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Anklagebank Ehrenloge

Das Urteil gegen Uli Heoneß ist gerecht, es wahrt den Rechtsfrieden in Deutschland. Es gibt keinen Promi-Bonus. Vor dem Gesetz sind doch alle gleich. Das ist die wichtigste Botschaft des Urteils. Steuerhinterziehung ist keine Sünde, sondern eine schwere Straftat. Das weiß jetzt endgültig jeder.

Auch für Hoeneß, der in Revision gehen will, ist es erträglich. Von den dreieinhalb Jahren muss er, falls das Urteil vom Bundesgerichtshof bestätigt wird,  wahrscheinlich nur die Hälfte absitzen – und das möglicherweise als Tages-Freigänger, der nur nachts ins Gefängnis muss.

Bei der gigantischen Summe, die Hoeneß hinterzogen hat, hätte es auch schlimmer kommen können. Insofern hat er noch Glück gehabt.

Das Urteil ist eine schallende Ohrfeige für alle, die in falscher Solidariät zu einem Steuerstraftäter hielten und für diejenigen, die ihn als Opfer einer medialen Hetzjagd sahen. Den Fans allerdings kann keiner einen Vorwurf machen. Sie leben in einer anderen Welt. Für sie zählt nur der bewunderte Erfolgsmensch Hoeneß, der den FC Bayern in ungeahnte Höhen geführt hat.

Eine besonders schallende Ohrfeige ist das Urteil für die Bosse von Adidas, VW, Telekom und Audi, die unter Hoeneß im Aufsichtsrat der FC Bayern AG sitzen. Und über die Hoeneß offenbar bis heute Macht hat.

Sie verstießen seit mehr als einem Jahr gegen alle Ethik-Regeln, die in ihren Unternehmen gelten. Ihr Verhalten offenbart eine klassische Doppelmoral. Was in ihren Unternehmen gilt, galt nicht für den Freund des von ihnen mit Millionen gesponserten Fußballvereins.

Jetzt haben sie  keine Win-Win-Situation mehr, sondern eine Lose-Lose-Situation. Ihr Verhalten wurde moralisch mit verurteilt. Die Ehrenloge ist künftig ihre Anklagebank. Für Hoeneß kann es jetzt nur eine Konsequenz geben: er muss als Aufsichtsratsvorsitzender der AG und als Präsident des Vereins zurücktreten.