Freitag, 13. Juni 2014, 13:24 Uhr

Wulff und Würde

Es hätte für Christian Wulff eine schöne Woche werden können. Zum Wochenende verkündete die Staatsanwaltschaft Hannover ihren Verzicht auf eine Revision gegen den Freispruch des Ex-Präsidenten wegen Vorteilsannahme. Damit wurde Christian Wullf endgültig vom Makel der Korruption befreit und juristisch rehabilitiert. Anschließend hätte er in Ruhe sein zweites Leben aufbauen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette…  Denn Wulff musste unbedingt noch seine Abrechnung mit den Medien unters Volk bringen (“Ganz oben – ganz unten”). Ausgerechnet er, die willfährige Marionette der Medieninszenierungen seines “siamesischen Zwillings” Olaf Glaesecker, wollte nicht darauf verzichten, sich als Medienopfer darzustellen und als Opfer einer konservativen Verschwörung von BILD und FAZ.

Wenn einer partout keine Schuld bei sich sieht, dann hilft nur noch eine Verschwörungstheorie. Angeblich deshalb, weil er den Islam auch zu Deutschland zählte. Schlichter geht’s nicht. Aber anders kann sich Wulff seinen Sturz offenbar nicht erklären. Realitätsverweigerung und selektive Wahrnehmung nennt man das.

Wulff hat mit dem Buch seine verdiente Ruhe selbst gestört und damit seine Affäre und seinen Sturz erneut der öffentlichen Betrachtung freigegeben. Und er muss sich auch gefallen lassen, dass seine Sätze auf der Pressekonferenz zur Buchvorstellung kritisch untersucht werden.

Der Ex-Präsident sagte: “Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt”. Damit hat er erneut bewiesen, dass er nichts aus seinem Sturz gelernt hat.

Unabhängig von den staatsanwaltlichen Ermittlungen war Wulff als Präsident nicht mehr tragbar gewesen. Zu tief hatte er sich in merkwürdige Freundeskreise verstrickt, zu viele Vergünstigungen angenommen, seinen Hauskredit verschleiert, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit gesagt und diese nach den Medienenthüllungen nur scheibchenweise zugegeben.

Das reicht für den Rücktritt eines Präsidenten. Es hätte des Staatsanwaltes nicht mehr bedurft.

In der selben Woche, in der Wulff seinen Fall erneut zur Diskussion stellte, erklärte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil, die Autorität und Würde des Präsidentenamtes komme darin zum Ausdruck, “dass es auf vor allem geistig-moralische Wirkung angelegt ist”. Mehr ist zum Fall Wulff nicht mehr zu sagen. Jetzt sollte er Ruhe geben – und gewährt bekommen.

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59 Kommentare

1) Frank Reichelt, Freitag, 13. Juni 2014, 14:15 Uhr

Auch Sie betreiben natürlich nicht die fällige Aufarbeitung der Rolle der Medien in der Causa Wulff. Ich lese immer nur das von sich selbst ablenkende: “Der Rücktritt war richtig, Der Rücktritt war richtig, Der Rücktritt war richtig.” Sobald man das Jagdfieber der Journaille und die juristische Posse hinterfragt, bekommt man diese störrische Antwort.
Je öfter ich diesen Satz lese und höre, desto mehr zweifle ich daran, ob der Rücktritt wirklich richtig war!

2) Uli Kleffel, Freitag, 13. Juni 2014, 14:40 Uhr

Wenn ich diese (pardon) Fresse sehe, wie er uns davon erzählt, dass man früher ja mal als unschuldig galt bis die Schuld erwiesen und heute ja die BILD Zeitung blablabla, möchte ich förmlich schreien. Er wird für mich als unmöglichster Bundespräsident aller Zeiten in die Geschichte eingehen und gießt immer noch mehr Öl in’s Feuer, durch seine Uneinsichtigkeit.

