Samstag, 10. Mai 2014, 13:14 Uhr

25. Mai – der Anfang von Merkels Ende?

Der 25. Mai wird ein spannender Tag – trotz der wieder zu erwartenden niedrigen Wahlbeteiligung. Spannend weniger für Europa, mehr für Deutschland.

In der EU ändert sich wenig. Das Europa-Parlament bleibt ein Parlament zweiter Ranges. Daran wird auch die Wahl des Kommissionspräsidenten durch das EU-Parlament nichts ändern. Denn er wird zuvor von den Staats- und Regierungschefs ausgekungelt. Das kann noch ein böses Erwachen für die sogenannten Spitzenkandidaten Martin Schulz und Jean-Claude Juncker werden.

In Deutschlands Parteiengefüge aber könnte einiges in Bewegung kommen. Die FDP wird ihren Niedergang fortsetzen und wahrscheinlich nur auf Platz 7 landen – nach CDU, CSU, SPD, Grünen, Der Linken und der AfD. Die Alternative für Deutschland zieht am 25 Mai erstmals in ein Parlament ein, und das wahrscheinlich mit mehr als fünf Prozent.

Die Europa-Wahl ist der Auftakt für die drei Landtagswahlen im Osten. Bei allen dreien hat die FDP so gut wie keine Chance, die AfD dagegen könnte überall die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Besonders in Sachsen, wo sich die AfD mit der Forderung nach Volksabstimmungen über Moscheen und gegen „Integrationsfolklore“ als NPD light positioniert hat und die Reste der NPD-Wählerschaft aufsaugen könnte. Die plakatiert schon: „Vertrauen Sie dem ehrlichen Orignal“.

Für die CDU/CSU hieße das: ihr natürlicher bürgerlicher Koalitionspartner versinkt immer tiefer in der außerparlamentarischen Opposition, gleichzeitig aber erwächst ihr eine rechte Konkurrenz, die sich bis 2017 dauerhaft etablieren könnte. Und die auf keinen Fall für die CDU koalitionsfähig ist.

Keine schönen Aussichten für Angela Merkel. Sie stünde bei der Bundestagswahl 2017 allein gegen SPD, Grüne und „Die Linke“ sowie eine bündnisunfäige AfD. Wenn es der CDU/CSU nicht gelingt, die Annäherung zu den Grünen so zu vertiefen, dass eine Koalition möglich wäre, könnte das Verschwinden der FDP und der Aufstieg der AfD 2017 zum unerwarteten Machtverlust führen.  Noch ist gegen diese drohende Perspektive „Die Linke“ ihr bester Verbündeter.

P.S. Leider konnte ich einige interessante Kommentare nicht zulassen, weil mir die wahren Absender unbekannt sind. Deshalb meine Erinnerung: Wer mitkommentieren will, muss mir über das Kontaktformular seinen Klarnamen mitteilen.

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73 Kommentare

1) wschira, Freitag, 23. Mai 2014, 16:39 Uhr

46) Politikverdruss

„…dass sich mit der AfD keine tumbe Rechtspartei, sondern eine konservativ liberale Partei etabliert.“

Vielleicht keine tumbe Rechtspartei, aber mit tumben rechten Verlautbarungen auch führender Mitglieder.

2) Politikverdruss, Freitag, 23. Mai 2014, 20:22 Uhr

43) Jakobiner, Mittwoch, 21. Mai 2014, 18:19 Uhr,

stimme Ihnen zu!

Die EU braucht dringend eine Konsolidierungsphase. Aber stattdessen sind die „EU-Eliten“ auf eine fast schon irre Art und Weise auf Expansion getrimmt. Hier mal ein Beispiel von „unserem EU-Ratspräsidenten“:

„EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy „träumt“ davon, dass alle Balkanstaaten der EU beitreten werden. Zudem sei es ein „inspirierender Gedanke“, dass langfristig „das gesamte europäische Gebiet außerhalb Russlands“ in irgendeiner Weise an die EU gebunden sein wird.

