Dienstag, 04. März 2014, 11:31 Uhr

Das dröhnende Schweigen des Gerhard S.

Wladimir Putin und Gerhard Schröder sind Freunde. Männer-Macho-Freunde. Das ist bekannt.

Schröder war neben Silvio Berlusconi der einzige prominente westliche Gast bei Putins zweiter Amtseinführung 2012. Der deutsche Alt-Kanzler hat bei Reinhold Beckmann auf die Frage. ob der russische Präsident ein “lupenreiner Demokrat” sei, mit “Ja” geantwortet und hat dies in seinem Buch noch einmal bekräftigt: Putins Ziel sei eine “funktionierende Demokratie”. Und Putin verfüge über einen “beachtlichen Humor”.

So weit, so schlecht.

Diese merkwürdige, für viele anstößige Freundschaft könnte jetzt aber auch genutzt werden. Um zu vermitteln, um Putin zu beeinflussen, um ihn von seinem verhängnisvollen Kriegskurs abzubringen. Dann hätte diese Freundschaft wenigstens einen Sinn.

Was aber macht Schröder? Er mahnt den Westen, nicht Putin. Der Westen dürfe jetzt “kein Öl ins Feuer” gießen, dürfe Russland nicht aus dem G 8-Verbund hinauswerfen, sagte er bei einem Mittagessen in der deutschen Botschaft in Paris. Er warnte vor Sanktionen, kritisierte die EU, die NATO, aber er sagte kein Wort zu Putin, kein Wort zu dessen aggressiver Imperial-Politik.

Nur dröhnendes Schweigen. Er habe mit Putin seit dem Beginn der Krim-Krise nicht gesprochen. Und lachend fügte er hinzu, bei Telefonaten wisse man ja nicht, wer zuhört.

Das ist wenig. Und ziemlich erbärmlich für einen Mann, der als einer der wenigen westlichen Staatsmänner noch freundschaftlichen Zugang zu dem russischen Präsidenten hat.

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63 Kommentare

1) Jörg Tauss, Dienstag, 04. März 2014, 11:47 Uhr

Schröder kann man dankbar sein, dass er nicht dem dümmlichen Geschrei folgt und dass er den zündlerischen Dilettantismus westlicher “Außenpolitik” auf den Punkt bringt. Sehr daneben, Herr Spreng. Aber bei Konservativen scheinen antirussische Reflexe genauso genetisch angelegt zu sein wie der Antamerikanismus bei Teilen der “Linken” . Zu hoffen ist also, dass sich besonnene Schröders durchsetzen. Sprensätze gibt es genug.

2) Ronny Kaufmann, Dienstag, 04. März 2014, 11:57 Uhr

Man könnte jetzt viel schreiben, was die Geschichte von Krim angeht oder auch das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine, der Annäherung der Ukraine an den Westen usw.

Alles in allem lässt sich das jedoch in der Aussage zusammenfassen: Schröder hat mit seinen Anmahnungen Recht.

Die Revolutionäre in der Ukraine sind nicht ehrlich, und Putin ist es wahrscheinlich auch nicht. Es ist ein Konflikt, in dem jede westliche Nation nur verlieren kann, falls diese sich einmischt. Mal ganz von der Bedrohung eines dritten Weltkriegs abgesehen.

Gruß, Ronny Kaufmann

3) Mende Tegen, Dienstag, 04. März 2014, 12:18 Uhr

Ihre selektive Wahrnehmung, sehr geehrter Herr Spreng, hat mit diesem Artikel ihren Zenit erreicht. Wie blind kann man denn noch sein? Herzlichen Glückwunsch. Angesichts eines solchen “Journalismus”, Sie sind ja in bester Gesellschaft, der einseitig albernen, aber hochgefährlichen Gut-Böse-Klischees des Kalten Kriegs frönt kann man nur noch ungläubig staunen. Aber jetzt ist’s wenigstens raus: Zwischen den Zeilen geben Sie klar zu erkennen, dass Sie sich in die Reihe unserer deutschen verdienten Berufsbellizisten wie Joffe, Kornelius usw. einreihen. Ihr Lieblings-BP hatte Ihnen ja schon auf der Münchner Sicherheitskonferenz die neue Order ins Poesiealbum geschrieben. Kurzum: Der Schröder ist doch geschenkt und völlig uninteressant in Ihrem Artikel, der Rest, der Subtext zeigt eben, wo Sie politisch wirklich stehen trotz all Ihrer Mühe zum Anderssein: Mainstream. Im konkreten Fall: Bellizistischer Mainstream.

4) Johannes Lamp, Dienstag, 04. März 2014, 13:37 Uhr

Sie haben, lieber Spreng, in Ihrem Beitrag u.a. Schröder als Staatsmann bezeichnet – das war und ist er nicht! Er ist ein Parvenu und konnte das nie verleugnen! Beweise hierfür sind sein Lebenswandel, sein Auftritt nach seiner Wahlniederlage und seine unwürdige Raffgier in Zusammenhang mit seinem Gasprom-Engagement.
Die Sozialdemokratie in Deutschland hatte ihn nicht verdient…

5) Peter ChristianNowak, Dienstag, 04. März 2014, 14:10 Uhr

Schröder hat nicht das Charisma. Er ist niemand, der auch nur annähernd in der Lage wäre, Situationen auf seine politische Gefährlichkeit hin zu analysieren: in seiner Amtszeit gerierte er sich als ein kleiner Gernegroß, jemand der sich gerne mit „Bossen der Wirtschaft“ und dicker Zigarre gezeigt hat.
Ein Kanzler mit erheblichen Schwächen in seiner Persönlichkeit: hier gaben sich gesteigertes Geltungsbedürfnis mit pathologischer Arroganz die Klinke. Die Currywurst und die Flasche Bier waren lediglich der QR-Code für seine sozialdemokratische Herkunft – eine camouflagierende Pesönlichkeit.

Ob Schröders Freundschaft mit Putin wirklich so intensiv ist, wie Schröder zuweilen den Anschein gibt, ist noch die Frage. Putin ist wahrscheinlich einer, der Entscheidungen nicht von einer fraglich intensiven Freundschaft abhängig macht. Wenn Putin einen Rat brauchte, wird er sicherlich nicht Schröder zur ersten Adresse machen. Schröders Nein zum Irak-Krieg seinerzeit war rein seiner Wiederwahl geschuldet – nicht das Ergebnis weitsichtiger Außenpolitik.

Nichtsdestoweniger wären diplomatische Lösungen in der Ukraine die angesagteste Lösung. Denn, es muss unbedingt verhindert werden, dass sich das Land in zwei Lager spaltet: in pro-russische und in sozusagen in das demokratische Lager.

6) Freddy Schlimm, Dienstag, 04. März 2014, 14:20 Uhr

Der Schröder bekommt wahrscheinlich mehr Geld von Gazprom als vom deutschen Steuerzahler Pension.

7) W.Herrmann, Dienstag, 04. März 2014, 14:33 Uhr

und wieder hat Schröder recht, das Putin-Bashing, das von den westlichen Medien ja schon während Sochi ausgiebig geübt wurde, geht mir wirklich auf den Zeiger….

Nun verbreiten Sie hier denselben maistream-Müll…. vonwegen “aggressiver Imperial-Politik” ….

Hätte Ihnen eine bessere Analyse zugetraut…incl. einem kuzen geopolitischen Rückblck..

8) W.Zimmer, Dienstag, 04. März 2014, 15:10 Uhr

Ich kann Schröders Reaktion durchaus verstehen. Der Westen (inkl. EU und NATO) sollte sich aus dem Konflikt heraushalten. Die Situation in der Ukraine ist doch höchst undurchsichtig hinsichtlich der kommenden Machtoptionen. Wir wissen doch gar nicht, ob nicht bei den Wahlen im Mai plötzlich diejenigen an die Macht kommen, die der Westen gar nicht haben will. Warum soll die Ukraine in die EU gezwungen werden? Da müssen sich die Russen doch Sorgen machen, wenn sie nach und nach von NATO-Ländern eingekreist werden. Statt Lärm-Rhetorik à la Merkel (“Putin habe nicht mehr alle Tassen im Schrank”) und Drohungen seitens der USA sollte hier besonnene Diplomatie zum Zuge kommen. Aber dazu müsste erstmal die Kakophonie auf ein Mindestmaß reduziert werden. Putin ist kein Mann, den man über Gebühr reizen sollte.

9) Politikverdruss, Dienstag, 04. März 2014, 16:08 Uhr

Da kann man sich wirklich nur noch wundern! Da hat diese „friedliche“ EU ( mit dem Friedensnobelpreisträger Obama im Rücken) mal so eben versucht, die Ukraine aus dem Einflussbereich Russlands herauszulösen, sich selbst „einzuverleiben“ und geglaubt, die Russen würden den „Friedensnobelpreisträgern“ auch noch applaudieren.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ein deutscher Außenminister(Genscher) mal öffentlich dafür eingetreten ist, dass auf dem Territorium der damaligen DDR keine Nato-Streitkräfte stationiert werden. Und wo steht die Nato heute im Osten?

