Sonntag, 29. Dezember 2013, 11:37 Uhr

Die Mär vom Kampagnenjournalismus

Kampagnenjournalismus gehört sicher zu den Wörtern des Jahres. Skandalisierung auch. Im Jahr 2013 haben sich die Politiker ungewöhnlich erbost mit den Medien beschäftigt und die Medien mit sich selbst. Manche bis zur Selbstgeißelung.

Banalitäten würden zu Skandalen aufgebauscht, Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens kampagnenartig fertiggemacht, lauten die Vorwürfe. Als Beispiele fallen in der Debatte immer wieder die Namen Christian Wulff, Uli Hoeneß und Peer Steinbrück.

Ist das wirklich so? Besteht Anlass, sich über den Zustand der Medien ernsthaft Sorgen zu machen. Ein neues, beängstigendes Phänomen etwa?

Betrachten wir die Dinge einmal nüchtern. Angebliche Pressekampagnen gab es schon immer. Franz Josef Strauß stand jahrelang im Visier des “Spiegel”, Graf Lambsdorff beschwerte sich über journalistische “Todesschwadrone” und Oskar Lafonataine ließ im Saarland gegen die ungeliebten Journalisten die Pressegesetze verschärfen.

Rita Süssmuth musste wegen ihrer Dienstwagenreisen zur Tochter in Schweiz wochenlang Schlagzeilen ertragen und Ulla Schmidt wegen ihrer Urlaubsreise mit dem Dienstwagen nach Spanien. Ein neues Phänomen sind die angeblichen Kampagnen also nicht.

Und in der Regel waren die Vorwürfe so gravierend, dass selbst eine kampagnenartig wirkende Berichterstattung nicht unangemesen erschien. Warum also jetzt? Gehen die Medien zu weit mit ihrer Kritik?

Ein Erklärungsversuch hängt mit der existenziell bedrohten Lage der Printmedien zusammen. Und dem daraus resultierenden verschärften Konkurrenzkampf. Immer weniger Journalisten in immer weniger Vollredaktionen müssen um immer mehr um Aufmerksamkeit kämpfen.

Und die Onlinemedien brauchen alle drei Stunden neue Themen und neue Schlagzeilen, um Clicks zu generieren. Da wird auch schon mal ein Bobby-Car und ein Pinot Grigio unter fünf Euro skandalisiert. Das ist natürlich unzulässig und völlig übertrieben, aber ist das typisch für den angeblich neuen Trend zur Skandalisierung?

Bei allen drei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich von den Medien verfolgt fühlen, ist der Kern der Vorwürfe wahr. Christian Wullf hat Stil und Anstand vermissen lassen, Gefälligkeiten angenommen, die ein kluger Politiker nicht annimmt, und – als darüber berichtet wurde – mit Teilwahrheiten und Täuschungsversuchen reagiert und schließlich Journalisten auch noch bedroht.

Ein Bundespräsident, der sich derart verstrickt, steht, schon seiner Vorbildfunktion wegen, in einer solchen Situation zwangsläufig im Zentrum eines Mediensturms.

Natürlich gab es auch Jagdeifer und Übertreibungen, aber im Kern sind die Journalisten ihrer Aufklärungsfunktion nachgekommen. Der Eindruck einer Kampagne konnte nur entstehen, weil Wulff so unglücklich agiert und damit immer neue Recherchen und Berichte provoziert hat. Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen einen amtierenden Bundespräsidenten brachte dann das Fass zum Überlaufen und zwang Wulff zum Rücktritt. Das ist aber nicht den Medien anzulasten.

Oder der Fall Hoeneß. Ein Prominenter, für viele ein Vorbild, hinterzog mit den Gewinnen aus fragwürdigem “Spielgeld” Millionen Euro an Steuern. Ein Mann, der sich – wie Christian Wulff – selbst gerne zum moralischen Zensor aufspielte. Das ist natürlich ein Stoff für lang anhaltende und intensive Berichterstattung.

Dass der Fall bekannt wurde, liegt nicht an unsauberen Methoden von  Journalisten, sondern an den Durchstechereien aus der bayerischen Politik im Jahr der Landtagswahl. Von Kampagnenjournalismus kann auch im Fall Hoeneß keine Rede sein. Und durch seine selbstgerechte Reaktion und sein Beharren auf seinem öffentlichen Status fachte Hoeneß den Mediensturm weiter an.

Schließlich der Fall Steinbrück, der nur ein Fall werden konnte, weil er in der SPD, der selbsternannten “Partei der kleinen Leute”, seinen Anfang nahm. Ein Vortragsmillionär als Kanzlerkandidat – so das brisante Thema. Es wurde zuerst angeheizt durch die politischen Gegner (Dobrindt: “Steinbrück ist ein Produkt der Finanzindustrie”), die eine Chance zur charakterlichen Vernichtung sahen.

Dass es auch ein großes Medienthema wurde, lag an der unsensiblen Krisenbewältigung Steinbrücks, der noch drei Tage vor seiner Nominierung vor Privatkunden einer höchst umstrittenen schweizer Privatbank sprechen wollte. Damit war der Ton gesetzt, der von den Medien aufgegriffen wurde. Und der sich bei neuen Ungeschicklichkeiten, vom “Peerblog” bis zum Stinkefinger, potenzierte. Auch deshalb, weil die Kluft zwischen Steinbrück und seinem prononciert linken Wahlkampf zu groß war und Fragen nach der Glaubwürdigkeit aufwarf.

Kampagnenjournalismus? Sicher gab es auch hier Übertreibungen, aber keine Kampagne, schon gar keine orchestrierte. Ein Spitzenpolitiker steht in einem Wahlkampf unter schärferer Beobachtung als gewöhnlich. Steinbrück selbst hat Harry S. Truman zitiert: “Wer die Hitze nicht aushält, sollte nicht in die Küche gehen”.

Fast alles, was als Beleg für das angeblich neuartige Phänomen des Kampagnenjournalismus dienen soll, hält ernsthafter Prüfung nicht stand. Medien müssen sich immer wieder selbst überprüfen, ob ihre Berichterstattung angemessen ist. Das ist in dem einen oder anderen Fall unterblieben, aber kein Beweis dafür, dass “die Medien” neuerdings Perönlichkeiten des öffentlichen Lebens kampagnenartig grundlos fertigmachen.

Und eine Presse, die ihre Kritik an den Mächtigen übertreibt, ist mir immer noch lieber als eine handzahme.  Besondere Vorsicht ist übrigens  geboten, wenn Politiker “Haltet den Dieb” rufen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

57 Kommentare

1) Politikverdruss, Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:41 Uhr

„Eine Kampagne ist eine zeitlich befristete Aktion mit einem definierten Ziel, das durch geplantes und koordiniertes Zusammenwirken mehrerer Personen oder Akteure zu erreichen versucht wird.“

Auf diesem Hintergrund zu behaupten, es gäbe zunehmend „Kampagnen-Journalismus“, ist ein schwerwiegender Vorwurf. Stimmt dieser Vorwurf oder hat Michael Spreng recht, wenn er dies bestreitet. Testen wir das mal am Beispiel Wulff:

Malte Lehming zeigt uns, wie ein Medienskandal produziert wir: „Wer die „Zehn Goldenen Regeln“ einer Affäre beherrscht, hat Medien-Macht,… Die Öffentlichkeit wird dann zur Manipulationsmasse. http://www.pnn.de/meinung/612260/

Martina Fietz vom Focus meint: „Wenn aus Aufklärung eine Hetzjagd wird“. http://www.focus.de/politik/deutschland/fietz-am-freitag/fietz-am-freitag-wenn-aus-aufklaerung-eine-hetzjagd-wird_aid_702480.html

Heribert Prantl sieht hingegen die „Schuld“ bei den Strafverfolgungsbehörde und nicht bei den Medien:“ Der Strafprozess ist sinnlos geworden? Er war sinnlos wohl von Anfang an. Die Hauptverhandlung hätte gar nicht stattfinden dürfen.“ http://www.sueddeutsche.de/politik/prozess-gegen-den-ex-bundespraesidenten-vor-freispruch-fuer-wulff-1.1847922 Kein Wort aber von ihm zur fragwürdigen Rolle der Medien. Dabei spürt auch die Justiz den Druck der Medien. http://www.kepplinger.de/files/images/Richter_spueren_den_Druck_der_Medien_1.pdf

Auch der Deutsche Journalisten-Verband weist jede Schuld von sich. Die Intensität der Berichterstattung sei „die Folge von zahllosen Ungereimtheiten und möglicherweise auch strafrechtlich relevanten Vorgängen von Wulffs Amtsführung“ gewesen, erklärte Verbandsvorsitzender Michael Konken. http://www.cicero.de/salon/keine-spur-von-selbstkritik/52874

„Dabei ist dieser Fall(Wulff) ein Paradebeispiel dafür, was der Sozialwissenschaftler Niklas Luhmann einmal ein „selbstreferentielles System“ nannte. Die Medien verstricken sich so sehr in ihr eigenes Weltbild, dass ihnen die Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und öffentlicher Fremdwahrnehmung gar nicht mehr auffällt.“ http://www.cicero.de/salon/keine-spur-von-selbstkritik/52874

Fazit: Eine Medien-Kampagne im Sinne der obigen Definition hat es wohl nicht gegeben. Das ist aber auch nicht das Problem. Problematisch ist vielmehr die zunehmend zu beobachtende Tendenz der „Skandalisierung“ in den Medien. Und geradezu unangenehm wird es, wenn sich die deutsche Justiz von diesen Skandalisierungen beeinflussen lässt.

