Montag, 27. Januar 2014, 14:10 Uhr

Vermummungsverbot im Internet

Bei Demonstrationen ist seit 1985 eine Vermummung verboten. Eine Zuwiderhandlung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet. Allerdings, das muss man auch sagen, wird das Vermummungsverbot gegen gewaltbereite Demonstranten aus Opportunitätsgründen selten durchgesetzt.

Im Internet gibt es kein Vermummungsverbot. Jedermann kann anonym, unter Falschnamen oder unter Pseudonym, seine Meinung schreiben – auch verbal gewalttätig, verleumderisch, ehrabschneidend. Dies hat zu einer Verrohung der Diskussionskultur geführt und macht die mit Blut und Freiheitsverlust erkämpfte Meinungsfreiheit zu einem traurigen Witz.

Wenn „FickdeiMudda“ mit 220.000 anderen Unterzeichnern  fordert, Markus Lanz aus der Rundfunkgebühr zu feuern, dann zählt seine Stimme genauso wie die derjenigen, die sich mit ihrem Namen zu dieser Forderung bekennen. Wozu wirklich kein Mut gehört.

Keiner weiß, wieviele Menschen diese Petition tatsächlich unterschrieben haben, wer sie und was ihre Motive sind. Die meisten haben wahrscheinlich die Sendung nie gesehen, weil sie nach 23 Uhr schlafen oder anderes zu tun haben. In den sogenannten seriösen Medien aber wird diese Online-Petition behandelt als sei sie eine seriöse Meinungsäußerung, eine ernstzunehmende massenhafte Willensbildung.

So verleihen die Printmedien diesem sogenannten Aufschrei eine Scheinlegitimation. Abgesehen davon, dass die öffentliche Wahrnehmung bis hin zu Schlagzeilen auf Seite 1 in keinem Verhältnis zum Anlass steht.

Markus Lanz, normalerweise ein höflicher Mann mit angenehmen Umgangsformen, hatte einen schlechten Tag und Sahra Wagenknecht von der „Linken“ immer wieder unterbrochen und nicht ausreden lassen. Das war unhöflich und  falsch. Er hat sich entschuldigt und damit ist der Fall erledigt.

Mehr Aufregung ist das nicht wert. In dem Printmedien aber hält sich der angebliche Skandal bis heute. „FickdeiMudda“ und andere bekommen damit eine völlig unangemessene Bedeutung. Das Verhalten der Printjournalisten ist nur damit erklärbar, dass sie fälschlicherweise glauben, im Internet spiele sich das wahre Leben ab, zu dem sie den Zugang verloren zu haben.

Dabei werden alle journalistischen Grundsätze außer Kraft gesetzt, die bisher galten. Es werden unhaltbare und unüberprüfbare Zahlen verbreitet und der verbal gewalttätigen Vermummung eine Tür geöffnet, die Zeitungen und Zeitschriften aus gutem Grund verschlossen halten. Das ist der eigentliche Skandal, nicht Markus Lanz.

Ein bekannter Journalist ist aus diesem Kreislauf ausgestiegen und hat bei seiner Sendung das Vermummungsverbot durchgesetzt – Frank Plasberg bei „hart aber fair“. Er lässt anonyme Kommentare nicht mehr zu und verlangt ein offenes Visier – genaus so, wie seine Diskussionsteilnehmer mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für ihre Meinung einstehen.

Es wäre zu begrüßen, wenn dies auch andere täten. Deshalb ein Wort zu meinem „sprengsatz“. Am 16. Februar wird er fünf Jahre alt – im Internet schon ein kleines Jubiläum. Ab dem 16. Februar werde ich keine anonymen Kommentare mehr zulassen.

Ich weiß, dass dann die – meist seriös geführte – Diskussion meiner Beiträge zumindest vorübergehend verarmen wird. Regelmäßige Leser aber wissen, dass ich mich schon häufiger gegen die Schwarmfeigheit im Internet gewandt habe, ohne bisher Konsequenzen daraus zu ziehen. Aus Opportunitätsgründen – so, wie sich die Polizei bei vermummten Demonstranten meist verhält.

Der fünfte Jahrestag ist ein gutes Datum, um endlich konsequent zu sein. Mir kann keiner erzählen, dass seriöse Meinungsäußerungen und Diskussionsbeiträge in meinem Blog zu beruflichen oder gesellschaftlichen Nachteilen führen. Wir leben nicht in Syrien oder in Rußland. An die Opfer dieser Verrohung im Internet, zum Beispiel Bettina Wulff, denkt kaum einer, nur an an seine eigene kleine, feige Befindlichkeit.

