Montag, 20. Januar 2014, 11:57 Uhr

Der ADAC-Crash

Selten hat eine Organisation beim Krisenmanagement so versagt wie der ADAC. Der Automobilclub hat alles falsch gemacht, was man in einer Krise falsch machen kann.

Nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ kurz vor der Verleihung des ohnehin drittklassigen Autopreises „Gelber Engel“ berichtete, dass die magere Zahl der Abstimmungsteilnehmer nach oben manipuliert worden war, beschimpfte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair die Zeitung als „Schande für den Journalismus“, statt sofort aufzuklären und aufzuräumen.

Obermair hätte wissen müssen, dass sich eine renommierte Zeitung die konkreten Zahlen der Manipulation nicht aus den Fingern saugt. Aber dem Geschäftsführer war es offenbar wichtiger, die traurige Preisverleihung noch über die Bühne zu bringen, statt Konsequenzen zu ziehen und die Verleihung abzusagen. So machte er aus der Krise des Autopreises eine Krise des ADAC.

Als dann am Tag nach der Verleihung der Chefredakteur der „Motorwelt“ endlich die Manipulation zugab, beließ es der Geschäftsführer bei der „einvernehmlichen Trennung“, einschließlich Zahlung des Gehaltes bis Ende Jahres.

Der Geschäftsführer versuchte gleichzeitig, sich selbst und den ADAC-Präsidenten reinzuwaschen. Man habe von Manipulationen nichts gewusst. Das klingt wenig glaubwürdig, zummnindest was die letzten Tage vor der Preisverleihung betriftt, und es stellt sich auf jeden Fall die Frage: Nichts gewusst oder nichts wissen wollen?

Die ADAC-Führung wollte ihre Hände in Unschuld waschen, aber der Schmutz klebt weiter an ihren Fingern. Mit diesem katastrophalen Krisenmanagement ist es der ADAC-Führung gelungen, aus der Krise eines Autopreises eine Krise der gesamten Organisation zu machen. Der Imageschaden ist gewaltig, die Vertrauenwürdigkeit beschädigt. Schon werden auch die ADAC-Tests infrage gestellt.

Das Vertrauen kann nur wieder hergestellt werden, wenn der ADAC sachliche und personelle Konsequenzen zieht. Der Autopreis gehört abgeschafft, denn er wird sich von dem Imageschaden nie mehr erholen. Ein Preis, bei dem sich von 19 Millionen Mitglieder gerade einmal 3.409 für ein Siegerauto entscheiden, hat ohnehin keine Legitimation.

Die nächste Konsequenz muss der Rücktritt des Geschäftsfühers sein, der die Überbringer der schlechten Botschaft beschimpfte statt aufzuklären und bei der Bewältigung der Krise völlig versagte.

Und: Der ADAC muss endlich zu einer transparenten, demokratischeren Institution werden, an dessen Willensbildung und Kontrolle des Präsidiums die Mitglieder einen größeren Anteil haben. Dann lässt sich im Laufe der Zeit der Imageschaden vielleicht korrigieren. Denn eigentlich ist der ADAC ein verdienstvoller Verein.

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43 Kommentare

1) Jakobiner, Montag, 20. Januar 2014, 12:36 Uhr

Dass der ADAC sich selbst desavouriert, wird wohl von CSU-Seiten begrüsst werden. Denn der ADAC wagte es ja zusammen mit den Grünen an vorderster Front gegen die PkW-Maut der CSU aufzubegehren.Der ADAC ist aber eben nicht nur eine Abschlepptruppe, sondern inzwischen auch mächtige Lobbyistenvereinigung, die sich für die Autoindustrie in Verkehrs- und sonstige Politik aktiv und vehement einmischt.Der heutige Münchner Merkur forderte daher in seinem Leitkommentar eine demokratische und transparente Kontrolle des ADACs durch seine 18,6 Millionen Mitglieder.

2) Bernhard Paul, Montag, 20. Januar 2014, 13:58 Uhr

Wo liegen die Verdienste des ADAC, Herr Spreng? Zustimmung, wenn Sie den Verdienst meinen.

3) JMK, Montag, 20. Januar 2014, 14:27 Uhr

Verdienstvoller Verein?
Eine Lobbygruppe die immer wieder behauptet sie hätte eine Mandat (!) und würde für die Millionen von Autofahrern Deutschlands sprechen, ein Verein gegen Katalysator und Russfilter argumentierte, der sein Monopol im Bereich Strassenwacht ausnutzte? Dessen Strukturen den Mitgliedern verschlossen bleiben, mit einem Verein im herkömmlichen Sinne nichts zu tun hat?
Zum Glück gibt es inzwischen herstellereigene Abschleppdienste. Da bleibt einem dieser obskure Verein erspart.

4) Maren P., Montag, 20. Januar 2014, 15:03 Uhr

Zu fragen ist allerdings: „Wem dient dieser Skandal?“ Da muss ich daran erinnern, dass sich der ADAC wenige Tage zuvor vehement gegen die Pkw-MAUT ausgesprochen hat. Zufällig, zufällig, sitzen alle Protagonisten in München: der ADAC, die CSU und die Süddeutsche Zeitung … Dobrindt und sein Vollhorst sind für solche Gschaftlhuberei und kleinkarierte Rache allemal gut. Für ihre Pkw-Maut tun die wirklich alles …

Ich werde weiter ADAC Mitglied bleiben, weil die flächendeckende Pannenhilfe wirklich Spitze ist! Der Rest ist der übliche Lobbyismus der deutschen Automobil-Industrie. Gelegenheit also, den Verein jetzt zu demokratisieren und transparenter aufzustellen und den Mitgliedern endlich mehr Mitbestimmungs-Rechte einzuräumen!

5) Tiffy, Montag, 20. Januar 2014, 15:50 Uhr

„Und: Der ADAC muss endlich zu einer transparenten, demokratischeren Institution werden“

Das ist aber ein utopisches Ziel. Mich erinnert es an Caritas und Co. Die haben zwar gerne Mitglieder, die kostenlos arbeiten. Aber mitreden dürfen die nicht.

6) nona, Montag, 20. Januar 2014, 16:21 Uhr

Ich fand’s insgesamt amüsant wie der Chefredakteur seine Rücktrittsbegründung formulierte, „übernehme die Verantwortung“ – man kann nichts übernehmen was man sowieso schon hat.