Am 21.Februar 2014 hat der rechtmäßig gewählte Präsident der Ukraine, Janukowitsch, den Forderungen der ukrainischen Opposition zugestimmt. Die aber haben sich selbst anschließend nicht an die Vereinbarungen gehalten. Dadurch eskalierte die Lage.

Und zur Deeskalation hat ganz wesentlich Putin beigetragen(siehe TIMES/UK)! Im Gegensatz zu Herrn Klitschko von der Opposition, der gleich einmal etwas von einer „Generalmobilmachung“ faselte.
http://www.thetimes.co.uk/tto/news/world/europe/article4016262.ece

Warum berichten unsere Medien nicht darüber? Stattdessen das übliche Putin-Bashing. Zum Glück scheint unser derzeitiger Außenminister einen kühlen Kopf zu bewahren.

Und Altkanzler Schröder hat doch völlig recht, wenn er sagt: „Ein derart gespaltenes Land vor die Alternative zu stellen, ob sie einen Assoziierungsvertrag mit der europäischen Union wollen oder der von Russland angeführten Zollunion beitreten wollen, dass halte ich für einen Fehler…“

Dieser „friedlichen EU“ gehört mal kräftig auf die Finger geklopft!

10) Sebastian Agerer, Dienstag, 04. März 2014, 18:15 Uhr

Wenn Gerhard Schröder seine Aussage, dass Putin ein lupenreiner Demokrat ist, sollte man erwähnen, dass Schröder jetzt sagt, dass er das persönlich meinte.

Ev. hätte Putin gerne eine lupenreine Demokratie in seinem Land, aber es ist halt noch nicht möglich. Die meisten Russen wissen doch noch gar nicht, was eine Demokratie ist. Früher haben die Zaren geherrscht, dann kam Lenin, Stalin usw. Erst in den 1990er Jahren findet Russland langsam zur Demokratie. Man braucht Geduld.

11) Christian Erhart, Dienstag, 04. März 2014, 18:24 Uhr

Von Jimi Carter sagt man er sei ein schwacher President aber ein sehr starker ex Präsident, immer noch ! Schröder mag ein markanter, starker und charismatischer Kanzler gewesen, wenn man ihm den “Sozi” auch nicht wirklich abnehmen konnte. Aber der ex Kanzler Schröder ist schwach, arrogant unglaubwürdig und geldgeil.
Eigentlich zum fremdschämen.

12) winfried, Dienstag, 04. März 2014, 19:25 Uhr

Schröder hat doch nichts anzubieten, die innere Einmischung des Westens kann zu einer Katastrophe führen – wer spielt hier Weltherrscher und an wessen Grenzen?

Die Ukrainer werden bald merken wie sie verarscht werden, der Westen fördert kriminelle Oligarchen, es ist doch sein System über Mafia und Dienste die Staaten zu destabilisieren!

Russland hört genau zu wie der Westen spricht und wer da wirklich regiert – wenn sie ihr Gas gegen Rubel verkaufen und eine Reform bei der Geldausgabe machen, und staatliche Wechselkurse, die nicht mehr über eine Börse laufen – dann bekommt der Dollar einen neuen Preis!

Die Wessis vergessen das sie mit einer Weltmacht reden auch die Chinesen haben die Schnauze voll – die Amis sind unsere Feinde – sie sind das Problem – weil sie sich nicht selbst regieren sondern von einer Milliardärsklicke gesteuert werden – in der Ukraine fällt es nur auf dieses Spiel – es ist das Spiel des Westens!

13) riskro, Dienstag, 04. März 2014, 19:38 Uhr

Einer alleine hat nie Schuld. Wer, Herr Spreng ,ist alles schuldig? Wer ist der Gute? Wer ist der Böse?
Wissen Sie es?

Wer hat seine Finger alles im Aufstand in der Ukraine drin gehab?

Die Berichterstattung unserer Medien ist mir zu einseitig geprägt.

Die westlichen Medien -unsere ganz vorn- berichten schnell und ungeprüft und müssen dann zurückrudern. Solche unqualifizierte Stimmungsmache ruft zwangsläufig Gegenreaktionen hervor.

Russland hat Verträge mit den Westen über Gaslieferungen. Die Leitungen, mit denen das Gas geliefert wird, laufen durch die Ukraine. Schon alleine aus diesem Grund kann sich Putin eine rein pro-westliche Regierung nicht leisten. Russland und die Ukraine unterhalten eine gemeinsame Grenze. Russland und die Ukraine haben einen Vertrag, der den Russen vertraglich zusichert, die Krim militärisch für die russische Schwarzmeerflotte nutzen zu können. Schon aus diesen Gründen kann sich Putin keine instabile Regierung in der Ukraine leisten. Ein Verzicht Russlands auf den Mittelmeer-Zugang wäre für Russland militärischer Selbstmord.

Für mich interpretieren Sie, Herr Spreng in die freundschaftliche Verbindung zwischen Putin und Schröder zu viel hinein. Beide wissen wir nicht, wie tief diese geht.

Aber wenn dem so sein sollte, ist dies ja auch der westlichen Seite bekannt. Warum bedient man sich dann nicht dieser Möglichkeit.

Was hätte die westliche Diplomatie gesagt, wenn Schröder, ohne Auftrag in die Krim-Krise rein geredet und mit Putin telefoniert hätte. Was hätten Sie, Herr Spreng, dann geschrieben?

Ich -wie bekannt sein dürfte- kein Schröder Fan, frage Sie, Herr Spreng, wurde Schröder bei dem Mittagessen in Paris nach “seiner Meinung” gefragt oder hat er ungefragt das Thema angesprochen.

Wenn ich gefragt werde, vertrete ich meine Meinung. Wenn Schröder den Westen warnt, sollten wir ihn fragen, warum er dies tut. Ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass er bei Putins Amtseinführung dabei war, der Grund dafür war, Sie?

Wie immer, werden die, um die es geht nur am Rande beteiligt. Der Schlüssel, liegt in der Ukraine selbst. Hier muss man ansetzen, wie Gysi meiner Meinung nach am Sonntag bei Jauch richtigerweise gesagt hat.

Die Ukraine muss im Land selbst für stabile politische Verhältnisse sorgen, mit denen in erster Linie sie selbst und in zweiter Linie der Westen und Russland leben können. Diese “DREI SEITEN” müssen sich an einen Tisch setzen. Nicht ein Gerhard Schröder und ein Wladimir Putin.

Ob ein Klitschko oder Frau Tymoschenko dabei sein sollten, muss letztlich die Ukraine selbst entscheiden. Ob sie mit einer solchen Personalie gut beraten wäre, wage ich zu bezweifeln.

Eine solche Person muss in der Lage sein, sowohl die West- und Ostukraine zu vertreten. Es bearf einer unverbrauchten Person.

Ich stimme Schröder zu, Sanktionen sind der falsche Weg, die Diplomatie ist gefragt wie nie.

14) Radbert Grimmig, Dienstag, 04. März 2014, 19:43 Uhr

Sollte man nicht fairerweise annehmen, dass Schröder womöglich hinter den Kulissen auf Putin einzuwirken versucht? Es gäbe genug Gründe, das nicht an die große Glocke zu hängen. Schon um Putin ein Einlenken leichter zu machen, weil es nicht auf Mahnungen eines Deutschen zurückgeht. Könnte mir vorstellen, dass so was in Russland nach wie vor nicht so richtig gut ankommt.

15) Melusine Krawehl, Dienstag, 04. März 2014, 19:50 Uhr

Ich frage mich, was die Erwartungshaltung hinter diesem Artikel ist. Etwa die, dass Herr S. zu Herrn P. reist und ihm freundschaftlich darlegt, dass die Durchsetzung geostrategischer Interessen nur Ländern westlich von Krakau erlaubt ist? Ein paar mal mit dem Zeigefinger wedeln, und schon sagt der Herr P., ja, klar, Herr S., wenn ich da so drüber nachdenke hast du recht, ich werde sofort meine Truppen zurückpfeifen und zusehen, wie ein Staat in meiner Nähe die Einflusszone wechselt? Noch dazu einer mit viel Kohle und einer großen Marinebasis?

Wäre es nicht vielmehr Ausweis einer Freundschaft, nicht sofort dem Mainstream hinterherzuhecheln, in dem zur Zeit reflexartig geschrieben wird, dass der Herr P. der Böse ist, sondern stattdessen zumindest den Versuch zu unternehmen, eine andere Position zu vertreten?