Also: Mehr Mut, Freunde des „sprengsatzes“!

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

115 Kommentare

1) StefanP, Montag, 03. Februar 2014, 10:47 Uhr

@100) Günter Springer

Ich erwarte als Zwangsgebührenzahler auch einiges und ich erwarte von meinen Bundestagsabgeordneten einiges. So z.B. dass sie aufstehen, wenn der israelische Präsident und Friedensnobelpreisträger vor dem Hohen Haus spricht.

Markus Lanz macht um nach 23 Uhr eine meist seichte Sendung mit leichten Themen, wo sich Prominente von ihrer „menschlichen“ Seite zeigen können und sollen. Das ist jedoch das Fachgebiet, wo die Ikone der Linken keine Expertise hat. Als politischer Autist kann sie kein Small Talk. Deswegen muss sie über ihre Themen reden. Lanz hat das pariert, nicht geschickt, weil das nicht sein Metier ist, aber das rechtfertigt keinen Totalveriss über Wochen. Das ist absurd.

2) StefanP, Montag, 03. Februar 2014, 11:05 Uhr

@98) Doktor Hong

Ich würde es ganz ernsthaft bedauern, würden Sie sich aus diesem Blog zurückziehen. Ihre Begründung überzeugt mich jedoch in keinster Weise. Sie schieben Angstargumente und Kontrollverluste vor und dazu hat Michael Spreng einen klaren Aufruf verfasst:

Mehr Mut, Freunde des “sprengsatzes”!

Sie verlieren schon die Kontrolle über ihre Worte, wenn Sie mit jemanden sprechen. Sie können nicht beeinflussen, was andere über Sie denken. Sie können nur hoffen, dass Ihre Botschaft verfängt, sowohl im familiären Gespräch als auch in einer Blogdiskussion. Und wir erleiden in einer freien Gesellschaft auch keine Nachteile für das, was wir sagen, sondern meist dafür, wie wir es sagen und handeln. Haben Sie kein Standing, für den Fall, dass Sie in einem ganz anderen Umfeld auf Ihre Blogkommentierung angesprochen werden, ein solches Gespräch schlicht im Ansatz zu beenden? Haltung, Selbstbewusstsein, Stil – das sind die Eigenschaften, die unsere Mitmenschen überzeugen.

Und ausgerechnet Sie loben jemanden, der einen Namen gezielt versucht, als Waffe in einer Diskussion einzusetzen. Können Sie das rechtfertigen? Mein Name, Stefan Pietsch, sagt gar nichts. Ihn gibt es mehrfach. Ich will nur aus ganz profanen Gründen nicht unendlich viele Pop-ups erzeugen, wer kurz meinen Namen googelt. Wer im Netz etwas über mich wissen will, geht auf ein soziales Netzwerk oder kombiniert meinen Namen mit anderen Informationen. Das ist in Ordnung. Ich habe dagegen keine Angst, dass jemanden meine politischen Ansichten nicht passen könnten, schließlich bin ich weder links- noch rechtsextremistisch.

Wenn Sie schon ängstigt, dass jemand mit Ihren Ansichten nicht konform gehen könnte, was würden Sie erst in diktatorischen Systemen tun?

Also, mehr Mut!

3) Valentin Hussong, Montag, 03. Februar 2014, 12:19 Uhr

Ich gebe folgendes zu bedenken:

– Wenn eine Petitionszeichnung ohne Klarnamen nicht legitim wäre, müssten wir dann nicht konsequenterweise auch geheime Wahlen abschaffen?

– In einer vernünftigen Diskussion steht ein gutes Argument für sich, es ist dann irrelevant, wer es vorbringt.

– Unvernünftige Diskussionsbeiträge werden dadurch nicht besser, dass der Teilnehmer eindeutig identifizierbar ist.

– Eine Klarnamenpflicht führt nachweislich nur in sehr geringem Maße zur Reduktion unvernünftiger Beiträge, viele Leute schreiben auch unter ihrem vollen Namen viel dummes Zeug (vgl. hierzu die Facebook-Kommentare zu Lanz und anderen Reizthemen du Jour).

4) StefanP, Montag, 03. Februar 2014, 15:29 Uhr

@103) Valentin Hussong

Wenn eine Petitionszeichnung ohne Klarnamen nicht legitim wäre, müssten wir dann nicht konsequenterweise auch geheime Wahlen abschaffen?