Warum muss heute eigentlich jeder Hinz und Kunz eine Autobiographie schreiben? Schon das Gschreibsel von Bettina Wulff war förmlich unerträglich, wer mal reinhören will, kann das sehr unterhaltsam bei Oliver Kalkofe tun:
http://www.youtube.com/watch?v=7xFMM3V8BxY

3) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 13. Juni 2014, 16:12 Uhr

Christian Wulff kann und will partout nicht zwischen juristischer und politischer Relevanz unterscheiden. Er war und wäre noch immer der Falsche im Amt des Bundespräsidenten. Und noch eine Bemerkung zu seinem berühmten Satz: Hätte er gesagt „Auch der Islam gehört zu Deutschland, nicht jedoch der Islamismus“ wäre die Aufregung halb so groß gewesen. Eine gewisse Fähigkeit zur Differenzierung erwarte ich schon von unserem Präsidenten.

4) Christian Erhart, Freitag, 13. Juni 2014, 16:38 Uhr

1. Er wird’s nicht einsehen und 2. er wird auch nicht seine Ruhe haben weil Punkt 1 und weil Punkt 2 😉
Er will als der grosse Missverstandene in die Geschichte eingehen ….
Aber vor allem wird er sein Leben lang dem Amt nachtrauern das ihm nicht zur Ehre gereicht hat.

5) rainer, Freitag, 13. Juni 2014, 19:27 Uhr

….mit seiner Aussage,dass der Rücktritt falsch war, hat er recht…..aber er hatte nun mal keinen Arsch in der Hose und ist zurückgetreten….ein Feigling halt…

6) Jost Kremmler, Freitag, 13. Juni 2014, 19:46 Uhr

Der Analyse stimme ich voll und ganz zu. Beispiel: `Der Ex-Präsident sagte: “Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt”. Damit hat er erneut bewiesen, dass er nichts aus seinem Sturz gelernt hat.´ Zusätzlich hat er große Arroganz gezeigt.

7) Johannes Lamp, Freitag, 13. Juni 2014, 20:44 Uhr

Mir tut er leid – auch weil er nichts verstanden hat!

8) Politikverdruss, Freitag, 13. Juni 2014, 21:04 Uhr

Dass die Medien nach der Buchveröffentlichung von Wulff „nachtreten“ würden, war zu erwarten. Leider auch im „Sprengsatz“.

Die Medien haben Christian Wulff über Monate vorgeworfen, korrupt und bestechlich zu sein. Dabei handelt es sich um einen Straftatbestand und damit eine äußerst schwerwiegende Anschuldigung. Am Ende stellte sich heraus, dass es für fast alle Vorwürfe nicht einmal einen Anfangsverdacht gab und im einzigen Fall, der vor Gericht verhandelt wurde, lautete das Urteil: “Unschuldig”.

Wäre es nun nicht einmal an der Zeit für den deutschen „Qualitätsjournalismus“ in sich zu gehen? Nein, stattdessen geht die Dreckschleuderei weiter. Der Journalistin Sarah Tacke sah man bei „Anne Will“ das Jagdfieber schon wieder an. Mit Schaum vor dem Mund „rollte sie den Fall Wulff“ erneut auf. Einfach abstoßend!

Der Fall Wulff hat folgendes gezeigt:

Unsere Medien sind meilenweit von dem entfernt, was man „Qualitätsjournalismus“ nennen könnte. Das können wir nur wirksam korrigieren, wenn wir den Medien die finanziellen Grundlagen entziehen. Bei den Print-Medien zeigen die stark rückläufigen Auflagezahlen, dass die Leserschaft das schon „verstanden“ hat. Bei den ÖR müssen wir dringend einen Weg finden, den Geldfluss zu stoppen.

Darüber hinaus ist überdeutlich geworden, dass die Justiz nicht mehr unabhängig ist. Sie ist abhängig von der Politik! Die deutschen Richter und Staatsanwälte werden von den Justizministern eingesetzt. Die Generalstaatsanwälte der Bundesländer sind dem jeweiligen Justizminister direkt unterstellt und sind zu allem Überfluss auch noch weisungsabhängige politische Beamte, die jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden können. Der Generalbundesanwalt ist dem Bundesjustizminister direkt unterstellt und ist weisungsabhängiger politischer Beamter. Das muss dringend geändert werden!