2) Erika, Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:49 Uhr

“Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.”

Sehen Sie irgendeine Presse, die dies Merkel um die Ohren haut?
Nein, aber es gibt viele Kommentare, die sich mit der Genialität von Merkel auch in dieser Frage beschäftigen. Merkel wäre nicht die “Beliebteste”, wenn dies die Medien nicht immer melden würden. Was war eher die angebliche Beliebtheit oder die Berichterstattung darüber?

Und eine Presse, die sogut wie keine Kritik an der “Mächtigsten” betreibt, ist der Untergang der Demokratie. Es ist doch paradox, dass Steinbrück sich gezwungen sah seine STASI-Akte zu veröffentlichen aber unsere FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda diesbezüglich in keiner Weise von der Presse belästigt wird. Aber auch dies können Sie sicher mit der Schuld der SPD erklären!!

3) CitizenK, Sonntag, 29. Dezember 2013, 14:45 Uhr

Mag sein. Genau so wichtig ist aber die Frage, worüber NICHT berichtet wird.

Wenn das Bobbycar oder der Pinot Grigio die Spalten füllt, ist kein Platz für die eigentlichen Themen.

4) Frank Reichelt, Sonntag, 29. Dezember 2013, 14:59 Uhr

@ m.spreng

Hätte mich auch gewundert, wenn Sie zu einem anderen Befund gekommen wären. Leider fehlt Ihnen aber als Journalist die nötige Distanz um den Sachverhalt objektiv beurteilen zu können. Die Vertreter der Medienbranche sind bei der Befassung mit ihrem eigenen Handeln seltsamerweise immer mit einer beachtlichen Blindheit geschlagen!
In diesem Fall paßt mal wieder das schöne Sprichwort:
Willst du einen Sumpf trockenlegen, darfst du nicht die Frösche fragen!

5) Sabine Zielke-Esser, Sonntag, 29. Dezember 2013, 16:28 Uhr

Versuchen wir es mal von der anderen Seite: Wer ist der Presse KEINE „Kampagne“ wert? Frau Merkel zum Beispiel bleibt weitgehend ungeschoren, Anlass gäbe es genug. Die Frau, die der SPD einst Wahlbetrug vorwarf („versprochen – gebrochen“) und sie als „außenpolitisch unzuverlässig“ denunzierte, kam mit einigen unvorteilhaften Bildern im Badeanzug davon. Was aber wurde aus der Klimakanzlerin, als ihr die Autoindustrie Druck machte? Was wurde aus dem Bildungsgipfel und allen anderen Gipfeln, die Frau Kanzlerin zur Chefsache gemacht hatte? Was machte die Presse aus Steilvorlagen wie: „Mir ist nicht bekannt, dass ich abgehört werde“ und „Ich kann mich nicht auch noch um die Software der NSA kümmern“? Und gibt es eine Karikatur auf Seite 1 die zeigt, wie sie auf der Pkw-Maut herumeiert?

6) retorix, Sonntag, 29. Dezember 2013, 16:37 Uhr

” Immer weniger Journalisten in immer weniger Vollredaktionen müssen um immer mehr um Aufmerksamkeit kämpfen.
Und die Onlinemedien brauchen alle drei Stunden neue Themen und neue Schlagzeilen, um Clicks zu generieren.”
Leider ist es genau so wie beschrieben! Damit sind wir in einer sich stetig beschleunigenden Abwärtsspirale zu Lasten von Qualität und Recherche. Nur die Schnelle Meldung mit einer möglichst reißerischen oder Sex-lastigen Überschrift zählt.
Google News, Stern-App, Focus-App etc. habe ich von meinem Smartphone verbannt – es ist unerträglich welcher Mist hier durchgereicht und im besten Fall selbst generiert wird.
Neben Gefahren sehe ich aber in dieser Pervertierung auch ungemeine Chancen für Printmedien und Qualitäsjournalismus.

7) Sigmund, Sonntag, 29. Dezember 2013, 17:11 Uhr

Welche Vorwürfe bei Frau Schmidt waren denn “gravierend”? Soweit ich weiß, hat der Bundesrechnungshof keine Beanstandungen gehabt. Und am Diebstahl ist auch nicht schuld. Für Sicherheitsfragen wäre wohl eher Schäuble verantwortlich.
Genauso legal wie Frau von der Leyen, die ihren Lieblingsfahrer jeden Tag von Bonn nach Hannover -in der Dienstlimo- kommen ließ, damit weiter nach Berlin fuhr, und Abends das gleiche wieder zurück. Da kommen in ein paar Wochen auch eine kleine Spanienreise zusammen.
Und um zu glauben, das gegen Steinbrück keine Medienkampagne lief, muss man wohl CSU-Stammwähler sein.
Und gerade jetzt waren wir Zeuge einer Kampagne, mit eingebauten Slomkerismen, die SPD in eine GroKo reinzuschreiben, damit die nette Merkel auch schön Kanzlerin bleiben kann.

8) winfried, Sonntag, 29. Dezember 2013, 17:51 Uhr

Das Märchen – das es Märchen gibt? Reine Propaganda, so werden Massen geststeuert, die Gesteuerten dürfen dann wählen, was ihnen in ihren Kopf gesetzt wurde. Im zweifel machen die Marionetten nie das was die Zuschauer wollen sondern die Hände, die an den Fäden ziehen.

9) Jürgen Schnobl, Sonntag, 29. Dezember 2013, 17:57 Uhr

Es ist gut, daß es noch Journalisten gibt die solche Machenschaften ( Hoeneß, Wulf) aufdecken und veröffentlichen, sonst würden die Bäume der Korrupten, Politiker und Steuerhinterzieher bis ins unendliche wachsen. Es ist ja auch so nur die Spitze des Eisberges.

10) Wilfried Haselberger, Sonntag, 29. Dezember 2013, 19:04 Uhr

Die Methode wird nich besser auch wenn es sie schon vor 30 Jahren gab.Übertreibungen sind nie gut aber besser als eine gelenkte Presse.

11) Peer, Sonntag, 29. Dezember 2013, 20:20 Uhr

Bei Hoeness und Wulff stimme ich Ihnen zu, aber bei Steinbrueck? Wo war da der “wahre Kern der Vorwuerfe?” Dass er ungeschickt war? Ich eeiss nicht… Auch die Veggiedaygeschichte war total hochgeschrieben – und im Kern falsch (zwischen “wir unterstuetzen einen Veggieday” und “wir fordern einen” ist schon ein Unterschied. Bei des Cdu gab es solche Elefantenmuecken trotz NSA und Hoehnessgekuschel nicht. So ganz subjektiv waren die Medien im Wahlkampf imho definitiv nicht.

12) Hauschke No. 7, Sonntag, 29. Dezember 2013, 21:49 Uhr

Ich hätte gar nichts gegen einen Kampagnenjournalismus wenn er sich beispielsweise für die Forcierung der Energiewende oder die notwendigen Reformen in Staat und Gesellschaft einsetzte. Journalismus soll nach solider Auseinandersetzung mit Fakten und Motiven Flagge zeigen. Pro und contra. Er darf aber nie Instrument der Herrschenden in Wirtschaft und Politik sein. Das Sprachrohr derer die nach der Wahrheit suchen soll er sein. Er muss auch enthüllen und entlarven, nur Menschen zerstören darf er nicht. Diese Gefahr sehe ich auch nicht, wobei ein Überziehen, wie bei Expräsi Wulff an der einen oder anderen Stelle vielleicht erkennbar war. Leute wie er scheitern allerdings meist an einer exklusiven Mischung aus Eitekeit und Mangel an Fähigkeiten. Ich sehe eher ein Problem im Champagnerjounalismus, dort wo Journalisten zu nahe an den Mächtigen kleben und Mut und Wille zur kritischen Berichterstattung fehlen. Die Show zum 25. Jubiläum des ARD Presseclubs war leider ein trauriger Beleg dafür. Auch Jounalismus braucht Leidenschaft, Saturiertheit ist für ihn tödlich.

13) Rapunzel, Montag, 30. Dezember 2013, 10:07 Uhr

Alle von Herrn Spreng genannten Beispiele sind aus einer Zeit, da es in Westdeutschland noch einen gewissen.unabhängigen Journalismus gab.
Heute in Zeiten der “Berliner-STASI-Republik” kann man davon nun wirklich nicht mehr ernsthaft reden.
Der zurückliegende Bundestagswahlkampf in seiner von der Presse auf den “Veggie-Day” reduzierten Form, lies diese faktische Gleichschaltung der Deutschen Presse deutlich genug einsehen.

14) Jeeves, Montag, 30. Dezember 2013, 10:10 Uhr

Franz Josef Strauß stand jahrelang im Visier des “Spiegel”
Etwa zu Unrecht?
Da hätte noch viel mehr kommen müssen: woher sind die hunderte von Millionen, die er hinterließ?

Graf Lambsdorff
Auch nicht zu Unrecht. Der Mann wurde sogar verurteilt und ist vorbestraft.