Bevor Sie wählen können, legitimieren Sie sich. Es wird ausgeschlossen, dass Sie sich mehr als einmal äußern können. Bei Wahlen geht es um eine Entscheidung, bei Blogkommentaren um die Publizierung einer Meinung und ggf. das Überzeugen durch Argumente. Beides war zu allen Zeiten mit Gesichtzeigen garniert. Was jahrtausendelang normal waren, kehren Sie nun um als wäre es unnormal.

In einer vernünftigen Diskussion steht ein gutes Argument für sich, es ist dann irrelevant, wer es vorbringt.

Das ist schlichtweg Unsinn, wie auch dieses Blog Tag für Tag beweist, wenn Forenteilnehmer die Glaubwürdigkeit von Kommentatoren hinterfragen und in Frage stellen. An dieser Stelle, wenn es persönlich wird, müssten Sie stets einhaken, um dieser Behauptung Geltung zu verschaffen.

Was bitte ist für Sie vernünftig?! Es gibt ein Recht auf Dummheit, aber keins auf Anonymität.

5) Rapunzel, Montag, 03. Februar 2014, 19:32 Uhr

In Zeiten der von der Bundesregierung geförderten Totalüberwachung (geht weit über die Möglichkeiten der STASI hinaus,) sehe ich die Anonymisierung im Internet etwas differenzierter als der erklärte Merkel-Fanboy Spreng.

6) Erwin Gabriel, Montag, 03. Februar 2014, 21:27 Uhr

@ 104) StefanP, Montag, 03. Februar 2014, 15:29 Uhr

>> >> In einer vernünftigen Diskussion steht ein gutes
>> >> Argument für sich, es ist dann irrelevant, wer es vorbringt.

>> Das ist schlichtweg Unsinn, …

Da wage ich zu widersprechen. Natürlich steht ein gutes Argument für sich. Unsinn wird es erst dann, wenn ein Argument mit Zahlen, Fakten, Erfahrungen etc. belegt wird, die der Argumentierer nicht belegen oder glaubhaft machen kann.

Vernünftige Grüße
E.G.

7) Doktor Hong, Montag, 03. Februar 2014, 23:48 Uhr

@102) StefanP

Ich kann Ihre Argumente verstehen, dennoch überzeugen sie mich nicht.

Hans und Sophie Scholl haben ihre Flugblätter auch nicht mit Klarnamen signiert, sondern sich „Weiße Rose“ genannt. Genutzt hat es ihnen am Ende leider auch nichts. Waren Hans und Sophie Scholl Feiglinge? Für mich nicht.

Nun kann man unseren Staat nicht als totalitäres Regime bezeichnen. Erst 1990 ist der letzte totalitäre Staat vom deutschen Boden verschwunden.

Ich verstehe allerdings nicht die Logik, aus der sich herleitet, dass man sich in nicht totalitären Systemen unter Zwang öffentlich identifizieren muss, nur weil man nicht in Konzentrationslagern verschwindet. Es bleibt mir dunkel, was Zwang zu tun hat mit einem freiheitlichen System.

Ich benutze mein Pseudonym nicht, um zu hetzen und zu diffamieren, oder um extremistische Positionen zu verbreiten. Mir geht es allein um die sachliche politische Diskussion. Ich habe ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Privatheit, weswegen ich keine Homepage, keine Facebook-Seite, keinen Twitter-Account und keine sonstigen Profile im Netz unterhalte. Ich kann die exhibitionistischen Züge der heutigen Jugend auch schlecht nachvollziehen. Kein Wunder, dass sich niemand über die NSA aufregt.

Im Straßenverkehr ist man ebenfalls unter Pseudonym unterwegs und hat keine Klarnamen auf dem Kennzeichen. Trotzdem lässt sich die Identität bei Bedarf feststellen. Dagegen ist nichts zu sagen.

Im Übrigen stimmt Ihre Behauptung auch nicht, dass zu allen Zeiten politische Meinungen mit Klarnamen verknüpft waren. Auch die Founding Fathers Hamilton, Madison und Jay haben ihre politischen Ansichten unter Pseudonym publiziert. Was für Feiglinge!

Benjamin Franklin schrieb z.B. als Richard Saunders. Thomas Jefferson schrieb als “ a correspondent from Virginia“, aber auch unter seinem bürgerlichen Namen.