Er gibt zu, dass er nicht weiß, ob es eine öffentliche Unterstützung für solch einen Schritt gibt, aber „wir tun es trotzdem“, so Van Rompuy im Standaard. In seinem Buch „Europa im Sturm“ erklärt Van Rompuy seine Visionen zu Europa – unter anderem zur Fünf-Jahres-Wirtschaftskrise.“
http://www.standaard.be/cnt/dmf20140429_01087318

„Europa im Sturm“. Wenn man dieses Europa-im-Sturm-Gefasel mal ein wenig auf sich wirken lässt, fragt man sich doch unwillkürlich, „haben die noch alle Tassen im Schrank“! Für mich zählt nur noch eins: Wir müssen diese „losen Kanonen“ los werden.

48) Johannes Lamp, Freitag, 23. Mai 2014, 11:17 Uhr,

gebe zu, nach den Aufdeckungen der „Anstalt“ kann man viele deutsche Journalisten nur noch mit größter Skepsis betrachten. Das war ein satirischer „Aufwärtshaken“ ins Zentrum des deutschen „Qualitätsjournalismus“ mit deutlicher Wirkung. Die „Anstalt“ ist auch bereits mit ersten Unterlassungserklärungen konfrontiert (ZEIT Joffe, Bittner).Interessant dazu von Albrecht Müller: „Von der kritischen Begleitung der Politik zur Kritik am bösen Volk.“ http://www.nachdenkseiten.de/?p=21817

Ob die Afd für politische Ausgewogenheit sorgt, wird sich zeigen. Das war auch nicht mein gedanklicher Ansatz. Mir geht es um eine ausgewogene Parteienlandschaft, in der auch konservativ-liberal eingestellte Bürger eine politische Anlaufstelle finden.

51) wschira, Freitag, 23. Mai 2014, 16:39 Uhr,

was wollen Sie gegen Meinungsvielfalt machen? Die Wege „zum Kommunismus“ von Frau Lötsch hat man doch auch „ertragen“, ohne daraus sogleich die Politikunfähigkeit der Partei die LINKE abzuleiten.

3) Erwin Gabriel, Freitag, 23. Mai 2014, 21:34 Uhr

@ 49) Michael Schmidt, Freitag, 23. Mai 2014, 15:28 Uhr

wg. Euro-Bail-Out / Länderfinanzausgleich:

Mein Hinweis auf den Länderfinanzausgleich sollte nicht heißen, dass ich alles in der jetzigen Form gut finde. Es war genauso gemeint, wie ich es schrieb: dass man einige Effekte (ob man sie gut, schlecht oder kontrovers beurteilt) bei uns beobachten kann.

Ihre zutreffende Auflistung der Unterschiede zwischen unseren förderalen Strukturen und Europa kann man um den Punkt ergänzen, dass wir innerhalb der Euro-Staaten auch andere Steuer- und Sozialsysteme haben. Auch das steht der aktuellen Rettungspolitik entgegen.

Letztendlich läuft es wie immer darauf hinaus, dass es eine absolute „soziale Gerechtigkeit“ nicht geben kann, weil Geber und Nehmer darunter etwas anderes verstehen. Das gilt für die unterschiedlichen europäischen Länder genauso wie für die unterschiedlichen Bevölkerungs- bzw. Einkommensgrupen in Deutschland.

4) Erwin Gabriel, Freitag, 23. Mai 2014, 21:46 Uhr

@ 30) Johannes Lamp, Freitag, 16. Mai 2014, 17:19 Uhr

>> … weiß man genau, was von der AfD zu halten ist:
>> Feuchte Träume (Nord- und Südeuro) alter enttäuschter Männer,
>> die nostalgisch alter Zeiten gedenken (Opa erzählt vom Kriech)
>> und für die der Solidaritätsgedanke ein Fremdwort ist.