Herr Spreng, sie sollten sich darüber klar werden, was sie wollen. Schröder bashen? Das tun sie auf sehr schwachem Grund. Putin bashen? Langweilig, macht zur Zeit eh jeder. Die Freundschaft Schröders und Putins bashen, weil sich Herr S. ungefähr so verhalten hat, wie wir es auch von Freunden erwarten würden? Leider bleibt es bei einem schwachen Versuch. Aber mit Putin kann man’s ja machen. Da kommt nämlich keiner mit dem Totschagargument des “Antirussismus” und der “transkaukasischen Freundschaft” die ja nicht gefährdet werden darf…sie verstehen, was ich meine.

16) Michael Schmidt, Dienstag, 04. März 2014, 20:59 Uhr

Es ist vielleicht eine Überschätzung des Einflusses von Gerhard Schröder auf die russische Machtpolitik, wenn man meint, Schröder könne Putin dazu überreden, keine militärischen Optionen zu erwägen.

Ich denke, das Machtgefüge in Russland ist so ausgestaltet, dass Putins politisches Überleben nicht von Gerhard Schröder abhängt.

Ich hoffe inständig, dass die Zuständigen in der EU den Ernst der Lage begreifen und merken, dass das hier kein Kinderspiel ist.

Dass man es hier mit einem Widersacher zu tun hat, der bereit ist, seine Interessen auch gewaltsam durchzusetzen. Und wenn man sich verpflichtet, sich dem entgegen zu stellen, dann soll man bitte auch bedenken, was das im Ernstfall bedeutet. Man steht einem Gegner gegenüber, der über funktionierende Raketen und Kernwaffen verfügt, neben dem kompletten übrigen Arsenal einer modernen Armee. Das ist nicht der Irak.

Ich hoffe inständig, dass die EU und der übrige Westen zu einer realistischen Einschätzung ihrer eigenen Macht gelangen, und ihre Drohgebärden dementsprechend anpassen.

Was eher in die Richtung der Meinung Schröders geht. Ich fürchte mich augenblicklich sehr vor der vermuteten Inkompetenz unserer Politiker. Mit Schaudern denke ich an die Lehren von 1914.

PS. Die Krim wurde erst 1954 vom Ukrainer Chruschtschow der Ukraine zugeschlagen.

17) Michael A. Nueckel, Dienstag, 04. März 2014, 22:17 Uhr

Dieser Beitrag reiht sich trefflich in die europäische Empörungsdiplomatie ein. Hand auf´s Herz, Putins Schritt ist geostrategische Realpolitik in Reinkultur. Ein “Verzicht” auf die Krim würde einen Verlust auf den schnellen Zugang und Zugriff bis zum Mittelmeer (bis Gibraltar) bedeuten. Das kann man ihm also kaum verübeln, er muß also aus seiner Warte heraus so handeln, und der ex-Kanzler Schröder wird das wissen, auch er denkt in diesen Kategorien. Sein hier beklagtes Schweigen kann daher nicht wirklich überraschen. Mitunter ist er schon einen Schritt weiter, denn auch mit einer Krim im Zugriff Rußlands kommt der Tag, an dem man wieder zu Tagespolitik zurück kehrt. Die Geschichte ist voll dieser Beispiele.

18) Erwin Gabriel, Mittwoch, 05. März 2014, 00:40 Uhr

@ m.spreng, Dienstag, 04. März 2014, 11:31 Uhr

Das ist, entschuldigen Sie das böse Wort, ein alberner Pipi-Langstrumpf-Kommentar: “Ich mach mir die Welt, wi-di-wi-di-wie sie mir gefällt”.

Also “kein Wort zu Putin, kein Wort zu dessen aggressiver Imperial-Politik”, nun gut. Lassen wir mal den Vergleich mit den USA und ihre direkten und indirekten aggressiv-imerialen Einmischungen in die Angelegenheiten anderer Länder beiseite, und widmen uns dem Thema Demokratie. Diese “Herrschaft des Volkes” wird immer dann gern gesehen, wenn sich ein “Volk” oder ein Teil davon dem Westen anschließen will. Dort, wo die eindeutige Mehrheitsmeinung eines Volkes in eine andere Richtung oder gegen ein westliches Land bzw. Verbündeten strebt, wird sie nicht respektiert, sondern heftig bekämpft.

Ein schiefes Bild? Blicken wir zurück auf die Proteste und Demonstrationen in Griechenland, die fliegenden Steine, die brennenden Autos, die Bilder der Kanzlerin mit Hitler-Bärtchen und Nazi-Uniform. Wie hätten wir es empfunden, wenn sich der russische Außenminister bei den griechischen Demonstranten eingereiht und ihre Forderungen unterstützt hätte? In der Ukraine hat man bei den Demonstranten genug EU-Politiker (unter anderem Frank-Walter Steinmeier) gesehen, die gegen die dortige Regierung auftraten.

Der Westen hat sich in der Ukraine engagiert, nicht um den Menschen zu helfen, sondern um den eigenen Machtbereich auszudehnen. Das ließ sich Putin nicht gefallen. Das haben sich die USA auch nicht gefallen lassen (da muss man nicht bis Kuba zurückgehen).

Was will man nun Russland mit Sanktionen drohen? Wenn man Putin nun, gegen bestehende Verträge, die Lieferung bestimmter Waren verweigert, dreht er den Gashahn zu. Das mag ein paar Monate dauern, bis sich das auswirkt, aber der nächste Winter kommt bestimmt. Und wenn es nur aus “technischen Problemen” Lieferschwierigkeiten gibt, etwa, weil ein paar “Terroristen” ausgerechnet die Pipeline in die Luft sprengen, die das Gas nach Europa transportiert …

Eine zahlungsunfähige Weltmacht, die schon gegen Syrien angedrohte Vergeltungsschläge mit einer Handvoll Raketen aus Kostengründen nicht zustande brachte und nun die Militärausgaben halbieren muss, sowie ein zerstrittener Haufen europäischer Länder, die schon mit sich selbst mehr Probleme haben, als sie verarbeiten können, werden Putin keine Angst einjagen. Im Gegenteil: Jede Reaktion des Westens gibt ihm die Möglichkeit, wiederum zu agieren. Und was passiert, wenn Putin wirklich einmarschiert? Tritt man ihm mit Waffengewalt entgegen? Sicherlich nicht.

Man hat sich weit aus den Fenstern gelehnt, den Menschen auf dem Maidan-Platz Versprechungen gemacht, die man nicht einlösen kann, und steht nun vor den Ukrainern als Kaiser ohne Kleider da. Und während sich Europa in einer monatelangen und fruchtlosen Diskussion über die “beste” Vergeltungsmaßnahme zu blamieren droht, während die USA es sich allein schon wegen der möglichen Atomwaffen-Bedrohung durch den Iran nicht mit Putin verscherzen können, schweigt Ex-Kanzler Schröder nicht, sondern mahnt den Westen zur Zurückhaltung.

Wenn ich absehen kann, dass ich meine Drohungen nicht bis in die letzte Konsequenz umsetzen kann, dann drohe ich eben nicht, sondern verhandle. Gerhard Schröder hat – im Gegensatz zu Ihnen und all den anderen künstlich empörten Herumdröhnern – sehr wohl begriffen, wo das alles ändern kann. Ex-Kanzler Gerhard Schröder mahnt zurecht.

19) Christian Schulz, Mittwoch, 05. März 2014, 09:24 Uhr

Ich glaube nicht, dass Herr Putin Freunde unter denen hat, die auf seiner Lohnliste stehen.

Das mit der Lohnliste muss schon zur Zeit der Schröderschen Kanzlerschaft vereinbart worden sein. Mich wundert, dass dabei niemand misstrauischer ist.
Putin ist ein Machtprofi, da gibt es keinen Platz für Befindlichkeiten, nur für Nützlichkeiten.
Putin prüft, ob er das Gebiet Russland einverleiben kann. Warum also sollte er es nicht tun?

Wenn es klappt, dann ist es ein Anfang.

20) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 05. März 2014, 11:41 Uhr

18) Erwin Gabriel,

So ist es, Herr Gabriel! Der Westen geriert sich als der demokratische und daher wertvollere Teil der Welt, vor dem Herr Putin in die Knie gehen soll und wundert sich nun, dass er das nicht tut!

Den Rest schenke ich mir, denn Sie haben die wichtigsten Merkmale einer autokratischen, zutiefst neoliberal orientierten EU-Regierung beschrieben! Die Folgen sind ringsum in Europa zu besichtigen.

Wer Augen hat, der sehe, und lasse sich von der Scheinmoral nicht blenden.

Russland wird sich nicht im selben Maße von einem „Europa“ dirigieren lassen, so wie Brüssel es seit Jahren gewohnt ist: Richtlinie raus, und wir haben zu spuren! Das nennt man hierzulande Demokratie. Klar doch, aber nicht mit einem wie Putin.
Putin weiss, er macht es ja nicht anders. Bloß, bei ihm heisst das anders: Oligarchie. Da funktioniert das nicht. Putin lässt sich nicht durch lächerliche, kindische Drohungen von einer lächerlichen Machtkonstruktion einer EU einschüchtern, Recht hat er!

21) Manfred Peters, Mittwoch, 05. März 2014, 12:46 Uhr

Das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“
wird mit Ihrem Beitrag sofort um „dröhnendes Schweigen ist Platin“ ergänzt.
Um bei der rhetorischen Werkstoffkunde zu bleiben, ist nicht schon genug (Blech-)Schrott von den deutschen Medien über den Konflikt in der Ukraine verbreitet worden?
Wenn es denn auch noch um die aktuellen Glanzleistungen der deutschen Politik – die Grünen (Harms, Beck Özdemir, Roth, …) an vorderster Front – geht, ist die Sehnsucht nach einem Stahlgewitter unübersehbar.

22) Pat Hall, Mittwoch, 05. März 2014, 13:59 Uhr

Schröder hat recht,der Westen sollte sich zügeln !
Hat der “Westen” nicht schon genug Völker und Länder selbst vernichtet ?
Ich danke all den Kommentatoren, deren Weitsicht größer zu sein scheint als die des M.Spreng,
denn sein Artikel reiht sich wirklich trefflich in übliche Empörungswutwelle ein

23) Pat Hall, Mittwoch, 05. März 2014, 14:36 Uhr

Ich habe noch eine Anmerkung :
Es ist wahr, es müssen nun alle diplomatischen Versuche unternommen werden, einen Krieg zu verhindern. Ich bin und bleibe Pazifist, und keiner soll mir je unterstellen, ich hätte Sympathien für das System Putin.
Aber ich kann diese Verlogenheit nicht mehr ertragen.
Glaubt ihr, Frau Merkel hätte sich nur eine Sekunde aus dem Fenster gelehnt, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika sich das Recht herausgenommen hätten, in welchem Land auch immer das Militär zum Schutz amerikanischer Bürger einzusetzen?
Genauso lautet die Rechtfertigung Putins für seinen Aufmarsch.
Viele meiner FreundInnen sind bei ihren Versuchen, gegen die völkerrechtswidrigen Kriege der NATO und der USA zu demonstrieren, ähnlich martialisch verhaftet worden, wie die Friedensfreunde in Russland.
Das moralische Aufheulen unserer Politiker gegen Russland ist Heuchelei.
Ich empfinde Solidarität mit den PazifistInnen in der Ukraine, in Russland, in den USA und in Europa.
Solidarisch mit unseren politischen Führern kann ich nicht sein.

24) W.Herrmann, Mittwoch, 05. März 2014, 16:28 Uhr

@Spreng und alle bisherigen Foristen

Als ich am 04.03.2014 um 14:33, erstmals zu so früher Tageszeit, einen Kommentar (#7) geschrieben habe war ich #1, hatte also kein “Vorbild” zum abschreiben …….

Heute sehe ich z.Zt. 18 Kommentare, die zu meinem Erstaunen zu ca. 95% inhaltlich zu meinem Kommentar “passen”……

Ich bin also offenbar nicht der “einsame Rufer in der Wüste” wie ich Angesichts der deutschen Medien und diverser Blogs und Foren in der letzten Woche schon angenommen hatte….

Ich danke daher Allen, die mir das Gefühl zurückgegeben haben nicht völlig verblödet zu sein…

Gruß Wolfgang

25) Günter Springer, Mittwoch, 05. März 2014, 17:39 Uhr

@ Politikverdruss und
@ Erwin Gabriel
Es giebt sie doch, die vernünftig Denken können und das ist ein Trost!

26) wschira, Mittwoch, 05. März 2014, 18:25 Uhr

@18) Erwin Gabriel

Bisweilen sind wir uns ja nicht ganz einig in unseren Ansichten (zum Glück, möchte ich sagen), aber diesen Kommentar kann ich Wort für Wort unterschreiben.

27) Hannes Mittermeyer, Mittwoch, 05. März 2014, 18:44 Uhr

Dass Gerhard Schröder sein pol. Gespür so krass verloren hat ist wirklich beachtlich. Ich bin auch persönlich von ihm enttäuscht. Macht man für Gasprom wirklich alles? Ist der Job so toll? Ich weiß ja nicht… :-/

28) Politikverdruss, Mittwoch, 05. März 2014, 19:10 Uhr

18) Erwin Gabriel, Mittwoch, 05. März 2014, 00:40 Uhr,

ein treffender Beitrag, Herr Gabriel!

Unglaublich, was sich in Europa abspielt. Eine Europäische Union, vor kurzem noch mit dem Friedensnobelpreis geehrt, mutiert zum „Kriegstreiber“. Diese Barrosos, van Rumpuys oder Ashtons zündeln in der Ukraine und wundern sich nun, dass daraus ein Flächenbrand entstehen könnte.

Sicherlich, Janokowitsch kann man viel vorwerfen, aber nun wird die Ukraine von einer demokratisch nicht legitimierten Regierung „gesteuert“. Während die „allukrainische“ Swoboda-Partei, die gute Verbindungen zur deutschen NPD unterhält, in dieser Regierung mehrere Minister stellt, ist die russische Minderheit in der Ukraine, die immerhin ein Drittel der Bevölkerung ausmacht, dort nicht vertreten.

An der „schwersten Krise seit dem Mauerfall“ ist natürlich Putin Schuld, so überwiegend die westlichen Medien. Nein, es ist die EU und im Hintergrund die USA, die in einem ohnehin „gespaltenen“ Land zusätzlich Zwietracht gesät haben und nun die „Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden“.

Jetzt will die EU 11 Milliarden Euro bereitstellen. Das heißt wir bezahlen diesen Unsinn auch noch. Nach dem Motto: nach der Bankenrettung kommt nun die Oligarchen-Rettung. Die haben sich schon mal auf Geheiß der „neuen ukrainischen Regierung“ politisch positioniert.

Ja, so läuft das, wenn „Friedensnobelpreisträger“ ein souveränes Land beglücken.

29) Thomas Wahl-Jepsen, Mittwoch, 05. März 2014, 19:33 Uhr

Ich schließe mich denen an, die offen die unfaire Berichterstattung über Russland verurteilen.

Es ist sicher nicht gut, was dort passiert. Kritik ist angebracht. Aber konstruktiv bitte schön. Russland ist Korruption (gut dass es in Deutschland ein umfassendes Antikorruptionsgesetz gibt), Machtgier (gut, dass dass das deutsche Parlament nicht eines der personenstärksten der Welt ist), Geldbesessenheit ( Gott sei Dank haben wir eine reale soziale Marktwirtschaft, von der wirklich alle profitieren).

Denn nur wer ein lupenreines Vorbild ist, richte über den Anderen. Russland ist nicht nur Putin, ich mahne zu mehr Maß. Jahrzehnte nach dem Kniefall in Warschau kann doch niemand mehr ernsthaft beäugt werden, wenn er Sympathien für Osteuropa hegt. Diplomatie ist ganz sicher das Stichwort. Überzeugung statt Druck. Einbindung statt Ausgrenzung. So wie wir Deutschen den Osten und unsere Mitbürger mit Migrationsgeschichte integriert haben. Vorbildlich, nicht?

Die Medien brauchen Aufreger für ihre Auflage. Wer laut brüllt, wird wahrgenommen. Die leisen Töne registriert man nicht. Hab ich nur verpasst, dass Steinmeier für seinen Einsatz medial unterstützt wird?

Wenn Medien schon einen Bundespräsidenten zu Fall bringen, warum denn dann nicht auch zum Krieg aufwiegeln? Aber das diplomatische Wort verkauft sich eben nicht, Vernunft ist nur schwer auszuhalten.

Also: weiter so, mit der Hetze gegen Russland, weiter so mit Berichten vom Roten Platz im tiefdunklen Moskau, von Sodom und Gomorrha aus dem Land Dostoevskijs, Tolstojs und Gogols.

Ach: Mutig auch die, die sportliche Seite und die Freundlichkeit der Menschen in Sotchi positiv hervorgehoben haben. Aber wer wollte das denn wirklich hören? Ich mahne noch einmal zu Maß und multiperspektivischer Berichterstattung.

30) Erwin Gabriel, Mittwoch, 05. März 2014, 20:20 Uhr

@ 4) Johannes Lamp, Dienstag, 04. März 2014, 13:37 Uhr

>> Er ist ein Parvenu und konnte das nie verleugnen! Beweise hierfür
>> sind sein Lebenswandel, sein Auftritt nach seiner Wahlniederlage
>> und seine unwürdige Raffgier in Zusammenhang mit seinem
>> Gasprom-Engagement.

Mal abgesehen davon, dass Gerhard Schröder nie für die Gazprom arbeitete – Sie beurteilen die politische Weitsicht des Ex-Kanzlers nach seinem Lebenswandel? Wenn ich Sie nach ihrem Kommentar beurteilen müsste, wären Sie wohl ein grottenschlechter Liebhaber
🙂

31) Bernhard Paul, Mittwoch, 05. März 2014, 23:46 Uhr

In welcher Mission sollte Schröder verhandeln? Wenn Putin dann seinen Männer-Freund fragt: Welches Mandat hast du, Gerd? Was dann?

Grundsätzlich gilt: Komm’ einem Russen niemals dumm und stelle ihn nicht bloß, schon gar nicht durch Drohungen. Er wird dich nicht einmal beachten. Stelle dich einem Russen offen und mach’ ihm in aller Deutlichkeit klar, was du berechtigt von ihm willst, notfalls in gröbstem Ton, und du bekommst was du willst, er wird sich zumindest nach Kräften bemühen und dich nicht abweisen. – Das ist das, was ich auf früheren Reisen in die Sowjetunion noch zu Zeiten des Kalten Krieges in Begleitung udn dank einer exzellenten Russlandkennerin über die russische Seele und Mentalität gelernt habe. Sie ist definitiv anders als unsere westliche. Wer sich darauf nicht einstellt und zu verstehen versucht, erreicht nichts.

Dass Putin den Zusammenbruch der sowjetischen Hemisphäre und die Implosion der Sowjetunion für eine geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts hält, hat er mehrmals gesagt. Daraus erklärt sich sein Verhalten.

32) Wolfgang Diener, Donnerstag, 06. März 2014, 08:41 Uhr

Hier ist das Sprichwort passend:
Wessen Brot ich esse – dessen Lied ich sing!
Gerade der Schröder hat sich noch nie für das gemeine Volk interessiert, so wie jetzt auch so mancher Politiker – nur Machtgeil!

33) Erika, Donnerstag, 06. März 2014, 09:38 Uhr

http://www.cicero.de/weltbuehne/krim-krise-auf-den-westen-ist-kein-verlass/57164

Sehr geehrter Herr Spreng,

dies ist mal wieder ein Versuch, nachdem mein Kommentar vorher nicht angenommen wurde.

34) Tiedgen, Donnerstag, 06. März 2014, 11:03 Uhr

Das Grundproblem ist doch die strategisch bedeutende Ukraine, die sich in Richtung “belgischer Verhältnisse” bewegt. Ich sehe da kaum eine Kooperationschance zwischen dem (ehemals polnischen) Westteil und dem russisch fixierten Ostteil und die Krim ist ohnehin im Fokus des Auslandes. Die Belgier haben wenigstens eine jahrhundertealte demokratische Streitkultur und ein gemeinsames Zentrum Brüssel, dort wird heftig gestritten, aber nicht geschossen. Aber die Ukraine ist ein zentralistischer Staat, kein stark föderales Land wie Belgien. Und um die Macht wird es noch heftige Kämpfe geben, zumal der Staat ja pleite ist.

Vielleicht sitzen die Staatsführer von Europa, Russland, Türkei u.a. in näherer Zukunft in einem gemeinsamen Boot, wenn es darum geht, die Krise der Ukraine zu “managen”. Und da ist es allemal besser, keine Zeit auf Streitigkeiten und persönliche Animositäten der Mitglieder im Boot zu verschwenden, sondern sich koordiniert um ein Krisenmanagement zu bemühen.

Man muß Putin und seine Art der Staatsführung nicht mögen, aber der vertritt klar die russischen Staatsinteressen und wird sicher den Krimhafen eisern festhalten. Dennoch könnte er im Ostteil mit einer moderaten Haltung deutlich zur Deeskalation der ukrainischen Eliten beitragen. Und die EU könnte sich eindeutiger positionieren: Beitritt nein, aber ja zu weiteren Handelsabkommen.

Vielleicht sollten die europäischen Politiker einmal zurückblicken, wie viele Jahrhunderte es gebraucht hat, um Demokratie in den westeuropäischen Staaten zu verankern. Und vor allem konnten die Staaten des deutschen Raumes (HRR) bereits auf basisdemokratische Strukturen im Bereich der Hanse und in SW-Deutschland zurückgreifen. Die Demokratie wurde eben nicht von oben angeordnet, sondern in Deutschland den einzelnen Fürsten abgerungen. Warum muß also die Ukraine diesen Weg im Schnellverfahren zurücklegen?

35) Politikverdruss, Donnerstag, 06. März 2014, 11:50 Uhr

Die USA konzentrieren sich derzeit darauf, sich lächerlich zu machen! Zuerst US-Außenminister Kerry: „Im 21. Jahrhundert benimmt man sich nicht einfach wie im 19. Jahrhundert und marschiert unter einem erfundenen Vorwand in ein anderes Land ein“. Und nun vergleicht Hilary Clinton den russischen Staatspräsidenten Putin mit Hitler. Eine Super-Macht im argumentativen Sturzflug.

Gorbatschow, dem Deutschland die Wiedervereinigung zu verdanken hat, kritisierte zu Recht die Unzuverlässigkeit des Westens gegenüber Russland:

BILD: Hat Deutschland seine Versprechen gegenüber Russland gehalten?

Gorbatschow: Ja, die Deutschen haben sämtliche Vereinbarungen sehr genau erfüllt und sind sehr respektvoll mit unseren Truppen umgegangen. Aber es gibt eine offene Rechnung.

BILD: Welche?

Gorbatschow: Kohl, US-Außenminister James Baker und andere sicherten mir zu, dass die Nato sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde. Daran haben sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen war es gleichgültig. Vielleicht haben sie sich sogar die Hände gerieben, wie toll man die Russen über den Tisch gezogen hat. Was hat es gebracht? Nur, dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen. http://www.bild.de/politik/2009/bild-medienpreis/die-deutschen-waren-nicht-aufzuhalten-7864098.bild.html

In dieses Bild passen dann auch die Ausführungen des Apparatschik Elmar Brok(bei Anne Will), der die Übergangsregierung der Ukraine für „legal wie legitim“ hält. Man fragt sich langsam wirklich, wer die EU demokratisch legitimiert hat, diese EU-Osterweiterung so voranzutreiben? Diese sogenannte „Erweiterung“ entwickelt sich mehr und mehr zum größten „imperialen Vorhaben“ seit 1945 vor. Wir sollten versuchen, das im Mai zu stoppen!

36) Michael Schmidt, Donnerstag, 06. März 2014, 15:01 Uhr

Was das Thema Sanktionen angeht: Hat jemand empirische Beweise für die Wirksamkeit von Sanktionen?

Welchen Effekt hatte die Verhängung von Sanktionen gegen Saddam Hussein?

Welchen Effekt hatte die Verhängung von Sanktionen gegen Khomenei?

Wie sieht es aus mit der Erdgasversorgung Deutschlands?

Mit WAS soll der Westen groß drohen?

Eine Drohung, die man nicht wahrmachen kann, ist keine Drohung, sondern führt allein zu Verlust von Einfluss und Autorität.

37) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 06. März 2014, 15:08 Uhr

Ukraine: ein Teil ist russisch-orientiert, der andere westlich. Nachdem die EU wohl glaubte, dass nach dem Kapitalismus über den Sozialismus offenbar wurde, meinte man wohl die Segnungen einer „Demokratie“ nach Brüsseler Muster überall implementieren zu müssen. Beim Assoziierungsabkommen mit der Ukraine hat man die „Spaltung“ des Landes wohl geflissentlich übersehen. Man hat übersehen wollen, dass Russland auch irgendwie noch da ist, mit seinen geopolitischen wie geostrategischen Interessen, beispielsweise das des ungehinderten Zugang seiner Flotte zum Mittelmeer.
Eskaliert ist die Lage, als Janukowitsch möglichst viel Geld für sich und seine kleptokratischen Günstlinge herausholen wollte und die EU und Putin ausspielte.
Die non-verbale Kommunikation zwischen Russland und der EU, abgesehen von leisen Versuchen durch diverse Zusammentreffen wie z.B die Petersburger Gespräche, verstärkten den Eindruck, dass hier sich was verselbständigt, was sich eigentlich nach Ansicht Putins nicht verselbständigen soll. Das hat der Mann einfach übel genommen.
Dass in der Ukraine urplötzlich lauter lautere Demokraten in Massen auftreten, scheint unwahrscheinlich. Eher war und ist es wahrscheinlich, dass das Land einfach pleite ist, und eine Vielzahl von westlichen NGO´s im Auftrag von Brüssel wie den USA die Meinung im Volk dahingehend befördert haben, dass es doch das Beste wäre, wenn man über ein
Assozizierungabkommen die Möglichkeit eröffnen würde, mit dem Ziel, dass die Ukraine irgendwann auch mal Mitglied der EU ist.
Dass die USA vielfältige Konflikte in aller Welt geschürt haben, brauche ich nicht besonders zu vertiefen. Im Fall der Ukraine wurde der Protest, unter anderem vom CIA, von langer Hand vorbereitet. Riecht zwar penetrant nach Verschwörungstheorie – leider nicht, sondern lief durchaus nach bekannten Mustern der Meinungsbeeinflussung ab.
Die EU waren hier willige Handlangerund es ist kein Wunder, weil auch EU größtes Interesse an der Ausdehnung seines neoliberalen Wirtschaftseinflusses ist. Ein Land und seine Bevölkerung, wie das der Ukraine, sieht zunächst in der EU eine Möglichkeit seine Armut zu überwinden. Die ständige Propaganda aus dem Westen ist geschickt aufgebaut, so dass man das dicke Ende und die Konsequenzen, die sich aus der finanziellen „Befreiung“ ergäben, zunächst nicht erkennt. Ein Blick nach Griechenland würde vielleicht hilfreich für die ukrainischen EU-Freunde sein.

http://www.paulcraigroberts.org/2014/02/12/washington-orchestrated-protests-destabilizing-ukraine/

38) Rainer N., Donnerstag, 06. März 2014, 15:42 Uhr

Dies wird mein letzter Kommentar bei Ihnen, Herr Spreng, werden. Denn Trolle soll man nicht füttern.

http://www.cbc.ca/news/world/the-ukraine-crisis-through-the-whimsy-of-international-law-1.2559980

DORT ist ein treffender Beitrag zur Lage.

Putin ist auf der “richtigen Seite” mit seiner Handlung. Wenn ich Putin wäre, würde ich Kuba anbieten dort wieder Raketen aufzustellen … um die USA einmal vorzuführen.

Fakt aus meiner Sicht. Die USA wollen die Beziehung der EU und Russland zerstören. Denn nur die EU hat Nachteile zu erwarten. DAS ist im Sinne der USA. Und das “Bush-Zäpfchen” handelt nicht im Sinne des Volkes, wie das GG verlangt. Oder war das ein Meineid … der bei der GROKO-Einführung im Bundestag gesprochen wurde?

39) Johannes Lamp, Donnerstag, 06. März 2014, 18:20 Uhr

zu 30. Erwin Gabriel
Gottseidank bin ich auf Ihre Beurteilung nicht angewiesen – dieses nörglerische Oberstudienratsgeseire , dem man anmerkt, dass dem Verfasser subtile Erotik fremd ist.
Wie krank muss jemand sein, wenn er aus einem Politikblog auf die Fähigkeit als Liebhaber schließt!
Mit dem, was ich von Gasprom (man beachte die Orthographie – ist ukrainisch!) und seinen Geschäften vergessen habe, ist mehr, als ein notorischer Besserwisser wie Sie jemals behält…
Die politische Weitsicht des Ex-Kanzlers wird jeder Hartz 4 – Empfänger, jeder Maschmeyer und jeder Riesterer besser erklären, als ein frustrierter Frühpensionär!!!

40) Günter Springer, Donnerstag, 06. März 2014, 19:18 Uhr

Die Ukraine ist zum Basar geworden, um sie wird mit Milliardenbeträge gefeilscht!
Sollte das nicht helfen wird gedroht mit einer Gebärde ala Merkel, Hat diese Frau nichts anderes zu tun….?

41) Martin Schmitz, Donnerstag, 06. März 2014, 20:34 Uhr

Ich sage hier ganz offen, dass die Hauptschuld der Krise an den USA und seine willigen Vasallen, hauptsächlich an Deutschland liegt. Seit Jahrzehnten zündeln die USA an allen Ecken der Welt und die westliche Gemeinschaft sagt kein Wort dazu. Bei der Vereinigung Deutschlands hat Gorbatschow verlangt und so sind auch die Verträge, dass die NATO sich nicht nach Osten ausbreiten darf. Und hat der Westen das getan? Nein, mit den USA an der Spitze ist man ständig dabei, die NATO bis an die Grenze Russlands zu legen. Russland hat meiner Meinung richtig gehandelt und dem Westen, vor allem den USA die rote Karte gezeigt.

The USA bombing Tours

1945 – 1946 China
1950 – 1953 Korea – China
1954 Guatemala
1958 Indonesia
1959 – 1961 Cuba
1960 Guatemala
1964 Kongo
1965 Peru
1964 – 1973 Laos
1961 – 1973 Vietnam
1969 – 1970 Kambodscha
1967 – 1969 Guatemala
1983 Grenada
1983 – 1984 Libanon
1980 El Salvador
1980 Nicaragua
1986 Libyen
1987 Iran
1989 Panama
1991 Irak
1993 Somalia
1998 Sudan
1998 Afghanistan
1999 Jugoslavien
2001 – heute Afghanistan
2003 – 2011 Irak
2011 Libyen
2011 Tunesien
2011 – heute Pakistan
2012 – heute Jemen
2012 – heute Syrien
2014 Ukraine

Das sind die Staaten wo die USA Völkerrecht gebrochen hat und hat die westliche Gemeinschaft dagegen protestiert?

42) lena hessler, Donnerstag, 06. März 2014, 20:56 Uhr

2 Fragen:
1. Warum wird Klitschko von den USA finanziiert?
2. Warum hatte Merkel schon vor 2 Jahren Gespräche mit Klitschko?

43) Katja Neutze, Donnerstag, 06. März 2014, 22:56 Uhr

Ich empfehle mal statt der nahezu durchgängig gleichförmig berichtenden deutschen Presse z.B. Al Jazeera zu verfolgen. Dann wird deutlich, dass bei uns doch eine sehr einseitige Anti-Russland-Propaganda betrieben wird.
Wir haben dieses Phänomen schon zuletzt hinsichtlich der Anti-Syrien-Propaganda beobachtet.
Herr Spreng, Sie hatten schon mal erläutert, dass die Medien bei uns durchaus nicht gleichgeschaltet sind, aber dennoch mitunter sich gegenseitig verstärkend in einseitiges Fahrwasser geraten. An solchen Stellen müsste man dringend anhaken, das wäre auch Ihre Aufgabe!

44) W. Zimmer, Freitag, 07. März 2014, 10:07 Uhr

@40 Günter Springer

Anscheinend nicht. Eventuell den nächsten Schwafelgipfel vorbereiten. 😉 Oder von Obama die nächsten Direktiven abholen. Innenpolitisch das “Schweigen im Walde”. Man will sich ja schliesslich nicht in die Niederungen der Politik begeben, könnte man doch eventuell dann damit in Verbindung gebracht werden.

45) Politikverdruss, Freitag, 07. März 2014, 12:01 Uhr

Was sich die deutschen Medien an Einseitigkeit in der Ukraine-/Krim-Krise leisten, ist ungeheuerlich!
So z.B. der gestrige ARD-Brennpunkt! Wenn zweifelhafte Kräfte der Ukraine mal so eben eine demokratisch gewählte Regierung wegputschen ist das in Ordnung. Wenn dagegen Menschen auf der Krim ein Referendum über ihre staatliche Zugehörigkeit abhalten wollen, dann ist das verwerflich.

Ich will keine pro-westliche, pro-östliche, pro-ukrainische oder sonst irgendeine einseitig ausgerichtete Berichterstattung. Ich bestehe auf Fakten, die alle Seiten des Konflikts beleuchten. Und worauf ich ganz verzichte, sind eure journalistisch wertlosen „Kommentare“, liebe Medienvertreter!

Deutsche Medien als „Propagandamaschinerie“? Der „Freitag“ stimmt dem zu: „Die tägliche Berichterstattung über die Ukraine nimmt makabre Formen an. Egal welche der großen Medien man ansteuert, FAZ, Spiegel, Die Zeit, Welt online, auch die Tagesschau, die Berichterstattung ist gleichgeschaltet, einseitig und verzerrt die Realität in einem Ausmaß, dass ich mich frage:

Wo sitzt das europäische Propagandaministerium, welches diese Propagandamaschinerie steuert?“http://www.freitag.de/autoren/mopperkopp/die-propagandamaschinerie

46) Peter Christian Nowak, Freitag, 07. März 2014, 13:12 Uhr

43) Katja Neutze,

Die Gleichschaltung der Medien ist vielfach festzustelllen. Aber es gibt auch noch Ausnahmen. Die rausszufiltern ist oft schwierig und erfordert viel kritisches Beurteilungsvermögen. Es macht aber Mut, wenn ich hier im Blog die Einträge lese: Nicht die ganze Bevölkerung scheint sich vom Mainstream hinter die Fichte führen zu lassen.

47) W.Herrmann, Freitag, 07. März 2014, 14:30 Uhr

@Politikverdruss (#35),

ich erspare mir hier mal eigenen Text…stimme Ihnen zu….

48) Peter Christian Nowak, Freitag, 07. März 2014, 16:38 Uhr

45)Politikverdruss

In der Gegenwart scheint sich der Spruch zu bewahrheiten, dass sich Geschichte im Laufe der Zeit wiederholt. Irgendwo in Europa sind die “Goebbels” unterwegs – aber mit mäßigem Erfolg, wie man an den Beiträgen hier im blog mit Genugtuung feststellen kann. Das gibt Hoffnung. Ich meinerseits werde bei der kommenden Europawahl aus dem faschistoiden Umgang mit der Krise meine Konsequenzen ziehen. Mich von einer Mainstream-Presse im Gleichklang mit den USA wie Europ. Union indoktrinieren zu lassen, werde ich weder der Politik noch Journalisten gestatten!
Die EU-Osterweiterung ist Teil einer Ideologie der USA. Sie deckt sich (zufällig?) nahtlos mit ihr. Die Osterweiterung ist Voraussetzung für die “Neue Weltordnung”, die die geostrategischen Interessen der USA auf Dauer sichern soll. Die EU ist ein willkommener Handlanger, die sich total abhängig gemacht hat: in Wirtschaft, in der Finanzwirtschaft. Das ist sehr schön zur Zeit bei den Verhandlungen mit dem transatlantischen Freihandelsabkommen zu beobachten. Alle EU-Bürger werden ein wachsames Auge haben müssen, in welche Richtung diese EU marschiert.

49) B. Harling, Freitag, 07. März 2014, 16:48 Uhr

Wenigstens müsste nun der letzte Depp kapieren, dass die EU (intern) ein Segen ist, weil diese bzw. ähnliche Entwicklungen in ihr, anders als vor 100 Jahren, nicht mehr möglich sind. Im Übrigen weiß man in der Misere wirklich nicht, welche Seite am fragwürdigsten ist, es geht einem fast wie dem: http://www.schoeneres-leben.de/2014/03/demokrat-depressiv-weil-er-plotzlich.html#.UxnR8IUkDVR

50) StefanP, Freitag, 07. März 2014, 17:17 Uhr

Leider lässt sich nicht feststellen, dass die neuen Transparenzregeln der Kommentarqualität zum Vorteil gereichen würden. Transparenz ist ein schönes Wort, nur bewirkt das rückhaltlose Leben von Transparenz oft das Gegenteil des Gewollten.

Bescheidenheit und Zurückhaltung scheinen genau dann perdu zu gehen, je weniger mancher von einer Sache versteht. Wer kann tatsächlich behaupten, sich mit den inneren und geschichtlichen Verhältnissen der Ukraine oder Russland auszukennen oder auf diplomatischem Parkett geschult zu sein? Dennoch wird losgeschrieben um eigentlich nur die eigenen Phobien auszuleben.

Von der Sache her handelt es sich bei beiden Ländern um äußerst korrupte, ineffiziente Staaten, die von teils brutalen Oligarchen-Dynastien beherrscht werden. Der eine Staat ist seit längerem pleite, der andere wendet den Konkurs nur mittels seiner reichhaltigen Rohstoffe ab. Wer einmal in Kiew oder Donezk war, hat nicht das Bedürfnis, dorthin zurückzukehren. Osteuropa ist seit Jahrhunderten ein ganz eigenes Pflaster und die Mentalität der Menschen nicht mit der im Westen des Kontinents zu vergleichen.

Das hindert natürlich fleißige Foristen nicht, munter drauf los zu kommentieren, militärische, diplomatische oder gleich geostrategische Empfehlungen zu geben und ansonsten auf den Großen Satan zu schimpfen, der für alles Schlechte dieser Erde irgendwo verantwortlich zeichnet.

Nebenbei wird dann noch vergessen, dass es sich bei den westlichen Anrainern Russlands inzwischen um demokratische Staaten handelt, deren Bürger das Recht haben, auch bilaterale Verträge zu kündigen. Zur Souveränität eines Landes gehört es, sich zu Bündnissen zusammenzuschließen und Vertragspartner frei zu wählen. Unter diesem Gesichtspunkt konnte Gorbatschow gar nicht die USA verpflichten, als Teil der Nato eine Mitgliedschaft von Polen in dem Militärbündnis zu verhindern. Polen, die Balten, Ukraine und Tschechien sind heute keine Satrapen des russischen Bären.

Putin treibt die Isolation seines Landes voran, da er keine neuen Bündnisse schafft und alte sowie potentielle Partner mit seiner Machtpolitik verprellt. Mehr lässt sich als Außenstehender eigentlich nicht sagen. Ob dies im Interesse Russlands ist, müssen seine Bürger selbst entscheiden. Bei Wahlen oder mit den Füßen.

51) Michael König, Freitag, 07. März 2014, 18:56 Uhr

Putin ist sicher ein Machtmensch, denn Russland ist groß und der Zar ist weit. er hat im letzten Jahrzehnt in einem schwierigen Umfeld Russland politisch stabilisiert, die Macht der korrupten russischen Oligarchen beschnitten und das Land aus einer politischen Krise geführt (Tschetschenien). Deswegen unterstützen ihn auch 70% der russischen Bevölkerung.
Frage an Herrn Herr Spreng: wen wünschen Sie sich bitte in Moskau an der Macht? Wieder einen Alkoholiker, der auf Staatsempfängen anfängt zu tanzen und den rusischen Bären zu geben oder wieder einen politischen Phantasten, mit dem man den Ausverkauf der russischen und zentralasiatischen Rohstoffe schnell über die Bühne bekäme. Und darum geht es unseren Freiheitsapologeten bei diesem unwürdigen Theater.
Oder sollen es Führer wie die von den national-faschistischen Bewegungen vom “Rechten Sektor” wie der Ultarnationalist Tahnibok sein, der hier in Sachsen offen mit der NPD posierte. oder vielleicht wieder mal die Oligarchen wie Frau Timoschenko und Herr Jazenjuk, alles lupenreine Demokraten, ist doch klar? haben ja alle ihe Millarden ehrlich mit eigener Hände Arbeit erworben! oder machts “Klichko the hammer” gut? Wer solche Freunde in der Regierung unterstützt, und gleichzeitig gegen Putin wettert, hat m. E. den Überblick total verloren. Was ist los, Herr Spreng? ich habe Ihre unkonventionellen Analysen so geschätzt! Diesmal wirklich so naiv, oder nur einen gebrauchten Tag erwischt?

52) Politikverdruss, Freitag, 07. März 2014, 19:03 Uhr

Nun wird in der deutschen Medienlandschaft verbreitet, eine Krim-Sezession sei völkerrechtswidrig.
Dazu hat der Internationale Gerichtshof anlässlich der Kosovo-Sezession festgestellt, dass Sezessionen keineswegs völkerrechtswidrig sind (siehe dazu SWP-Studie: Kosovo-Sonderfall mit Präzedenzwirkung). Danach sind Sezessionen durchaus völkerrechtskonform!

Aber völlig unabhängig davon: In den 50er Jahren bestimmt der Ukrainer N. Chruschtschow per Ukas, dass die jahrhunderte zu Russland gehörende Halbinsel Krim der Ukraine zugeschlagen wurde. Ohne die betroffenen Menschen zu fragen, wurde hier mal so eben ein Land samt Bewohner verschenkt. Und das soll völkerrechtskonform sein? Das war ein Willkürakt! Und der soll jetzt durch das Völkerrecht gedeckt sein? Wohl kaum!

Die an die Macht geputschte Regierung der Ukraine besitzt keine völkerrechtliche Legitimation. Infolgedessen entfalten die von dieser Regierung erlassenen Gesetze auch keine Rechtskraft.

Es läuft momentan so: „Wenn sich die Bevölkerung einer autonomen Republik von Russland abzuspalten wünscht – wie im Falle Tschetscheniens –, findet dies den ungeteilten Zuspruch der westlichen Politik. Wenn aber die Mehrheit der Bevölkerung einer autonomen Republik sich mit Russland zu vereinigen wünscht, dann wird das als Katastrophe angesehen?”

Da stimmt was nicht!

53) Bernhard Paul, Samstag, 08. März 2014, 00:14 Uhr

In der Tat: Die Gleichschaltung der Medien in Deutschland währet seit achtzig Jahren …
Wie fühlt man sich so, Herr Spreng, wenn man gleichgeschaltet ist? Wer diktiert Ihnen denn Ihre Meinung? Das Reichspropagandaministerium gibt es ja nicht mehr …

54) Erwin Gabriel, Samstag, 08. März 2014, 08:29 Uhr

@ 39) Johannes Lamp, Donnerstag, 06. März 2014, 18:20 Uhr
>> dieses nörglerische Oberstudienratsgeseire , dem man anmerkt,
>> dass dem Verfasser subtile Erotik fremd ist.
>> Wie krank muss jemand sein, wenn er aus einem Politikblog auf die
>> Fähigkeit als Liebhaber schließt!

Selbsterkenntnis? Kein Grund, zornig zu werden, der junge Mann.

Zum Thema Besserwissen: Gerhard Schröder arbeitet für eine Firma namens NordStream AG, an denen Gazprom, E.On Ruhrgas und mit Wintershall eine Tochter der BASF beteiligt sind.

>> Die politische Weitsicht des Ex-Kanzlers wird jeder Hartz 4 – Empfänger,
>> jeder Maschmeyer und jeder Riesterer besser erklären, als ein frustrierter
>> Frühpensionär!!!

Wenn Sie ein frustrierter Frühpensionär sind, mögen Sie Recht haben.

Nun mal im Ernst:
Fakten und Meinungen derart durcheinander zu würfeln, schräge Rückschlüsse zu ziehen und grob über andere Personen zu urteilen, die Sie nicht kennen, ist unbestritten Ihr gutes Recht. Meines dann aber auch. Nur dass Sie es ernst mein(t)en, und ich mit einem Augenzwinkern.

55) Erwin Gabriel, Samstag, 08. März 2014, 08:33 Uhr

@ 38) Rainer N., Donnerstag, 06. März 2014, 15:42 Uhr

Danke für den Link.
Ich sehe es ähnlich: Die EU versucht wieder einmal, große Politik zu spielen, und wird wieder einmal vorgeführt. Die USA zündeln ohne wirkliche Möglichkeiten aus dem Hintergrund, und wenn sie Glück haben, schaden sich Europa und Russland gleichzeitig.

Und 99 % aller Journalisten und Medienmacher haben wieder einmal das Gehirn an der Garderobe abgegeben.

56) Erika, Samstag, 08. März 2014, 18:38 Uhr

Es lohnt immer mal ein Blick in “zapp”

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/zapp7203.html

Zu Beginn eines Themas oder Ereignisses wird in den Medien meist massiv Stimmung gemacht. Nach einigen Tagen, wenn das Meinungsbild beim Bürger gesetzt ist, kann man dann sehr oft differenzierte Berichte lesen oder sehen.

Allibi-Artikel als Indiz für ausgewogene Berichterstattung.

57) Horst Klohocker, Samstag, 08. März 2014, 19:53 Uhr

Putin führt „Uns“ alle am Nasenring durch die Manege der Weltpolitik! Aber wer ist dieses „Uns“? Ich nicht, den mir ist es egal, was auf der Insel Krim geschieht. Krim Sekt trinke ich nicht und ich heize mit Öl – habe also auch eine warme Stube ohne russisches Gas.
Eigentlich ist das was da in der Ukraine geschieht ein weltpolitisches „Kasprltheater“. Ein paar verschiedene Schutzmänner hauen drauf und jeder glaubt der Gute zu sein. Dazwischen die bettelarmen Bürger der Ukraine, welche die Prügel abbekommen.
Ex Kanzler Schröder spielt derzeit (noch) nicht mit. Wieso auch? Ich würde auch kein Millionen Salär von GAZPROM wegen der Ukraine aufs Spiel setzen! Wer ist schon die Ukraine?

58) Michael A. Nueckel, Sonntag, 09. März 2014, 22:36 Uhr

@ 50) StefanP:

Bevor Sie hier der Mehrheit der Teilnehmer quasi im Wege des Generalverdachts die Ferndiagnose Phobien u.a. unterstellen, sollten Sie mal Ihren ernstlich nach ICD-10 F60.8 verdächtigen Zustand sachverständig untersuchen lassen. Sie tun mir aufrichtig leid.

59) Erwin Gabriel, Sonntag, 09. März 2014, 23:18 Uhr

50) StefanP, Freitag, 07. März 2014, 17:17 Uhr

>> Leider lässt sich nicht feststellen, dass die neuen Transparenzregeln
>> der Kommentarqualität zum Vorteil gereichen würden.

In der Tat 🙂

Ich glaube, man kann von außen etwas mehr erkennen, außer dass man sich nach Kiev nicht zurücksehnt. Letztendlich geht es nicht um Demokratie oder um die Bürger, sondern nur um Macht. Mit dem verstossenen Präsidenten Wiktor Janukowytsch wäre der Westen gut ausgekommen, hätte er sich denn für den Westen entschieden. Und mit Julija Tymoschenko wäre auch Putin gut ausgekommen, hätte sie sich denn für Russland erklärt.

Und wenn eine Mehrheit der Bevölkerung mit Akzeptanz die Abspaltung des Kosovo erzwingen kann, warum wäre das nicht für die Krim möglich (oder für Kurdistan, das Baskenland etc)?

60) Politikverdruss, Montag, 10. März 2014, 12:00 Uhr

48) Peter Christian Nowak, Freitag, 07. März 2014, 16:38 Uhr,

ja, das „europäische Propagandaministerium“ trommelt: „Westliche Werte“ sind immer gut. Dabei ist die EU-Osterweiterung nichts anderes als eine subtile „Unterjochung“ mit finanziellen Machtmitteln. Bezahlt von den Steuerzahlern der Europäischen Union. Und jetzt sind die Barrosos und Schulzens auf dem besten Weg, sich die bankrotte Ukraine ans Bein zu binden. Auf, auf zum fröhlichen Oligarchen retten…

Dass unsere Medien diese EU in den „Himmel“ schreiben, ist nicht verwunderlich. Man ist halt für dieses „Friedensprojekt“, auch wenn es beginnt, Unfrieden zu stiften. Ich bin allerdings auch auf Ausnahmen gestoßen. So hat z.B. der NDR, ich wollte es gar nicht glauben, die Propaganda in den deutschen Medien thematisiert: https://propagandaschau.wordpress.com/tag/staatsmedien/ Aber es sind eben nur Ausnahmen! Deshalb ist die zu beobachtende Gleichschaltung der deutschen Medien schon ein wenig beängstigend. Aber wir haben ja das Internet!

61) StefanP, Montag, 10. März 2014, 12:10 Uhr

@59) Erwin Gabriel

Ob die Brüsseler EU-Funktionäre wirklich so erpicht darauf sind, mit korrupten osteuropäischen Politikern zu dealen? Die machtstrategischen Interessen Europas in der Ukraine sind begrenzt, das mag für die NATO anders aussehen. Doch wir haben in Brüssel, Straßburg und Berlin weiß Gott andere Prioritäten, als uns noch diesen bankrotten, fragilen Staat aufzuhalsen.

Wenn die Russen die Krim zurückhaben wollen, sei’s drum. Solange dies nach den Regeln des Selbstbestimmungsrechts der Völker passiert, ist dagegen wenig einzuwenden. Russlands Attraktivität auf seine Nachbarn und auf die eigene Jugend steigen dadurch nicht unbedingt. Das Gesellschaftsmodell Putins besitzt keine Strahlkraft.

Ich war 2012 zusammen mit einem Partner zu Verhandlungen mit der Airline Aerosvit in Kiew. Von einer Zusammenarbeit haben wir in Abstimmung mit unseren Anteilseignern Abstand genommen, da dies eine enge Kollaboration mit dem Milliardär Ihor Kolomojskyj eingeschlossen hätte. Über diesen sagte mir mal eine aus der Donezk (Ukraine) stammende Headhunterin, er sei nun mal derjenige, der nach 1990 beim Oligarchenkampf übrig geblieben sei. Physisch. Die Fluglinie ist Ende 2012 insolvent gegangen.

62) Erwin Gabriel, Dienstag, 11. März 2014, 11:19 Uhr

@ 61) StefanP, Montag, 10. März 2014, 12:10 Uhr

Ihrer Einschätzung des russischen Gesellschaftsmodells stimme ich zu. Mich jedenfalls lockt es nicht. Aber aus meiner subjektiven Sicht als nicht betroffener Aussenseiter ziehe ich für Russland die feste Hand eines Putin der “demokratischen Freiheit” eines Jugoslawien á la Milosowitsch vor.

Was die EU angeht, erhärtet sich bei mir die Einschätzung, dass eben nicht mit gesundem Menschenverstand “erweitert” wird. Sonst hätte man das Herangewanze nicht nur an die Ukraine unterlassen.

63) Frank Reichelt, Dienstag, 29. April 2014, 10:18 Uhr

Na also, endlich hört Gerhard Schröder auf Michael Spreng und trifft Wladimir Putin in Sankt Petersburg! Jetzt wird doch noch alles gut!

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