Wulff
Eine Witzfigur, die sich durch ihr Tun und Reden geradezu anbietet, aufs Korn genommen zu werden.

Hoeness
Ein cholerischer Steuerhinterzieher in nicht geringem Maße. Auch in diesem Fall ist die Pressse noch recht manierlich vorgegangen.

usw.

15) Gerhard S., Montag, 30. Dezember 2013, 10:21 Uhr

An einen Kampagenenjournalismus in dem Sinn, dass sich mehrere Journalisten oder Medienhäuser absprechen, gar noch im Verein mit guten Bekannten aus der Politik, um jemanden in einer konzertierten Aktion niederzuschreiben, glaube ich auch nicht.

Aber dass in der sich immer mehr beschleunigenden und um sich selbst drehenden Online-Medienmaschinerie manche Themen ein Eigenleben bekommen, und dann fast alle Journalisten unreflektiert in die gleiche Kerbe schlagen, kann man schon feststellen. Je banaler das Thema, desto besser, denn dann braucht man ja keine Sachkenntnis, um auch einen Text dazu zu verfassen. Am besten im gleichen Tenor wie das was man schon bei den Kollegen gelesen hat, nur noch etwas mehr zugespitzt. Erinnert gelegentlich an Postillon24 (wir berichten, bevor wir recherchieren) …

Was ich also beklage, ist im Wesentlichen der beobachtbare Niedergang des Qualitätsjournalimus; natürlich reicht es allemal noch, um die Wulffs, Steinbrücks, Hoeneß’ etc. dieser Welt zu entlarven, und es ist bei allen Übertreibungen auch gut, dass das geschieht.

Nur bleiben aufgrund der zunehmenden Neigung zur schnellen Schlagzeile (für mehr Klicks) die wichtigen zukunftsweisenden Fragen in der Berichterstattung größtenteils auf der Strecke. Oder werden auf Karikaturen reduziert, z.B. Grüne = VeggieDay, oder: Energiewende ist Armutsrisiko für Hartz IV Empfänger, etc.
Gerade bei komplexen Themen wie der Energiewende ist es für den Normalbürger kaum möglich, seriöse Informationen zu bekommen; hier wären Journalisten, die sich die Zeit zum Recherchieren nehmen, gefordert. Stattdessen wird aufgrund des Auflagendruckes der zwölfte Artikel über den Wulff-Prozess geschrieben, noch ein Kommentar zu Hoeneß abgelassen – natürlich bevor ein Gericht darüber entschieden hat, vielleicht kann man ja die Entscheidung doch noch ein wenig beeinflussen …

Leider weiß ich keine Lösung, um aus dieser Spirale der Seichtheit herauzukommen – haben Sie eine Idee, Herr Spreng?

16) Erwin Gabriel, Montag, 30. Dezember 2013, 12:56 Uhr

@ 0) m.spreng

Si tacuisses …

>> Bei allen drei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens,
>> die sich von den Medien verfolgt fühlen, ist der Kern der
>> Vorwürfe wahr.

Da wird in den genannten Fällen eine Mücke zum Elefanten aufgeblasen, und Sie rechtfertigen den (auch von Ihnen) vorgezeigten Elefanten damit, dass es eine Mücke gab? Das ist schon ein krudes Selbstverständnis, dass Sie da aufbringen.

Bei Uli Hoeness kann ich zustimmen, dass das eigentliche Problem die (illegale) Bekanntgabe der Verfehlung war, nicht die Berichterstattung der Medien.

Aber Christian Wulff: Lesen Sie sich nochmal durch, was sie in früheren Beiträgen fast schon mit Schaum vor dem Mund am Behauptungen, Anschuldigungen und Forderungen in die Tasten tippten, und in welcher vergleichsweise zarten Tonalität Sie sich jetzt äußern. Ich hielte eine Entschuldigung für angemessen, hier für alle lesbar auf den Sprengsatz-Seiten. Werden wir hier nie sehen, genauso wenig wie in den anderen Medien.

Und natürlich gab es bei Peer Steinbrück eine Kampagne. Denn, so decken Sie nun auf, wäre die “wahre”, journalistische Story doch gewesen: Alexander Dobrindt will politischen Gegner charakterlich fertig machen. hab ich nirgendwo gelesen. Waren alle Journalisten zu blöd? Waren alle Journalisten zu feige? Waren alle Journalisten gekauft? Oder waren sie einfach keine Journalisten, sondern nur Journaille? Für diesen jämmerlichen Höhepunkt der Presse-“Freiheit” gibt es vielleicht eine Erklärung, aber keine Entschuldigung.

Übrigens war nichts Vergleichbares über die Kaffeekränzchen von Frau Merkel auf Staatskosten, das Versagen bei der Energiewende, die Verstöße gegen das Grundgesetz durch Merkel und Schäuble, die Umfallerei und das Herumgelüge in Sachen Euro/Europa, die Maut-Lüge (entweder Merkel oder Seehofer – egal) etc zu lesen. Und das ist für mich der eigentliche Presse-Skandal: Dass man sich bei vergleichsweise harmlosen Vergehen als Enthüller feiern lässt, während man auf der anderen Seite bei den wirklich großen Problemen / Versagen / Lügen / Betrügereien beim Vertuschen hilft.

17) BeRa, Montag, 30. Dezember 2013, 12:59 Uhr

Werter Herr Preng, ich kann mich nur der Kritik vieler Kommentatoren anschließen die der Meinung sind das Sie mit zweierlei Maß messen. Natürlich gibt es lange schon diesen Kampagnenjournalismus den Sie negieren. Es gibt noch zahlreiche Menschen in unserem Land die Dinge noch hinterfragen, die auch ein Interesse daran haben das Deutschland ein demokratisches Land bleibt. Echte Informationen gibt es ja nur noch für Interessierte auf speziellen Internetseiten. Der Normalbürger wird zugemüllt mit regelmäßig folgenden Jahrhunderthochwasser und aufgebauschten Pillepallemeldungen. Eine angeblich gewollte große Koalition wurde herbeigeschrieben, Steinbrück wurde kleingeschrieben, in die Figur Merkel wird etwas hineininterpretiert was nicht vorhanden ist. Regierungskritische Berichterstattung ist über ein marginales Level hinaus nicht mehr erwünscht. Als alter Westberliner, der damals stolz darauf war zwar eingemauert aber trotzdem frei zu leben spürt man langsam den Demokratie erstickenden Diktaturnebel der sich langsam über das Land verteilt, so wie in der damaligen DDR. Viele Journalisten können wohl gut damit leben und die wenigen die sich ebenfalls Gedanken darum machen sind im Zwiespalt da sich mit Wahrheit kein Geld verdienen läßt.

18) Sigmund, Montag, 30. Dezember 2013, 16:39 Uhr

Übrigens, erinnert sich noch jemand an die schrecklich perverse Geschichte der Grünen.
Jeden Tag gab es neue Horrorstories, und von einem auf den anderen Tag war damit Schluß.
Dieser spezielle Tag war der Wahlsonntag. Danach waren die Grünen plötzlich wieder eine nette Truppe. Klar, die CDU braucht ja Koalitionspartner.
Das letztere den Schalter umgelegt hat von “perverse Grüne!!!!” zu “Herzlich willkommen im Kabinett!”, stört auch keinen.
Aber wenn die SPD das macht, was seit der BTW ständig von ihr gefordert wird, nämlich Merkel dabei zu helfen Kanzlerin zu bleiben und noch dazu CDU-Wünsche wie die VDS abnickt, ist natürlich Gabriel der Buhmann. Frau Merkel nicht, die hat ja bekanntlich nichts mit der VDS zu tun.
Oder hat irgendjemand einen entsprechenden Zeitungsartikel gelesen? Ich nicht.

19) Kajo Lang, Montag, 30. Dezember 2013, 17:15 Uhr

Wissen Sie was „Beispringer“ sind? Sie kennen das Wort nicht? Sollten Sie aber. Die Beispringer sind jene, die einem anderen beispringen. Zum Beispiel der Kanzlerin. Und wer springt ihr bei? Deutschlands konservative Presse, zum Beispiel. Und wer sind die Beispringer?

Nun, wie der Begriff schon andeutet: Die Springer-Presse in ihrer Bild-BamS-Welt. Dazu die schon von jeher im Schwarzdruck erschienene FAZ. Nicht zu vergessen die Magazine Die Zeit und natürlich Burdas Presswerke in Bunte, Playboy, Focus.

War da noch was?

Ach ja, die Zeiten, in denen Stern und Spiegel mindestens sozialliberal oder FDP-treu ausge-richtet waren, sind längst passé. Beide Blätter werben nun kräftig für die Kanzlerin. Ihre Forderung: Die SPD als Stimmverein für Merkel. Weg mit plebiszitären Spielchen – bloß keine Stimme dem gemeinen Parteivolk.

Es wird Stimmung gemacht. Gegen 450.000 SPD-Mitglieder, die über den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD abzustimmen hatten. Kein kritisches Wort war zu vernehmen über 160 CDU-Apperatschiks.