Wenn Sie die selektiven Infos, die Sie über die AfD erhalten, mit Ihrem Weltbild abgleichen, mag das zumindest für Sie zutreffen: Sie „wissen“ genau … (und wahrscheinlich so gut, dass Sie sich mit Inhalten, Details und Argumenten gar nicht erst befassen müssen“ – jedenfalls liefern Sie nichts dergleichen).

Das verallgemeinernde „man weiß genau“ möchte ich an dieser Stelle allerdings als nicht zutreffend zurückweisen.

5) Erwin Gabriel, Freitag, 23. Mai 2014, 21:49 Uhr

@ 40) Wolfgang Wegener, Dienstag, 20. Mai 2014, 09:40 Uhr

>> Alle hier sollen AfD wählen, so Erwin Gabriel hier immer wieder.

Zuviel der Ehre. Bislang beschränkten sich meine Äußerungen dahingehend, dass zumindest ich mich mit der Option befasse, mehr nicht.

6) Michael Schmidt, Samstag, 24. Mai 2014, 13:21 Uhr

Wenn man einen Satz beginnt, unterbrochen wird und weiterschreibt, sollte man sich die Konstruktion noch einmal anschauen. Daher möchte ich die abenteuerlichen Grammatikfehler meines Satzes korrigieren:

Zweitens fangen die Geberländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen bereits an zu murren und möchten den Finanzausgleich in dieser Form nicht fortsetzen und erwägen Klagen.

7) Wolfgang Wegener, Samstag, 24. Mai 2014, 19:55 Uhr

@ wschira Lt. Duden bedeutet „tumb“: arglos-unbekümmert, einfältig-naiv“. Dies trifft ja wohl eher auf diejenigen zu, die glauben, die Griechen könnten jemals bei einem Schuldenstand von 175 Prozent des BIP ihre Schulden zurückzahlen bzw.ohne Abwertungsmöglichlichkeit wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen. Führende Vertreter dieser Anschauung sind also eher die tumbe Frau Merkel und der tumbe Herr Gabriel, und weniger der Professor aus Hamburg. Und -bei dieser Gelegenheit – Populismus ist lt. Duden eine „opportunistische Politik, die die Gunst der Massen sucht“. Da sage ich nur – Stichwort Mütterrente und abschlagsfreie Rente mit 63: Dito.

8) Johannes Lamp, Sonntag, 25. Mai 2014, 08:42 Uhr

Zu 49) Michael Schmidt
Die Ausführungen eines belesenen und wahrhaft gebildeten Menschen…
Befruchtet allerdings vom Geschwurbel eines Olaf Henkel und dann besonders von Käptn Ahab, in Fachkreisen Prof. Unsinn genannt.
Sie betonen ausdrücklich, kein Währungsexperte zu sein, warum beten Sie dann den „Mist“, der nicht bei Ihnen gewachsen ist, einfach nach?
Was ist denn eingetroffen von dem, was die Wirtschaftsweisen, die BWL- und VWL-Professoren prognostiziert haben?
Lassen Sie, wie schon einmal angeführt, den „Mist“ der Neokonservativen (der die USA schon in die Miesen geführt hat und Detroit zur Geisterstadt gemacht hat) dort wo er hingehört und beschäftigen sich besser mit dem Solidaritätsgedanken und den Konten der Begüterten in Liechtenstein und der Schweiz und philosophieren, wie man den Armen helfen kann…

9) Olaf, Sonntag, 25. Mai 2014, 18:34 Uhr

Nach heutabendlicher Hochrechnung hat die F.D.P. mal wieder komplett versagt. Die schützen uns nicht vor rAFDikalen und gehören damit nicht mehr gefördet!

