Samstag, 14. Dezember 2013, 15:32 Uhr

Auf Willy Brandts Spuren

Das hat wahrscheinlich Sigmar Gabriel vor einem halben Jahr selbst nicht gedacht, dass er einmal als Willy Brandts Ur-Enkel dessen anspruchsvolles Motto „Mehr Demokratie wagen“ in die Tat umsetzen würde – mit dem ersten SPD-Mitgliederentscheid über einen Koalitionsvertrag. Es war auch weniger seine Absicht als das unvermeidliche Nebenprodukt eines riskanten Machtspieles.

Die SPD wurde zur „Beteiligungspartei“ (Gabriel), weil es nicht anders ging.

Denn es ging bei dem Mitgliederentscheid, wie so häufig in der Demokratie, in erster Linie um die Macht. Es ging um Gabriels Macht.

Gabriel musste einen möglichen Putschversuch von Hannelore Kraft und Olaf Scholz abwehren, die Parteiführung nach dem schlechten Wahlergebnis auf einen gemeinsamen Weg zwingen und den zu erwartenden Protest der Mitglieder kanalisieren. Deshalb ließ Gabriel, nachdem sich die Große Koalition abzeichnete, erst einen Parteikonvent und dann die Basis entscheiden.

Aus diesem Machtspiel ist jetzt eine große Erfolgsstory geworden: 71 Prozent Beteiligung, 76 Prozent Zustimmung. Die hohe Beteiligung beweist den Hunger der Basis nach Mitsprache. Sie will nicht mehr alles schlucken, was die da oben in den Hinterzimmern auskungeln, sondern selbst entscheiden.Wenn schon Große Koalition – dann als Entscheidung der Basis und nicht als Alleingang der Führung.

Damit setzt die SPD-Basis ein Zeichen, an dem die Führung künftig nicht mehr vorbeigehen kann. Es ist schwer vorstellbar, dass die Basis nicht auch über den Kanzlerkandidaten und das Wahlprogramm 2017 entscheiden wird. Die Uhr lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Und für die alte Tante SPD ist der Mitgliederentscheid eine Frischzellenkur, ein Modernitätsschub.

Und mehr innerparteiliche Demokratie, aus welchem Motiv auch immer, ist ansteckend für andere Parteien. Auch die CDU wird in den nächsten Jahren nicht mehr nur ein Merkel-Abnickverein sein können.

Für Sigmar Gabriel ist der Mitgliederentscheid ein ganz persönlicher Sieg. Aus „Siggi Pop“ wird ein Mann, der als Parteichef anfängt, in Willy Brandts übergroße Fußstapfen zu treten. Er hat das Risiko nicht gescheut und ist massiv gestärkt daraus hervorgegangen.

Auch erscheint die SPD dank des Mitgliederentscheids und der medialen Begleitmusik heute stärker als sie bei der Bundestagswahl vor drei Monaten abgeschnitten hat. Sie hat aus der Niederlage einen Sieg gemacht, wirkt kraftvoller und moderner als die CDU.

Mit ihrer Regierungspraxis muss die SPD jetzt beweisen, dass sie nicht nur ein Scheinriese ist.

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30 Kommentare

1) Frank Reichelt, Samstag, 14. Dezember 2013, 16:01 Uhr

Also auf einmal keine „Feigheit vor dem Parteifreund“, kein „inkonsequenter Mitgliederentscheid“, kein „übertaktieren“, keine „Widersprüchlichkeit“ von Sigmar Gabriel und der SPD-Führung? Kein „Verfangen in den Fallstricken seiner Taktik“ mehr?

Jetzt ist er also der Super-Siggi?

Manchmal sind ihre Volten wirklich atemberaubend! Sie könnten beim Zirkus anfangen, so schöne Salti können Sie schlagen!

2) Freddy Schlimm, Samstag, 14. Dezember 2013, 16:38 Uhr

Der nächste Kanzlerkandidat der SPD heißt Sigmar Gabriel. Ich befürchte, er wird auch der nächste Bundeskanzler werden.

3) Ekkehard von Weiher, Samstag, 14. Dezember 2013, 16:38 Uhr

FRISCHZELLENKUR :

Mehr Demokratie gewagt und gewonnen:
Die Partizipation der Basis – wie bei den Grünen –
macht eine verzagte SPD putzmunter ! Und demaskiert
damit die Schwarzen als altbackenen Kanzlerinnen-Wahlverein.

4) m.spreng, Samstag, 14. Dezember 2013, 17:02 Uhr

@ 1) Frank Reichelt

„Feigheit vor dem Parteifreund“ bezog sich darauf, dass Gabriel, unsicher wie der Mitgliederentscheid ausgeht, sich nicht traute, die Minister zu nennen.

5) P. Hitzek, Samstag, 14. Dezember 2013, 17:13 Uhr

Aus welchen Gründen dieser Mitgliederentscheid auch immer eingeführt wurde – dass es ihn gab, ist nicht nur ein positives Zeichen für innerparteiliche Demokratie, sondern steigert auch die Attraktivität von Parteien ganz grundsätzlich (bzw. zunächst die SPD). So können die Partizipationsmöglichkeiten eine Parteimitgliedschaft aufwerten. Laut Grundgesetz sind die Parteien schließlich die tragenden Akteure für den politischen Willensbildungsprozess. Sollte dies einen Trend in Gang setzen, kann man das eigentlich nur begrüßen, zumal die Parteiführungen sich bei ihren Entscheidungen noch enger mit der Basis abstimmen müssen und eine „Basta“-Politik damit künftig noch schwieriger zu legitimieren sein wird.

Davon kann sich die autoritätsgläubige Union eine Scheibe abschneiden (auch wenn sie wegen der aktuellen elektoralen Erfolge zunächst kaum Grund darin sehen mag).

6) karel, Samstag, 14. Dezember 2013, 17:49 Uhr

Erinnert mich so an :
„Der Herr badet gern lau“.

Führung sieht anders aus…….

7) Günter Springer, Samstag, 14. Dezember 2013, 17:57 Uhr

Mit ihrer Regierungspraxis muss die SPD jetzt beweisen, dass sie nicht nur ein Scheinriese ist.
Ihr letzter Satz Herr Spreng
.

Da habe ich so meine Zweifel, obwohl die SPD nun doch gestärkt in die Vollen gehen kann.
Ob sie es aber macht oder sich doch weich walken läßt, muß man abwarten.

Was so durchsickert an Preissteigerungen und vagen Absichtserklärungen, läßt
erhebliche Zweifel aufkommen.
Noch bedenklicher wird es. wenn man die Wahlaussagen beider Lager auf die Waage legt und wägt, was übrig geblieben ist.
Ich hoffe nur, daß nicht nur das zechebezahlende Wahlvolk übrig ist.

8) Sabine Zielke-Esser, Samstag, 14. Dezember 2013, 18:08 Uhr

Ist es wirklich sinnvoll über einen Vertrag abstimmen zu lassen? Das ging in Irland schon mal schief. Damals musste noch mal abgestimmt werden, bis den Politikern das Ergebnis passte. Ist es nicht eine subtile Form scheindemokratischer Erpressung: Vogel friss oder stirb? Und nur das, was ich Dir hinhalte, darfst Du fressen. Die SPD hat’s gefressen, sie wollte noch nicht sterben. Und über den Koalitionsvertrag decken wir ab jetzt den Mantel des Vergessens.

9) Baden-Baden, Samstag, 14. Dezember 2013, 18:37 Uhr

Das SPD-Bashing scheint allmählich wieder aus der Mode zu kommen.

Plötzlich gibt es wieder positivere Kommentare über die SPD.

Vielleicht werden auch die Kommentare der ZDF-JournalistiInnen (Schausten, Slomka, Walde, …) allmählich wieder fairer.

Wann wird die SPD wieder als das wahrgenommen, was sie schon immer war: Spiegelbild unserer oft zerrissenen, aber in den Grundwerten einigen, Gesellschaft

10) Marita, Samstag, 14. Dezember 2013, 18:44 Uhr

Flucht nach vorn, nennt man das. Eine Strategie, der ich schon (auch privat) immer sehr viel abgewinnen konnte.

11) Politikverdruss, Samstag, 14. Dezember 2013, 20:08 Uhr

Aus einer Niederlage einen Sieg machen. Das ist dem SPD-Vorsitzenden gut gelungen. Wer wagt, gewinnt!

Aus der 25-Prozent-Niederlage einer Volkspartei heraus ist es der SPD gelungen, einen „roten“ Koalitionsvertrag durchzusetzen, die stark schwankenden eigenen Parteimitglieder davon zu überzeugen und sich die Koalitionsvereinbarungen durch ein Mitgliedervotum legitimieren zu lassen.

Das nötigt Respekt ab. Man kann nur hoffen, dass die Genossen jetzt nicht abheben. Denn die Mühsal der Ebene kommt noch.

Und die Kanzlerin? Sie ordnet die eigenen Reihen. Pöbelnde Kanzleramtsminister will sie nicht mehr. Quax der (Drohnen-)Bruchpilot wird zwar nicht endgültig „abgeschossen“, muss aber zur Bewährung wieder ins „Innere“. Die bisher immer treue „Partei-Soldatin“ steigt zum Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt(IBuK) auf und wenn die „25-Prozent-Nahles“ schon avanciert, dann kann der 42-Prozent-Generalsekretär nicht unberücksichtigt bleiben.

“Die Politik ist ein Kampfplatz, auf dem das Ergebnis, das man erzielt, immer weit unter dem liegt, was man erreichen möchte.”(Tocqueville) Auch wenn die SPD das momentan vielleicht etwas anders sieht.

12) Frank Reichelt, Samstag, 14. Dezember 2013, 20:25 Uhr

@ 4, m.spreng

Glauben Sie, das Ergebnis wäre signifikant anders ausgefallen, wenn die SPD-Ministerriege vor dem Mitgliederentscheid bekannt gewesen wäre? Wieviele SPDler könnten wohl soviel gegen Frau Hendricks oder Herrn Maas haben, um deshalb mit „Nein“ zu stimmen? Die SPD ist eine Programmpartei und soll über Programme entscheiden, das hat sie getan.

Wie sehr Personalspekulationen die Debatte bestimmen, sehen wir doch seit gestern wieder am Beispiel von Frau von der Leyen. Erst war sie als designierte Gesundheitsministerin die Verliererin der Kabinettsbildung, dann wurde sie auf einmal ins Innenministerium geschickt, und nun ist sie als Verteidgungsministerin plötzlich wieder kanzlerabel.

Das ist doch alles absurd!

Sigmar Gabriel hat alles richtig gemacht, ob er deshalb gleich auf Willy Brandts Spuren wandelt, sei mal dahingestellt. Dessen politisches Schicksal möge ihm jedenfalls erspart bleiben!

13) Peter Christian Nowak, Samstag, 14. Dezember 2013, 21:25 Uhr

Gabriel mit Willy Brandt zu assoziieren halte ich für ausgesprochen gewagt. Und nicht nur ich, sondern 24% der „Nein-Sager“ auch – könnte ich mir denken.
Was mit „Mehr Demokratie wagen“ an Zustimmung geradezu geködert wurde, ist geradezu ein Missbrauch der staatspolitischen Intention eines der besten und wahrhaftigsten Staatsmänner, den die Bundesrepublik je hatte. Und daher hatte diese „Taktik der Angst vor den Mitgliedern“,der krachenden Minusstimmen wegen, für die SPD mit Brandt´s Überzeugungen wenig bis gar nichts zu tun.
Mutig und ehrlicher wäre es gewesen, letztlich die Koalition mit Grünen und Linken einzugehen, damit es wirklich zu einem Politikwechsel kommt.

Der kommt jetzt aber nicht.

Im Angesicht eines wirklichen Politikwechsels standen vielen Redakteuren die Schweißperlen auf der Stirn. Daher propagierten die allermeisten Medien die Große Koalition um genau diesen Politikwechsel zu verhindern.

Hat wunderbar geklappt.

Es hat sich alles das erfüllt, was ich hier auch schon vor einem Jahr geschrieben habe. Mich hat das Ergebnis überhaupt nicht überrascht!

14) Michael A. Nueckel, Samstag, 14. Dezember 2013, 22:06 Uhr

Ich kann mich noch an kritische Kommentare von Ihnen erinnern, wonach Gabriel anderen Genossen in der SPD den Vortritt für vorzeitig als verloren geglaubte Wahlen (2013) ließe, um sich rechtzeitig als SPD-Kanzlerkandidat für 2017 in Stellung zu bringen. So wie es aussieht, hat sich Gabriel (spätestens) am Wahlabend dazu entschieden, die Kanzlerschaft 2017 bereits ab dem 22.9.2013, 18 h engagiert anzugehen. Entsprechend ist das SPD-Kabinett eine Liste von Namenlosen.

Ach ja, wie hieß nochmal der SPD-Kanzlerkandidat 2013? Da war wohl ein Strohmann. Zuweilen brannte er ja auch lichterloh. Gezündelt hat wer? Mitunter hat er aber seine Rolle perfekter gespielt, als gemeinhin angenommen?

Dennoch muß Gabriel jetzt gut aufpassen, seinen Zenit nicht vorzeitig zu erreichen; 4 Jahre bis 2017 können eine verdammt lange Zeit werden. Im Grunde läuft für ihn -bei gleichzeitigem Risiko eines Frühstarts- die Kanzler(-kandidaten)-Bewährungsprobe ab jetzt. Wenn er da mal nicht nur verlieren kann …

Aus diesen Gründen sehe ich Gabriel auch noch nicht in Brandt´s Spuren. Brandt war Kanzler. Gabriel will da erst noch hin. Das ist heute allenfalls seichter Windschatten zu der Übergröße Brandt. Wie ich auch Ihre Theorie vom Putschversuch Kraft/Scholz nicht teile – das erscheint mir arg weit hergeholt. Da fehlen mir mindestens ein paar Grautöne, das ist nicht immer alles nur schwarz oder weiß.

15) yohak, Samstag, 14. Dezember 2013, 22:18 Uhr

Wieso soll der Mitgliederentscheid jetzt eine Zeichen setzen, nach dem künftig wichtige Entscheidungen ohne Mitgliederurabstimmung nicht mehr möglich sein sollen? Zur Erinnerung eine Tatsache, die anscheinend von vielen Politkommentatoren bereits vergessen wurde: Die aktuelle Mitgliederentscheid ist NICHT der erste Mitgliederentscheid der SPD. Vor ungefähr zwanzig Jahren wurde der Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 1994 in einer Urabstimmung unter den SPD-Mitgliedern bestimmt. Gewonnen hatte damals Scharping, gegen Schröder und Wiczorek-Zeul.
Dieser Mitgliederentscheid schaffte keineswegs einen Präzedenzfall, an dem man danach nicht mehr vorbeikam: Wie wir jetzt wissen, dauerte es ganz im Gegenteil danach fast 20 Jahren bis zum nächsten Mitgliederentscheid, Warum sollte das jetzt anders sein ?

16) M.M., Samstag, 14. Dezember 2013, 23:35 Uhr

Der Mitgliederentscheid, so scheint mir, hatte mindestens eine Doppelfunktion.
Er hat nicht allein die Position der Führungskader innerhalb der SPD abgesichert, sondern der Union quasi einen weiteren Verhandlungspartner in Form der SPD-Basis aufgezwungen. Da mit einem anonymen Kollektiv keine Kompromissvorschläge ausgearbeitet werden können, musste die Union sozialdemokratische Positionen weitergehend übernehmen, als es bei einer reinen Verhandlung zwischen Berufspolitikern bei den parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen geschehen wäre. So wurde der Einfluss der SPD-Basis auf die Unionsführung vermittelt-durch vermeintlliche Kompetenzabgabe der SPD-Führung.

17) Mende Tegen, Sonntag, 15. Dezember 2013, 01:21 Uhr

Wie Ihnen @Frank Reichelt schon im ersten Kommentar attestiert, sind Sie (mit vielen anderen) ein Meister der politischen Salti. Anders formuliert, dasselbe meinend: Sie bleiben sich einfach nur treu. Das ist ja an sich auch wertfrei betrachtet etwas Positives. Es macht allerdings vorhersagbar und speist sich aus immer demselben Reflex: das gönnerhafte Kopftätscheln bekommt der brave Junge oder das brave Mädchen immer dann von Ihnen, wenn Ihre persönliche politische Agenda im Hintergrund bedient wird (hier: zumindest das Zustandekommen der GroKo, auch wenn Ihnen schwarz/grün vielleicht noch besser gefallen hätte). Läuft es anders, gibt’s Haue. Dieses Muster wiederholt sich geradezu durch die Bank in allen Ihren Artikeln. Die jeweiligen Schauplätze und die Argumentationsebenen Ihrer Artikel können dabei oberflächlich betrachtet auch meilenweit entfernt vom eigentlichen Hintergrund Ihres persönlich gefärbten konservativen Weltbilds wirken, letztlich aber sind sie alle auf das alte, banale, wiewohl zutiefst menschliche Freund-Feind-Schema zurückzuführen. Was dann manchmal, oberflächlich gesehen, geradezu progressiv und mutig wirkt, reduziert sich bei einem zweiten Blick freilich wieder auf diese banale Ausgangssicht.

Aber: Das ist alles nur zu legitim! Sie sind nun auch wirklich nicht alleine mit diesem Schema! Im Gegenteil: Die linken (meines selbstverständlich inbegriffen) und liberalen Weltbilder konkurrieren heftig mit – und dabei wird es auch bleiben bis in Ferne Tage…

18) Frank Reichelt, Sonntag, 15. Dezember 2013, 08:35 Uhr

@ 17, Mende Tegen

Ich empfinde es ehrlich gesagt nicht als besonders angenehm, dass Sie mich bei anderen Diskussionen (fälschlicherweise) als neoliberal beschimpfen, mich aber nun als Kronzeugen in einem Beitrag benennen, wenn es in Ihre Argumantation passt.

Ich möchte Sie doch bitten, in Zukunft bei Ihren Kommentaren auf die Nennung meines Namens zu verzichten.

19) Joachim Habeck, Sonntag, 15. Dezember 2013, 09:46 Uhr

Lieber Herr Spreng

Ich habe Ihren Kommentar zu der Auseinandersetzung zwischen Frau Slomka und Herrn Gabriel vermisst. Fällt selbst bei Ihnen ein Fehler eines bekannten Journalisten unter das Schweigegebot? Leider ist es nun zu spät.

Schönen Tag
Joachim Habeck

20) Walther Gruschel, Sonntag, 15. Dezember 2013, 10:48 Uhr

Gabriels Problem ist aber nun mal, das er keine Mehrheit hat. Merkel wird ihm genau seinen Platz in der Ecke zuweisen und mit der Unionsmehrheit durchdrücken was SIE für richtig hält.
Ich glaube nicht, das die SPD sich mit ihren Wünschen da durchsetzen kann. Der Koalitionsvertrag ist das Papier nicht wert auf dem er geschrieben wurde.
Und der hoch fliegende Sigmar wird abstürzen.

21) Tobias Kliem, Sonntag, 15. Dezember 2013, 11:37 Uhr

Nicht vergessen, dass das drohende Mitgliedervotum die vielleicht stärkste Waffe der SPD in den Koalitionsverhandlungen war: „Ich würde hier ja gerne einen Kompromiss schließen, aber das machen die Mitglieder niemals mit“.

Daher im Nachhinein Respekt – kluger Schachzug von Gabriel.

22) rainer, Sonntag, 15. Dezember 2013, 11:41 Uhr

….wie will der Gabriel mit seinen kleinen Stiefelchen denn in den Spuren von Willy Brand noch eine Spur hinterlassen……

23) hartelino, Sonntag, 15. Dezember 2013, 11:50 Uhr

http://hartelino.wordpress.com/2013/12/14/interessantes-outing-der-spd/

24) riskro, Sonntag, 15. Dezember 2013, 12:15 Uhr

Nicht nur die Basis der SPD hat Hunger nach mehr Mitsprache.

Das gesamte Wahl-Volk hat Hunger nach mehr direkte Demokratie.

Die SPD-Mitglieder Beteiligung, war eine reine „innerparteiliche“ Angelegenheit.

Wünschenswert wäre es, wenn dass von der SPD innerparteiliche Verfahren nicht nur ansteckend für andere Parteien wäre, sondern in wichtigen Fällen den Wahl-Volk zugängig gemacht werden würde.

Als Nichtmitglied der SPD habe ich nichts von dieser reinen innerparteilich praktizierten Demokratie. Sie hat aber gravierende Auswirkungen auf das politische Geschehen in der BRD, was mich wiederum „unmittelbar“ betrifft.

Zur Vermeidung von Wiederholungen erlaube ich mir darauf hinweisen, dass im Vorfeld der Wahl von einer GroKo keine Rede war.
Deshalb wäre es ein Gewinn und Stärkung für unsere Demokratie und zwar im Sinne des „Grundgesetzes und nicht nur im Sinne von Parteienstatuten“ gewesen, wenn der Wähler gefragt worden wäre.
„Wenn schon abgestimmt wird, dann unter Beteiligung „ALLER“, die davon betroffen werden“.

Dass verstehe ich unter DEMOKRATIE.

Der Meinung von M.S. dass G. sich nicht getraut hat, die Minister zu benennen, kann ich mich nicht anschließen.
Dass war aus meiner Sicht richtig.
Man denke daran, was passierte, als die SPD auf Druck der Medien Steinbrück als Kanzlerkandidat benannt hatte. Es begann eine Suche nach Leichen, die Steinbrück im Keller haben könnte, die seines gleichen gesucht hat.
Die Medien hätten auch in diesen Fall kein gutes Haar an die potenziellen Kandidaten gelassen.

25) Erwin Gabriel, Sonntag, 15. Dezember 2013, 13:15 Uhr

Willy Brandt war ein richtig Großer, geprägt durch den aktiven Widerstand gegen das Nazi-Unrechtsregime, durch Flucht, durch Krieg, durch ein geteiltes Berlin, ein geteiltes Deutschland. Sigmar Gabriel ist eher geprägt durch die Versuche, Größe (bzw. Gerhard Schröder) zu simulieren. Der aktuelle SPD-Vorsitzende ist sicherlich in einigen Punkten sehr geschickt, aber keinesfalls „groß“. Was für ein peinlicher Vergleich.

Dazu bedeutet eine „gelungene“ Mitgliederbefragung nicht automatisch, dass jetzt in allen wichtigen Punkten immer so gehandelt werden muss, erst recht nicht in anderen Parteien. Genauso wenig bedeutet das Ergebnis der Abstimmung automatisch einen „Hunger der Basis nach Mitsprache“. EIn Teil der SPD wollte den Vorsitzenden einfach nicht hängen lassen, und ich kenne genug, die einfach nur wollen, dass das Theater aufhört, die keinen Bock auf Neuwahlen mit noch schlechterem Ergebnis haben, oder die nicht wieder von den Medien als Peinlichkeit und Politikverhinderer durch den Kakao gezogen werden wollten (wie wonnevoll Medien, auch der Sprengsatz, auf die SPD eindreschen wollen und können, ist ja – siehe Steinbrück – noch allen in bester Erinnerung).

Ein jeder, auch Sie, Herr Spreng, weiß doch, was jetzt kommt: Man gibt hintenrum weiter Bürgschaften für die Eurorettung ab, während man nach vorne gegen die Südländer wettert; man redet viel von Maßnahmen zur Infrastruktur, während Deutschland weiterhin vergammelt; man wird bei gutem Wetter weiterhin unsere Nachbarländer dafür bezahlen, unseren Ökostrom-Überschuss aufzunehmen, während die EEG-Umlage steigt, die Haushalte belastet und zahlreiche Arbeitsplätze ins Ausland zwingt; man wird weiterhin offiziell die Banken beschimpfen, während man sie mit Billiggeld zum Zocken verleitet, und man wird Bankpleiten den Sparern anlasten, um die Steuerzahler „zu entlasten“ (das sind ja nicht die gleichen, stimmt’s); man wird alle Reformen zurückdrehen und im Namen der sozialen Gerechtigkeit zukünftige Generationen schröpfen; man wird es trotz enormer Steuereinnahmen nicht schaffen, die Staatsverschuldung zu drücken.

Und nach vier Jahren wird eine Frau Merkel, die das alles maßgeblich mit zu verantworten hat, sich hinstellen und sagen, dass der Geist zwar willig war, aber man Rücksicht auf einen Koalitionspartner zu nehmen hatte. „Hunger nach Mitbestimmung“? Bei solch einer Unterstellung fragen sich die meisten SPDler, was sie nun wieder angestellt haben, um so beleidigt zu werden.

Sie, Herr Spreng, kommentieren jedes Zucken am Lenkrad nach links oder rechts, jeden Beschleunigungs- oder Bremsvorgang. Aber auf welcher Straße wir fahren, zu welchem Ziel wir unterwegs sind, oder ob die Route stimmt, wissen Sie auch nicht. Da lassen Sie dann lieber einen Sigmar Gabriel auf den Spuren Willy Brandts wandeln. Mehr als schade.

26) Klaus Klausen, Sonntag, 15. Dezember 2013, 16:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

ich finde Ihre Einlassungen immer sehr spannend. Sie halten sich konsequent nicht mit Inhalten auf, mit Programmen, mit politischen Gestaltungsmöglichkeiten. Sondern fokussieren konsequent auf die Personen, deren persönliche Agenden, Motive und taktische Züge.
Wenn ich Ihre Veröffentlichungen lese, erwische ich mich oft bei einem „ja, aber“. Aber es ist wahrscheinlich wirklich so: Wen interessiert schon Euro-krise, Inflation, Staatsschulden, Demographie, freiheitliche Grundrechte? Wen interessieren schon Inhalte?
Insofern – Danke für Ihre erfrischenden Perspektiven. Sehr pessimistisch und Kulturkritiker könnten meinen: zynisch. Aber wohl einfach nur realistisch.

27) Martin Schmitz, Sonntag, 15. Dezember 2013, 17:45 Uhr

Die BRD ist das Land der tausend Möglichkeiten und das ersieht man auch an den vielen Meinungsverschiedenheiten hier. Herr Spreng nennt Gabriel auf den Spuren von Herrn Brandt und Herr Albrecht Müller, der ja noch heute in der SPD ist, lehnt die GroKo mit Gabriel ab.
Gabriel hat diesen SChritt eigentlich nur getan, nicht weil er für das Volk etwas raus holen wollte, da ist nämlich bis jetzt gar nichts passiert, sondern weil er nur an sich dachte. Herr Spreng hat das einmal hier ganz deutlich aufgezeichnet. Gabriel hat sich immer im Hintergrund aufgehalten und gewartet, bis die beiden „Steine“ sich verbrannt haben. Steinbrück hat sich pulverisiert und Steinmeier ist durch Glücksache nach oben gekommen, was Gabriel aber nicht beabsichtigte, denn die beiden können nicht miteinander.
Gabriel hat Glück gehabt, dass die Mitglieder sich missbrauchen ließen. In vier Jahren werden wir es erleben, geht übrigens der CDU auch so, dass sich die SPD selbst geschadet hat.
Merkel wollten alle weg haben, jetzt hat man sich für diese Dame zum Steigbügelhalter demütigen lassen.

28) Don Corleone, Sonntag, 15. Dezember 2013, 18:12 Uhr

25) Erwin Gabriel, Sonntag, 15. Dezember 2013, 13:15 Uhr

„Und nach vier Jahren wird eine Frau Merkel, die das alles maßgeblich mit zu verantworten hat, sich hinstellen und sagen, dass der Geist zwar willig war, aber man Rücksicht auf einen Koalitionspartner zu nehmen hatte“, schreiben Sie.

Diese Prognose, angelehnt an das biblische „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41) hat was Wahres. Die respektlose Verballhornung aus Studententagen scheint mir aber näher an der Zukunft des „als Neuvermählte grüßenden“ Brautpaares Merkel & Gabriel zu liegen:

„Die Geiß ist willig, aber der Bock ist schwach.“ Herr Gabriel mag für ein paar Wochen oder Monate frohlocken, aber er sollte bedenken, dass noch jeder Bock, der als Gärtner, auch innerparteilich, in Angela Merkels Garten aufzutrumpfen versuchte, gnadenlos ins Tierheim verfrachtet wurde.

29) Mende Tegen, Montag, 16. Dezember 2013, 04:50 Uhr

18) Frank Reichelt

Soll natürlich nicht wieder vorkommen, lieber Herr Reichelt, verzeihen Sie! 🙂

Ich hatte mit Ihrem Namen einfach keine politische Haltung verbinden können und las nur etwas, das meine Zustimmung fand.. Mehr nicht. Dass ich Sie „beschimpft“ (!) haben soll, war und ist mir leider auch nicht bewusst.

Aber wie gesagt, kommt nicht wieder vor! Ich würde es mir umgekehrt natürlich auch verbitten, von einem gestandenen Neoliberalen zitiert zu werden! Soweit sind wir uns also absolut einig.

30) M.M., Mittwoch, 25. Dezember 2013, 01:36 Uhr

Ich frage mich wer unter M.M. hier schreibt, denn ich war es bei Kommentar 16) definitiv nicht. Frohe Weihnachten!

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