Der Niedergang der deutschen Presselandschaft erscheint unaufhaltbar. Fast sämtliche Blätter, aber auch andere Medien, üben sich im besorgniserregenden Schulterschuss eines inzwischen salonfähigen Konservatismus, der an den Muff vergangen geglaubter Adenauer-Jahre erinnert. Kein Wunder, dass kritischer Journalismus, der Mutti mal auf den Zahn fühlte, Mangelware ist.

Beispiel gefällig? Es raunte kräftig im deutschen Blätterwald als es Sigmar Gabriel gelang, die geschundene SPD zur Regierungspartei hochzustimmen. Schon hieß es, nun werde sich zeigen, ob er es in vier Jahren zum Kanzlergegenkandidaten schaffen werde. Das Meisterstück, woran er zu messen sei, laute: Energiewende. Interessant hieran ist die Auslassung, denn vor nicht einmal zwei Jahren erhob Kanzlerin Merkel exakt die von ihr inzwischen längst verschlampte Energiewende zur Chefsache. Doch davon ist weit und breit nichts mehr zu hören.

Festzustellen ist: Es ist das Verdienst des deutschen Journalismus, sich selbst kastrierend, zum Merkel-Beispringer mutiert zu sein.

Kajo Lang
http://www.wikimerkur.de

20) Martin Schmitz, Montag, 30. Dezember 2013, 18:36 Uhr

Sehr guter Kommentar, kann ich alles unterschreiben!

21) Journalist, Montag, 30. Dezember 2013, 18:45 Uhr

Ja, nee, is’ klar
🙂

22) Peter Christian Nowak, Montag, 30. Dezember 2013, 19:06 Uhr

Was hier auch einige Kommentatoren ansprechen ist die Auswahl der „Skandale“ . Manche Leser mögen die so vergangenen als Ablenkungsmanöver tatsächlicher Skandale und dringender Nachholprozesse, z.B. in Sachen Energiewende, Zukunft Rente usw. betrachten.

Jürgen Habermas: „Die munteren Moderator(inn)en der zahlreichen Talkshows richten mit ihrem immer gleichen Personal einen Meinungsbrei an, der dem letzten Zuschauer die Hoffnung nimmt, es könne bei politischen Themen noch Gründe geben, die zählen“.

Man könnte das Habermas´sche Statement auch als eine Entente von Journalisten, die Force de Frappe der Konservativen für zweckdienliche Meinungsmanipulation bezeichnen.

Was ansonsten von Journalisten mit Empörung zurückgewiesen wird, bestätigten der Bild-Kolumnist Hugo Müller-Vogg und das Mitglied der Chefredaktion des Stern, Hans-Ulrich Jörges eher nebenbei, nämlich dass es in Deutschland „Kampagnenjournalismus“ gibt.

Was stimmt nun?

Nicht ohne Grund bespöttelt man in Berliner Journalistenkreisen Hugo Müller-Vogg als „Kanzlerinnen-Zäpfchen“, wohl der von Friede Springer persönlich beauftragte „Moral Cleaner“ von Angela Merkel in allen Lebenslagen.

In einer Fernsehrunde hat Jörges seinerzeit wenigstens auf die „private Versippung“ zwischen Journalisten und Politikern hingewiesen und erwähnt, dass auch Gerhard Schröder sich mit vielen Chefredakteuren duzte und man sich sogar gegenseitig im Urlaub besuchte. Er nannte diese Nähe zur Macht „im Prinzip korrupt“. Müller-Vogg gestand zumindest ein, dass die „Versuchung groß“ sei und auch schon mal die Grenzen überschritten würden, um Gefälligkeit gegen „privilegierte Information“ einzutauschen.

Der Journalistennachwuchs ist für derart Verschwisterung dank gelenkter Ausbildung ziemlich empfänglich. Heutzutage gilt der Beruf der Journalistin/en eher prekär als sicher. Manche greifen dann zu ziemlich unsauberen Schmiermitteln, wenn es um die nackte Existenz geht!
Jörges schilderte damals, dass es derzeit geradezu ein „Wettrennen der Chefredakteure“ gebe, Peer Steinbrück zum Essen einzuladen, um an ihm „dran zu sein“, falls er denn Kanzler werden sollte. Es gebe eben das Prinzip solche „Köpfe hochzuziehen“, mit denen man lange arbeiten könne.
Nun, wir wissen jetzt alle, Steinbrück wird niemals Kanzler werden. Obwohl er von der Presse hochgelobt wurde und als gute Alternative zu Merkel geschrieben worden ist. Hat nichts genutzt.
Jörges behauptete gar – wohl eher um den Kampagnenjournalismus herunterzuspielen -, die „Kampagnen, die die Bild-Zeitung versucht hat, sind alle gescheitert“. Er verwies dabei auf die Griechenland-, die zu Guttenberg- oder die Sarrazin-Kampagnen.

Da bin ich anderer Meinung.

Müller-Vogg meinte die BILD-Kampagnen damit verteidigen zu können, indem er offen zugab, dass alle Medien mit „gewisser Relevanz“ versuchten „Themen zu setzen“. So kann man Kampagnenjournalismus auch umschreiben.

Wer entscheidet eigentlich, was relevant ist, was nicht?

Kampagnenjournalismus – nur Verschwörungstheorie? Lediglich Akzente gegen die freie Meinungsbildung für die Leser?

Verschwörungstheorie hin oder her – Kampagnenjournalismus hin oder her. Wenn Sie frei von journalistischer Obszönität unterrichtet werden wollen, dann schauen Sie sich die Magazine von Monitor bis Panorama an – und alle die dazwischen sind. Und dann vergleichen Sie die ordentlich recherchierte Fernsehdokus mit der sogenannten Mainstream-Presse.

Dann machen Sie sich selbst ein ehrliches Bild von dem, was Sie bewegt.

Vieles von dem, was Sie bewegt, und auf das Sie Antworten erwarten, so werden Sie erstaunt feststellen, werden Sie niemals in anderen Presseorganen und Medien lesen, sehen, hören.

23) lena hessker, Montag, 30. Dezember 2013, 19:59 Uhr

warum wird in der mainstream-presse n i c h t s
über die Freihandelszone berichtet? l(s. campact)

24) Freddy Schlimm, Montag, 30. Dezember 2013, 20:11 Uhr

Es bedarf keiner Kampagnen. Es reicht, dass die meisten Journalisten eine grün-rote Gesinnung haben.

25) gereni, Montag, 30. Dezember 2013, 21:39 Uhr

@16)
danke, das bringts schön auf den Punkt!

Boulevard-Presse, Magazine, Burda, Springer, sogenannte konservative Blätter – alle unisono Mainstream “Merkel-unkritisch” (gekauft, begünstigt, feige oder Existenzangst?). Zählen denn wirklich nur noch Klicks und Quoten? Genau diesen Eindruck gewinne ich beispielsweise, sehe ich bei den unbestechlichen, algorithmen-gesteuerten Google-News die erstaunlich überrepresentierten Horror- und Sensationsschlagzeilen von Focus.

Die Linien haben sich verschoben: obrigkeitskritischer Journalismus findet fast nur noch bei Satire/Kabarett statt; da wird akribisch recherchiert, da werden Motive und Zusammenhänge aufgedeckt, aus dem ganzen Mainstream-Getöse und – Getue die TATSACHEN herausgeschält.

Für die meisten Beobachter sind die neuen Wahrheiten – leider – nur amüsant und von flüchtigem Unterhaltungswert. Und was macht daraus die gesamte Journaille? kein Aufgreifen, kein Kommentieren, kein Weiterverfolgen – leider. Warum dieses Desinteresse? zu beschämt? zu wenig erfolgversprechend? von oben gebremst? oder andere Gründe (siehe oben)?

Prosit Demokratie!

26) Meisner, Dienstag, 31. Dezember 2013, 10:45 Uhr

Da fällt mir gerade so eine nette Kampagne ein, die aus Sicherheitsgründen wohl hier verschwiegen ist. Broder und die Welt, ein Vergügen, aber nur für Broder. Ach! man muss sich das Gebaren dieses mit seiner Judenkarte spielenden Popagandisten ansehen, der mit voller Absicht diejenigen denunziert, die was gegen die USA oder gar gegen Israel beklagen. Er und seine Mannen sind gut vernetzt und so wird Hetze auf Leutchen wie Grass oder Augstein eröffnet, und oh, merkwürdig, diese Volksaufklärer der besonderen Art dürfen sogar trotzdem oder vielleicht gerade deshalb Funkhäuser besuchen und für sich und die ihre Öffentlichkeitsarbeit. Aber wer merkt das schon oder will es bemerken -schnell schnell kann es die Karriere kosten Wahrheiten zu deuten, nämlich die, dass Lobbyismus längst auch die Medien im Griff hat.

Es wäre ratsam würden einige sogenannte Journaliste ihren Job überdenken und einen unterwürfigeren Beruf wählen, da gibt es ja ne ganze Menge…statt das Volk mit Neusprech zu verdummen

27) StefanP, Dienstag, 31. Dezember 2013, 12:20 Uhr

Langweiliges Thema. Langweilig deshalb, weil wieder jeder nur sieht, was er sehen will. Kritischer Journalismus ist der, der die eigenen Lieblingsthemen so beleuchtet, wie man vorgefasst das haben möchte. Die vielen links Denkenden finden z.B. nichts dabei, wenn ihre Leib- und Magenseite Nachdenk… jedes Argument gegen einen hohen gesetzlichen Mindestlohn glatt bügelt, Arbeitgeber müssten nunmal zahlen, Jobverluste gäbe es nicht und wenn, dann schon die richtigen. So kann man natürlich nie falsch liegen. Und kritisch ist es allemal.