10) Cedrik Meyer, Montag, 26. Mai 2014, 12:31 Uhr

Da man die AfD eigentlich recht gut mit den „Freiheitlichen“ in Österreich vergleichen kann, vermute ich mal, es drohen auch uns 2017 „österreichische Verhältnisse“. Die Österreicher können wählen was sie wollen, sie bekommen immer eine Große Koalition.

11) Wolfgang Wegener, Montag, 26. Mai 2014, 13:05 Uhr

@ Erwin Griebel (#): Sorry, ich bezoge mich auf den vorletzten Satz Ihres Kommentars #34: Der war aber lediglich ein Zitat von Alexander.

Im Übrigen ärgert es mich immer wieder – so auch heute bei Lektüre der FAZ – wie da Europakritisch (kann man einem geographischen Gebilde gegenüber kritisch sein?), EU-kritsch (dieser Begriff taucht praktisch nicht auf, träfe aber z. B. auf UKIP zu) und Euroskeptisch verwendet wird. Wer Begriffe nicht sauber verwendet, kann auch intellektuell kaum zu zutreffenden Analysen kommen.

Was die FDP angeht: Die habe ich 2009 gewählt, um ganz sicher zu sein, dass meine Stimme gegen den sog. Atomausstieg nicht von „Mutti“ zur SPD rübergetragen wird. Wer so mit meiner Stimme umgeht wie die FDP in der Folge, hat mein Vertrauen jedenfalls komplett verloren. Und wenn die AfD jetzt noch auch in der Außenwirkung ihr Spektrum so erweitert, dass ihr diejenigen folgen können, denen die CDU/CSU viel zu sozialdemokratisch geworden ist, sage ich ihr eine große Zukunft voraus. Im Gegensatz zu den Piraten hat die AfD jedenfalls verstanden, dass Politik ohne echte Rampensäue niemals erfolgreich sein kann.

12) Jonas König, Dienstag, 27. Mai 2014, 11:18 Uhr

Zuerst einmal ein Kompliment an die Seite und die guten politischen Analysen. Die klaren Aussagen regen zu einer echten Diskussion an und zwar auf einem sachlichen Niveau, das ist leider rar geworden. Danke hierfür, Herr Spreng.

Was die AfD angeht, glaube ich nicht, dass Angela Merkel sich groß Gedanken machen muss. Mag diese Gruppierung auch 2017 in den Bundestag kommen und die FDP draußen bleiben – die Kanzlerin hat gezeigt, dass sie bündnisfähig mit allen Parteien der Mitte ist. Da kommen also beim nächsten Mal mindestens wieder SPD und Grüne in die Auswahl. Die SPD würde auch weiterhin mitregieren (schon seit Wehner ist klar: besser mitregieren, als außen vor bleiben). Die Grünen werden beim nächsten Mal tunlichst eine rot-grüne Koalitionsaussage und einen linken Steuerwahlkampf vermeiden. Sie wollen auch mal wieder mitgestalten.

Die AfD ist mit Merkel nicht koalitionsfähig. Das ist gut und richtig. Ein Risiko stellt sie eher für einen (eher theoretischen) linken Block dar. In einem 5-Fraktionen Parlament mit AfD und ohne FDP wird es schwer für Gabriel und Ko. eine Mehrheit zu erlangen. Zumal kein Kanzlerkandidat in Sicht ist, der die SPD in die Nähe der Union bringen könnte.

Das alles setzt natürlich voraus, dass Angela Merkel noch einmal kandidiert. Aber Hand aufs Herz: Wer sollte es bei der CDU denn sonst machen?