Die großen Liberalen wollen mich also dazu zwingen, mich gegen meinen Willen unter meinem bürgerlichen Namen zu äußern. Im Namen der Qualität der Debatte. Weil ich wahrscheinlich mit meinen Kommentaren am allermeisten die Qualität der Diskussion nach unten bis in den Dreck ziehe.

Übrigens habe ich bei eBay auch ein Pseudonym. Aber natürlich habe ich auch meine Identität hinterlegt, sodass im Streitfall klar ist, wer es mit wem zu tun hat. Nur muss jedermann jederzeit googeln können, was ich bei eBay ge- oder verkauft habe? Wen geht das außer mir und meinen Geschäftspartnern – und vielleicht noch das Finanzamt – etwas an?

Jede weitere Diskussion ist müßig. Ich habe bereits darauf verzichtet, die beiden neuen Kolumnen von Herrn Spreng zu kommentieren.

Ich bin ein redlicher, gesetzestreuer Bürger, der mit Herz und Hand voll hinter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dieses Staates steht, ja mehr noch, um ihren Erhalt sehr besorgt ist.

Die einzige legitime Herrschaft ist die Herrschaft des Rechts, und das auch nur, wenn geltendes Recht nicht als Waffe der Regierenden gegen die Beherrschten eingesetzt wird. So etwas gab es auch: auf dem Papier waren die DDR oder die Sowjetunion vollendete Rechtsstaaten.

Im Rahmen der Euro-Währung haben wir nun einige Rechtsbrüche gesehen. Eine Notenbank darf nur exzellente Sicherheiten ins Portfolio nehmen – daher der Ausdruck „notenbankfähige Sicherheiten“ – und damit ist OMT-Programm im Grunde ein weiterer Rechtsbruch, ohne das jetzt juristisch feinsinnig nachweisen zu können.

Ich sehe die Entwicklungen zu mehr Überwachung als eine echte Bedrohung der bürgerlichen Freiheit. Und dann soll ich der automatisierten Gesinnungsüberprüfung Vorschub leisten? Das halten Sie für freiheitlich und demokratisch? Sie sind mir ja ein feiner Liberaler.

Alles Gute für Sie.

PS. In Ihrem Kommentar 104) an Valentin Hussong schreiben Sie:

Es gibt ein Recht auf Dummheit, aber keins auf Anonymität.

Dazu zitiere ich mal geltendes Recht in Deutschland:

(6) Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.

(7) Der Diensteanbieter hat dem Nutzer nach Maßgabe von § 34 des Bundesdatenschutzgesetzes auf Verlangen Auskunft über die zu seiner Person oder zu seinem Pseudonym gespeicherten Daten zu erteilen. Die Auskunft kann auf Verlangen des Nutzers auch elektronisch erteilt werden.

Seien Sie froh, StefanP, in Zukunft einer weniger, der Sie auf Ihre sachlich unrichtigen Behauptungen hinweist. 🙂

8) StefanP, Dienstag, 04. Februar 2014, 12:00 Uhr

@107) Doktor Hong

Ich plädiere nicht dafür, sich in einer Diktatur mit Gesicht und Namen zu outen. Aber wir leben in einer freien, rechtsstaatlichen Gesellschaft, die stabil ist und deren Werte Gemeingut sind. Ich bekomme nicht immer Recht und auch nicht auf dem Rechtsweg, aber die Folgen sind stets überschaubar und verkraftbar. Im Straßenverkehr sind Sie nicht anonym unterwegs, Sie haben ein Gesicht. Wenn jemand meint, Sie hätten sich falsch verhalten, sind Sie sofort identifizierbar. Wenn etwas passiert, sind Sie sofort greifbar. Im Internet sind Ausfälle dagegen leicht beweisbar, aber schwer verfolgbar und zu ahnden.

Sie fighten mit Stil und Niveau. Bitte tun Sie das auch weiterhin.

Die großen Liberalen wollen mich also dazu zwingen, mich gegen meinen Willen unter meinem bürgerlichen Namen zu äußern. Im Namen der Qualität der Debatte.

Nein, sondern aus konservativen und traditionellen Gründen, die sich sehr lange bewährt haben. Es ist doch umgekehrt: inwieweit hat sich die Anonymität im Netz als Vorteil gegenüber dem Gesichtzeigen herausgestellt? Immerhin: es ist immer noch ein Unterschied, ob ich als Autor einer Zeitung mit meldefähiger Adresse publiziere oder ob ich in einer Kneipendebatte mit Gesicht oder in einem Blog mit vollständigem Namen, aber ohne Personalausweis, beteiligt bin. Das ist schwer gleichzusetzen.