7) jens, Montag, 20. Januar 2014, 16:28 Uhr

Der Kritik am ADAC ist eigentlich nur eins hinzuzufügen: Die Entschuldigung bei der Süddeutschen ist halbherzig und angesichts der ehrenrührigen Vorwürfe nicht ausreichend.
Fazit: Einen solchen Geschäftsführer kann sich der ADAC keinen Tag länger leisten. Aufräumen und durchleuchten des Geschäftsgebarens sind bitter notwendig. Gut, dass es noch andere Automobil-Clubs gibt.

8) Don Corleone, Montag, 20. Januar 2014, 16:44 Uhr

Und sofort schreit alles nach der staatlichen Knute, wie nicht anders zu erwarten. Doch die hätte in Sachen ADAC e.V. nichts zu melden — außer bei Verstößen gegen das Vereinsrecht.
Womit ich die zweifellos gewinnorientierten Mauscheleien keineswegs verharmlosen möchte. Doch der ADAC ist rechtlich ein eingetragener Verein wie Taubenzüchter oder Briefmarkensammler, einzig von seinen Mitgliedern bestimmt. Da helfen keine Pillen, sosehr Vater & Mutter Staat sich auch bemüßigt fühlen, dem Stimmvieh fürsorgenden Trost zu spenden.

Dass dieser Verein sich de facto zu einer höchst gewinnbringenden, dank seiner Mitgliederzahl quasi staatstragenden, aber nicht ganz koscheren NGO à la Greenpeace gemausert hat, sollte nur die ADAC-Mitglieder erregen, deren Geld diesen Aufstieg ermöglichte. Den Anzeigenkunden nach dem Maul schreiben? O.K., aber das betrifft nicht nur die „Motorwelt“, sondern so gut wie alle Printmedien, und die elektronischen Kanäle, öffentlich-rechtlich oder privat, machen es halt auf ihre subtlie Weise.

Wieder mal ein Medienhype, der zielstrebig von den wirklich brennenden Problemen ablenken soll, nichts weiter. Ich rechne demnächst mit einem Whistleblower, der uns über das geheime Liebesleben der Grottenolme und deren Korruption aufklärt.

P.S.: Ich bin kein ADAC-Mitglied. Meine Autoversicherung sowie die Werkstatt meiner uralten Kiste gewähren mir eine zweifache Mobilitätsgarantie. Wie viele Pannen soll ich denn haben? 🙂

9) Sabine Zielke-Esser, Montag, 20. Januar 2014, 17:55 Uhr

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis. Ein Lehrstück, wie Schrempp’s Chrysler-Abenteuer bis hin zu IOC und FIFA. Jetzt also auch der ADAC mit seinem Herrn Ramstetter, der schon seit geraumer Zeit daherkam wie der Herr ADAC persönlich.

In allen Umfragen erreichte der ADAC immer Höchstwerte in punkto Glaubwürdigkeit. In diesem Sinne ist er jetzt insolvent und muss abgewickelt werden. Ob dazu die Altherren-Riege an der Spitze fähig ist, bezweifle ich. Was bleiben muss, ist der Kern: Das, was den Mitgliedern wirklich hilft.

Aber auch dies hat eine Kehrseite: Die Starterbatterie ist bis heute eine zentrale Schwachstelle im Auto. Ein Weiterentwicklung hielt die Industrie wohl nicht für nötig. Im Notfall kommt ja der ADAC.

10) RCB, Montag, 20. Januar 2014, 18:03 Uhr

Jawohl verherter Herr Spreng, ich gebe Ihnen in vollem Umfang Recht; wieder mal!

Dass eine Institution wie der ADAC in dieser Größenordnung es nicht Allen (ob Mitglied oder nicht) recht machen kann, sollte klar sein. Dass er aber überschauberer werden und (wenn schon Verein und keine andere Gesellschaftsform) mit mehr Mitgliederbeteiligung geführt werden und agieren sollte, bzw. dass er das bisher nicht tut, stört mich schon lange.
Man kann aber nicht sagen, dass der ADAC nichts geleistet hat. Ich kenne ihn seit ich mit meinen Eltern Anfang der 50-iger viel unterwegs war und seit ich Mitte der 60-iger selbst Mitglied geworden bin (damals hat man die „gelben Engel“ noch per Hupe und Handzeichen gegrüßt und sich gefreut, sie zu sehen, oder sie in Anspruch nehmen zu dürfen. Als Vielfahrer „brauche“ ich den ADAC so ca. alle 2-3 Jahre mal. Er ist immer da, immer freundlich, immer kompetent und das Leistungsvolumen, weit über den Straßenwachtdienst hinaus, ist beachtlich. Auch die bisher von M. Ramstätter geführte Motorwelt finde ich sehr informativ.
Und trotzdem, eine Figur wie Karl Obermair, die sich so verhält wie er es getan hat, muss als Geschäftsführer gehen, genauso wie Michael Ramstätter zu Recht gehen musste und die Abfindung sollte auch höchstens darin bstehen, dass man ihn bei sofortiger Freistellung maximal bis Ende 2014 ohne weitere Abfindung bezahlt. Das ist man den Mitgliedern (die ja eigentlich der e.V. sind) gegenüber schuldig. Tut das der ADAC nicht und/oder zahlt er eine hohe Abfindung, wird das durch sehr viele Mitglieder-Austritte quittiert werden; so sehe ich das!

11) karel, Montag, 20. Januar 2014, 20:33 Uhr

Maren P.
„Ich werde weiter ADAC Mitglied bleiben, weil die flächendeckende Pannenhilfe wirklich Spitze ist! “

Das unterschreibe ich auch.
Den „Schutzbrief“ schätze ich.
Ansonsten sollte sich der ADAC nicht „verzetteln“.

12) Carsten Otto, Montag, 20. Januar 2014, 21:50 Uhr

Normalerweise gilt im Vereinsleben das, was auch in der Politik und der Wirtschaft gilt: der Fisch stinkt immer vom Kopf.

