- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Die Zukunft von Christian Wulff

Endlich! Es ist vorbei. Der quälende Prozess gegen Christian Wulff hat seinen erwarteten Abschluss gefunden – Freispruch für den Ex-Bundespräsidenten. Quälend war der Prozess natürlich für Wulff, aber auch für den Richter, für die Staatsanwälte, für die Öffentlichkeit. Es war kein Vergnügen, vor Gericht in den kleinlichen Niederungen des Lebens eines Ex-Präsidienten herumwühlen zu müssen.

Aber jetzt ist es vorbei. Christian Wulff kann wieder nach vorne blicken, kann versuchen, seinem fast zerstörten Leben eine neue Grundlage zu geben. Dabei ist ihm alles Gute zu wünschen.

Deshalb will ich heute auch nicht nachtreten. Nur so viel: Seine Präsidentschaft war ein Irrtum der Geschichte, ein unglückseliger, machttaktischer Einfall von Angela Merkel. Und es stellte sich heraus, dass seine Vergangenheit als Ministerpräsident den hohen Anspüchen des Präsidentenamtes nicht gewachsen war.

Sein Rücktritt war notwendig – unabhängig von den staatsanwaltlichen Ermittlungen. Nicht die Medien, nicht die Staatsanwälte haben ihn um sein Amt gebracht. Das hat er selbst getan.

Jetzt aber ist er strafrechtlich rehabilitiert. Jetzt kann Wulff versuchen, eine neue Rolle zu finden.

Dafür gibt der einzige, allerdings sehr wichtige Satz, der von seiner Präsidentschaft übriggeblieben ist, die Richtung vor: „Der Islam gehört auch zu Deutschland“. Wulff kann versuchen, als Mittler zwischen islamischer und christlich-abendländischer Kultur zu wirken. Er kann Integrationsprojekte anstoßen, für mehr Verständnis werben.

Diese Rolle wäre einigermaßen authentisch. So könnte er versuchen, neues Vertrauenskapital erwerben. Das dauert allerdings eine lange Zeit. Aber die verschafft ihm auch sein Ehrensold in Höhe von 211.000 Euro.

Als Vermittler zwischen türkischen und deutschen Firmen war er offenbar schon im vergangenen Jahr aktiv. Vielleicht war das nicht ganz der richtige Anfang für sein neues Leben.

Als politisch-moralischer Mahner, wie andere Ex-Präsidenten, allerdings taugt Christian Wulff auf keinen Fall. Und auch eine Rückkehr in die Politik ist ihm verschlossen.

Christian Wulff hat – wie jeder Mensch – das Recht auf eine zweite Chance, auf einen Neuanfang, der nicht von Häme begleitet wird. Es ist ihm zu wünschen, dass er dabei die Lehren aus seiner Hannoveraner Zeit beherzigt.