13) Johannes Lamp, Dienstag, 27. Mai 2014, 18:58 Uhr

Zu 61) Wolfgang Wegener
Endlich einmal jemand, der den Mut hat zuzugeben, die FDP gewählt zu haben…
Und die FAZ zu lesen, hinter der ja bekanntlich immer ein kluger Kopf steckt…
Ein Intellektueller, der kleine Hölzchen bohrt…
Die UKIP ist also nicht europafeindlich und hasserfüllt – ich hoffe, diese Begriffe sauber verwendet zu haben, Europa ist nur ein geographisches Gebilde?
Heilige Einfalt – warum sind Sie nicht bei der FDP geblieben, ein derart intellektueller Analytiker, der sogar die Piratenpartei verstanden hat, hätte den Pleitier Lindner (Konkurs mit 21 Jahren nach 1 Mio Subventionsempfang, aber Porschefahrer!) und Seniorenplayboy Brüderle retten können!
Auf zu neuen Höhen, in strahlende Zukunft mit der AfD…
PS. Ut desint vires, tamen voluntas est laudanda!

14) Wolfgang Wegener, Mittwoch, 28. Mai 2014, 20:37 Uhr

@ Johannes Lamp (#63): UKIP ist schon deswegen nicht europafeindlich, weil die Mitglieder der UKIP ja selbst Europäer sind, ob sie es wollen oder nicht, ebenso wie die Ukrainer und die Weißrussen: Das wäre ja so eine Art Kampf gegen sich selbst. Und ja: Mittlerweile gehört wahrscheinlich wirklich Mut dazu, sich dazu zu bekennen, dass man noch das 1. Buch der FAZ (Politik) liest.

Ich grüße Sie im Vollbesitz (noch) meiner geistigen Kräfte.

15) Michael Schmidt, Donnerstag, 29. Mai 2014, 15:44 Uhr

@58) Johannes Lamp

Sie stellen berechtigte Fragen, und ich möchte (dieses Mal kurz) versuchen, dazu Stellung zu nehmen.

Zunächst einmal bin ich von den analytischen und intellektuellen Fähigkeiten eines Hans-Olaf Henkel nicht sonderlich überzeugt. Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass er Karriere in einem amerikanischen Großkonzern gemacht und dort sicher auch vieles geleistet hat. Allerdings halte ich die Aufspaltung in Nord- und Südeuro eben nicht für sinnvoll, wie ich ausgeführt habe.

Übrigens habe ich den Vorschlag eines Süd-Euro zuerst bei Heiner Flassbeck gelesen, und zwar lange, bevor er vor der AfD aufgegriffen worden ist. Flassbeck war Staatssekretär bei Oskar Lafontaine, und alle beide sind nicht wirklich des Rechtsradikalismus verdächtig.

Wobei Flassbeck wieder einen anderen Ansatz vertritt: Der Norden müsse seine Wettbewerbsfähigkeit (nicht Produktivität!) verringern, um dem Süden eine Chance zu geben, sprich Lohnstückkosten erhöhen, also höhere Löhne zahlen. Gegen höheres Gehalt habe ich persönlich gar nichts. 🙂

http://www.freitag.de/autoren/julian-heissler/201edann-bricht-europa-auseinander201c

Wenn die Länder Südeuropas weiter an die Wand gedrängt werden, ist es denkbar, dass die Südeuropäer aus dem Euro aussteigen und einen Südeuro gründen. Den werten sie dann schnell um 40 Prozent ab. Dann ist Deutschlands Wettbewerbs‑ fähigkeit über Nacht kaputt.

Vom 18.02.2010, zweitausendzehn.

Über das kurze Gedächtnis von Journalisten wundere ich mich schon gar nicht mehr; insofern wundert es mich nicht im Geringsten, dass in der öffentlichen Meinung das Bild entstanden ist, Henkel sei der erste Verfechter des Süd-Euro gewesen.

Weiterhin bin ich nicht gegen Solidarität, falls Sie das denken sollten. Aber was im Falle Griechenlands geschehen ist, ist doch etwas ganz anderes.

Privatbanken haben Griechenland zu niedrigen Zinsen eine Menge Geld geliehen, weil ja das Abwertungsrisiko nicht gegeben war. Dann hat man begriffen, dass Griechenland trotzdem nicht bezahlen kann, und die Kurse für griechische Staatsanleihen sind in den Keller gefallen und Griechenland war konkurs, da dort „niemand“ Steuern zahlt und keiner mehr Kredite geben wollte.