Schon lange ist mir die Vereinspolitik des ADAC ein Dorn im Auge. Nicht erst seit gestern. In den 7 Jahren in denen ich Plus-Mitglied war hat mich einiges verdutzt. Jetzt ist es aber genug. Ich vollziehe den Wechsel hin zum ACE. Dort erhalte ich die gleichen Leistungen für weniger Geld und das ohne das ganze Imponieren und PR-Maschinerie und das in einer demokratischen Vereinigung.

Mir hast gereicht! ADAC? Und Tschüss!

http://www.roter-Beißer.com

13) Black-Jack, Montag, 20. Januar 2014, 22:26 Uhr

Der ADAC-Vorgang zeigt überdeutlich, wie tief unser Gesellschaft schon verkommen ist. Glaubwürdigkeit, Transparenz, Zuständigkeit, Verantwortung, legitime Aufsicht, sowie kritische Distanz; wo sind sie geblieben?
Jeder Verein unterliegt betriebswirtschaftlichen Zwängen. Wenn aber hauptamtliche Führungskräfte von einem Seniorenbeirat (ADAC-Hauptvorstand) ohne „echtes“ Vereinleben mit partiellen, auch kontroversen Diskussionen „gelebt“ wird, dann muss das in die Hose gehen. Immer, irgendwann. Kontruktive Kritik wird bei festgefahrenen Hiarchien stets als Nestbeschmutzung, nie als Warnsignal verstanden. Nachfragen haben schnell die Nimbus des Stänkerns oder werden als Anschlag auf eine sonst vertrauensvolle Zusammenarbeit hochstilisiert.
Monatliche, ggf. wöchentliche „Vostandssitzungen“, ohne Bezug zum operativen Geschäft, reichen selten um beispielsweise satzzugsgemäße Ziele beeinflussen zu wollen. ein Telefonat hier, ein Gespräch dort muss doch reichen.
Wenn sich Vorstandsmitglieder zuvörderst als „Grüssaugust“ mit Hang zur öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung verstehen, läuft jeder noch so ehrliche und satzungsgemäß verankerte Ansatz aus dem Ruder. Der eine kriegt seine Presse über ein frei frei verfügbare Reisebudget, nebst ansehnlichen Aufwandsentschädigungen; der andere kann organisationsintern dann machen was er will, bis Fehlentwicklungen überhaupt erst einmal im Kotrollorganen in Erwägungen gezogen werden. Schlendrian, Faulheit oder schlichtes Unvermögen gibt es nur bei Anderen.
Was ist denn das für ein überbezahlter Hauptgeschäftsführer, der direkt untergebene Führungspositionen nicht moderiert oder beaufsichtigt. Geht es nach dem Motto, tust du mir nichts, dann tu ich dir nichts. Was machen solche Führungspersönlichkeit eigentlich über die Woche. Oder hat der überzweifelhafte Wege ausgewählte Hauptgeschäftsführer nur einfach Angst vor Fehlern oder wenig Ahnung vom eigentlichen Kerngeschäft.
Für wenig Rückgrat oder Amigo-Verhalten gibt es halt viel Gehalt (und eine entsprechende Altersversorgung), wofür solche armseligen Führunskreaturen lange gebuckelt haben und jetzt nicht mehr verzichten wollen (und als Daueranspruch betrachten)l. Das direkte Umfeld, die leider eingerissenen Medienstrukturen, und die allgegenwärtigen Seilschaften machen ihnen es doch viel zu leicht.
Jeder normale Arbeitnehmer hätte bei solchen Vergehen sofort die fristlose Kündigung (mit Freistellung) erhalten; mit einem wenig schmeichelhaften Arbeitszeugnis. Ober ist die Gehaltsfortzahlung (mindestens sechststellig, bis zum Jahresende) des Medienchef als Schweigeprämie zu verstehen; ggf. noch mit einem Beratervertrag bei einem der vielen kommerziellen und inzwischen undurchsichtigen ADAC-Töchtern. Da scheinen sich ja noch weitere Abgründe anzudeuten!
Leider wird bei negativen Schlagzeilen in der freien Wirtschaft im Umgang mit kriminellen, unfähigen, stümperhaften oder schlicht überforderten Führungskräften nicht viel anders vorgegangen. Firmen oder Institutionen haben ja offensichtlich immer noch ausreichend Geld für traumhafte Abfindungen und (!) üppige Pensionen. Zweitklassige Führungskräfte holen sich in de Regel stets dritt- und viertklassige „Mitarbeiter“, oder Speichellecker, die nicht gefährlich werden können. Dieser Weg in den volkwirtschaftlichen Untergang dauert also noch an.

14) Johannes Lamp, Montag, 20. Januar 2014, 22:49 Uhr

Wenn der ADAC sich endlich dazu aufraffen könnte, eine Partei zu gründen, läge der Kanzler jetzt im künstlichen Koma und Striezel Stuck wäre Bundespräsident!!!

15) Ariston, Montag, 20. Januar 2014, 23:12 Uhr

Das spannende ist, wäre es Greenpeace gewesen, die Statistiken fälschen (was Greenpeace natürlich nie nicht tun würde), wäre das eine Meldung auf Seite 17 am Rande. Foodwatch wäre auf der Titelseite, aber mit der Schlagzeigel „xxx-Zetiung verleumdet Foodwatch“

Man ist, wie oben schon genannt wurde, Mitglied beim ADAC als Versicherung gegen Pannenfälle und weil es manchmal Rabatte gibt (ich nutze diesen Rabatt z. B. beim Autozug und bei Shell).

Aber die momentante Berichterstattung gerade im öffentlich rechtlichen Bereich erstaunt mich doch? Fragen sie mal in der Bevölkerung nach, wer im letzten Jahr diesen Preis gewonnen hat. Und was wurde eigentlich gefälscht? Sind es nur die Zahlen der Teilnehmer? Ist das Ergebnis vielleicht genauso wie erfragt, nur die Grundgesamtheit ist kleiner? Und wo kann ich die Daten der Testergebnisse aus den diversen Verbrauchermagazinen aus den örSendern nachfragen?

Der ADAC mag betrogen haben; was aber erstaunt, ist die Naivität, dass es ein Einzelfall sein könnte. Mag denn irgend ein Journalist, der/die nach Südafrika, Hawaii oder Australien eingeladen wird (vielleicht noch mit aktuell geschlechtsneutralem/r EhepartnerIn, sowas ist wichtig heutzutage) ein Fahrzeug negativ bewerten? Niemand wird einen Verriss schreiben. Nicht zu positiv, weil das verdächtig ist.