Unsere politischen Parteien wählen unsere politischen Eliten aus. Wir dürfen danach „wählen“, was man in Hinterzimmern ausgekungelt hat. Und diesen „Unsinn“ verkauft man uns dann auch noch als mehr Demokratie(Junker). Die Auswahlkriterien der Parteien garantieren aber keine Bestenauslese. Herr Wulff ist ein Beispiel dafür. Das Spitzenpersonal auf Landes- und Bundesebene sollte sich daher einer Direktwahl stellen.

9) Wolfgang Wabersky, Freitag, 13. Juni 2014, 22:47 Uhr

Dass Wulff mit sehr viel Häme überzogen wurde, lag ganz erheblich daran, dass er die Wahrheit nur scheibchenweise zugab, dass durch die widerwärtigen Umstände seiner Wahl das demokratische Empfinden vieler Wähler verletzt wurde und dass er hochmoralische Verhaltensforderungen für das Amt des BP aufgestellt hatte, an die er sich selbst nicht halten wollte als sie ihn persönlich betrafen. Demgegenüber spielten von Anfang an strafrechtliche Aspekte eine völlig untergeordnete Rolle.
Obwohl nach dem Rücktritt Köhlers mehrere guten Namen für das Amt des BP gehandelt wurden, wurde der blasse, rhetorisch unbegabte Provinzpolitiker beim Kaffeetrinken von Merkel und Westerwelle ausgekungelt und von der instrumentalisierten Bundesversammlung im dritten Wahlgang durchgedrückt. Merkel pushte aus reinem Machtkalkül den falschen Mann.
Parallel zu dem ganzen Vorgang des Feilschens ermahnten Vertreter der selbst ernannten „Politelite“ das Volk mit scheinheiligen und dreisten Ermahnungen, man dürfe um Gottes Willen und auf keinen Fall das hehre Amt des BP beschädigen. Im Gegensatz zu den Politikern legen die meisten Wähler weniger Wert auf die politische Orientierung des BP, sondern mehr auf die Eignung. Mit ihrem kleinkarierten Vorgehen zeigte Merkel deutlich ihre Verachtung gegenüber dem Amt und den Bürgern. Diese Verachtung haben damals viele erzürnte Bürger in tausenden von Leserbriefen und Umfragen zurückgegeben, leider nicht gegen die Verursacher (Merkel, Westerwelle), sondern gegen Wulff, der nur in diesem Punkt ein Opfer war. Eins ist für mich ganz klar: auf diese Art und Weise sollte nie wieder ein BP ins Amt kommen.

10) M.M., Samstag, 14. Juni 2014, 00:44 Uhr

Mir geht das “Mimosenhafte” von ihm langsam auf die Nerven. Wenn jemand einen “A….” in der Hose hat ist ihm das Gewäsch von der Bild doch völlig egal.

Jeder Fussballprofi muss damit zurecht kommen wenn ihm die Bild jede Woche Note 6 verpasst.

Der Mann hat kein Stehvermögen; daran ist er gescheitert.

11) Freddy Schlimm, Samstag, 14. Juni 2014, 12:07 Uhr

Wäre Wulff nicht zurückgetreten (worden), wäre er noch Bundespräsident. Nun ist es halt Herr Gauck. Der wird uns im Gedächtnis bleiben mit dem Satz: “Auch Spinner gehören zu Deutschland.”
Ich wünsche dem Buch des Herrn Wulff viele Leser, denn seine Sicht der Dinge gehört auch zum ganzen Bild.
Anzumerken bliebe, dass Herrn Wulff in seiner Amtsführung als Bundespräsident nichts vorzuwerfen ist. Die angeblichen Verfehlungen waren vorher in und um Hannover. Auch die Vorwürfe gegen Rau betrafen seine landespolitische Vergangenheit.
Bliebe lediglich der Anruf beim Bild-Chefredakteur. Da war er Bundespräsident. Der eigentliche Skandal war die Veröffentlichung durch die Süddeutsche (glaube ich), die von Bild durchgesteckt wurde.
Nach gründlicher Abwägung halte ich die Rolle der Medien (genauer gesagt vieler Medien) in diesem Fall für schlimmer als das ungeschickte Verhalten des Herrn Wulff.
Würde mich Herr Wulff um Rat fragen, würde ich ihm sagen, er solle sich aus der aktiven Politik raushalten.

