands durchaus kritisch sehe. Was bitte schön sind Guthaben wert, die nicht eingelöst werden können?)

Auf den Staat brauchen wir nicht mehr hoffen, denn dieser ist bereits jetzt über beide Ohren verschuldet.

Ich sehe im Augenblick nicht, wie das alles ein gutes Ende nehmen wird, aber bekanntlich sind Vorhersagen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Insofern hoffe ich, dass ich falsch liege.

P.S. Über die Deflationsgefahr habe ich bereits 2011 an dieser Stelle geschrieben.

Wir brauchen uns keinen wohligen Illusionen hingeben. Trotz diverser Bear Market Rallys, die den einen oder anderen Kommentator oder Politiker aufjubeln lassen, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die Wirtschaft voll in die deflationäre Wand hineinkrachen wird. Die Schuldengebirge, die sich aufgetürmt haben, sind inzwischen einfach zu riesig. Sie können nicht mehr bezahlt werden.

Doktor Hong, Dienstag, 25. Oktober 2011, 00:05 Uhr

43) StefanP, Mittwoch, 20. November 2013, 10:28 Uhr

@42) Doktor Hong

In einer deflationären Wirtschaft wird nicht gespart, womit auch die Investitionsquote gegen Null tendiert (unter ökonomischen Gleichgewichtsbedingungen). Wenn der Staat dann noch Kapitalanleger – und das sind Kapitallebensversicherer – eine Mindestverzinsung vorschreibt, gleichzeitig jedoch über ihr Anlageverhalten bestimmt, fährt der Staat mit seiner Regelsetzung Märkte und – schlimmer – die Vermögen seiner Bürger an die Wand. Das ist z.B. ein Beleg, dass der Staat zwar Regeln setzen sollte, sich aber zwingend aus der Preisbildung am Markt heraushalten sollte.

Übrigens einer der Gründe, warum ich die massiven Exportüberschüsse Deutschlands durchaus kritisch sehe. Was bitte schön sind Guthaben wert, die nicht eingelöst werden können?

Das ist eine etwas naive Vorstellung, die leider sehr verbreitet ist. Wenn ein Schuldner ausfällig wird, beliefert ein Unternehmen ihn nicht mehr. Kundenforderungen haben i.d.R. eine sehr kurze Laufzeit. Dubiose Forderungen sind zügig und schnell abzuwerten und erhöhen nicht das Vermögen. Das ist eigentlich ein einfacher wirtschaftlicher Zusammenhang, der in linken Blogs leider nicht verstanden wird. Man sollte öfter Hans-Werner Sinn lesen oder sich mit Wirtschaftsstatistiken beschäftigen.

Tatsächlich geht ein Handelsbilanzüberschuss mit einem Defizit in der Kapitalbilanz einher. Das exportstarke Land exportiert auch (Finanz-) Kapital. Was die Griechen allerdings deutschen Unternehmen gezahlt haben, wurde selten wieder in Athen angelegt, sondern wanderte beispielsweise in den amerikanischen Immobilienmarkt. Oder in den Aufbau eines chinesischen Joint Ventures. Genau kann das niemand sagen, auch wenn das manche behaupten.

Ein florierender Handelsaustausch führt also auch zu großen Kapitalverschiebungen.

44) Doktor Hong, Freitag, 22. November 2013, 23:11 Uhr

@43) StefanP

Ironischerweise ist es ja gerade Hans-Werner Sinn, der auf die Target2-Problematik hinweist.

Entweder haben Sie das Geld durch Exporte vorher verdient, mit dem Sie Importe bezahlen, oder Sie leihen es sich.

Aus der Firmensicht mag ja alles paletti sein. Aber irgendwo müssen die Defizite, die ein exportschwaches Land fährt, ja auflaufen. Oder löst sich alles etwa in Wohlgefallen auf? In diesem Falle sind es Forderungen der Bundesbank gegen die EZB. Vereinfacht gesagt finanziert die Bundesbank den deutschen Exportboom mit Krediten.

Übrigens steuern die Banken die Geldmenge, und nicht die Firmen. Wie erklären Sie sich eigentlich, dass die Geldmenge wieder schrumpfen kann, was in einer Deflation der Fall ist?