Solange Journalisten einen Journalistenrabatt bekommen, sind sie per se nicht glaubwürdig.

16) andreas, Dienstag, 21. Januar 2014, 07:51 Uhr

Obama erklärt sich zum Allmächtigen und Deutschland regt sich über den ADAC auf. Gute Nacht, Marie.

17) sparpaket, Dienstag, 21. Januar 2014, 08:11 Uhr

6) Carsten Otto,
„Ich vollziehe den Wechsel hin zum ACE.“

Auch dieser „eingetragenene Verein“ erschließt sich mir nicht. Ist mit den selben Mechanismen ausgestattet wie andere derartige „Vereine“.

18) IANAL, Dienstag, 21. Januar 2014, 10:49 Uhr

Das Problem beim ADAC ist seine Doppelnatur: Einerseits Service- und Versicherungsunternehmen, andererseits Interessenverband. Organisiert ist er als e.V., obwohl klassische wirtschaftliche Dienstleistungen den Großteil seines Geschäfts ausmachen. Um in deren Genuss zu kommen (anders gesagt: um Kunde des ADAC sein zu können), muss man aber Mitglied des Vereins sein (oder zumindest ist das von erheblichem Vorteil).

Schon mal gehört, dass jemand auf die Frage, warum er/sie im ADAC ist, geantwortet hätte: „Ich finde es gut, wie der ADAC meine politischen Interessen als Autofahrer vertritt.“? Nein, da kommen als Argumente regelmäßig und nachvollziehbarerweise gelbe Engel, Schutzbrief etc. Heißt also: Da die Dienstleistungen des Unternehmens ADAC gut und geschätzt sind, hat der Verein ADAC viele Mitglieder.

Seine in der Tat beeindruckende Mitgliederzahl führt der ADAC aber nun regelmäßig bei seiner politischen Arbeit ins Feld und tut dabei so, als würden seine 18 Mio. Mitglieder alle seine politischen Forderungen unterstützen. Nun, letztens hörte ich im HR von einer Studie (konnte das auf die schnelle nicht nachgooglen, kam mir aber damals alles nachvollziehbar vor), dass nicht nur eine deutliche Mehrheit der Gesamtbevölkerung in Deutschland, sondern auch fast die Hälfte der ADAC-Mitglieder (es waren glaube ich 47% oder so) für die Einführung eines allgemeinen Tempolimits auf den deutschen Autobahnen sei. So viel dazu.

Ich habe mich ja zunächst gewundert, warum dieses Affärchen über diesen unwichtigen Autopreis (gibts anderswo keine gekaufte PR?) jetzt solche Wellen schlägt. Aber gerade aus den Reaktionen der Politiker, die ihre Schadenfreude kaum verbergen können, kann man erkennen, wie viel Angst die bis letzte Woche vor dem ADAC hatten.

Ein Bekannter sprach schon lange vom ADAC immer als der „deutschen NRA“: So, wie strengere Waffengesetze in den USA immer an der NRA scheitern würden, scheitere ein Autobahn-Tempolimit in Deutschland immer am ADAC. Die Analogie ist IMHO nicht an den Haaren herbeigezogen.

P.S. Als kleine Randbemerkung: Man frage einmal einen Briefträger, was er von der ADAC-Motorwelt hält…

19) Lorenz Steinke, Dienstag, 21. Januar 2014, 14:41 Uhr

Herr Spreng,

ich teile Ihre Ansicht nicht, dass der Preis für alle Zeiten verbrannt ist. Der ADAC muss allerdings über eine grundsätzliche Regeländerung nachdenken. Als Chance sehe ich hier das große Renommee, das die Pannenhelfer („Gelbe Engel“) des ADAC in der Öffentlichkeit haben. Ich würde sie bei zukünftigen Abstimmungen mit einbinden. Das bietet sich beim Namen des Preises doch eigentlich schon an.

Ansonsten: Der Rücktritt von Obermair ist sicher eine Option, die der Verein aktuell nicht denken möchte. Gute Kommunikation sollte Vertrauen aufbauen ohne die gesamte Führungsetage zu opfern. Sofern nicht herauskommt, dass tatsächlich die Reihenfolge bei der Abstimmung gefälscht oder auch bei anderen Tests manipuliert wurde, sollte das möglich sein. Denn wenn Obermair geht, wackelt auch der Stuhl von Vereinspräsident Meyer. Davon würde sich der Verein so schnell nicht wieder erholen. Wovon dann wieder andere profitieren.

Wer mag, kann das Thema auch gerne auf meinem Blog verfolgen unter blog.kommunikation360.de.

Mit besten Grüßen,
Lorenz Steinke

20) Jeeves, Dienstag, 21. Januar 2014, 15:28 Uhr

@16: „Obama erklärt sich zum Allmächtigen und Deutschland regt sich über den ADAC auf. Gute Nacht, Marie.“
.
Man darf nur das eine aber nicht BEIDES anprangern? (beides macht die SZ ja). Im übrigen ist es das beliebte Kindergarten’argument‘ eines Ertappten: „Aber der XYZ ist ja noch viel schlimmer!“

21) Michael A. Nueckel, Dienstag, 21. Januar 2014, 20:21 Uhr

Der ADAC kommt in den Genuß einer beachtlichen Überdehnung des § 21 BGB: „Ein Verein, dessen Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, erlangt Rechtsfähigkeit durch Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichts.“ Das trägt der BGH seit 1982 mit, http://www.iww.de/quellenmaterial/id/26814. Justiz und auch Politik haben sich dem ADAC demnach nicht in den Weg gestellt. Der ADAC hat sich nunmehr selbst ein Bein gestellt. Ist vielleicht besser so, wenn die Pest (der Allmacht des ADAC) von innen heraus ans Tageslicht tritt. Doch was soll die Forderung nach einer „demokratischeren Institution“? Aktiengesellschaft? Schützt ein Testat der Demokratie vor diesen Manipulationen? Ich denke, Nein.