Im März 2013 wählten katholische Kardinäle in Rom einen neuen Papst. Dieses Ereignis passiert so alle 8-10 Jahre und hat für Milliarden von Menschen eine hohe Bedeutung. Den Nachdenkseiten war dies zu viel, unfassbar, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen dazu hergaben, ihr Abendprogramm für die Berichterstattung über dieses Ereignis umzustellen. Kein Wort fand sich jedoch dieses und letztes Jahr, als beispielsweise im November die ARD binnen einer Woche in 3 Talksendungen (Presseclub und 2x Günther Jauch) tendenziell negativ über die Machenschaften im Bistum Limburg berichtete und diskutierte. Kritisch ist halt immer, was man selber so sieht.

Christian Wulff verlor jede präsidiale Haltung, als über mögliche Verwicklungen seines Wirkens in der niedersächsischen Politik mit der lokalen Wirtschaft berichtet wurde. Dazu zeigte er Verhaltensweisen und ein Finanzgebaren, das man nicht mit einem hohen öffentlichen Amt in Verbindung bringt. Das alles war ein politisches Problem, doch die Justiz machte sich zum Büttel der Politik und der publizierten Meinung und betrieb ein Verfahren, das von Beginn an auf wackeligen Beinen stand. Bis heute sind Richter und Staatsanwälte in Hannover Gefangene ihrer Kompetenzüberschreitung.

Wolfgang Kubicki hat dieses Jahr in einer Talksendung einen bemerkenswerten Satz gesagt: Für die Beamten in der Steuerverwaltung lege er nach wie vor seine Hand für ins Feuer, dass sie das Steuergeheimnis wahre. Und so ist es, bis heute ist es keinem Journalisten gelungen, Steuerdaten eines Prominenten an die Öffentlichkeit zu durchstechen. Indiskretionen werden immer von wichtigtuerischen Juristen geleistet.

Ein Wort zum angeblichen Lieblingskind der Medien, Angela Merkel: die privaten Leitmedien des Landes stehen der Kanzlerin eher kritisch gegenüber, die FAZ berichtet selten positiv und der SPIEGEL hatte sie gerade vor einigen Wochen in einem Portrait auf dem Kiker, wo sie als eine Amtsträgerin beschrieben wurde, die nur noch wenige Journalistenfragen zulasse.

Zwischen der Popularität eines Politikers und der medialen Berichterstattung lagen zu allen Zeiten häufig Welten.

28) Politikverdruss, Dienstag, 31. Dezember 2013, 13:01 Uhr

Meiner Meinung nach ist „Kampagnen-Journalismus“ nicht eindeutig feststellbar. Das ist auch schwer nachzuweisen, da man bei einer Kampagne davon auszugehen hat, dass Journalisten in einer zeitlich befristeten Aktion auf ein definiertes Ziel hin zusammenwirken. Sicher, im Falle Wulff konnte man schon ins Grübeln geraten, wenn man beobachtete, wie beispielsweise BILD und SZ „kooperierten“. „Blätter“, die sich sonst keines Blickes würdigen. Gleichwohl würde ich den Journalisten so etwas nicht pauschal unterstellen.

Ich sehe die Qualität des deutschen Journalismus eher von anderer Seite bedroht. Da ist zunächst der Hang zur „Skandalisierung“. Eine „Meinungsmache“ schlimmster Art: „Deshalb weisen Skandale totalitäre Züge auf: Sie zielen auf die Gleichschaltung aller, weil die öffentliche Abweichung einiger den Machtanspruch der Skandalisierer und ihrer Anhänger in Frage stellen würde.“ (Prof. H.M.Kepplinger)

Weiterhin ist in den deutschen Medien ein zuweilen beängstigender „Gleichklang“ zu beobachten. So stark, dass es den Medienschaffenden schon selbst auffällt. Giovanni di Lorenzo, ZEIT: „Mir macht die Frage, wie heute öffentliche Diskurse organisiert werden, Sorgen. Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten…aus.“

Dies sind nur zwei Aspekte einer abnehmenden Qualität im Journalismus. Nimmt man noch die politisch einseitige Selbstbindung der Journalisten hinzu und die Gefährdung der „Inneren Pressefreiheit“, dann wird das ganze Ausmaß des Qualitätsverlustes im Journalismus deutlich.

29) Peter Christian Nowak, Dienstag, 31. Dezember 2013, 15:41 Uhr

@23) lena hessker,

Es wird deshalb wahrscheinlich nichts berichtet, weil die Verhandlungen noch gar nicht richtig begonnen haben.
Aber Sie können davon ausgehen, dass hier schon eine Gruppe von Journalistinen und Journalisten in den Startlöchern stehen, die akribisch den Verhandlungen folgen werden (bitte warten auf “die story” ARD).

Die USA haben, gemäß ihren Wirtschaftsinteressen, keinerlei Bedarf an umfassender Aufklärung der deutschen Bevölkerung.

Ebenso nicht die Europäische Union und deren Verhandlungsführer.

NGO´s beklagen die Intransparenz innerhalb der TTIP-Verhandlungen für die Bevölkerung, mit der wichtige Details in Sachen Umwelt- und Klimaschutz aber auch Arbeitsschutz unter der Decke gehalten werden.

Auf Druck von US-Exportinteressen sollen bereits bestehende wie geplante gesetzliche Regelungen, die diesen Prinzipien folgen, zum Handelshemmnis erklärt werden. Durch die TTIP-Hintertür soll die europäische Chemikalien-, Umwelt- und Energiegesetzgebung aufgeweicht werden.Auf beiden Seiten des Atlantiks wird, so können Sie sicher sein, wird die Öffentlichkeit gegen diese Bestrebungen mobilisiert werden.

Dann gibt es noch dieses dubiose Sonderklagerecht für Konzerne im TTIP-Abkommen für amerikanische Konzerne.
Deutschland und die EU wollen solchen Konzernen Sonderrechte geben, mit denen diese vor geheimen Schiedsgerichten gegen gemeinwohlorientierte Politik klagen können. Widersprüche würden damit nicht mehr möglich.

Das ist ein Skandal, denn damit würden elementare Grundsätze von Demokratie und Rechtsstaat mit Füßen getreten.

Einer Vereinbarung müssen alle 28 EU-Staaten und das EU-Parlament zustimmen.

Das ist eine Hürde, die erst einmal genommen werden muss. Daher werden die Verhandlungen Jahre dauern.
Obamas Ziel, bis 2015 die Kuh vom Eis zu haben, ist ebenso ehrgeizig wie ambitioniert – aber keineswegs realistisch.

30) Ste, Dienstag, 31. Dezember 2013, 16:22 Uhr

Nun ja, ich teile Ihre Meinung nicht, Herr Spreng. Eine Vermutung: Viele Journalisten, gerade auch Chefredakteure, berichteten meiner Meinung nach mehr als übertrieben über Steinbrück und lutschten Merkel die Halskette blank, weil sie die Steuerpläne der SPD fürchteten.

31) karel, Dienstag, 31. Dezember 2013, 17:02 Uhr

Unglücksfall Schumacher….

Ein Journalist versucht, als Priester verkleidet, an das Krankenbett zu kommen.
Ein Kamerateam will auf Schumachers Etage……

Alltagsvernunft? Fehlanzeige !!!!!!!!
Wie krank ist das alles nur?

32) Bernhard Paul, Mittwoch, 01. Januar 2014, 03:08 Uhr

@2 Erika
Angela Merkel hat niemals gesagt, mit mir wird es keine Pkw-Maut geben, sondern: Mit mir wird es keine Pkw-Maut für Ausländer geben. Kleiner Unterschied. In diese selbstgestellte Falle lässt sie den Horst Seehofer doch gerne hineinlaufen. Also, es wird keine Pkw-Maut nur für Ausländer geben!

33) Journalist, Mittwoch, 01. Januar 2014, 12:41 Uhr

27) StefanP, Dienstag, 31. Dezember 2013, 12:20 Uhr

“Ein Wort zum angeblichen Lieblingskind der Medien, Angela Merkel: die privaten Leitmedien des Landes stehen der Kanzlerin eher kritisch gegenüber, die FAZ berichtet selten positiv und der SPIEGEL hatte sie gerade vor einigen Wochen in einem Portrait auf dem Kiker, wo sie als eine Amtsträgerin beschrieben wurde, die nur noch wenige Journalistenfragen zulasse”

Und Sie erkennen nicht den Unterschied in der Berichterstattung etwa zu Peer Steinbrück?
Sehen Sie nur, was Sie sehen wollen, oder sind Sie wirklich so naiv?

34) BeRa, Mittwoch, 01. Januar 2014, 15:17 Uhr

@StefanP
Ihr Kommentar trifft den Kern nicht. Entweder ist er sehr naiv oder nur die Meinung eines katholischen CDU Wählers.