Die griechische Notenbank konnte nun nicht einfach Euros emittieren, das kann nur die EZB.

Nun hat man Griechenland gerettet, damit die Privatbanken ihre griechischen Staatsanleihen nicht abschreiben mussten. Einige Banken waren so stark investiert, dass diese Abschreibungen das Ende der Bank bedeutet hätten, ähnlich wie bei Lehman Brothers.

Und dieses ganze Theater mit ESFS und EFS dient allein dazu, den Wert von Staatstiteln zu garantieren, die allein von Privatbanken gehalten werden, damit diese Privatbanken nicht pleite gehen. Das ganze Geld für die „Griechenland-Hilfe“ geht in Wahrheit an die Banken.

In einer kapitalistischen Marktwirtschaft gehören Haftung und Risiko und Gewinn zusammen. Wenn Sie sich also bei Griechenland verzockt haben, dann haben Sie Pech gehabt. Es kann doch nicht sein, dass die Steuerzahler dafür haftbar gemacht werden, darunter solche, die noch gar nicht geboren sind!

Um nun solche Pleiten zu vermeiden, macht die EZB nun direkte Ankäufe von Staatsanleihen, also was wir früher „Staatsfinanzierung aus der Druckerpresse“ genannt haben. Soweit ich informiert bin, war dieses nach den Statuten der EZB, die sich an der Bundesbank orientierten, ausdrücklich verboten.

Sie haben also auf der einen Seite exponentielles Wachstum der Geldmenge und auf der anderen Seite Nullwachstum der Wirtschaft. Das sind erst einmal nicht abstreitbare Tatsachen. Welche Auswirkungen das noch haben wird, steht in den Sternen. Aber die historische Erfahrung zeigt, dass eine Ausweitung der Geldmenge ohne gegenüberstehendes Wirtschaftswachstum zur Inflation geführt hat. Wir werden sehen. Vielleicht sind ja die ökonomischen Gesetze plötzlich ganz andere als früher, so wie damals bei der Immobilienblase in den USA oder im Sowjetkommunismus, wo man noch per Dekret die Wirtschaft zum Funktionieren bringen konnte. Waren das noch Zeiten! Einfach einen Fünfjahresplan schreiben und Boom!

Haben Sie nicht davon gehört? Man überlegt jetzt, Kriminalität und Schattenwirtschaft durch Schätzungen in das BIP mit einzubeziehen. Was sagt Ihnen das? Wie interpretieren Sie das? Wahrscheinlich anders als ich.

Ich bin nicht gegen Europa, ganz im Gegenteil. Ich bin in tiefer Sorge, dass duch Größenwahn alle Errungenschaften Europas wieder zunichte gemacht werden.

Den Frieden, den Wohlstand, den Binnenhandel, die Freizügigkeit – das hatten wir alles auch ohne den Euro. Schon vergessen? All das steht nun auf der Kippe – seit wir den Euro haben, und zwar durch Probleme, die samt und sonders voher benannt und erläutert worden sind.

Ich finde wirklich die Position gerechtfertigt – auch moralisch -, dass das unternehmerische Risiko von Privatbanken nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden darf.

16) Erwin Gabriel, Donnerstag, 29. Mai 2014, 18:49 Uhr

@ 64) Wolfgang Wegener, Mittwoch, 28. Mai 2014, 20:37 Uhr

Passt schon, stimmt zumindest für diese Wahl 🙂

17) Michael Schmidt, Donnerstag, 29. Mai 2014, 23:58 Uhr

@58) Johannes Lamp

Nun, ich hatte am heutigen Feiertag ausgiebig Gelegenheit, in meinem Bücherfundus zu wühlen. Ich greife mal willkürlich eine Passage heraus:


„Es ist angesichts dieser leicht vorauszusehenden Perspektiven durchaus verständlich, warum sich Großunternehmen und Arbeitgeberverbände so stark für den Euro und seinen frühestmöglichen Start engagieren.