22) J.Taylor, Mittwoch, 22. Januar 2014, 09:12 Uhr

Der ADAC hat sich, von Millionen zahlenden Autofahrern getragen, zum Königreich entwickelt. Wäre den amtierenden Königen nicht die Bodenhaftung verloren gegangen, gäbe es, zur Freude der nach Führung geifernden Massen, keinen Skandal. Manchmal kann die Welt gerecht sein. Der nun folgende tiefe Fall des ADAC ist ein Grund an das Gute zu glauben, weil Hybris tatsächlich am Ende gegen eine Wand fährt, und wenn es ganz real am Steuer des Autos des Jahres passiert, ist es um so schöner.

23) Maren P., Mittwoch, 22. Januar 2014, 10:36 Uhr

Nr. 21) Michael A. Nueckel schrieb: „Doch was soll die Forderung nach einer „demokratischeren Institution“?“ (Zitat Ende)

Ich habe mir die Mühe gemacht und mir die Satzung des ADAC e.V. mal durchgesehen. Die einzelnen Landes-Verbände, beim ADAC immer noch „Gaue“ genannt und vorwiegend im Motorsport engagiert, schicken pro 100.000 Mitglieder eines Gaus EINEN Delegierten zur jährlichen Mitgliederversammlung. Das sind bei 19.000.000 Mitgliedern gerade einmal 190 Delegierte, die alle vier Jahre das Präsidium wählen dürfen! Wobei ein einzelner Delegierter bis zu 29 weitere stimmberechtigte Delegierte seines Gaus mit vertreten darf! Wenn das keine Gschaftlhuberei ist, was dann?! Als der HSV e.V. auf seiner letzten Mitgliederversammlung die Ausgliederung der Fußballsparte beschlossen hat, waren immerhin 7000 anwesende Mitglieder beteiligt! Beim ADAC hat die Masse der Mitglieder keine Chance, sich an den Wahlen – und damit an der politischen Willensbildung innerhalb des Vereins – zu beteiligen. Schon gar nicht als Frau!

24) Doktor Hong, Mittwoch, 22. Januar 2014, 13:29 Uhr

Ich wusste überhaupt nicht, dass es diesen Preis überhaupt gibt – und das, obwohl ich mittlerweile eine goldene Mitgliedskarte habe.

Insofern hat Herr Spreng einen Beitrag zu meiner Allgemeinbildung geleistet.

Und natürlich ist das beschriebene Verhalten nicht als redlich zu werten. Ich finde es auch nicht verkehrt, Verfehlungen kleineren Ausmaßes anzuprangern, die Auszeichnungen betreffen, von deren Existenz ich bis dato noch gar nichts wusste.

25) Rapunzel, Mittwoch, 22. Januar 2014, 17:14 Uhr

Die Aufregung um Autos und Benzinpreise verzieht meist schnell.
Diese „Zornbürger“ vergessen gerne und zuverlässig schnell.

Man muss ja kein ADAC Mitglied werden, wie bereits in einigen Beiträgen bemerkt.
Das Thema soll offensichtlich ablenken von Werteverfall und Abbau der Freiheitsrechte in Merkel-Deutschland.

26) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 22. Januar 2014, 20:34 Uhr

@9) Sabine Zielke-Esser,
^^Aber auch dies hat eine Kehrseite: Die Starterbatterie ist bis heute eine zentrale Schwachstelle im Auto. Ein Weiterentwicklung hielt die Industrie wohl nicht für nötig. Im Notfall kommt ja der ADAC.^^

Nicht, wenn Sie DIESE drin haben:
http://www.microntn.com/powerpak.html

27) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 22. Januar 2014, 20:37 Uhr

Der Deutschlandfunk hat meiner Meinung nach eine treffende Persiflage zu dem Thema gesendet:
http://www.deutschlandfunk.de/wahlfaelschung-beim-adac-automobilistische.691.de.html?dram:article_id=275261

28) rudibee, Donnerstag, 23. Januar 2014, 10:15 Uhr

ADAC – nee. Seit meinem ersten Auto, welches ich vor vierzig Jahren erworben habe, geht mir die unselige Verbindung zwischen Pannenhelfer und mandatlosem Lobbyverein auf den Geist. Nächste Baustelle: Das Deutsche Rote Kreuz.

29) Petra, Donnerstag, 23. Januar 2014, 12:07 Uhr

Kein Wort über LANZ und JÖRGES an dieses Stelle?
Das wundert mich. Aber nur ein bisschen.

Zur unentbehrlichen Pannenhilfe des ADAC nur eine Anmerkung:
Was beim ADAC 70 oder 80 Euro kostet, kostet bei meiner Autoversicherung 15 Euro jährlich.
Viele Autoversicherungen bieten diesen SCHUTZBRIEF an.

Der Unterschied bezogen auf die Pannenhilfe ist nur, dass beim ADAC die Person versichert ist und bei der Versicherung das Fahrzeug. Wem es nur auf die Pannenhilfe ankommt und wer hauptsächlich mit dem eigenen Fahrzeug fährt, braucht keine teure ADAC-Mitgliedschaft.

http://www.tagesspiegel.de/auto/versicherungen-meist-guenstiger-als-adac-und-co-kfz-schutzbrief-pannenhilfe-auch-ohne-autoclub/9359916.html