35) A Ritter, Mittwoch, 01. Januar 2014, 16:48 Uhr

Die Presse ist nicht mehr frei . In meinen Augen ist die Medienlandschaft schon komplett vom Kapitalismus vereinnahmt. Schreiben darf sie eh nur was ihr Sponsor zuläßt. Die Presse ist gezwungen dieses Drecksystem zu verteitigen weil sie vom Kapital abhängig ist. Ich vergesse es nicht ,früher wenn ich mit meinem Urgroßvater über Politik, Korruption diskutierte sagte mein Urgroßvater immer einen Satz den ich damals nicht verstand ,,Alle Hundert Jahre müsste die Presse zerschlagen werden”
Heute weis ich was er damit sagen wollte.

36) Erika, Mittwoch, 01. Januar 2014, 17:00 Uhr

@ 32) Bernhard Paul

Sehen Sie selbst:

http://www.youtube.com/watch?v=Uzo3HwOr-sM

In diesem Ausschnitt wird auch deutlich, wie Herr Klöppel sofort Angela Merkel an die Seite springen wollte, selbst beim Duell.

Und danach kamen noch die “Spitzfindigkeiten”

http://news.de.msn.com/politik/seibert-relativiert-absage-merkels-an-pkw-maut

Also laut Regierungssprecher Seibert stellt sich das wohl so dar:
“Merkel habe “eine Pkw-Maut, die inländische Autofahrer zusätzlich belastet, immer abgelehnt”.

Man kann da schon mal etwas verdrehen oder durcheinanderbringen, ehrlich gesagt ich vermute, dass ist sogar Taktik, damit am Ende wirklich niemand mehr weiß, was sie tatsächlich gesagt hat (aber es gibt ja nicht nur die Presse sondern auch youtube).

37) StefanP, Mittwoch, 01. Januar 2014, 17:11 Uhr

@33) Journalist
@34) BeRa

Gleich zweimal der Vorwurf der Naivität? Was bitte ist naiv? Die Frage ist, wie man Berichterstattung objektivierbar macht. Ich hatte Ihnen dazu ein Beispiel auf den Nachdenkseiten gebracht, deren Stärke sicher nicht Ausgewogenheit und Fairness sind. Oder nehmen wir die Berichterstattung über die Wahlprogramme: die Medien haben sich fraglos ausführlich mit dem steuerpolitischen Teil der linken Wahlprogramme auseinandergesetzt. Gerade Grüne fanden das reichlich unfair, schließlich hatten die eigenen Mitglieder diesen Teil als nicht wichtig erachtet. Über die Vorstellungen der damaligen Regierungsparteien lag außer ihren gescheiterten Gesetzesvorhaben wenig vor. Worüber hätte berichtet werden sollen? Entsprechend wurden die finanzwirksamen Wahlabsichten unisono als unseriös beschrieben.

Über Angela Merkel ist alles schon geschrieben worden, was hätte man dem Wähler näher bringen sollen? Die Deutschen kennen die Uckermärkerin seit 8 Jahren als Kanzlerin, sie ist entsprechend lange durchleuchtet und beschrieben worden. Jedes ihrer Statements wird auf die Goldwaage gelegt und ggf. verfälscht, so ihre Aussage zur “marktkonformen Demokratie” oder das Internet als Neuland. Peer Steinbrück war zwei Jahre Medienstar, auch deshalb, weil er angeblich nichts mehr werden wollte. Was er in der Vergangenheit war, das hatte er verliehen bekommen: Landesminister, Ministerpräsident, Bundesfinanzminister. Wer jedoch an vorderster Front steht, wird ausführlich kritisch gewogen. Das ging Merkel so, das gilt für Schäuble, Lafontaine, Kohl, Schröder, Scharping, Engholm etc. Suchen Sie es sich aus.

Steinbrück hat jeden erdenklichen Fehler gemacht, den man machen konnte. Es begann damit, sich von einem Elder Stateman zum Kanzlerkandidatenkandidaten ausrufen zu lassen und dies nicht aus eigenem Anspruch zu sein wie z.B. Gerhard Schröder. Seine Kampagne litt unter dem Widerspruch von Image und Wollen. Sein internationales Renommee fußte auf dem Image als solider Finanz- und Wirtschaftspolitiker, verkaufen wollte er sich als Streiter für “soziale Gerechtigkeit” und den Umverteilungsstaat. Dieser Widerspruch war offensichtlich und wurde von den Medien weiter herausgearbeitet. Und zum Schluss sein exzessiver Hang zur Ironie, das in dem Mittelfinger-Bild gipfelte. Peer Steinbrück ist Vollblutpolitiker, er weiß um die Bedeutung von Bildern und die Wichtigkeit, ihren Effekt zu beherrschen.

Ironie ist ein Stilmittel der (Selbst-) Distanzierung. Genau deswegen wird es in engen zwischenmenschlichen Beziehungen missverstanden und ist deplatziert. Die Aufgabe eines Politikers ist, Mehrheiten zu gewinnen und repräsentativer Vertreter zu sein. Wer sich distanziert, erschwert die Aufgabe. Auch das haben Medien aufgezeigt. Ihre Aufgabe ist, das Wollen und die Aussagen von Politik zu transportieren, nicht den Lesern zu erklären, was der Politiker eigentlich sagen wollte. Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hatte ein durchaus ähnlich gelagertes Problem. Wegen seinem starken Hang zur Ironisierung konnte er auch nicht Wählerstimmen gewinnen. Hier spricht jedoch keiner von einer Medienkampagne, obwohl der Niedersachse nicht Bundeskanzler werden wollte.

38) rundertischdgf, Mittwoch, 01. Januar 2014, 19:14 Uhr

Wir haben es doch schon lange mit einer gleichgeschalteten dpa-Welt zu tun. Die Redakteure in den Regionalzeitungen setzen doch fast nur noch die Schlagzeilen, ob das nun das Buxtehuder Käseblatt oder der Dingolfinger Anzeiger ist. Patriotische Ansätze werden in Nischenzeitungen gedrängt. Ängstliche Journalisten trauen sich nicht wirklich nonkonforme Diskussionen zu führen. Schauen Sie sich die Talkshows an, weichgespült, mit den immer gleichen Gesichtern. Langweile wird zum Prinzip, die Lüge wird Wahrheit genannt. Herr Spreng weiß sicherlich genau wie die Meinungsmache funktioniert. Die Gedanken sind frei, die Bewegungsfreiheit dieser nennt unsere Bundeskanzlerin in ihrer faden Neujahrsansprache, deren inhaltliche Spitzenleistung in der Bemerkung gipfelte, tanken wir an der frischen Luft auf.

http://rundertischdgf.wordpress.com/2014/01/01/neujahrsansprache-2014-was-vom-prompter-merkel-hangen-blieb/

39) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 01. Januar 2014, 21:44 Uhr

32) Bernhard Paul,

Ich weise auf ein Interview mit Ramsauer von 2009 hin. Damals war er fest entschlossen, die (damals wurde das “Pickerl” noch “Autobahngebühr” genannt und nicht Maut) Autobahngebühr für alle (ausnahmslos) einzuführen.
Auch andere Verkehrsexperten waren sich damals einig, dass die Autobahngebühr in der drauf folgenden Legislatur kommen würde. Aus politischen Gründen hat man sich zurückgehalten. Da hat man sich wegen der Finanzkrise und anderen taktischen Gründen lieber noch ein Fenster offen gehalten.
Durch Seehofers Taktik, die Vignette nur für Ausländer einführen zu wollen, stehen nun die Türen für die eigentliche Planung, nämlich die Gebühr für alle(!), weit offen!

So hat es Seehofer auch von Anfang an gewollt! Wenn das mit den “nur die Ausländer(!) rechtlich nicht möglich ist, kann sich Seehofer die Hände in Unschuld waschen.

So macht man “gelungene” Camouflage!

40) Bernhard Paul, Mittwoch, 01. Januar 2014, 22:01 Uhr

Wenn Sie, Herr Spreng, den Begriff Kampagne als eine abgestimmte, geplante, koordinierte, gewissermaßen als eine konzertierte Aktion unterschiedlichster Medien verstehen, dann haben Sie recht mit Ihren Ausführungen. Die gibt es nicht und gab es nie.
In dem Sinne aber, wie heutzutage Kampagne gerade im Zusammenhang mit Medien und Journalismus gebraucht wird, das sogenannte mediale Trommelfeuer, dürfte es Ihnen schwerfallen, die Berichterstattung in den von Ihnen genannten Fällen nicht als Kampagnen zu bewerten. Wobei es die nachvollziehbarste gegen Steinbrück gab. Der kann halt sein Temperament nicht zügeln und gibt somit dem Affen immer wieder neuen Zucker.
Gegen Angela Merkel wäre schon aufgrund der Tatsache, dass an ihr alles abperlt und sie zu Recht die Teflon-Angela genannt wird, keine Kampagne möglich, sofern sie keine Leichen im Keller hat.

41) Journalist, Donnerstag, 02. Januar 2014, 09:11 Uhr

@ 37) StefanP, Mittwoch, 01. Januar 2014, 17:11 Uhr

Mein Vorwurf der Subjektivität (oder Naivität) bezog sich auf die zitierte Passage: Frau Merkel wird offenkundig von den Medien mit Samthandschuhen angefasst, keinesfalls aber so hart bewertet, wie es einem Herrn Steinbrück geschah.

Ihren Ausführungen zu Wulff stimme ich zu.