12) Bert Grönheim, Samstag, 14. Juni 2014, 14:28 Uhr

Ich sehe da inzwischen eine feste Teilung. Leute in politischen Ämtern oder anderen Führungspositionen kommen mit eher durch- bis unterdurchschnittlichem Leistungen über die Runden. In den vermeintlich untergeordneten Hierarchieebenen wird mit großer Hingabe aussortiert. Wir leben in einem Land, in dem Kündigungen wegen vermeintlichem Betrug im Wert von 1-2 Euro ausgesprochen werden, während andernorts enorme Summen versickern. Herr Wulff ist nur einer von Vielen, die mit ihrer Selbsteinschätzung der Realität hinterherhinken. Menschen wie Herr Wulff füttern die Zweifel an den Institutionen, die sich zuletzt bei der Europawahl gezeigt haben. Wobei das Lager der Nichtwähler grösser und noch problematischer sein dürfte.

13) Wolfgang Wegener, Samstag, 14. Juni 2014, 15:06 Uhr

Man sollte wohl zu Wulff wahrscheinlich nichts mehr sagen, weil alles schon gesagt wurde. Und Wulff ist ja nun auch eine Privatperson ohne politische Funktion. Aber eine Anmerkung sei mir doch gestattet, weil es gerade so gut passt.

Wullff ist ja jetzt rechtskräftig freigesprochen worden, sein Handeln war also legal. Aber war es auch legitm? Denn nicht alles, was legal ist, wird von den Bürgern als auch in Ordnung empfunden. So teilte etwa BK Kohl seinerzeit mit, dass er die Spender nicht preisgeben wolle (Ehrenwort), das sei schließlich nicht strafbar. Und dass es im Bereich politischer Korruption Strafbarkeitsvoraussetzungen gibt, die jedem Beamten, geschweige denn jedem Bürger den Magen umdrehen, dass habe ich hier einmal ausgeführt.

14) Magdalene Geisler, Samstag, 14. Juni 2014, 15:13 Uhr

Wulff tat recht daran, sich nochmal zu Wort zu melden. Diese Unfähigkeit der Medien, auch nur ein bisschen selbstkritischer zu sein, ein kleines bisschen zu sehen, wie BILD immer mehr zu einer Institution wird, die nachweist, dass sie die Macht hat und vor der man sich fürchten muss sowie die Komplizenschaft der seriösen Medien mit BILD – dazu gibts ja auch interessante Untersuchungen.

https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/Aktuelles/AH71/AH71_Wulff_WEB.pdf

Es war schlichtweg unerträglich, wie da über Bande gespielt, immer wieder bedeutungsloses aufgebauscht und die Leser für dumm verkauft wurden. Nee, danke – meine Achtung vor den meisten Journalisten ist gegen Null gegangen.

Jetzt ist ja auch erreicht, was Sinn der Sache war: Gauck ist Bundespräsident und der apportiert brav das, was jetzt nötig ist: Mehr Verantwortung – auch mit Waffen. Das passt.

15) karel, Samstag, 14. Juni 2014, 16:27 Uhr

Der Fall Wulff zeigt, wie marode diese Republik geworden ist.
Die Gründungsväter dieser Republik gaben dem Bundespräsidenten
eine verfassungsrechtlich sehr starke Position als ein Bollwerk gegen Radikalismus.

Wie man sieht, genügt ein “gepushtes” Skandälchen, um eine politische Schutz-Funktion
ganz einfach und locker “zu entfernen”.

Da kann man dem aktuellen Zeitgeist nur “gratulieren”

Glückauf.

16) Thorsten Kortmann, Samstag, 14. Juni 2014, 17:12 Uhr

Bei allem was jetzt über Herrn Wulff geschrieben wird vermisse ich doch das klare und deutliche Hinterfragen, wessen Kandidat denn dieser Bundespräsident war und was das dann über die Qualität derjenigen aussagt, die ihn vorgeschlagen und auch gewählt haben.

http://www.dw.de/wulff-zum-bundespr%C3%A4sidenten-gew%C3%A4hlt/a-5748741

17) Jonathan Simon, Samstag, 14. Juni 2014, 17:19 Uhr

Abgesehen davon daß Herr Wulff wesentlich mehr drauf hatte, als unser neuer Bundesgauckler:
Nach den Maßstäben mit dem man Herrn Wulff gemessen hat, wäre in Deutschland jeder zweite Politiker reif für den Rücktritt. Und würde man den Sachsensumpf aufarbeiten, woran bis heute nicht das geringste Interesse besteht, wäre nahezu jeder Politiker weg vom Fenster. Also? Warum dürfen diese Herren bis heute unbehelligt weiter Ihren Geschäften nachgehen?