30) Daniel, Donnerstag, 23. Januar 2014, 15:51 Uhr

Als Besitzer einer goldenen Mitgliedskarte bin ich trotzdem nicht wirklich überrascht von der Entwicklung dieses Vereins. Weit vor der jetzigen, fragwürdigen Situation des Clubs ergab eine Umfrage unter Mitgliedern, dass sie in den meisten Punkten mit der Meinung und Haltung des ADAC zu verkehrspolitischen Themen NICHT übereinstimmen. Da ist es kein weiter Weg für eine Basis-entfremdete Führungsclique auch alle Augen zuzudrücken wenn Stimmauswertungen „frisiert“ werden um weiterhin glaubwürdig-gewichtige Lobbyarbeit abzuliefern.
Darüberhinaus haben mich schon länger die fragwürdigen Strukturen in der Organistaion dieses Clubs gewundert. So wird immer wieder betont, dass die Unteroganisationen (Gaue) eigenständige Entscheidungen treffen, so fragwürdig sie auch seien. Die Führung hat sich da wohl bereits ausgekoppelt um hier schadlos zu bleiben. Von Mitbestimmung der Basis bzw. der Mitglieder keine Spur.
Ich persönlich liege mit meiner Meinung zu politischen Themen oft weit neben denen des Clubs. Leider ist eine Befragung zu diesen Dingen vereinsintern nicht erwünscht (so mein Eindruck). So gehört man eben dazu und ist ein Teil der 19 Mio. Mitgleder auf deren massiven Einfluß der Club sich ja immer beruft um an der politischen Gestaltung aktiv oder passiv teilzunehmen. Zu guter letzt will ich trotz allem nicht unerwähnt lassen, dass die Pannenhilfe (für mich der eigentliche und einzige Grund meiner Mitgliedschaft) bislang immer sehr professionell und hilfreich war. Hierauf sollte sich der Club in Zukunft fokusieren und die politische Ebene und Lobbyarbeit auf ein gesundes Maß schrumpfen. Dann sehe ich für meine Mitgliedschaft eine Zukunft.

31) Racer, Freitag, 24. Januar 2014, 13:32 Uhr

Wer sich im ADAC engagieren will und auch an den Wahlen teilnehmen möchte kann dies tun. Jedes Mtglied erhält über die ADAC Motorwelt den Versammlungstermin des Regionalverein(Gau war die Bezeichnung für eine landschaftlich geschlossene und von natürlichen Grenzen bestimmte politische Siedlungsgemeinschaft der Germanen. Das Wort diente als allgemeine Bezeichnung von Regionen als Landschaft oder Verwaltungseinheit.) Hier kann man sich anmelden. Man kann abstimmen, sich für Ämter oder Funktionen bewerben oder auch Delegierter für die Hauptversammlung des ADAC werden. Dies klappt aber nicht beim ersten mal. In Parteien wird man nach dem Eintritt auch nicht Spitzenkandidat oder wird auf die Wahlliste gesetzt. Man muß also mitarbeiten und für sich werben.

32) Doktor Hong, Freitag, 24. Januar 2014, 15:20 Uhr

@29) Petra

Die Sprengsche Auffassung zu Lanz, Jörges, Wagenknecht und seine Beurteilung der medialen Dynamik würden mich ebenfalls ganz brennend interessieren.

Dazu hätte ich auch einiges zu sagen.

33) Jupp, Freitag, 24. Januar 2014, 17:06 Uhr

Wie hier schon an anderer Stelle angemerkt, existieren strukturelle Baustellen (mit ADAC-Risiken) noch bei anderen Großorganisationen; bei den kirchlichen Trägern (CARITAS und DIAKONIE; sowie die vielen privaten Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen (z.B. Paritätischer Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz & Co.); aber auch bei Sport- und Musikvereinen (also nicht nur Fußball).

@o5) Tiffy: Es ist aber ein utopisches Ziel. Mich erinnert es an Caritas und Co.
@13) Black-Jack: .. Wenn sich Vorstandsmitglieder zuvörderst als “Grüssaugust” mit Hang zur öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung verstehen, läuft jeder noch so ehrliche und satzungsgemäß verankerte Ansatz aus dem Ruder
…. undurchsichtigen ADAC-Töchtern. Da scheinen sich ja noch weitere Abgründe anzudeuten!
@28) rudibee: Nächste Baustelle: Das Deutsche Rote Kreuz.

BGB-Vereine fördern u.a. durch viel ehrenamtliches bzw. persönlichen Einsatz ein unverzichtbares gesellschaftliches Engagement mit zum Teil politisch relevanten Potential auf Fehlentwicklungen hinzuweisen oder Mißständen entgegenzuwirken. Je nach nach Größe des eigentlichen Ziels, Verbreitung oder Tätigkeitsspektren unterliegen solche Konstruktionen wirtschaftlich legitimen Zwängen, die sich nicht mehr über die Summe aller Mitgliedsbeträge refinanzieren lassen. Wegen außerordentlich rechtlich komplex einzuhaltender Randbedingungen und in Richtung durchgehender, sowie qualitativ hochwertig durchgehender Angebote, sind „professionell“ zu etablierende Strukturen unverzichtbar. dies ist z.B. bei der Konstruktion einer gemeinnützigen GmbH eigentlich nicht das Thema.

Kritisch wird es, wenn das hoffentlich betriebswirtschaftlich orientiert arbeitende Hauptamt eine Größenordnung erreicht hat, wo die Gewinn- und Verlustrechnung in die Nähe der jährlich insgesamt entrichteten Mitgliedsbeträge kommt; erst recht in den Schatten stellt; oder wo die Belegschaft der hauptamtlich abhängig Beschäftigten beispielsweise die Anzahl der Repräsentanten in den institutionalisierten Vereinorganen (Jahres- oder Hauptversammlungen; Bezirks- oder Kreisebenen; Orts- oder Hauptvorstände, o.ä.) übersteigt.
Rechtlich unhaltbar wird es z.B. bei Vereinsstrukturen nach BGB, wenn in einer Stadt oder in einem Regierungsbezirk (Satzungsareal) eine rechtlich selbstständig agierende Vereinsgliederung (auch innerhalb einer Ort-, Landes- oder Bundesstruktur) schon mehr Mitarbeiter (Voll- oder Teilzeit) als x-Prozent -oder gar darüber- aller Vereinsmitglieder auf dieser Gliederungsebene beschäftigt. Solche Grenzwerte werden sehr schnell überschritten, wenn z.B. nur die finanziell unterstützenden Fördermitglieder (Sponsoren des Satzungszwecks) von den Vereinsaktivisten separiert werden.