42) Erika, Donnerstag, 02. Januar 2014, 10:04 Uhr

40) Bernhard Paul, Mittwoch, 01. Januar 2014, 22:01 Uhr

“Gegen Angela Merkel wäre schon aufgrund der Tatsache, dass an ihr alles abperlt und sie zu Recht die Teflon-Angela genannt wird, keine Kampagne möglich, sofern sie keine Leichen im Keller hat.”

Könnte es vielleicht sein, dass dies so ist, weil es keine “Schlagzeilen” gibt?

Wie wäre es mit:

– Merkel bei Maut umgefallen
– Wortbruch bei Maut – Merkellanti
– Kanzlerin hält nicht Wort
– Kein Verlass auf Merkel – jetzt doch Maut im Koalitionsvertrag
– Autofahrer von Kanzlerin belogen

nur um mal spontan in dieser Sache ein paar Schlagzeilen zu nennen. Und da müsste die Presse noch nicht einmal etwas verdrehen (Kanzlergehalt) oder aufblasen (Wein zu 5– €). Die Presse müsste einfach nur die Tatsachen zum Thema machen.

Und der Ausschnitt aus dem Duell “Mit mir wird es keine Maut geben.” könnte man auf allen Sendern wiederholen, so dass man es nicht erst auf youtube suchen muss und es einige (siehe Kommentar Nr. 32) gar nicht wahrgenommen haben.

43) Sven Garber, Donnerstag, 02. Januar 2014, 10:21 Uhr

Wenn man als Politiker aber befürchten muss, dass man selbst und ggf auch die Angehörigen wegen Pinot Grigio oder Bobbycars eine Kampagne über sich ergehen lassen muss, wird man irgendwann nur noch Langweiler oder abgebrühte Leute in der Politik haben. Wenn das Bobbycar wichtiger wird als politische Aussagen, werden Politikverdruss und Uninformiertheit der Bürger größer werden. Und nur mal ganz am Rande: Solange Journalisten ihre zahlreichen Vergünstigungen bei Flügen, in Hotels und und und nicht offenlegen, sollten sie als im Glashaus Sitzende vorsichtig mit dem Steinewerfen sein. Und zum Thema Unabhängigkeit: Ich habe es vor Jahren selber schon erlebt, dass eine Anzeigenkampagne “meiner” NGO gegen den öffentlichkeitsscheuen Inhaber eine bekannten Lebensmittelkette nicht geschalltet wurde, weil die Zeitung Angst hatte, jene Kette als Großanzeigenkunden zu verlieren. Wir sind dann auf ein weniger auflagenstarkes, aber wenigstens wirklich unabhängiges Blatt ausgewichen. Aber viele Zeitungen sollten sich schon fragen, ob sie wirklich so unabhängig sind, wie sie gerne vorgeben. Vielleicht wäre das auch mal eine Kampagne wert….

44) Rapunzel, Donnerstag, 02. Januar 2014, 12:21 Uhr

In Sachen Merkel gibt es auf jeden Fall eine orchestrierte Kampagne. Die Botschaft der Merkel Kampagne lautet “Verlässlichkeit, Beständigkeit” ganz gleich ob dies der Wahrheit (siehe das angerichtete Chaos in der Energiepolitik, Sicherheitspolitik, Bilzng und Familienpolitik, etc.) entspricht. Sonst wäre Frau Wahlbetrug-Merkel auch angesichts von Totalüberwachung und multipler Wortbrüche bestimmt nicht wieder gewählt worden. Herr Spreng ist selbst einer der Wortführer dieser Kampagne wie seine ausführliche Wahlwerbung für Angela Merkel deutlich machte.

45) BeRa, Donnerstag, 02. Januar 2014, 14:40 Uhr

@StefanP
Ich kann und will Ihnen Ihre Thesen hier nicht widerlegen. Zumal ich die Protagonisten alle nicht persönlich kenne oder auch nur kennenlernen möchte. Ich sehe mich aber eindeutig auf der Seite der vielen Kommentatoren die ebenfalls der Meinung ist das es einer kritischen Presse in Deutschland mangelt.
Der von Ihnen angeführte Rösler kann sich daher nun wirklich nicht beklagen. Da wurde jemand zum Politiker hochgeschrieben der bestenfalls zum Gebrauchtwagenhändler taugt. Einer der Sorte der abstreiten würde Sie zu kennen falls Sie einen Garantieanspruch geltend machen wollten. Die Liste der Namen würde zu lang wenn man sich hier mit jedem Vollpfosten auseinandersetzten würde.
Eigentlich ist es wie mit dem Erdbeerjoghurt im Supermarkt.
Keine Erdbeere drinn, aber als Erdbeerjoghurt deklariert. Egal, solange es die Leute fressen.

46) Politikverdruss, Donnerstag, 02. Januar 2014, 15:02 Uhr

35) A Ritter, Mittwoch, 01. Januar 2014, 16:48 Uhr

Früher in der „bleiernen Zeit“ hieß das doch „Schweinesystem“. Fragen Sie mal Ihren Vater. Warum denn nun die Umbenennung in „Dreckssystem“? Wenig originell, finde ich.

47) Rapunzel, Donnerstag, 02. Januar 2014, 16:34 Uhr

Noch so eine Kampagne:
Wer berichtet darüber, dass in Hamburg die seinerzeit von dem Rechtspopulisten Schill ins Amt gebrachte Polizisten unvermummte, friedliche Demonstranten aus der linken Szene drangsalieren und ganz nach hessischer Methode brutal unter Gewalteinsatz am Wahrnehmen des Demonstrationsrechts hindern?
Niemand. Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Die gleichgeschaltete “Berliner Presse” lässt schon lange Wahrheiten unter den Teppich kehren. Die einseitige konservativ-ideologische Berichterstattung hat in Deutschlands Geschichte leider eine traurige und durchgehende Tradition. Immer wenn Berlin zur Hauptstadt erklärt wurde, verschlimmerte sich dies. Wie auch jetzt wieder.

48) Bernhard Paul, Donnerstag, 02. Januar 2014, 23:41 Uhr

@36 Erika

Sorry, habe ich mich tatsächlich verhört damals. Der Link ist der Beweis. Alles klar und vielen Dank.

49) wschira, Freitag, 03. Januar 2014, 11:44 Uhr

32) Bernhard Paul

Sie sollten sich schon um korrekte Zitate bemühen und nicht irgend Etwas hinausposaunen.

http://zdfcheck.zdf.de/faktencheck/merkel-pkw-maut/

Das entscheidende Zitat aus dem Fernsehduell lautet:

Zitat: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben. Das habe ich schon sehr, sehr lange und in vielen Interviews gesagt. […] Mit mir wird`s eine Maut für Autofahrer im Inland nicht geben.”

Das ist etwas Anderes als das, was Sie anführern.

50) Erika, Freitag, 03. Januar 2014, 14:17 Uhr

Wozu Medien fähig sind.

Im November 2004 stellte der JOURNALIST Beckmann dem damaligen Bundeskanzler in einer Talkshow die Frage: “Ist Putin ein lupenreiner Demokrat?” Darauf antwortete Schröder: “Ja, ich bin überzeugt, dass er das ist.”

——-Er sei sicher, dass Putin Russland „zu einer ordentlichen Demokratie machen will und machen wird“. Das Land habe 75 Jahre kommunistischer Herrschaft hinter sich sowie zehn Jahre, in denen alle Staatlichkeit zerfallen sei. „Putin schafft es jetzt, den Staat wieder in seine Funktion zu setzen.“ Es sei klar, dass dabei nicht alles idealtypisch laufe. Schröder sagte zudem, zwischen ihm und Putin bestehe ein Grundvertrauen. Dies beinhalte, „dass man einander die Wahrheit sagt“.——-

Bereits bevor die Sendung gezeigt wurde, gab es Berichterstattung darüber siehe am Beispiel des Handelsblatt

http://www.handelsblatt.com/politik/international/laut-interview-in-der-ard-sendung-beckmann-schroeder-haelt-putin-fuer-lupenreinen-demokraten/2439580.html

Die Formulierung hat er soweit ich es verfolgt habe, nie übernommen. Nichtsdesto trotz werden bis heute viele Berichterstattungen in ARD, ZDF oder auch den privaten Sendern mit dem angeblichen Schröder Zitat eingeleitet.

Auch Herr Spreng benutzt dies immer wieder u.a.

“Unvergessen ist auch Schröders schlichte “Ja”, als ihn Reinhold Beckmann fragte, ob Putin ein lupenreiner Demokrat sei. Ein Zitat, zu dem er bis heute steht.”

im Sprengsatz vom Juli 2012

http://www.sprengsatz.de/?p=3877

Wobei man sich schon fragen könnte, war es ein schlichtes “Ja” oder ein “Zitat”?

Auf jeden Fall wird Schröder für dieses “Ja” auf die Frage eines Journalisten (was hätte er eigentlich anderes antworten sollen?) jetzt seit fast 10 Jahren durch die Republik gejagt.