Er stärkt ihre Position im Tarifpoker und entlastet sie bei den Lohnkosten.

Die Euro-Begeisterung von Gewerkschaften und linken Oppositionsparteien – bei SPD wie den Grünen – für das monetäre Europa ist schwer verständlich. Gerade der von ihnen vertretene Teil der Gesellschaft – das Arbeitnehmerlager -, dazu noch der von ihnen zum Programm erhobene Sozialstaatsgedanke geraten unter Druck.“

Was bitte ist von diesen Vorhersagen nicht eingetreten? Muss ich die Stichworte etwa noch nennen?

Herr Spreng setzt sich bei Markus Lanz hin und erzählt einen davon, dass alles nur irrationale Angst sei und nichts davon eingetreten sei. Ich finde das atemberaubend. Wo hat Herr Spreng die letzten 15 Jahre verbracht? Der amerikanische Komiker Jon Stewart hat den vermuteten Ort in einer Debatte mit dem republikanischen Propagandisten Bill O’Reilly „bullshit mountain“ genannt.

Hans Tietmeyer schrieb 1997: „Ökonomische Spannungen können leicht in politische Konflikte umschlagen, etwa in einen Kampf um Transferzahlungen.“

Bitte, was ist davon nicht eingetreten?

Sie fragen, warum ich diesen „Mist“ nachbete. Meine Antwort ist, weil die Verfechter dieses „Mistes“ am schlüssigsten argumentieren. Nicht nur das: Die Befürchtungen sind Punkt für Punkt eingetreten.

Wenn auch Star-Journalisten das nicht mitbekommen haben, ändert das nichts an der Realität.

Während die stetig sinkenden Absatzzahlen der Print-Medien den typischen Journalisten immer noch nicht zu den richtigen Schlüssen gelangen lässt, so zeigt sich in letzter Zeit, dass der Journalismus gedanklich in einer fiktionalen Welt der Illusionen lebt, während ein Großteil der Leser in einer ganz anderen Realität lebt und die berichteten Ereignisse ganz anders interpretiert.

Es zeugt von Verachtung, sich im Fernsehtalk hinzusetzen und den Leser, Hörer und Zuschauer als dumm und angstgetrieben abzutun.

Zum Glück (für die dort Angestellten) werden wenigstens dafür die Gebühren zwangsweise eingetrieben.

18) Johannes Lamp, Freitag, 30. Mai 2014, 10:09 Uhr

zu 64) Wolfgang Wegener
Gestatten Sie mir zu Ihrem letzten Satz gewisse Zweifel?

19) Johannes Lamp, Samstag, 31. Mai 2014, 09:41 Uhr

zu 67) Michael Schmidt
In der Heute-Show vom 30. Mai 14 nannte Olli Welke die AfD-Wähler „Spießbürger, die nachts nicht schlafen können, weil sie Angst ums gebunkerte Geld haben“
Trifft m.E. zu 100 % zu…

20) Wolfgang Wegener, Sonntag, 01. Juni 2014, 19:10 Uhr

@ 69: Herr Welke ist im Hauptberuf Sportreporter. Wenn ich auch die Heuteshow immer gern gesehen habe, so war doch die Sendung vom 30. Mai Grund, nach 15 Minuten umzuschalten auf eine Satiresendung uf SWR3. Da ging es mehr gegen die Regierungsparteien, Frau Merkel &Co. (unterwürfige Haltung gegenübe den US in Sachen Snowden etc). Ist mir unbegreiflich, wie man sich derart hauptthemenartig in einer Satiresendung mit den kleinen Oppostitionsparteien in ganz Europa beschäftigen kann. Welke als Hofschranze? Obwohl wahrscheinlich nicht einmal Merkel über diese sog. Witze lachen konnte.