Wie bereits geschrieben, schätze ich Sie über alle Maßen: wir stammen aus einer Generation, teilen Werte und Sozialisation. Wir kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen, aber das hat nicht wirklich Bedeutung.

Seien Sie froh, StefanP, in Zukunft einer weniger, der Sie auf Ihre sachlich unrichtigen Behauptungen hinweist.

Sie glauben nicht wirklich, dass das wichtig für mich ist. Ich schätze Disput, das Reiben, das Streiten um ein Argument. Das Einzige, wo ich höchst empfindlich reagiere ist das Vorführen in der Art, wie wir das früher in der Schule erfahren haben: na-nana-na-na! Ich würde mich außerordentlich freuen, hier oder woanders die Klingen mit Ihnen zu kreuzen.

9) Max Mustermann, Dienstag, 04. Februar 2014, 12:29 Uhr

In Zeiten der Totalüberwachung der Bundesbürger braucht es eine etwas differenziertere Sichtweise als die vom Oberzensor und Merkel Propagandist M. Spreng.
Aber auch dieser Kommentar wird sicher nicht durch die „Berliner Zensur“ kommen.

10) Peter Christian Nowak, Dienstag, 04. Februar 2014, 16:28 Uhr

96) Doktor Hong,

Anhand Ihrer Beispiele wird das Dilemma sichtbar.
Vom „Postgeheimnis“ spricht keiner mehr. Ein Dinosaurier in Sachen Persönlichkeitsrechte. Hier sieht man sehr schön: die Gesellschaft und ihre Einstellung zur Privatheit verändert sich – dorthin, wo „man“ (wer das ist, lasse ich offen) sie adressieren will.
Der CCC (Chaos-Computer-Club) und die Liga für Menschenrechte haben nun gegen Teile der Bundesregierung beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe Klage eingereicht.
Ein hoffnungsvolles Zeichen. Nicht deswegen, weil sie zum Erfolg führt – was aus politischen Gründen unwahrscheinlich ist -, sondern weil auch eine aussichtslose Klage ein deutliches Signal der Ablehnung zur Auflösung der Privatsphäre bedeutet.
Ob die sich auflösende Privatheit ihre Fortsetzung findet, hängt nicht nur von politischen Entscheidungen ab, sondern von den Nutzern, die freiwillig, „ungeniert und sorglos für ihre Verbreitung sorgen.
Nach Lage der Dinge werden politische Entscheidungen für den Schutz der Privatheit zwangsläufig ins Leere laufen.

11) Namensvetter, Mittwoch, 05. Februar 2014, 06:05 Uhr

Über die Qualität von Online-Petitionen und der für sie genutzten Pseudonyme lässt sich streiten, aber glauben Sie wirklich, Herr Spreng, dass „Fickdeimudda“ dieses Anliegen unter Klarnamen ohne persönliche Nachteile platzieren hätte können, wenn es sich z.B. um einen jungen ZDF-Mitarbeiter handelte? Holger Kreymeier hat das schon anders erlebt.

Natürlich ist hier nicht Russland oder Syrien. Andererseits: Es tut mir Leid, aber Blogs, auch der Ihre, leben nun mal auch nicht davon, dass nur Kommentare abgegeben werden, die so grundlegende Fragen des Menschseins berühren, dass sie sich um jeden Preis ihre Bahn brechen müssen; dass der Kommentator den unaufhaltsamen Druck des Sichbewährenmüssens gegen fremde Meinungen verspürt, der ihm den nötigen Mut verleiht.
Vielmehr handelt es sich, bei aller interessanten Diskussion, um eher triviale Bemerkungen, die man auch für sich behalten kann, wenn man einen gewissen Widerstand gegen die Äußerung verspürt. Als dieser Widerstand reicht die abstrakte Sorge, irgendwelche persönliche Nachteile erleiden zu können, völlig aus. Diese Nachteile gibt es. Sie müssen gar nicht im persönlichen Umfeld gesucht werden, sondern können ebenso aus dem Rest-(besser: Mehrheits-)Internet hervorgehen, in dem es keinen Klarnamenzwang gibt. Das werden Sie nicht ändern.
Sie halten mit dieser Maßnahme all jene von einer Diskussion fern, die entweder politisch relevante oder sonst kontroverse Arbeit verrichten, oder in anderer Beziehung etwas zu verlieren haben. Grob umrissen, werden hier Lehrer über 50 zurück bleiben.