Wenn Herr Schäuble mit einem 100.000,-DM Koffer durch die Lande laufen darf, ohne von der Justiz behelligt worden zu sein und Her Wulff wegen 700,-€ auf die Anklagebank muß, stellt sich die Frage, welche Relation hier eigentlich gilt. Unabhängige Justiz und unabhängige Medien, wenn es sie je gegeben hat, gehören längst der Vergangenheit an. Könnte es nicht auch so sein, daß sich Herr Wulff in zwei Reden über das ESM-Gesetz verplappert hatte, Man mußte befürchten, daß er dieses Gesetz eben nicht unterschreibt. Und das wäre der Super-Gau schlechthin gewesen. Also musste der Mann weg. Und da man in der deutschen Medienlandschaft gute Erfahrung hat mißliebige Leute loszuwerden, wenn es einigen Leuten in den Kram paßt (siehe Martin Hohmann, Ernst Welteke, Walter Mixa, Philipp Jenninger usw.) war es ein kleines, diese Kampagne zu starten. Denn ich sagte ja bereits: Nahezu jeder Politiker hat seine, wenn auch kleinen, Leichen im Keller.

18) Erwin Gabriel, Samstag, 14. Juni 2014, 18:16 Uhr

0) m.spreng Freitag, 13. Juni 2014, 13:24 Uhr

>> Der Ex-Präsident sagte: “Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch
>> heute der Richtige in dem Amt”. Damit hat er erneut bewiesen, dass
>> er nichts aus seinem Sturz gelernt hat.

Vielleicht war Christian Wulff als Bundespräsident tatsächlich eine Fehlbesetzung. Aber wenn ich unseren aktuellen Bundespräsidenten so anschaue, muss ich trotzdem zustimmen: Er wäre der bessere gewesen. Da wurde ein durchschnittlicher Ministerpräsident, der sich immerhin wirklich Mühe gegeben und ein paarmal handfeste Probleme angesprochen hat, durch einen eitlen Pastor ersetzt, der sich auf der einen Seite schon mehrmals im Ton vergriff und dafür an anderen wichtigen Stellen den Mund nicht aufkriegte, und dessen herausragendste Eigenschaft ist, dass er sich für toll und für edler und aufrechter als die normale Bevölkerung hält – ich danke.

(Und, mit Verlaub, gelernt haben Sie aus der Affäre offenkundig auch nichts.)

>> Unabhängig von den staatsanwaltlichen Ermittlungen war Wulff als
>> Präsident nicht mehr tragbar gewesen.

Lesen Sie sich Ihre früheren Kommentare zu Christian Wulff durch. Die lasen sich, als wären sie teilweise mit Schaum vor dem Mund geschrieben worden. Nach dem Freispruch wäre da eingentlich eine Entschuldigung fällig gewesen, finden Sie nicht?

Was kommt nun – nachtreten, bis er für immer unten liegen bleibt?

Das nervt mich so an Journalisten: Vorher erst mal ordentlich auf die Kacke hauen. Dann bleibt schon genug hängen, dass man sich’s im Nachhinein auch dann schönreden kann, wenn man ordentlich daneben lag.

>> Zu tief hatte er sich in merkwürdige Freundeskreise verstrickt,
>> zu viele Vergünstigungen angenommen, seinen Hauskredit
>> verschleiert, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit
>> gesagt und diese nach den Medienenthüllungen nur scheibchenweise
>> zugegeben.