Nehmen wir dagegen seine Nachfolgerin, Spötter sagen “Bush´s Grillkönigin von Trinvillershagen”,
hat für mehrere Millionen € dem überführten Lügner im Irak-Krieg und dem Verantwortlichen für Folter und Guantanamo ein “privates” Grillfest veranstaltet und damit er auch in Amerika noch schöne Bilder hat, ihm zu ehren “Jubelperser” auf den Marktplatz von Stralsund gestellt und weil sie ihn gar so toll fand, ihn daraufhhin auch noch auf seiner PRIVATEN Ranch besucht. Dieses Ereignis ist nur wenigen noch präsent. Merkel wurde in der Presse u.a. wegen dem guten Verhältnis zu Amerika zur angeblichen “Bella-Figura” und dieses “Ereignis” wurde auch bei den vielen Anlässen Merkel im Zusammenhang mit Amerika in der Presse so gut wie nie wieder erwähnt.

Medienwirklichkeit in Deutschland!

51) Erwin Gabriel, Freitag, 03. Januar 2014, 17:10 Uhr

@ 42) Erika, Donnerstag, 02. Januar 2014, 10:04 Uhr

Eine haben Sie vergessen:

Merkel auf dem BILD-Titel, flachgelegt (=waagrecht),
Schlagzeile: “Die Umfallerin”

etwa so: http://www.nusquam.de/?p=3003

52) Erwin Gabriel, Freitag, 03. Januar 2014, 17:22 Uhr

@ 40) Bernhard Paul, Mittwoch, 01. Januar 2014, 22:01 Uhr

>> Wenn Sie, Herr Spreng, den Begriff Kampagne als eine
>> abgestimmte, geplante, koordinierte, gewissermaßen als
>> eine konzertierte Aktion unterschiedlichster Medien verstehen,
>> dann haben Sie recht mit Ihren Ausführungen.
>> Die gibt es nicht und gab es nie.

Vielleicht haben Sie da formaljuristisch sogar recht. Genauso mag es sein, dass alle Mineralöl-Anbieter ohne Absprache agieren, wenn Sie in scheinbar gleichgeschalteten Wellenbewegungen die Spritpreise an den Tankstellen rauf- oder runter setzen. Vielleicht ist das alles nicht abgesprochen und funktioniert trotzdem, weil man sich gut genug kennt und sich untereinander auch so versteht. Was es jedenfalls nicht ist: Der Kampf um den Kunden nach den Regeln der Marktwirtschaft.

Vielleicht geht es den Medien, wenn sie erstmal ein Opfer ausgemacht haben, auch nur darum, wer die meisten Treffer bzw. den medialen Fangschuss setzt. Auch dafür wäre keine Absprache nötig. Aber auch hier: Das ist schädlich, das ist schändlich, und soweit weg von “Journalismus”, wie es nur sein kann.

53) sinistram, Freitag, 03. Januar 2014, 20:54 Uhr

Es ist doch auch eine Kampagne, wenn die Mainstream-Medien der Kanzlerin alles durchgehen lassen, anstatt ihr endlich mal empfindlich auf den Zahn zu fühlen. Bei Steinbrück haben sie es doch auch getan; jedes seiner Worte wurde auf die Goldwaage gelegt, er musste sogar seine Stasi-Akte herzeigen, während solche Forderungen zur Offenlegung an die Kanzlerin Merkels trotz ihrer dubioser DDR-Vergangenheit nie erhoben werden. Seit mehr als acht Jahren kommt sie in dieser Hinsicht ungeschoren davon: So agieren heute die Medien: Die sogenannte vierte Gewalt im Staate hat sich selbst gleichgeschaltet, weil es die Auftraggeber aus der Wirtschaft so wollen – sekundiert von der Mogelpackung Bertelsmann-Stiftung.

54) Werner Berger, Samstag, 11. Januar 2014, 02:15 Uhr

“Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen einen amtierenden Bundespräsidenten brachte dann das Fass zum Überlaufen und zwang Wulff zum Rücktritt. Das ist aber nicht den Medien anzulasten.”

Das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren hatte eine Falschberichterstattung der BILD-Zeitung zur Grundlage – Artikel “Wer bezahlte Wulffs Sylt-Urlaub?” vom 08.02.2012, in dem bewusst wahrheitswidrig behauptet wurde, dass Groenewold den Sylt-Urlaub habe “vertuschen” wollen. Groenewold ist mit Erfolg gerichtlich gegen diesen Artikel vorgegangen, hatte eine einstweilige Verfügung erwirkt, die auch im Hauptsacheverfahren Bestand behielt. Wenn eine Falschberichterstattung der BILD-Zeitung nicht der BILD-Zeitung anzulasten ist, wem denn dann?

Sie können sich auch an die eigene Nase fassen:

http://www.sprengsatz.de/?m=201112

“Erst nach der Anfrage der Grünen über Verbindungen zu Unternehmern wandelte er den Kredit des Ehepaares Geerkens in einen Kredit der BW-Bank um. Und diesen, bekam er offenbar nur deshalb, weil sein Unternehmerfreund Egon Geerkens den Kontakt zur BW-Bank herstellte.”

Die Unwandlung des Privatkredites von Frau Geerkens – nicht “des Ehepaares Geerkens” – in den ersten BW-Bankkredit wurde bereits im Dezember 2009 in die Wege geleitet. Das dazu erforderliche Prozedere – Wertgutachten, Einschätzung des Vermögenssituation des Kreditnehmers, Bestellung der Grundbuchsicherung – läss sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Der Vertragsabschluss lag nur deswegen zeitlich nach der Grünen-Anfrage von Anfang 2010.

Dass es sich um einen “Spezialkredit, der nur für Unternehmen zur Zwischenfinanzierung üblich ist” – wie Sie, Herr Spreng, schrieben – gehandelt habe, ist nachweislich falsch. Schon die WELT hatte im Mai 2009 über die Möglichkeit eines Geldmarktkredites auch für Privatpersonen berichtet:

http://www.welt.de/welt_print/article3682806/Mit-Euribor-Darlehen-guenstig-zum-eigenen-Heim.html

Wie ein Vorredner bereits schrieb:
Als Journalist fehlt Ihnen die Distanz, um OBJEKTIV über die Medien zu urteilen.

Tut mir ja Leid, Herr Spreng, aber so ziemlich alle Ihre Äußerungen zur Causa Wulff befördern meine Skepsis Ihnen gegenüber.

55) Rapunzel, Montag, 13. Januar 2014, 09:08 Uhr

Eine weitere kürzlich dargebotene Pressekampagne wollte uns ausgerechnet Angela “Wortbruch” Merkel als “schwäbische Hausfrau” verkaufen.
Schauen Sie sich die Rentenpläne des Merkel-Regimes an und lassen Sie sich diese glatte Lüge von der Schwäbin Merkel durch den Kopf gegen.
Fällt Ihnen etwas auf ?
Wieder mal handelt es sich um glatte Propaganda.
Zukünftige Generationen müssen das meiste ausbaden, dass Merkel und ihre Freunde versaubeutelt haben. Passt das etwa zu Bild von der “schwäbischen Hausfrau”?
Die schleichende Enteignung der Bundesbürger durch die Europolitik Schäubles und Merkels mal ganz außen vor gelassen. Hier spurt die gleichgeschaltete deutsche Presse und bereitet Merkel eine Kampagne nach der anderen. So wie auch auf diesen Seiten des Herrn Spreng.

56) Rapunzel, Freitag, 17. Januar 2014, 14:23 Uhr

2013 haben höhere Preise die Lohnsteigerungen aufgefressen. Leistung lohnt demnach hierzulande nicht mehr. Wir haben “weniger Netto vom Brutto”.
Diejenigen die “mehr Freiheit wagen” wollten haben dafür gesorgt das wir heute angesichts von Totalüberwachung, Gefahrengebieten und Vorratsdatenspeicherung weniger Freiheit denn je (seit Gründung der BRD) haben.

Alle diese gebrochenen Wahl versprechen leugnet Angela “Wortbruch” Merkels Berliner Propagandaapparat beharrlich.

Nein, Kampagnenjournalismus gibt es bestimmt nicht. Interessant das dessen Existenz ausgerechnet von einem wie Herrn M. Spreng geleugnet wird. Oder eben typisch.

Es hat sich selten ein Extremist als ebensolcher selbst bezeichnet.

57) m3ll, Mittwoch, 22. Januar 2014, 09:08 Uhr

Wohlwollend betrachtet mag es wohl sein, dass es sich bei den von Ihnen angeführten Beispielen nach strenger Auslegung nicht um Kampagnen, sondern nur um teilweise aus den Rudern gelaufenen, kritischen Journalismus handelt.

Wenn man nun aber mal einen Schritt zurückgeht, um den Blätterwald, und nicht die einzelnen Bäume zu betrachten, wird man feststellen, was auch hier im Thread schon angedeutet wurde: Die größte Kampagne ist die der “Alternativlosigkeit” des ungezügelten Kapitalismus und der Allmacht des Marktes.

“Kritischer” Journalismus findet fast ausschliesslich in diesem engen Rahmen statt, da werden Personalien diskutiert und aufgeblasen, als ob es wirklich einen Unterschied machen würde und es wird im Elfenbeinturm darüber diskutiert, wie die gerechte Verteilung der Krümel wohl auszusehen habe.

Die Presse ist in weiten Teilen zu Entertainment geworden, ohne wirklichen Erkenntnisgewinn. Sie ist im Prinzip nur noch die PR der Alternativlosigkeit, in unterschiedlichen Grautönen.

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