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Der ADAC-Crash

Selten hat eine Organisation beim Krisenmanagement so versagt wie der ADAC. Der Automobilclub hat alles falsch gemacht, was man in einer Krise falsch machen kann.

Nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ kurz vor der Verleihung des ohnehin drittklassigen Autopreises „Gelber Engel“ berichtete, dass die magere Zahl der Abstimmungsteilnehmer nach oben manipuliert worden war, beschimpfte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair die Zeitung als „Schande für den Journalismus“, statt sofort aufzuklären und aufzuräumen.

Obermair hätte wissen müssen, dass sich eine renommierte Zeitung die konkreten Zahlen der Manipulation nicht aus den Fingern saugt. Aber dem Geschäftsführer war es offenbar wichtiger, die traurige Preisverleihung noch über die Bühne zu bringen, statt Konsequenzen zu ziehen und die Verleihung abzusagen. So machte er aus der Krise des Autopreises eine Krise des ADAC.

Als dann am Tag nach der Verleihung der Chefredakteur der „Motorwelt“ endlich die Manipulation zugab, beließ es der Geschäftsführer bei der „einvernehmlichen Trennung“, einschließlich Zahlung des Gehaltes bis Ende Jahres.

Der Geschäftsführer versuchte gleichzeitig, sich selbst und den ADAC-Präsidenten reinzuwaschen. Man habe von Manipulationen nichts gewusst. Das klingt wenig glaubwürdig, zummnindest was die letzten Tage vor der Preisverleihung betriftt, und es stellt sich auf jeden Fall die Frage: Nichts gewusst oder nichts wissen wollen?

Die ADAC-Führung wollte ihre Hände in Unschuld waschen, aber der Schmutz klebt weiter an ihren Fingern. Mit diesem katastrophalen Krisenmanagement ist es der ADAC-Führung gelungen, aus der Krise eines Autopreises eine Krise der gesamten Organisation zu machen. Der Imageschaden ist gewaltig, die Vertrauenwürdigkeit beschädigt. Schon werden auch die ADAC-Tests infrage gestellt.

Das Vertrauen kann nur wieder hergestellt werden, wenn der ADAC sachliche und personelle Konsequenzen zieht. Der Autopreis gehört abgeschafft, denn er wird sich von dem Imageschaden nie mehr erholen. Ein Preis, bei dem sich von 19 Millionen Mitglieder gerade einmal 3.409 für ein Siegerauto entscheiden, hat ohnehin keine Legitimation.

Die nächste Konsequenz muss der Rücktritt des Geschäftsfühers sein, der die Überbringer der schlechten Botschaft beschimpfte statt aufzuklären und bei der Bewältigung der Krise völlig versagte.

Und: Der ADAC muss endlich zu einer transparenten, demokratischeren Institution werden, an dessen Willensbildung und Kontrolle des Präsidiums die Mitglieder einen größeren Anteil haben. Dann lässt sich im Laufe der Zeit der Imageschaden vielleicht korrigieren. Denn eigentlich ist der ADAC ein verdienstvoller Verein.