Nun, da waren wir von Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl oder Otto Graf Lambsdorff (um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen) ganz andere Kaliber gewohnt. Auch erinnere ich mich, wie BILD-Chef Kai Diekmann den damaligen Telekom-Chef René Obermann öffentlich anwanzte, er möge ihm doch seine Handy-Rechnung erlassen (42.000 Euro wg. Video-Blogging aus dem Urlaub in Marokko).

http://www.sueddeutsche.de/medien/kai-diekmann-und-die-telekom-hinten-anstellen-1.963135

Als Obermann den BILD-Chef genauso öffentlich darauf hinwies, dass er sich wie jeder andere Kunde auch ganz normal anstellen müsse, folgten in den folgenden Tagen ein paar deftige Titelzeilen. Wenn ich Herrn Diekmann richtig verstanden habe, war das allerdings Qualitäts-Journalismus und kein Machtmissbrauch. Irgendwann hat der Verlag die Handy-Rechnung übernommen – damit Kai Dieckmann wegen solcher Peanuts nicht einen dicken Anzeigenkunden vergrault?

Dass irgend ein Journalist (also nicht nur Sie) einem Politiker vorwirft, nicht gleich ungefragt mit der ganzen Wahrheit daher gekommen zu sein, hat für mich an der Stelle schon etwas Unterhaltendes.

>> Jetzt sollte er Ruhe geben – und gewährt bekommen.

Ja, das mit dem Ruhe geben und Ruhe gewähren sagt sich leicht für andere. Aber Sie sehen ja selbst an Ihrem Kommentar, wie schwer es einen manchmal angeht, Fehler einzugestehen und das letzte Wort dem anderen zu überlassen…

19) Carsten Blöcker, Sonntag, 15. Juni 2014, 10:06 Uhr

Selbstüberschätzung und totale Realitätsferne zeichnet diesen Wulff-Auftritt aus. Und der heutige Bundespräsident zeigt unbeabsichtigt, welche Fehlbesetzung Wulff darstellte.

20) Politikverdruss, Sonntag, 15. Juni 2014, 10:17 Uhr

14) Magdalene Geisler, Samstag, 14. Juni 2014, 15:13 Uhr,

sehe ich auch so! Vielen Dank für diese hochinteressante Studie!

21) StefanP, Sonntag, 15. Juni 2014, 10:26 Uhr

@15) karel

Die Gründungsväter dieser Republik gaben dem Bundespräsidenten
eine verfassungsrechtlich sehr starke Position als ein Bollwerk gegen Radikalismus.

Woraus lesen Sie das? In Artikel 58 bis 60 Grundgesetz ist sehr dürr geregelt, was der Bundespräsident darf. Da haben die Regelungen für den Bundeskanzler doch einen ganz anderen Wumm: Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik. Das hat was.

Der Christian Wulff hatte in den letzten Wochen seiner Amtszeit ein unterirdisches Ansehen. Für jemanden, der ein Volk repräsentieren soll, ist das ein K.O.-Kriterium.

22) StefanP, Sonntag, 15. Juni 2014, 10:47 Uhr

@18) Erwin Gabriel

Vielleicht war Christian Wulff als Bundespräsident tatsächlich eine Fehlbesetzung. Aber wenn ich unseren aktuellen Bundespräsidenten so anschaue, muss ich trotzdem zustimmen: Er wäre der bessere gewesen.

Das ist eine politische Meinung, aus der Sie nichts ableiten können. Die überwältigende Mehrheit Ihrer Mitbürger sieht das anders. Was ist von 1 1/2 Jahren Wulffscher Präsidentschaft denn geblieben? Ein Satz, der bis heute höchst umstritten geblieben ist. Die Rede von Weizäckers zum 40. Jahrestag des Kriegsendes hatte da doch ein ganz anderes Kaliber, es versöhnte Nachgeborene und Kriegsveteranen mit der Niederlage.

Da wurde ein durchschnittlicher Ministerpräsident, der sich immerhin wirklich Mühe gegeben und ein paarmal handfeste Probleme angesprochen hat, durch einen eitlen Pastor ersetzt, der sich auf der einen Seite schon mehrmals im Ton vergriff und dafür an anderen wichtigen Stellen den Mund nicht aufkriegte, und dessen herausragendste Eigenschaft ist, dass er sich für toll und für edler und aufrechter als die normale Bevölkerung hält – ich danke.