Eine vereinspolitisch interne Kontrolle derartiger Wirtschaftseinheiten (der e.V. als Holding; mit eigenständigen GmbH´s etc.) auf der Grundlage des BGB-Vereinrechts (Satzungszweck, Tätigkeitsziele, ggf. Gemeinnützigkeit, etc.) aus Richtung der eigentlichen Vereinsmitglieder wird unmöglich, wenn demokratische und betriebswirtschaftliche Mindestveröffentlichkeitsverpflichtungen (Zyklus, Detailtiefe, Ladungsfristen; Frage- und Diskussionsrecht, usw.) nicht endlich gesetzlich vorgeschrieben werden. Allein die vereinintern formalen Gestaltung von entscheidungsrelevanten Vereinsorganen darf offen bleiben; nicht aber gewisse Transparenz-und Organisationsverflichtungen; ähnlich wie bei der kommunalen Selbstbestimmung.
Wie gerade beim ADAC erlebt, werden sonst die Interessen der wirtschaftlichen Geschäftstätigkeit (und des hauptamtlichen Führungspersonals) irgendwann schleichend die Satzungsziele des Vereins (in welcher Konstruktion auch immer) an die Wand drängen. In der Öffentlichkeit steht dann nur noch Rest der Vereinsidee (hier Straßenwacht, Rettungsflieger) für die Gallerie. Erst recht bei Stiftungen, die nur noch den Schein unterstützten und vom Sein ablenken.
Der Rest der wirtschaftlichen Tätigkeiten (mit erheblichen Geschäftsvolumen) bleibt diffus, weil ja jede vereinsinterne Kritik oder beharrliches Nachfragen als unanständig oder Vereinsschädigung herabgewürdigt wird. Wenn die gewachsenen Strukturen ein sinnvolles Vereinsleben oder mitgestaltendes Diskustieren überhaupt noch sowas zulasen bzw. fördern.
Vereinsbasierende Rechtskonstruktionen sollen ja eben nicht zuerst die Steigerung der Rendite im Auge haben, sondern die Förderung und Festigung des jeweiligen Satzungszwecks bzw. verbandsorientierten Ausrichtung. Hierbei stellt sich nämlich die essentielle Frage nach grundlegend angemessener Organisation der Umsetzung bzw. Verfolgung auch partieller Einzelziele (welche auch immer; oder deren Ausprägung im Tagesbetrieb), d.h. eine betriebswirtschaftlich orientierte bzw. operative Kontrolle des hauptamtlich dazu etalierten Apparates.
Je weniger oder seltener tagende Vereinorgane etabliert oder gelebt werden, desto einfacher wird es an der Spitze (Präsidium, Vorstand, Geschäftsführung) sich einzuigeln. Je größer die Struktur insgesamt, desto schwerer wird ein gesundes Maß an durchgehender Aufsicht oder ständiger Transparenz überhaupt spürbar durchzusetzen zu sein. Hier hilft nur der Gesetzgeber.
Es hätte doch der Hauptgeschäftsführung, aber mindestens dem ADAC-Hauptvorstand auffallen müssen (oder war im solche Aktionen eigentlich oder durfte nicht hinterfragt werden), das nach breit aufgerufener Abstimmung im hauseigenen Zentralorgan nur Promillebruchteile der „Vereinsmitglieder“ reagiert haben oder nur mobilisiert werden sollten! Immerhin ging es ja um einen wesentlichen Satzungszweck des ADAC-Vereins, dem jährlich besten Auto.
Wenn inzwischen einzelne Mitglieder des ADAC-Präsidiums und eine überforderte, faule oder unfähige Geschäftsführung (in den vielen Tochterfirmen; incl. nächster Ebene) jeder für sich allein und ohne echte Rechtfertigungszwänge selbstherrlich „agieren“ konnten, war es nur eine Frage der Zeit bis der Deckel vom Kessel flog. nicht nur beim ADAC, sondern auch bei Anderen (siehe oben)
P.S.
Es ist doch legitim zu fordern, das Strukturen (Vereine als e.V.; Körperschaften des öffentlichen Rechts, u.ä.) mit wirtschaftlich/ wettbewerblich agierenden Geschäftseinheiten z.B. jährlich über ihr Finanzgebaren, incl. interne (Entscheidungs-)Strukturen und Ergebnisverläufen, sowie kurz und mittelfristigen Geschäfts-/Satzungsziele öffentlich in einer umfassenden Art und für Dritte nachvollziehbaren Weise berichten müssen.
Erst recht, wenn solche weiterhin gewünschten Bürgervereinigungen/Vereine einmalig oder regelmäßig öffentliche Gelder erhalten oder staatlich bereitgestellte/ geförderte Ressourcen nutzen. Da ist ja jeder Etat sowie Versammlung auf Ebene von deutschen Kleingemeinden besser organisiert bzw. bei partiellem Erörterungsbedarf (auch ohne bevorstehende Wahlen) überschaubarer.

34) Don Corleone, Freitag, 24. Januar 2014, 18:41 Uhr

ADAC e.V.: Aus einem leisen Fürzlein auf der Friedhofsmauer wird eine lautstarke Blähung im medialen Mausoleum. Wen wundert’s?

Auf unseren politischen und gesellschaftlichen Friedhöfen regt sich ja sonst eh kein Lüftchen mehr. Absolute Windstille, allseits begrüßter „sozialer“, „europäischer“ und „nachhaltiger“ Stillstand — außer in unseren täglich nachhaltiger entleerten Geldbörsen und Altersvorsorge-Ersparnissen. Und Angela Merkel, CDU-Wahlsiegerin, läßt sich von „Siggi Pop“ Gabriel, SPD-Wahlverlierer (sofern man bei heutiger Wahlbeteiligung überhaupt von Siegern und Verlierern reden kann),am Nasenring zur Futterkrippe harmonisch ins Amt gehievter Vasallen schleppen. Und schweigt und lächelt staatstragend, schüttelt Hände und …

(Den Rest erspar‘ ich mir.)

35) Peter Christian Nowak, Freitag, 24. Januar 2014, 18:59 Uhr

29)Petra

Gerne!

Ich habe die Sendung mit Lanz „live“ erlebt. War unter den Zuschauern. Was Lanz geboten hat war unterste Schuhsohle.
Inzwischen ist Herr Lanz ein wenig zurückgerudert und hat zugegeben, dass das nicht gerade journalistischer Stil erster Sahne war, was er da abgeliefert hatte. – Immerhin.
Na ja, von Jörges ist man schon einiges gewohnt. Teils hatte er die Argumente auf seiner Seite in Sachen Äußerungen aus Teilen der Linken, „Europa sei ein militaristisches Gebilde“.

Aber darum ging es ihm gar nicht. Jörges ging es in seiner Argumentationslinie nicht um Europa, sondern darum, die verunglückten Äußerungen aus Teilen der Linksfraktion zum Anlass zu nehmen kräftig auf die Partei insgesamt drauf los zu hauen!

Gelungen ist ihm das nicht! Er hat sich eher selbst als anerkannt guten Journalisten infrage gestellt.
Oder anders ausgedrückt: die Phalanx gegen Frau Wagenknecht war für beide beschämend.

Das ZDF (Chefredaktion) hat gegenüber Herrn Lanz „handlungsbedarf“. Ein deutliches Gespräch mit ihrem Entertainer ist unerlässlich, zumal dies nicht der erste notierte Ausrutscher war.

36) Peter Hagen, Samstag, 25. Januar 2014, 19:08 Uhr

Die meisten der 19 Millionen Mitglieder (stimmt diese Zahl denn wenigstens?) sind doch nur im ADAC mit Blick auf die vermeintlich preiswerte Pannen- und Unfallhilfe. Übersehen wird, dass die meisten das nicht extra, auch nicht in Form eines jährlichen Mitgliedsbeitrages, bezahlen müssen, weil sie die gleiche Leistung beim Kauf ihres Fahrzeuges mit der Mobilitätsgarantie der Hersteller bekommen (falls nicht, sollte man seine Kaufentscheidung überdenken). Und wer ein älteres Fahrzeug fährt oder Inspektionen nicht bei den vom Hersteller vorgegebenen Vertragswerkstätten durchführen lassen möchte, erwibt einfach seinen Schutzbrief bei einer Versicherung. Der kostet auf zehn Jahre so viel wie ein Jahr ADAC-Plusmitgliedschaft.

37) Harald, Samstag, 25. Januar 2014, 21:59 Uhr

WOW! Bis Ende des Jahres bekommt der gute Mann noch Gehalt. Jetzt haben wir Januar. Er bekommt also ein ganzes Jahr weiter volles Gehalt.

Der ADAC ist ein e. V., nicht wahr? Hat man da vielleicht mal die Mitglieder befragt,was die davon halten, wenn Vorstandsmitglieder im Rettungshelicopter reisen oder sich grobe Verfehlungen leisten, das Ansehen des Clubs schädigen, dann gehen müssen und dennoch ein ganzes Jahr volle Bezüge einstreichen? Alles finanziert aus Mitgliedsbeiträgen.
Ich bin mir ganz sicher, daß sich einer der gelben Männer von der Straße nicht solche Eskapaden leisten darf. Der wäre schneller raus als drin.

Angesichts solcher Selbstbedienungsmentalität und Abgehobenheit würde ich als Club-Mitglied es mir nicht mehr überlegen, ob ich solchen Unsinn noch weiter bezahlen will.

38) Doktor Hong, Samstag, 25. Januar 2014, 22:57 Uhr

@35) Peter Christian Nowak

Dieselbe Nummer hat er ja auch mit Arnulf Baring und Bernd Lucke abgezogen. Alles, was nicht zu seiner Meinung passt, wird aggressiv angegangen.

Ich zitiere mal – völlig unmotiviert – Arnulf Baring, der am 11.09.2013 zu Markus Lanz sagte: „Sagen Sie mal, glauben Sie das ernsthaft? Ich habe Sie immer für einen interessanten und hochintelligenten Menschen gehalten. Und jetzt fange ich an, daran zu zweifeln!“

39) blog.weltundzeit.de, Sonntag, 26. Januar 2014, 13:53 Uhr

Vielleicht hat der ADAC einfach nur die Tragweite der Kampagne unterschätzt, die die CSU gerade gegen ihn führt? Als Profi im politischen Geschäft, könnten Sie diese Frage sicherlich viel kompetenter beantworten, als die meisten Ihrer Leser.
siehe mein ausfürlicher Beitrag hier: http://blog.weltundzeit.de/?p=116

40) Peter Gassen, Sonntag, 26. Januar 2014, 15:46 Uhr

Am Freitag hat der Mann vom ADAC mir schnell und unproblematisch das defekte Rad am Auto gewechselt. Eine Gruppe Kinder mit Fahrrädern kam vorbei. Ein kleiner Junge beklagte bei dem Mann in Gelb seine nicht funktionierende Bremse. Dieser packte sich das Rad, schraubte und drehte, schon war die Bremse wieder heil. Der kleine Junge und seine Kameraden strahlten. So funktioniert Imagepflege.

41) karel, Sonntag, 26. Januar 2014, 22:26 Uhr

36) Peter Christian Nowak

Ach, die arme Sarah.
Wie der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Böhme später in seiner eigenen Talkshow selbst bekundete,
gab man damals dem „Bimbes“-Kanzler medial keine 6 Monate mehr. So „nett“ war man damals.

Ein großer Irrtum, wie er selbst bekundete. Aus 6 Monaten wurden 16 Jahre.
Gottlob……für Deutschland.
Ergo: geht´s gegen konservativ, ist Milde nicht geboten.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Glückauf.
karel

42) M.M., Montag, 27. Januar 2014, 03:54 Uhr

Der ADAC hat mit Mühe und Not einen Busparkplatz am Hbf in Frankfurt am Main bekommen um seine Flotte für Sparreisen zu aktivieren. Das ADAC Mitglied wird sich neu orientieren muessen. Statt Rückwärts-Einpark-Kursen für Klasse B-Fahranfänger nun Greyhound Line Trips als StarBucks Event.

43) Peter Christian Nowak, Montag, 27. Januar 2014, 19:21 Uhr

38) Doktor Hong
Ich vermute, dass es Herrn Lanz weniger um Bescheidenheit wie Angemessenheit seines Moderationsstils geht, als mehr um seine Person wie Intelligenz, die er so manches mal überschätzt.

Hier ist Lernbedarf angesagt!

Es ging ihm in der Sendung offensichtlich nicht um die Qualität seiner Argumente, sondern darum, jemanden bloß stellen zu wollen. Damit hat er kommunikative Grundregeln im Diskurs verletzt.

Sollte seine Entschuldigung lediglich darauf beruhen, dass er aufgrund der heftigen öffentlichen Reaktionen seinen Job verliert, wäre sie nichts wert.
So schätze ich ihn bei aller zutreffenden Kritik dennoch nicht ein.

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