45) Doktor Hong, Freitag, 22. November 2013, 23:30 Uhr

@43) StefanP

Übrigens: In den linken Blogs wird behauptet, dass eine überbordende Verschuldung kein Problem sei, weil ja auf der anderen Seite gleich hohe Guthaben stünden.

Genau das behaupte ich eben nicht.

46) StefanP, Samstag, 23. November 2013, 09:25 Uhr

@44) Doktor Hong

Klar, Hans-Werner Sinn hat schon in seinem Klassiker “Die Basar-Ökonomie” ganz zu Beginn vorangestellt, dass durch Exportüberschüsse auch Kapital exportiert würde. Und dies zu einer Zeit, als Gewerkschafter mit Blick auf eben diese Exportüberschüsse in einer Konjunkturkrise nach höheren Löhnen riefen.

Entweder haben Sie das Geld durch Exporte vorher verdient, mit dem Sie Importe bezahlen, oder Sie leihen es sich.

Nein. Es gibt noch eine dritte Alternative. Wenn Sie in Ihrem Geschichtswissen kramen und ein bisschen nachdenken, kommen Sie selber drauf. Als Japan in den 1970er und 1980er Jahren große Exportüberschüsse, gerade in die USA und nach GB, fuhr, was beherrschte damals die angelsächsischen Gazetten? Die Angst, dass Nippons Unternehmen das Land aufkaufen. Was tritt in Schwellenländern meist auf? Ein hoher Kapitalimport, der das inländische Wachstum treibt. Wie ist das, wenn Daimler die M-Klasse gleich in Vance bei Tuscaloosa bauen lässt statt in Stuttgart-Möhringen? Es findet immer ein Kapitalexport mit Erwerb (oder Aufbau) von Vermögenswerten in den Defizitländern statt. Das passiert, soweit die Investitionsbedingungen attraktiv sind, was für die europäischen Südländer nicht gilt. Außerdem verhindert die Regulierung der Handelsbilanzungleichgewichte über die Target2-Salden der Notenbanken eben, dass die Defizitländer ihre Importe mit eigenen Vermögenswerten bezahlen müssen. Sie begleichen sie mit Buchwerten.

Unterhalten Sie sich mal mit Logistikern globaler Konzerne wie DHL oder CEVA. In Bremen und Hamburg kommen Tag für Tag große Container-Schiffe aus Asien an, voll beladen mit billiger Ramschware. Die Schiffe für die Rückfahrt zu füllen ist manchmal gar nicht so leicht, als Fracht werden so manches Mal nur ein, zwei schwere Maschinen eines deutschen Mittelständlers geladen. Der Wert der Fracht auf dem Rückweg hat allerdings häufig einen weit höheren Wert als die vielen Container, die im Hamburger Hafen gelöscht wurden.

Wie erklären Sie sich eigentlich, dass die Geldmenge wieder schrumpfen kann, was in einer Deflation der Fall ist?

Tut sie ja nicht, schon allein deswegen, weil die Notenbanken bei Anzeichen einer Deflation mit der Druckerpresse antworten. Nur fließt das Geld dann nicht in den Wirtschaftskreislauf, sondern treibt die Kapitalanlagen. So florieren derzeit die Börsen in USA und Deutschland, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung hierfür keine Rechtfertigung liefern. Das Problem kommt dann, wenn die Konjunktur anzieht und die in Kapitalanlagen gehorteten Gelder in die Produktion fließen und den Konsum anheizen. Dann kommt es schnell auf allen betroffenen Märkten zu Verwerfungen und es werden falsche Preissignale gesandt. Wir scheinen vergessen zu haben, wozu der Preismechanismus da ist: Knappheiten und Dringlichkeiten zu signalisieren. Wir manipulieren nach politischen Opportunitäten.

Ich habe schon verstanden, dass Sie kein Hardcore-Linker sind. Sie selbst bezeichnen sich wahrscheinlich als links-liberal. Soweit ich Sie meine, spreche ich Sie direkt an, ansonsten lästere ich halt etwas ab. Etwas Spaß darf man ja beim Schreiben haben. 🙂

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder