Freitag, 27. Dezember 2013, 13:26 Uhr

Wie gerecht ist die Große Koalition?

Friedlich geht das Jahr innenpolitisch zu Ende, aber einiges deutet darauf hin, dass das kommende Jahr für die Große Koalition weniger friedlich verlaufen wird. Grund dafür ist der in entscheidenden Punkten schlecht ausgehandelte Koalitionsvertrag. Es geht um die zwei heiligsten Kühe der SPD: den Mindestlohn und die Rente mit 63.

Das erste Scharmützel über die Interpretation des Vertrages lieferten sich Horst Seehofer und die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles. Der CSU-Chef ist wie auch die CDU der Meinung, der vereinbarte gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro könne nicht für Praktikanten und Rentner gelten. Andrea Nahles widersprach heftig und erklärte, beim Mindestlohn könne es keine Ausnahmen geben.

In der Sache hat der CSU-Chef recht. Die SPD hat als Begründung für den Mindestlohn immer gesagt, wer Vollzeit arbeite, müsse auch davon leben können. Richtig, aber gilt das auch für Rentner, die sich etwas hinzuverdienen? Und sollen Praktikanten wirklich 1.300 Euro im Monat bekommen? Ist es gerecht, wenn junge Leute, die erst einmal in einen Beruf hineinschnuppern, so viel verdienen wie Menschen, die eine Berufsausbildung haben, Vollzeit arbeiten und davon leben müssen?

Sollte das so kommen, wird es bald keine Praktikanten mehr geben. Zwischen ausbeuterischem Nulltarif für Praktikanten und Mindestlohn muss es einen Mittelweg geben.

Auch der nächste Streit in der Großen Koalition ist schon programmiert. Ursprünglich sollten, so die SPD, besonders schwer arbeitende Menschen nach 45 Beitragsjahren mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können. Steinmetze zum Beispiel. Inzwischen steht fest, dass jeder zweite Mann davon profitieren würde, denn diese Regelung soll – so die Interpretation der SPD – auch für Menschen gelten, die mehr als fünf Jahre arbeitslos waren. Alles Steinmetze?

Die Rente mit 67 war notwendig und wurde vom ehemaligen SPD-Chef Franz Müntefering unter Schmerzen durchgesetzt. Soll das vergeblich gewesen sein? Und bezahlen müssen es die jungen Leute, denen demnächst Beitragserhöhungen drohen. Ist das gerecht?

Viel Zündstoff für die Große Koalition. Es wird Zeit, dass das Gerechtigkeitsthema in vernünftigere Hände kommt.

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40 Kommentare

1) ElBarto, Freitag, 27. Dezember 2013, 14:07 Uhr

Zitat:“Ist es gerecht, wenn junge Leute, die erst einmal in einen Beruf hineinschnuppern, so viel verdienen wie Menschen, die eine Berufsausbildung haben, Vollzeit arbeiten und davon leben müssen?“

Die, die ein Ausbildung haben und schon länger in ihrem Beruf tätig sind, sollten und bekommen selbstverständlich mehr als den Mindestlohn. Wie kommen Sie darauf, dass jemand mit mehrjähriger Berufserfahrung und entsprechender Ausbildung nur den Mindestlohn bekommt? Ein Facharbeiter sollte für die lumpigen acht fuffzich gar nicht erst aufstehen.

2) Wilfried Haselberger, Freitag, 27. Dezember 2013, 16:56 Uhr

Sie sollten aufpassen,dass Sie Ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren.Wer einen Beruf schon einige Jahre ausübt hat mehr als 8.50.Für Praktikanten gibt es eine Sonderreglung.Sie sollten sich einfach die Mühe machen,den Koalitionsvertrag ganz zu lesen bevor Sie solche Komentare verfassen.

3) m.spreng, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:02 Uhr

@ 1) ElBarto

Schön wär`s. Fragen Sie zum Beispiel mal bei Friseurinnen nach.

4) m.spreng, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:11 Uhr

@ 2) Wilfried Haselberger

Wer im Glashaus sitzt… Laut SPON und mehreren anderen Berichten wurde eine Ausnahmeregelung für Praktikanten in der letzten Fassung des Koalitionsvertrages gestrichen. Andernfalls würde auch die Intervention von Seehofer keinen Sinn ergeben.

5) Hans- Jürgen Schroeder, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:42 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,
wie wär’s wenn wenigstens Sie sich mal in den >NachDenkSeitenPolitikWirtschaftnachzuplappernBild< verpflichtet?

6) Hans- Jürgen Schroeder, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:51 Uhr

Korrektur!
Sehr geehrter Herr Spreng,
wie war’s wenn wenigstens Sie sich mal in den >NachDenkSeitenSprüchePolitikWirtschaftMediennachzubetenBild< verpflichtet?
hjsbi-nrw

7) Hans- Jürgen Schroeder, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:54 Uhr

Wieso wird mein Kommentar bereits 2 x nicht ordnungsgemäß übermittelt?

8) Bernhard Paul, Freitag, 27. Dezember 2013, 19:12 Uhr

Spreng hat recht von der ersten bis zur letzten Zeile. Leider kommentieren hier schon wieder Parteipolitiker, von er einen wie von der anderen Seite, mit.

Was macht @ElBArto und @2 Wilfried Haselberger so sicher, dass nicht manches Unternehmen einen Teil seiner Belegschaft kündigt und neues Personal zum Mindestlohn einstellt?

9) CitizenK, Freitag, 27. Dezember 2013, 19:45 Uhr

Unter dieser Überschrift hätte ich nun wirklich ein anderes Statement erwartet:

Dass die GroKo jegliche Beteiligung der großen Vermögen an den anstehenden Aufgaben – vom Reparaturstau an Brücken und Unigebäuden bis zur Bekämpfung von Altersarmut – ausschließt, ist Herrn Spreng keine Zeile wert.

Dass die Weihnachtsgeschenke Kindern von Hartz-4-Empfängern angerechnet werden, berührt das Gerechtigkeitsempfinden von Herrn Spreng offenbar auch nicht.

10) Warendorfer, Samstag, 28. Dezember 2013, 08:47 Uhr

Moin,

vielleicht muss man beim Begriff „Praktikant“ auch mal differenzieren. Die Politik sollte das eh machen, dann kommt man auch schnell zu einem guten Kompromiss 🙂

Ein „Praktikum“ dient dazu, einen Beruf oder eine Tätigkeit kennenzulernen, sich beim Arbeitgeber mehr als nur „vorzustellen“ usw. – Dieses „Praktikum“ kann und darf nicht dem Mindestlohn unterliegen, das wäre extrem kontraproduktiv.

Und dann gibt es Praktika, die ohnehin gesetzlich geregelt sind, z. B. Vor- und Anerkennungspraktika bei Erziehern, Ärzten usw. Auch das darf man nicht mit dem Mindestlohn konterkarrieren.

Wenn ich aber täglich sehe, dass es in bestimmten „Modeberufen“ obligatorisch ist, erst einmal ein „Praktikumsjahr“ einzulegen, bevor man für einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz überhaupt in die engere Wahl kommt, dann ist das in höchstem Maße verwerflich. Leider aber gängige Praxis, z. B. in der Werbebranche, in den Medien oder „Traumberufen“ wie Pferdewirt oder Tierpfleger.
Da wird dann monatelang fleißig gehackelt ohne Rücksicht auf Arbeitszeiten, weil man ja für den Traumjob den berühmten Fuß in der Tür hat. Geht irgendwas schief, z. B. Arbeitsunfall, dann darf dafür mangels Sozialversicherung die Allgemeinheit aufkommen, weil der Praktikant ja meist völlig mittellos ist.

Und Ähnliches – man soll es angesichts des „Fachkräftemangels“ nicht glauben – gibt es auch bei Studienabsolventen, die sich nach dem Studium durch diverse Praktika hangeln, immer mit der Erwartung eines Arbeitsplatzes vor Augen.
Ich habe es selbst im Freundeskreis erlebt, dass eine große renommierte Kanzlei immer wieder Studienabsolventen ins „Jahrespraktikum“ genommen hat. Die haben sich dann in einer 70 bis 80 Stunden-Woche um den in jeder Kanzlei anfallenden Kleinkram gekümmert und den übrigen Anwälten das mühselige Tagesgeschäft vom Hals gehalten. Lohn der Mühe: Nach einem Jahr gab es neben einem warmen Händedruck eine „Empfehlung“ …

11) StefanP, Samstag, 28. Dezember 2013, 10:23 Uhr

Ganz offensichtlich befinden sich unter Ihren Forenteilnehmern keine nicht-deutschen Kommentatoren. Mit der uns eigenen Gründlichkeit wollen wir die Probleme der Welt in schriftlichen Vereinbarungen erschlagen. Der Leitkommentar bildet da nur den Anfang. Der Koalitionsvertrag sei schlecht verhandelt, wenn nicht klar definiert sei, wer von einem allgemeinen Mindestlohn zu erfassen sei. Entschuldigung: natürlich grundsätzlich jeder, deswegen heißt er ja so. Das Problem liegt doch nicht in einer Lohnuntergrenze an sich, sondern das, was damit erreicht werden soll.

Angelsachsen und Ost-Europäer kämen nie auf den Gedanken, ein Mindestlohngesetz mit einem hohen sozialpolitischen Erfordernis zu verknüpfen. Dort soll die gesetzliche Regelung allein vor exzessiver Ausbeutung schützen. Punkt. Aber ein Rentner wird nicht ausgebeutet, wenn er für 6 EUR Wachdienst schiebt.

Wir bejammern die Generation Praktikum, obwohl sie nur in wenigen Branchen auftaucht. Wir kämen gar nicht auf die Idee zu fragen, warum sich gut ausgebildete junge Menschen, die eigentlich rar sind, am Markt nicht mit hohen Löhnen durchsetzen können. Andere können es nämlich. In Berlin entstehen Tag für Tag neue Start-ups, deren Gründer hohe Kapitalbeträge aufreißen und damit junge Leute einstellen. Fakt ist aber auch, dass ein Großteil der heutigen Studenten bis zum Ende ihrer Ausbildung keinen Kontakt mit der Unternehmenswirklichkeit hat, mit Erhalt des Uni-Zertifikats aber meint, einen Anspruch auf einen überdurchschnittlichen Paycheck miterlöst zu haben. Anspruchsdenken allenthalben, das die Politik garantieren soll.

Ach so, dass der Steuerzahler auch Weihnachtsgeschenke bezahlen soll, darf natürlich in der Anspruchsauflistung nicht fehlen. Genauso, dass die Deutschen bitte vor den Konsequenzen zu bewahren seien, dass sie ihre Zeit, ihr Geld und ihre Möglichkeiten lieber in Social Events und Karriere investieren als dem natürlichsten nachzugehen: Kinder in die Welt zu setzen und gut zu erziehen. Nicht nur Weihnachten scheint mehr die Zeit zu sein, sich zu wünschen, sondern zu verlangen.

12) Hauschke No. 7, Samstag, 28. Dezember 2013, 11:20 Uhr

Arbeit sollte in jedem Fall wertvoll sein. Ausnahme sind natürlich destruktive Verrichtungen im Waffen- und Menschenhandel, Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln etc. Sie sollte wertvoll sein für den Betrieb, den Menschen, der sie leistet und die Gesellschaft. Materieller und ideeller Mehrwert inclusive. In den Einkommensgefielden von denen wir hier reden ist selbstverständlich nicht zu unterscheiden ob Jung oder Alt oder Mittel die Arbeit leistet. Das bedeutet Mindestlohn. Mindest kann nicht unterlaufen werden. Das was draufgesattelt wird, on top, das wird differenzierter gehandhabt. Ich bin seit 14 Jahren Betriebsratsvorsitzender und weiß, mit welcher Raffinesse sich unternehmerische Gier zeigen kann. Daher: 8,50€ ist das mindeste an Mindestlohn, ein Einstieg, bei hoffentlich ruhiger Preisspirale.

13) ElBarto, Samstag, 28. Dezember 2013, 11:22 Uhr

@3: Aha, jetzt müssen die Friseure wieder herhalten, um argumentativ Berufsanfängern und anderen Personengruppen den eh schon m. E. sehr niedrig angedachten Mindestlohn zu verwehren. Die größeren Baustellen werden da doch gleich lieber ausgeklammert und entsprechend in ihr Gegenteil verdreht. Dass das allgemeine Lohnniveau in vielen Berufsgruppen generell viel zu niedrig ist, dient dabei sogar noch als Argument gegen einen Mindestlohn.

Rentner, die sich was hinzu verdienen, werden wohl kaum in Vollzeit arbeiten…

@8: Gegenfrage: Was macht Sie so sicher, es würde tatsächlich so passieren?

14) Politikverdruss, Samstag, 28. Dezember 2013, 13:16 Uhr

Der Arbeitsmarkt ist ein „Markt“. Damit ist Arbeit in gewisser Weise eine „Ware“, die auch dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen ist. Ist eine „Ware“ zu teuer, wird sie nicht nachgefragt. Wenn dieser „Waren“-Preis also von einseitigen Interessen bestimmt wird, dürfte der Arbeitsmarkt aus dem Gleichgewicht geraten. Deshalb ist es gut, wenn sich sachkundige Tarifparteien (Arbeitgeber/Gewerkschaften) um einen ausbalancierten „Waren-Preis“ bemühen.

Eingriffe des nicht sachkundigen Staates in den Arbeitsmarkt dürften dagegen kaum zu ausbalancierten Lösungen führen. Ein flächendeckender Mindestlohn wird daher Arbeitsplätze vernichten. „Ein Mensch muss von seiner eigenen Hände Arbeit leben können“, wird da oft behauptet. Dabei wird verschwiegen, dass dies nur unter der Voraussetzung richtig ist, dass genau diese Arbeit nachgefragt wird. Und auch dann stimmt es nicht, weil auch unter der Belastung hoher Sozialabgaben ein auskömmliches „Leben“ oft nicht möglich ist.

Ebenfalls negativ sind die Auswirkungen einer solchen Politik auf die Wirtschafts- und Industriestrukturen des Landes: International aufgestellte Unternehmen verlagern einfach zu teure Arbeitsplätze ins Ausland. Ergebnis: Arbeitsplatzverluste. Der Mittelstand aber, der die meisten Arbeitsplätze generiert, kann die Produktion oftmals nicht ins Ausland verlagern. Zu teure Arbeit aber führt zu Produktionseinschränkungen. Ergebnis: Arbeitsplatzverluste.

Durch nicht sachkundige Eingriffe des Staates in den Arbeitsmarkt werden Arbeitsplätze vernichtet. Man kann nur hoffen, dass Frau Nahles sachkundig vorgeht. Und manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die mächtigen Lobbyisten der riesigen Sozialindustrie diametral entgegengesetzte Ziele verfolgen. Nach dem Motto: Jeder Bedürftige mehr sichert unsere Arbeitsplätze.

15) Schiller09, Samstag, 28. Dezember 2013, 13:47 Uhr

Zum ersten Kommentar von ElBarto: Wer glaut, ausgebildete Fachkräfte mit entsprechender Berufserfahrung bekämen in diesem Land eine Mindestlohn, der glaubt auch an die unbefleckte Empfängnis! Realität in diesem „schönen“ Land: Ich, mit Berufsabschluss und 10-jähriger Betriebszugehörigkeit arbeite für unter 7,- EUR brutto/Std. Das ist die traurige Wahrheit – und es setzt sich auch kein Betriebsrat für mich ein, den gibt es nämlich nicht und vom Tarifvertrag ganz zu schweigen – Tarif ist für meinen Chef ein Fremdwort…
Und: ich stehe für diesen Lohn 5x in der Woche (auch an Feiertagen) auf…

16) rundertischdgf, Samstag, 28. Dezember 2013, 14:43 Uhr

Wir werden sehen wie lange es die Union noch mitmacht, wenn die neue Familienministerin Schwesig linksextreme Aktivitäten fördert (mit unseren Steuergeldern) und fordert, wenn die angeben, gegen Rechts zu kämpfen. Und was rechts ist, das bestimmt diese Ministerin. Diese Person ist eine Anmaßung besonderer Güte, wenn sie ausgerechnet das Denunziantentum als Kampf für mehr Demokratie und Toleranz verkauft. Diese Frechheit ist in einem Interview mit dem Spiegel in dieser Woche nachzulesen.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/12/27/familienministerin-schwesig-auch-der-runde-tisch-dgf-erhalt-steuergelder-im-kampf-gegen-rechts/

17) StefanP, Samstag, 28. Dezember 2013, 16:32 Uhr

@15) Schiller09

Interessant ist, was Sie uns in Ihrem Kommentar alles nicht verraten.

Ich, mit Berufsabschluss und 10-jähriger Betriebszugehörigkeit arbeite für unter 7,- EUR brutto/Std.

Nach den reinen Angaben müssten Sie so Mitte 20 sein, wahrscheinlich liegt Ihr wahres Alter jedoch über 40. Es stellt sich die Frage, was dazwischen passiert ist. Möglicherweise lagen längere Phasen der Arbeitslosigkeit, doch wer über ein Jahr nicht in seinem angestammten Beruf gearbeitet hat, gilt nicht als Fachkraft. Sie arbeiten für einen Lohn, der ziemlich am Ende der Skala liegt, zumindest im Westen. Das bedeutet, in Ihrem Werdegang muss es einige Brüche gegeben haben, die äußerst schädlich für Ihre berufliche Attraktivität waren.

Sie scheinen Ihren Chef für keinen Menschenfreund zu halten, dennoch arbeiten Sie für ihn. Warum? Für 7 EUR finden Sie allemal eine Anstellung. Aber Ihnen ist Ihr Job so wichtig, dass Sie lieber für weniger als 7 EUR arbeiten als für einen Mindestlohn von 8,50 EUR arbeitslos zu sein. Was veranlasst Sie zu glauben, dass Ihr Chef Sie für so unentbehrlich hält, dass dieser Menschenfreund Ihnen, weil es das Gesetz fordert, eine Gehaltsaufstockung von über 20% zubilligt, wenn er es jetzt nicht tut? Er scheint Sie nicht für unentbehrlich zu halten, sonst würde er Sie besser vergüten.

Für Ihre Branche scheint ein Tariflohn zu gelten. Warum tun Sie eigentlich nicht das für Ihr Portemonnaie und Ihr Seelenheil Sinnvollste und wechseln die Stelle? Anschließend klagen Sie vor dem Arbeitsgericht auf vorenthaltenen Lohn, machen ein gutes Schnäppchen und sind zufriedener.

18) Marcel, Samstag, 28. Dezember 2013, 18:17 Uhr

Seht dazu doch gerne auch mal meinen Beitrag zum Zustandekommen der großen Koalition
Gruß
Marcel

http://cms.politpro.webnode.com/

19) Wilfried Haselberger, Samstag, 28. Dezember 2013, 18:18 Uhr

Wer einen Beruf erlernt hat und dann ein Pratikum beginnt bekommt den Mindestlohn(mindestens).Wer als Schüler oder Student ein Pratikum beginnt fällt nicht darunter.So einfach ist das.

20) Bernhard Paul, Samstag, 28. Dezember 2013, 22:10 Uhr

@ 13) ElBarto

…weil das in Unternehmenskreisen längst diskutiert wird, natürlich nicht öffentlich.

21) steffen, Sonntag, 29. Dezember 2013, 01:43 Uhr

Die frage nach Ausbidung etc. geht doch am Kern vorbei: Was wollen wir mit Mindestlohn denn erreichen? Jemand der Vollzeit arbeitet soll davon leben können. Sprich Miete zahlen, Kleidung und Essen kaufen und sich eben auch mal einen Kinobesuch oder Urlaub leisten. Ja das klingt polemisch, aber genauso einfach ist es IMHO. Und ja, Kino und Urlaub gehören zum Leben dazu, alles andere ist einfach nur überleben.
Je nach Wohngegend sind 400€ Warmmiete eine halbwegs realistische Geschichte. Wenn wir jetzt davon aussegehen, dass man nicht mehr als 30-40% seines Nettoeinkommens für Miete ausgeben soll, dann landen wir bei 1000-1200€ Nettoeinkommen. Bei 40h Arbeitszeit sind das dann zwischen 6-7,50€ netto pro Stunde. Alles andere ist schlicht induskutabel.
Und ja, natürlich gilt das für alle. Praktikanten, Rentner, Ungelernte. Gerade für die, die werden doch am ehesten ausgebeutet und das wollen wir doch verhindern.

22) M.M., Sonntag, 29. Dezember 2013, 02:24 Uhr

Frau Nahles scheint sich im Giesskannenprinzip beliebt machen zu wollen. Besonders bei den CDU-Rentnern.

@15)
Ich glaube Ihnen fast jedes Wort. Denn, Ich glaube an die unbefleckte Empfängnis!
Ich habe auch schon als ausgebildete Fachkraft mit Abschluss Note 1 für 3,76 Euro Stundenlohn am Sonntag bei der Inventur im Supermarkt „geholfen“. Zusätzlich bin ich Abiturient.
Als ich noch im Ausland für viel Geld beschäftigt war teilte mir mein Ex Arbeitgeber mit: Ein Abiturient sollte am besten bis zu seinem Lebensende weiterstudieren, dann wuerde er nie mitbekommen was am deutschen Arbeitsmarkt wirklich los ist.
Ich aber wollte es mitbekommen und schreibe Ihnen hier deshalb.
Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein guter Kerl!

23) Erwin Gabriel, Sonntag, 29. Dezember 2013, 04:40 Uhr

@ 12) Hauschke No. 7, Samstag, 28. Dezember 2013, 11:20 Uhr

>> Arbeit sollte in jedem Fall wertvoll sein. Ausnahme sind natürlich … etc
Zustimmung

>> Ich bin seit 14 Jahren Betriebsratsvorsitzender und weiß,
>> mit welcher Raffinesse sich unternehmerische Gier zeigen kann.
Das ist die eine Seite, die ich auch immer wieder sehe.
Die andere Seite: Ich erlebe seit 1976 (meinem Eintritt in das Berufsleben), dass, falls Unternehmen aus welchen Gründen auch immer in die Krise kommen, der Betriebsrat oft extrem schädlich für Unternehmen und Mitarbeiter agiert. Mir ist noch kein einziger Fall untergekommen, wo bei betriebsbedingten Kündigungen die Arbeitsleistung, der Wert der Arbeit, die einer leistet, berücksichtigt wurde. Es ging in jedem einzelnen Fall, den ich miterlebt habe, stets darum, die eigene Klientel zu schützen; die Cliquen, die den Betriebsrat wählten; die Kumpels aus den Sauf- und Kartenspielrunden, die Gewerkschaftsmitglieder. Da ist manch überaus faule Socke im Amt verblieben, während die Leistungsträger an den Maschinen und in den Büros ins Gras bissen.

24) mambo, Sonntag, 29. Dezember 2013, 09:54 Uhr

solange ein herr christian wulff ,bekanntlich gesund und voll arbeitsfähig,fürs nichtstun
lebenslänglich ein jährliches mindesteinkommen von 220 000 euro bekommt ,
erübrigen sich alle debatten über mindestlohn und rentenniveau.

25) Anicea, Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:26 Uhr

@ politikverdruss

„Durch nicht sachkundige Eingriffe des Staates in den Arbeitsmarkt werden Arbeitsplätze vernichtet.“

Fast richtig. Durch eben diese Eingriffe wurde erst die Situation geschaffen, die zum Ruf nach Mindestlöhnen führte.
Mit der Aufweichung der Zumutbarkeitskiterien und der verschärften Sanktionspraxis kann man von MARKT, wie Sie ihn beschreiben, nicht mehr reden.

„Wenn dieser „Waren“-Preis also von einseitigen Interessen bestimmt wird, dürfte der Arbeitsmarkt aus dem Gleichgewicht geraten.“

Eben! Bislang war es unverfroren das sehr einseitige Interesse der Wirtschaft. Diese zaghaften Versuche, da ein wenig gerade zu rücken, bringt den „Siegeswagen der Nation“ zum stehen?
Noch dazu, wo doch interessierte Kreise gerade nicht fertig wird mit der Schwärmerei bezüglich all der vielen geschaffenen Arbeitsplätze auf Grund eben jenes Eingriffes in den so geliebten MARKT der Ware menschliche Arbeitskraft.

Lernen wir daraus, daß nur Eingriffe in den Arbeitsmarkt sachkundig sind, die der Wirtschaft dient?
Wieviel Markt gönnen sich Anwälte, Ärtzte, Apotheker mit ihren festgeschriebenen Gebühren, die sie fast von jeglichem Wettbewerb befreit?

Als ob es irgendjemandem in dieser Debatte um Arbeitsplätze ginge…
Es geht um Pfründe, Profite und Marktmacht. Für die Mittelschicht um die Angst, das letzte bisschen Abgrenzung vom Pöbel zu verlieren. SO siehts aus.

26) Erika, Sonntag, 29. Dezember 2013, 14:10 Uhr

„Die Rente mit 67 war notwendig und wurde vom ehemaligen SPD-Chef Franz Müntefering unter Schmerzen durchgesetzt.“

Genau da sieht man den Unterschied. Die SPD hatte sich an die Vereinbarungen im Koaltionsvertrag gehalten. und hat gemeinsam vereinbarte Positionen umgesetzt (Rente mit 67 war ein Vorschlag von der CDU). Die Union dagegen – Merkel ist wie gewollt zur Kanzleriin gewählt, also kann man die Vereinbarungen wieder in Frage stellen. Jetzt wird es spannend. Was passiert, wenn entsprechende Gesetzesvorlagen von Frau Nahles gemacht werden?

Wer 45 Pflichtjahre hat und mit 63 Jahren in Rente geht, hat spätestens mit 18 Jahren angefangen zu arbeiten. Diesen Menschen sollte man wirklich die Abschlagsfreie Rente gönnen. Arbeitslosigkeit führt meines Wissens nicht zur überhöhten Rentenansprüchen. Da gäbe es durchaus andere Gerechtigkeitslücken zu schließen. Das Gerechtigkeitsproblem besteht nicht zwischen jung und alt sondern zwischen arm und reich.

27) Sozialauswahl, Sonntag, 29. Dezember 2013, 17:49 Uhr

@23: Zitat: der Betriebsrat oft extrem schädlich für Unternehmen und Mitarbeiter agiert. Mir ist noch kein einziger Fall untergekommen, wo bei betriebsbedingten Kündigungen die Arbeitsleistung, der Wert der Arbeit, die einer leistet, berücksichtigt wurde. Es ging in jedem einzelnen Fall, den ich miterlebt habe, stets darum, die eigene Klientel zu schützen; die Cliquen, die den Betriebsrat wählten; die Kumpels aus den Sauf- und Kartenspielrunden, die Gewerkschaftsmitglieder. Da ist manch überaus faule Socke im Amt verblieben, während die Leistungsträger an den Maschinen und in den Büros ins Gras bissen.

DAS IST KOMPLETTER MUMMPITZ!
Das Kündigungsschutzgesetz schreibt vor, wie die Auswahl vonstatten zu gehen hat, und jedes Unternehmen ist gut beraten, sich daran zu halten, will es nicht eine Flut von Kündigungsschutzklagen verlieren …

28) steffen, Montag, 30. Dezember 2013, 02:34 Uhr

@14 Das klingt alles sehr schön und logisch, entbehrt aber jeglicher Grundlage. Wenn das so wäre, dann müssten z.B. Länder wie Australien astronomische Arbeitslosenquoten haben. Australien hat den weltweit höhsten Mindestlohn mit über 13€ pro Stunde, aber seit über zehn Jahren eine Arbeitslosenquote um die 5%. Und deren Mindestlohn wurde in den letzten Jahren angehoben, nicht abgesenkt. Da müssen also andere Faktoren eine mindestens genauso große Rolle spielen. Pack bitte die BILD weg, hilft manchmal.

Und ich finde es sehr bedenklich, dass die Arbeit des Bankers laut „Markt“ mehr wert sein solle, als die Arbeit des Lehrers und der Krankenschwester… das sieht ein Großteil der Bevölkerung anders.

29) StefanP, Montag, 30. Dezember 2013, 10:34 Uhr

@28) Steffen

Da müssen also andere Faktoren eine mindestens genauso große Rolle spielen.

Stimmt. Nur machen Sie in Ihrer kurzen Argumentation gleich zwei grundsätzliche Fehler.

Australien hat den weltweit höchsten Mindestlohn mit über 13€ pro Stunde, aber seit über zehn Jahren eine Arbeitslosenquote um die 5%.

13€ von was? Der Wert muss in eine Relation gesetzt werden, um seine Höhe zu beurteilen. Wie viele Menschen sind überhaupt von einem Mindestlohn betroffen? In Australien kaum jemand, was auch mit dem vergleichsweise hohen Ausbildungsniveau zu tun hat. Deutschland hat dagegen einen sehr hohen Anteil an Geringqualifizierten. Zumindest setzt man die Mindestlohngröße aber in Beziehung zum Median- oder Durchschnittslohn. Hier liegt Australien keineswegs an der Spitze. Bezogen auf den Median beträgt der australische Mindestlohn 54% und in Relation auf den Durchschnittslohn 45%. Auf Deutschland gewendet entspräche das einer Größenordnung von so 6,50€ – 7,00€.

Australier bekommen ihren Lohn höchst selten in Euro ausbezahlt und ihre Handelspartner liegen größtenteils außerhalb des Euro-Währungsraums. Die Lohnuntergrenze liegt in Australien bei AUS-$16,88. Das sind zu heutigen Kursen gut 13€, vor 5 Jahren und vor der Finanzkrise bedeuteten das jedoch lediglich 9,50 EUR. Die Euro-Krise hat also die australische Wirtschaft aufgewertet oder verlangt, dass die Europäer ihre Ansprüche reduzieren müssen.

30) StefanP, Montag, 30. Dezember 2013, 10:36 Uhr

@28) Steffen

Da müssen also andere Faktoren eine mindestens genauso große Rolle spielen.

Stimmt. Nur machen Sie in Ihrer kurzen Argumentation gleich zwei grundsätzliche Fehler.

Australien hat den weltweit höchsten Mindestlohn mit über 13€ pro Stunde, aber seit über zehn Jahren eine Arbeitslosenquote um die 5%.

13€ von was? Der Wert muss in eine Relation gesetzt werden, um seine Höhe zu beurteilen. Wie viele Menschen sind überhaupt von einem Mindestlohn betroffen? In Australien kaum jemand, was auch mit dem vergleichsweise hohen Ausbildungsniveau zu tun hat. Deutschland hat dagegen einen sehr hohen Anteil an Geringqualifizierten. Zumindest setzt man die Mindestlohngröße aber in Beziehung zum Median- oder Durchschnittslohn. Hier liegt Australien keineswegs an der Spitze. Bezogen auf den Median beträgt der australische Mindestlohn 54% und in Relation auf den Durchschnittslohn 45%. Auf Deutschland gewendet entspräche das einer Größenordnung von so 6,50€ – 7,00€.

Australier bekommen ihren Lohn höchst selten in Euro ausbezahlt und ihre Handelspartner liegen größtenteils außerhalb des Euro-Währungsraums. Die Lohnuntergrenze liegt in Australien bei AUS-$16,88. Das sind zu heutigen Kursen gut 13€, vor 5 Jahren und vor der Finanzkrise bedeuteten das jedoch lediglich 9,50 EUR. Die Euro-Krise hat also die australische Wirtschaft aufgewertet oder verlangt, dass die Europäer ihre Ansprüche reduzieren müssen.

31) Erwin Gabriel, Montag, 30. Dezember 2013, 13:17 Uhr

@ 27) Sozialauswahl, Sonntag, 29. Dezember 2013, 17:49 Uhr

ich habe, wie geschrieben, schon mehr als einen derartigen Fall erlebt. Was nicht daran liegt, dass mir ständig die Unternehmen, in denen ich arbeite, um die Ohren fliegen, sondern dass ich schon etwas länger dabei bin. Meine ersten Berufserfahrungen reichen in die 70er Jahre zurück, und seitdem hat sich das Kündigungsschutzgesetz sicherlich mehrfach geändert.

Wenn aus einer Gruppe von, sagen wir mal drei oder fünf Mitarbeitern einer gehen muss, gilt nicht immer und automatisch die Sozialauswahl. Und habe ich bei Alter / Betriebszugehörigkeit / Kinder in der Erziehung vergleichbare Kandidaten, geht es keinesfalls danach, wer von den zur Auswahl stehenden Mitarbeitern für das Unternehmen der beste ist.

Ansonsten kenne ich die Theorie, und sie wird (soweit ich das über Hörensagen beurteilen kann) in Großkonzernen weitgehend eingehalten. Meine Lebenserfahrung (mittelständische Unternehmen) zeigt mir, dass es sich in der Praxis nicht immer so verhält. Weit über 90 % aller Personalstreitigkeiten werden (ob mit oder ohne Gerichtsverfahren) im Zuge einer Einigung geklärt – entweder über eine Abfindung, oder über einen Sozialplan.

32) Schiller09, Montag, 30. Dezember 2013, 18:41 Uhr

Zu
@ 17) StefanP

Möchte kurz darauf antworten: Ja, Alter bei etwas über 40.
Andere Arbeit? Ja, finde ich, bei Zeitarbeitsfirmen im hiesigen Raum – dort hätte ich dann etwa einen Verdienst von etwas über 7,- EUR, bin überall und immer einsetzbar, meist im Outbound – Bereich eines Call-Centers.

Ein Facharbeiter ist man also nach über einem Jahr im erlernten Beruf nicht mehr? Sollen zwei, drei Jahre Ausbildung ganz „für die Katz“ sein? Was macht man dann bei Kindererziehungszeiten, Ausfällen, Krankheit, Pflege von Angehörigen. Es schafft kaum mehr einer, lebenslang am Stück im erlernten Beruf tätig zu sein.

Und ja, Ausfälle gab es auch: und zwar Auslandsaufenthalte. Die sollen ja angeblich äußerst dienlich sein in einer globalisierten Welt. Mir haben sie offenbar nur geschadet, denn die im Ausland erworbenen Fremdsprachkenntnisse, die wollte keiner bezahlen.

Menschfreund hin oder her: wenn der Mindestlohn gesetzlich kommt, muss er bezahlt werden – einen Tarifvertrag gibt es übrigens nicht.
Auf vorenthaltenen Lohn kann nicht geklagt werden, das geht nur, wenn der Lohn unregelmäßig/gar nicht/nicht in voller Höhe kommt. Ach so, Abfindungen und einen Sozialplan gibt es übrigens auch nicht.

Und, hinwerfen geht auch nicht, so lange die Arbeitsagenturen noch Jobs vermitteln, deren Lohngrenze noch unter 7,- EUR liegt.

Willkommen im Spätkapitalismus…

33) StefanP, Dienstag, 31. Dezember 2013, 11:46 Uhr

@32) Schiller09

Ich kenne nicht Ihren Lebenslauf, um ein wirkliches Urteil abgeben zu können. Sie offenbaren jedoch eine Haltung, die einer erfolgreichen Bewerbung grundsätzlich nicht zuträglich ist. Sie formulieren permanent Ansprüche. Kein Unternehmen kann so Kunden gewinnen und keine Lebenspartnerschaft lässt sich so aufbauen.

Wieso sollen Sie nur für Zeitarbeitsfirmen interessant sein? Jede Tätigkeit, die Amadeus & Co. anbieten, gibt es so auch als Festanstellung für Leute, die besser qualifiziert und motiviert sind. Eine entsprechend gut honorierte Stelle muss natürlich in Ihrem engen Umkreis sein, so Ihr Anspruch. Sie sehen es nicht umgekehrt: diese Einschränkung hat einen Preis, den Sie zahlen müssen.

Sie werden staunen: 90% des fachlichen Teils meines Studiums waren nach 2-3 Jahren für die Katz, weil das Wissen so schnell veraltet war. Dennoch zahlt man mir heute weit mehr als zu Beginn meiner Laufbahn. Das gilt grundsätzlich, man muss permanent dazulernen und sich entwickeln. Und was meinen Sie, warum eine Frau aus dem Job ist, wenn sie die gesetzlich mögliche Erziehungszeit von 3 Jahren in Anspruch nimmt? Vor 3 Jahren war RIMs Blackberry das In-Produkt, 2013 ist es ein billiger Übernahmekandidat mit Jahren der Verluste. Sie können sich heute als Unternehmen keinen Flop erlauben. Das hat Auswirkungen auf das Management und am Ende auf die Mitarbeiter. Wir tolerieren keine Fehler (siehe diesen ganzen Blog), warum sollten Fehler bei uns toleriert werden?

Sie verweisen auf Ihre Auslandsaufenthalte und Ihre Fremdsprachenkenntnisse. Die müssen doch etwas wert sein! Kommt darauf an, warum machen Sie nichts daraus und verweisen darauf, dass andere etwas daraus machen müssen? Sie können etwas, warum bringen Sie Ihr Können nicht auf die Schiene?

Sie meinen, wenn der Mindestlohn käme, müsse er auch gezahlt werden. Es tut mir leid, auch das ist nur ein Anspruch. Ich bin ein absoluter Süßigkeitsfanatiker. Ein Snickers kostet 60-80 Cent, an Tankstellen durchaus 1 EUR. Doch selbst Heißhunger kann mich nicht verführen, 1,20 EUR für diesen Schokoriegel zu bezahlen. Verstehen Sie? Niemand ist dazu gezwungen, Ihnen 8,50 EUR zu bezahlen, wenn er der Ansicht ist, so wie Sie Ihre Arbeit tun, sei das bestenfalls 7 EUR wert oder so zu vermarkten. Solche Begründungen, der Mindestlohn müsse in jedem Falle gezahlt werden und führe nicht zu Jobverlusten, kommen ausschließlich von Leuten, die der regulären Arbeitswelt ade gesagt haben, die theorisieren und nie Verantwortung getragen haben.

Letzter Anspruch: warum lassen Sie sich von Arbeitsagenturen vermitteln, wenn Sie nach eigenen Worten qualifiziert und eigentlich interessant sind? Arbeitgeber gehen nur dann an die BfA, wenn sie sonst am Markt keine passenden Leute finden oder sie nur über geringe Mittel verfügen. Wollen Sie zu solchen Unternehmen?

34) karel, Dienstag, 31. Dezember 2013, 20:37 Uhr

Willkommen im Spätkapitalismus……

So sieht es dann aus……
…….nach dem Ruf
auf mehr Demokratie,
auf Selbstverwirklichung, Emanzipation,
auf gleiches Recht für alle,
auf gleiche Bildung für alle,
auf gleiche Wohlfahrt für alle, “
auf „Geiz-ist-geil“ für alle.

Aus Zwangsläufigkeit wird dann Zwangshaftigkeit.
Und die Wirklichkeit stört.

Nicht der Kapitalismus,
der „Kapitalist“ in jedem von uns ist das Problem.
Blöd ist nur:
die Einen scheitern, die Anderen nicht.

Fürs Gemüt hilft da der „Spätkapitalismus“.

PS:
ich kenne Sie nicht,
ich kenn nur diesen „Ruf“.
die Kritik gilt nicht daher nicht Ihnen,
eher diesem „Muff“.

Wenn es Sie denn interessiert:
http://www.brandeins.de/archiv/2012/kapitalismus/das-system.html

35) nurmalso, Mittwoch, 01. Januar 2014, 10:17 Uhr

wer ist eigentlich auf die schwachsinnsidee gekommen, dass wir in deutschland unser glück im niedriglohnsektor suchen müssten? am besten noch mit südeuropa sowie halb asien darin konkurrieren sollen? das klingt genauso schwachsinnig, wie die kommentare mancher hier, die in dem mindestlohn das abgrundtief böse sehen.
wenn der (zur zeit überhaupt nur diskutierte, denn ob er mal kommen wird … sterne und so weiter) mindestlohn schon im vorfeld aufgeweicht wird und schlupflöcher bietet, dann sind wir ratzfatz in der gleichen situation wie bei den sogenannten 1-€-jobs, die ja NIEMALS dafpr gedacht waren, reguläre arbeitsplätze zu verdrängen. man kommt heute noch nicht aus dem lachen darüber hinaus.
wenn sich solche theoretiker wie stefanP mal die mühe machen würden, ihren elfenbeinturm zu verlassen, anstatt deutelungen zu anderer kommentatoren leben zu verfassen … dann würden sie mal eine vorstellung davon bekommen, wie schon seit längerer zeit die lohnuntergrenzen und tarife durch werkverträge und stückelung derselben sowie eben die generation praktikum umgangen werden. und das nicht einmal im niedriglohnsektor.
soll das wirklich unsere perspektive sein? dass wir uns über einen mindestlohn auseinandersetzen, der rechnerisch betracht, eher das überleben denn das leben ermöglicht? ich hatte immer gedacht, innovationen, gute bildung und qualitätsprodukte hätten dieses land so stark und bedeutend gemacht.

36) karel, Donnerstag, 02. Januar 2014, 00:43 Uhr

35) nurmalso
Ich kenne sie noch, die Zeiten, als Vollbeschäftigung herrschte. Das war in den 60ern.
Ein Paradies für Arbeitnehmer. Wenn der Lohn zu niedrig, das Arbeitsklima mies war,
da wurde einfach gekündigt, da es reichlich andere offene Stellen gab.
Leider kam man bereits in den 70ern auf die „Schwachsinnsidee“, aus Deutschland
ein „Hochlohnland“ zu formen. Und seitdem beherrscht das Thema Arbeitslosigkeit unser Land mit allen von Ihnen beklagten unerfreulichen Begleiterscheinungen.
Man wollte mehr Demokratie wagen und handelte sich dafür mehr Bürokratie ein. In den 70ern wuchs der öffentliche Dienst von ca. 2 auf ca. 4 Mio. Beschäftigte. Und die wollten alle bezahlt und beschäftigt werden. Also schuf man zahllose Gesetze. Gesetze für die weiter gestiegenen Ansprüche. Ebenso wollten sie alle auch mehr Lohn. Und dieser stieg ebenfalls um über 50 % in diesen Jahren. Nicht nur die Löhne, auch die Renten stiegen kaufkraftbereinigt um über 50 % innerhalb von 10 Jahren. Seitdem fraß die Krake „Lohnabzüge“ immer größere Bestandteile vom Verdienst weg, auch die „Krake“ Arbeitslosigkeit immer größere Löcher in gesellschaftlichen Kassen in Form von rapide angestiegenen Schulden, deren Zinslasten heute unerträglich erscheinen.
Und heute reiben wir uns, und besonders Sie, die Augen, warum das „normale“ Brutto zum Leben nicht mehr reicht. Und die Politik die eigenen, aber auch die grotesken Fehler der Tarifparteien mit Hilfe des 2. Arbeitsmarktes permanent „reparieren“ muss, aber wegen der grundgesetzlich gesicherten Tarifautonomie nicht kann.
Mit „Emanzipation, Selbstverwirklichung“ ersetzte der Egoismus das „Wir“, das Miteinander.
Ein „Wir“, das heute in Wahlkämpfen wieder eingefordert wird. Es wurde gleiches Recht für alle eingefordert, nur gleiche Pflichten für alle „vergaß“ man. Die Faszination „gleiche Bildungschancen für alle“ bescherte uns ein absinkendes Bildungsniveau, welches der Gesellschaft erst als „Pisa“ bewusst wurde. Die „gleiche Wohlfahrt“ für alle ließ das Netto vom Brutto der Schaffenden immer kleiner werden.

Der Gesellschaft wurde zwangshaft eine Welt eingeredet, die immer weniger der Wirklichkeit gerecht wurde.
Auch für Frauen wurde das Selbstverständnis geschaffen, in Büros und Fabriken ihre Erfüllung zu suchen, weniger in Kindern. Der Renten-Generationsvertrag eines Adenauer wird seit den 70ern durch die zunehmende Kinderlosigkeit widerstandslos, ja egoistisch unterlaufen. Die Schulen werden angehalten, immer mehr Akademiker zu „produzieren“ , obwohl Facharbeiter für unseren Wohlstand sorgen. Dem „Euro“ wird immer mehr Widerstand geleistet, obwohl nur der Euro uns vom Dollar „lösen“, zumindest unabhängiger machen kann. Der Atom-Ausstieg wurde anfangs im „Alleingang“ ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Auswirkungen beschlossen mit den heutigen gravierenden Kosten.
Die Bürokratie, die Medizin soll uns ein gesichertes, sorgenfreies Leben von der Wiege bis zur Bahre gewährleisten, ohne je ernsthaft die gewaltigen Kosten zu hinterfragen.
All diese gesellschaftlichen Kosten und Folgekosten in dieser „zwangshaften Welt“ bewirken weiter steigende Abzüge bei gleichzeitig zunehmender Armut und steigender Umverteilung nach oben.

Aber all diese Auswirkungen will ein großer Teil der Gesellschaft nicht wahrhaben, sucht und findet im „Spätkapitalismus“ den idealen „Sündenbock“.
Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass politisch nicht nur die Weichen für dieses HartzIV gestellt wurden, ja, auch die Steuergeschenke an die Finanz- und Industriekonzerne, die ein H. Steinmeier selbst auf 60 Mrd. Euro bezifferte, sind zu nennen. Auch die Finanzmarkt-Reformen dieser Zeit, die der „Deutschland AG“ das eher „profit“-orientierte „Denken“ und in der Folge eine weitere hohe Arbeitsverdichtung mit all den bemerkten negativen gesundheitlichen Begleiterscheinungen bescherte, gehören ohne Zweifel dazu.

All diese „Besitzstände“ der „illusionsgeleiteten“ Gesellschaft gehören auf den Prüfstand.
Der Mindestlohn, der uns wieder einen weiteren Wust bürokratischer Eingriff bescheren wird,
wird dabei nicht helfen, unserer Zukunftsprobleme zu lösen, eher zu verschärfen.
Erst wenn die gesellschaftlichen „innerbetrieblichen Wahnsinns-Kosten“ nachhaltig gesenkt werden, wird das benötigte Potential frei, von dem auch der Niedriglohn-Sektor langfristig profitieren kann.

37) StefanP, Donnerstag, 02. Januar 2014, 11:18 Uhr

@35) nurmalso

Wer ist eigentlich auf die Schwachsinnsidee gekommen, dass wir in Deutschland unser Glück im Niedriglohnsektor suchen müssten?

Eine lustige, Sie würden möglicherweise sagen „schwachsinnige“ Vorstellung ist es, der Staat könne Märkte schaffen mit Preisen, Angeboten und Nachfrage. Wenn das so ist, wäre es doch sinnvoller, wir würden ausschließlich Hochlohnsektoren schaffen. Mit Sicherheit bringt das regierenden Politikern auch mehr Stimmen. Leider versprechen nur linke Oppositionspolitiker das Paradies. Der Staat kann einen bestimmten Preis per Gesetzesakt vorschreiben, ja. Er kann jedoch nicht diktieren, dass zu dem Preis auch gekauft wird.

Am Besten noch mit Südeuropa sowie halb Asien darin konkurrieren sollen?

Die Niedriglohngrenze liegt in Deutschland bei knapp 1.800 EUR. Das ist nebenbei ein Mehrfaches der sozialen Sicherungsgrenze (Sozialhilfe). Der spanische Durchschnittslohn liegt bei etwas über 1.600 EUR. Nun sind die iberischen Länder wahrlich keine Billiglohnregion. Es ist dann schon amüsant sich vorzustellen, dass ein deutscher Niedriglöhner mit seinem höheren Einkommen und ggf. niedrigerem Qualifikationsniveau einen spanischen Durchschnittsbeschäftigten mit geringerem Gehalt und höherer Qualifikation „niederkonkurriert“. Lege ich jetzt noch die Löhne in den meisten asiatischen Ländern an, wird Ihr Argument völlig absurd.

Deutschland hat eine im OECD-Vergleich hohe Schulabbrecherquote und Schulabgänger mit einfachem Bildungsabschluss. Die Masse verfügt über lediglich mittlere Bildungsabschlüsse. Während im OECD-Maßstab 32% und auf EU-Level 29% der Bürger über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen, sind es in Deutschland nur 26%. Darüber hinaus hat Deutschland die meisten Langzeitarbeitslosen (50%). Wenn Sie das mal gedanklich Revue passieren lassen, stellt sich doch die Frage, wer soll zu welchem Lohn die vielen Schulabbrecher und Langzeitarbeitslosen beschäftigen? Etwas zum Durchschnittseinkommen, wie sie Menschen beziehen, die dauerhaft im Job stehen, Schule und 3-jährige Ausbildung gemacht haben?

Lustig. Oder schwachsinnig, je nach präferierter Wortwahl.

38) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 02. Januar 2014, 13:12 Uhr

36)karel
Die Armut hat in Deutschland seit 2005:Laut offiziellen Angaben lebten 2013 in Deutschland 12 Millionen Menschen in Armut oder galten als armutsgefährdet.
2,5 Millionen Kinder befanden sich in Einkommensarmut. 8 Millionen verdienten sich ihren Lebensunterhalt im Billiglohnbereich. 25 Prozent der Beschäftigten lebten von sogenannten prekären Jobs.

Dafür verfügten die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über 53 Prozent des gesamten Nettovermögens – (Stat.Bundesamt).

Die Bruttolohnentwicklung ist der Produktivität der letzten zwei Jahrzehnte nicht mehr gefolgt.
Viele Jobs „einfacher Tätigkeiten“ gibt es schlicht nicht mehr.
Aber auch Berufe, wie z.B der Arztberuf, wird im Anfangsstadium der Assistenzzeit lausig bezahlt.