12) Rainer N., Mittwoch, 05. Februar 2014, 14:09 Uhr

@ 108 Stefan P

Der wieder mal nur von 12 Uhr bis Mittag denken kann.

NOCH leben wir in einer etwas freien Gesellschaft – das kann schneller vorbei sein als es einem lieb ist. Stabil sehe ich die nicht – wenn sogar Merkel sagte – wir hätten keinen Anspruch … und die marktkonforme Demokratie immer wieder betont.

Wenn dann die Klarnamen der „kritischen Menschen“ vorhanden sind … und wie SIE sich immer wieder aufregen wenn da mal ihr Familienname genannt wird, wobei ich sogar 56 mit der Namenskombination dort finde:

http://www.dastelefonbuch.de/

Meine Kombination bringt es auf 11 Einträge.

13) mritter, Donnerstag, 06. Februar 2014, 20:04 Uhr

jetzt mal im Ernst ich war doch wirklich der Meinung der Herr Spreng wäre einJournalist der frei ist von kollegenmeinungen. Leider hat er sich mit dem Thema Lanz selbst bloß gestellt er hält auch 220.000 Menschen als Pöbel wie sein Freund Fischer nach dem Motto eine Krähe hackt der andern Krähe kein Auge aus..Das war mein letzter Klick auf diese Seite.

14) Lothar Lammfromm, Dienstag, 11. Februar 2014, 23:49 Uhr

Die Lebenswirklichkeiten sind nicht imemr so – auch nicht in unserem Land – wie sich Herr Spreng das vorstellt. Gerade (leider!) bei politischen Meinungsäußerungen, und seien diese noch so höflich und in der Sache nachvollziehbar vorgetragen, kann es für Menschen Nachteile bedeuten, wenn sie es öffentlich tun.

Das betrifft – pardon – nicht wenige Menschen, die z.B. einfach nicht möchten, dass der Chef (z.B. einer mittelgroßen Betriebes) und die Kollegen wissen, wie man politisch denkt. Das betrifft auch – gar nicht so wenige, pardon – Berufseinsteiger, die gegenüber potentiellen Arbeitgebern sowohl den Eindruck vermeiden wollen, sie würden „zu viel Zeit im Internet verbringen“ (dummes Vorurteil, aber im Zweifel mitunter nachteilig) oder gar ein „politischer Diskutierer“ sein etc. Auch gibt es potentielle Arbeitgeber, die bei Einstellungen sehr gründlich die Spuren der Bewerber anschauen, und beispielsweise Formen politischen Interesses schlicht als Risiko einschätzen. Der Betreffende könnte, wie furchtbar, am Ende gar ein Gewerkschaftsmitglied sein?!

Und so weiter.

Herr Spreng, ich vermute, dass sie all dies nicht glauben mögen, aber es ist so: Ich wurde in meinen Bewerbungsgesprächen schon mehrfach auf meine Spuren im Internet angesprochen, und ob ich denn der „Herr XXX aus dem Internet“ sei.

Wenn Sie, Herr Spreng, mit hier einfallenden Horden von pöblend auftretenden Kommentatoren ein regelmäßigesbzw. unangenehmes Problem haben, kann ich Ihren Schritt gleichwohl nachvollziehen. Anderenfalls hoffe ich allerdings auf Verständnis von Ihrer Seite für Aspekte, die Ihrer persönlichen Lebensphäre vermutlich eher fremd sind.

15) Jan Freudenthal, Mittwoch, 05. März 2014, 10:49 Uhr

Spät ist besser als nie!
Schön, dass endlich auch andere begreifen, was diese „Internetkultur“ mit jedem einzelnen von uns macht. Ich bin Mitte 30 und mit den Anfängen des Computerzeitalters groß geworden.
Verstehen konnte ich diese „Anonymiesiererei“ noch nie. Bin für diese Ansicht oft in Gesprächen verspottet worden. Und wenn man intensiv gefragt hat, warum es unbedingt anonym sein muss, kam nur herumgeeiere und keine logisch nachvollziehbare Antwort.
„Wer ehrlich ist, braucht sich auch nicht zu verstecken!“ war immer meine Meinung dazu.
Von daher habe ich noch heute meine erste E-Mail-Adresse, die ich als Jugendlicher damals eingerichtet habe.

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