21) Michael Schmidt, Montag, 02. Juni 2014, 13:03 Uhr

69) Johannes Lamp

Mag sein. Ist aber auch zu 100% verständlich.

Es gibt auch kleine Leute, einfache Arbeiter, die ihr ganzes Leben lang gespart haben – in Zeiten, als wir noch soziale Marktwirtschaft hatten. Die wählen vielleicht nicht AfD, aber ich finde es verstörend, dass Sie solche Menschen implizit verächtlich machen.

22) Michael Schmidt, Montag, 02. Juni 2014, 13:19 Uhr

@69) Johannes Lamp

Wo ich mich gerade in Rage geschrieben habe: Letzte Woche habe ich mich mit der Dame unterhalten, die bei uns im Büro putzt. Sie ist Rentnerin, bekommt den vollen Satz, 50% vom Netto. Das waren früher 2400 D-Mark, sie ist mit 1200 D-Mark in Rente gegangen. Als Student habe ich mit 1000 D-Mark prächtig gelebt, habe mir sogar Tennisstunden nehmen können. Mit 40 D-Mark konnten wir uns auf Achse komplett vollaufen lassen, bei 3,40 DM für ein 0,4l Bier. Gehen Sie heute mal mit 20 Euro raus.

Die einstmals 1200 D-Mark Rente sind heute etwas über 600 Euro. Bezahlen Sie davon mal Wohnung, Lebensmittel etc.

Ehrlich gesagt finde ich die Parolen und Phrasen bezüglich des Euro ziemlich wohlfeil.

Aber wenn man vom mageren Abgeordnetengehalt und von Aufwandsentschädigungen von Markus Lanz leben muss, kann man vielleicht so daherlabern.

Wie gesagt, habe ich prinzipiell dieselben Informationen wie alle anderen auch. Nur interpretiere ich diese offenbar anders.

23) Konstantin Pieper, Dienstag, 10. Juni 2014, 07:30 Uhr

Die AfD mit der NPD zu vergleichen, ist aus meiner Sicht nicht ungefährlich. Damit wird schnell der Eindruck gewonnen, dass jemand, der dieser Partei in einzelnen Punkten zustimmt, dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Es gibt ja durchaus legitime Kritik an der europäischen Finanz- und Währungspolitik (schleichende Enteignung), an der Politik der EU-Kommission (zu viel Einmischung in die nationalen Angelegenheiten der Länder und zu wenig internationale Lösungen, da wo sie dringend nötig sind, wie etwa beim Datenschutz) sowie an den europäischen Strukturen insgesamt, da das Parlament kein Haushaltsrecht besitzt und es keine europäischen oder national verbindlichen Volksabstimmungen gibt. Ich bin schon der Meinung, dass jemand, der auf diese Probleme Hinweist,deswegen alleine noch kein Europagegner oder Rechtsextremer ist. Im Gegenteil: In Österreich etwa hat die FPÖ Volksabstimmungen verlangt, die erst versprochen und dann doch nicht gewährt worden sind. So macht man es den Populisten natürlich leicht, sich selbst als Demokraten und die anderen als Antidemokraten dazustellen. Wir sehen derzeit in anderen Ländern wie etwa Frankreich, dass sich die Leute zunehmend weniger fürchten, als Rechtsextremist abgestempelt zu werden, wenn sie wütend sind und sich eine andere Europapolitik wünschen.

Deshalb ist mir die AfD erheblich lieber als die NPD oder auch der FN. Wenn die NPD in Sachsen aus dem Landtag fliegt und die AfD dafür ihren Platz einnimmt, dann sollte man dafür dankbar sein, auch und gerade als Demokrat. Denn den anderen Parteien ist es ja offensichtlich nicht gelungen, die NPD-Anhänger zurück auf geordnete, demokratische, freiheitliche Bahnen zu lenken.

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