Gleichzeitig sind durch die Steuerreformen für Konzerne und Unternehmen und durch die verschiedenen Möglichkeiten der Steuervermeidung für Konzerne erhebliche Einnahme-Einbußen für den Staatshaushalt entstanden. Nach seriösen Schatzungen der Steuerexperten handelt es sich um zweistellige Milliardenbeträge (ca. 50 Milliarden).

Es besteht also eine Asymmetrie zwischen der Reichtums- und Armutsentwicklung, bedingt auch nicht zuletzt durch das aus dem Ruder gelaufene kapitalistische System, in dem offenbar die Realwirtschaft eine mehr oder weniger mindere Rolle spielt.

Das „Finanzprodukt Investment“ generiert mit schlafwandlerrischer Sicherheit auf Dauer die höheren Renditen. Hier handelt es sich um ein System virtueller Wirtschaft, bei der die Realwirtschaft nicht mehr die Emphase hat.

Das war in den 60er Jahren, von denen Sie sprechen schon noch anders.

Löhne, vor allem hohe, sind da nur ein dem „System Investment“ zuwiderlaufendes Ärgernis.
Denn Löhne kürzen grundsätzlich die Rendite. Und die sind in den Augen der Anleger, gewohnheitsmäßig sozusagen, zu hoch.

Die Schröder´schen Arbeitsmarktreformen haben daher hier angesetzt.

„Durch Zocken, nicht durch Arbeit wird man reich“.

Dieses Credo wird dann auch reichlich beherzigt.

Das Ergebnis beobachtet man am DAX und noch besser am DOW-J, die durch die Decke laufen. Sie entsprechen keinesfalls dem einer überdurchschnittlich wachsenden realen Wirtschaftsleistung

Dass die Medizin, und hier vordringlich die Kosten für Medikamente so aus dem Ruder laufen, ist ein Ergebnis von vielen der guten Lobbyarbeit, die im Sinne der Aktionäre und der Pharmaindustrie hervorragende Arbeit leistet. Alle Versuche, exorbitante Wucherpreise zu verhindern, liefen in den letzten zwei Jahrzehnten ins Leere.

39) nurmalso, Freitag, 03. Januar 2014, 10:20 Uhr

schön, die sentimentalen erinnerungen an die 60er jahre werden rausgekramt. und dann buh, die leute wollten ein besseres leben; das was von vielen erarbeitet und von wenigen abgeschöpft wurde,auch mal in anspruch nehmen. und dann auch noch die frauen, die arbeiten wollen (damals mussten). schlimmer gehts nimmer.
ja hergottsakra, wir können nicht alle 50 jahre einen weltkrieg entfachen, damit man wieder bei null anfängt und die einäugigen könig sind!

@stefanP
dass sie bei der nennung „südeuropa“ nur auf spanien ausweichen liegt entweder an fehlender geograpischer bildung oder an den oft gerühmten scheuklappen und bestätigt eigentlich nur meinen eindruck ihrer bisherigen kommentare. ich verweise einfach nur mal (für die, die sich das wirklich mal durchdenken wollen) auf einen bericht auf der ard.de webseite der letzten tage, in dem berichtet wird, wie deutsche krankenhäuser auf einkaufstour bei pflegekräften in griechenland gehen.

und überhaupt und sowieso: wenn eine gesellschaft einen mindestlohn von 8,50 € für teufelszeug hält, weil dann angeblich ganze industrien ins ausland abwandern, dann sollte man sich endlich mal bewusst werden, dass die geschäfts- und lohnmodelle einiger firmen vielleicht schrott sind?!

40) StefanP, Freitag, 03. Januar 2014, 13:57 Uhr

@36) karel
@38) Peter Christian Nowak

Auch Sie picken sich gerne heraus, was Ihnen gefällt. Ein globales Bild ist zugegeben auch schwierig bis unmöglich. Aber je tiefer man in Details geht, desto nachvollziehbarer werden Entwicklungen, wie sie stattgefunden haben.

Der Armutsbegriff beschreibt, wie Einkommen sich auseinanderentwickeln. Nicht mehr. Er beschreibt nicht Elend. Auch die Vermögensverteilung sagt so gar nichts. Vermögen war zu allen Zeiten ungleich verteilt, was soll aus einer ungleichen Verteilung abgeleitet werden? Aussagekräftig wird dies allein durch Vergleiche. Da zeigt sich, dass die Vermögen in skandinavischen Ländern noch ungleicher verteilt sind.

90% der Alleinerziehenden leben im prekären Bereich. Obwohl Kinder allein aufzuziehen in jeder Gesellschaft das Armutsrisiko Nummer eins ist, haben sich weit mehr Frauen als 1991 für diesen Weg entschieden.

Interessant ist auch die Aussage, seit 1991 seien die Bruttolöhne nicht mehr der Produktivitätsentwicklung gefolgt. Greifen wir auf die Daten des Statistischen Bundesamtes zurück, so stimmt dies so nicht. Und warum eigentlich Bruttolöhne und nicht die Bruttoentgelte? Das ist das, was ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer zahlen muss. Seit 1991 sind die Bruttoentgelte um 65% gestiegen, die Arbeitsproduktivität jedoch nur um 23%. Höchst aufschlussreich wird jedoch wie erwähnt erst die Detailanalyse:

Der Anstieg der Arbeitsproduktivität resultiert zu weiten Teilen aus der Entwicklung im Produzierenden Gewerbe (das nebenbei besonders exportintensiv ist 🙂 ). In diesem Bereich arbeiten jedoch weit weniger Menschen als 1991. Der Anteil der Beschäftigten im industriellen Sektor ist von 36% auf 24% gefallen. In den anderen Wirtschaftssektoren ist die Produktivität jedoch nur geringfügig positiv, oft sogar rückläufig. Wenn wir jedoch dem Argument folgen, dass höhere Löhne aus höherer Produktivität resultieren, dann wird klar, warum die meisten Beschäftigten unter stagnierenden Einkommen leiden.

Dies im Blick wird auch klarer, warum für viele es heute Familien so schwer fällt, mit einem Einkommen auszukommen. Hinzu kommt, dass von den Bruttoentgelten weniger übrig bleibt, da die Abgabenlast durch den Sozialstaat und die Kosten der Deutschen Einheit zugenommen haben. Das gilt übrigens auch für die Unternehmensbelastung. 1991 lieferten deutsche Kapitalgesellschaften 1,5% des BIP als Steuern beim Fiskus ab, heute sind es 1,8%. Eine echte steuerliche Entlastung sieht anders aus.

Was bei solchen relativ platten Debatten nämlich übersehen wird, ist, dass der Staat die Besteuerungsgrundlagen seit 1991 deutlich verändert hat. Zwar wurden die Steuersätze gesenkt, gleichzeitig wurden die Bemessungsgrundlagen deutlich vergrößert, um nicht wirklich auf Steuereinnahmen zu verzichten. Deutschlands Politik steht vor drei wirklich großen Herausforderungen: Europas Finanzen auf solide Beine zu stellen, Gesellschaft und Politik auf die starke Alterung vorzubereiten und die hohe Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

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