Er gab sich Mühe – das ist wohl das Schlimmste, was man über einen aktiv handelnden Menschen sagen kann. Was lässt sich sonst, analog zu Ihren Ausführungen, über Christian Wulffs Einstellungen sagen? Er war kleingeistig, Pfennigfuchser, einer, der selbst vierstellige Beträge bar beglich, der die Rechnung eines Freundes durch Zustecken von Geldscheinen bezahlte. Mit Wulffs Gebaren zu Geld sollte man nicht mal die Kasse des Kaninchenzüchtervereins führen. Es ist unwürdig.

Und genauso unwürdig ist es, sich bei einer religiösen Minderheit mit einem fragwürdigen Statement einzuschleimen, die der Mehrheitsgesellschaft seit Jahrzehnten so große Integrationsprobleme wie keine andere Schicht bereitet.

Was kommt nun – nachtreten, bis er für immer unten liegen bleibt?

Christian Wulff war aus dem öffentlichen Leben und Bewusstsein weitgehend ausgeschieden, mit seinem Freispruch war die Sache für alle befriedet. Für alle? Nein, da gibt es jemand, der neben der juristischen Klarstellung auch gesellschaftlich rehabilitiert werden möchte. Tut mir leid, das bedarf noch etwas Zeit im politischen Abklingbecken.

Mit Wulffs Ausscheiden ist etwas einmaliges passiert: ein Bundespräsident musste wegen Ermittlungen zurücktreten, weil er eben nicht frei von jedem Verdacht oder Anschein war. Und was war noch mal mit zu Guttenberg?

Meine ganz persönliche Meinung: Ich erwarte von meinen Mitmenschen keine Prinzipien und keine Prinzipienreiterei. Jeder Mensch sollte sich allerdings ein paar Regeln setzen, nach denen er handeln möchte. Es ist nicht die Sache seiner Mitmenschen, darüber zu richten, noch sollte man von anderen verlangen, dass sie sich den eigenen Prinzipien unterwerfen. Nur: wer dies dennoch öffentlich tut, der muss, wenn es ihn selber betrifft, so sauber sein, wie ein Neugeborenes. Christian Wulff ist das Gegenteil, er ist ein Pharisäer schlimmer Sorte. Selbst noch dann, wo er kein öffentliches Amt mehr bekleidet.

Stefan Pietsch

23) Michael A. Nueckel, Sonntag, 15. Juni 2014, 12:39 Uhr

Wir leben zunehmend in einer Zeit, wo dem Krawall mehr an Beachtung zugemessen wird, als der nüchternen Sachebene. Auf diese Weise haben sich die gesellschaftlichen Koordinaten teilweise in Richtung Willkür verschoben. Wulff hätte das damals wissen können und müssen. Doch war der Maßanzug des Bundespräsidentenamtes für ihn ein paar Nummern zu groß. Die eingeschränkte Beweglichkeit bis zum Rücktritt bleibt gut in Erinnerung. Sein hier durch M. Spreng kommentierter Auftritt bestätigt diese Diskrepanz. Wulff kann es (noch immer) nicht. Vielleicht wollte er uns auch etwas anderes sagen: Im Amte verblieben wäre er noch mit dieser Dame verheiratet.

24) karel, Sonntag, 15. Juni 2014, 13:27 Uhr

18) Erwin Gabriel

Ein feiner Beitrag.
Ich wünschte, ich könnte dies auch so “elegant”….

Gruß
karel

25) Johannes Lamp, Sonntag, 15. Juni 2014, 20:01 Uhr

zu 22) StefanP
Ein feiner Beitrag mit Substanz und Hintergrundwissen, nicht elegant, aber pointiert – hätte von mir sein können…
Klasse!

26) Sven Garber, Sonntag, 15. Juni 2014, 21:07 Uhr

In der Zeit bespricht Peer Steinbrück das Buch. Sicherlich werden viele einwenden, dass er nicht ganz der Richtige dafür ist, weil er sich selber (aus Sicht vieler zu Unrecht) als Opfer der Medien sieht. Er sieht aber in dem Buch auch viele Ansätze für Dikussionen über Macht und Umgang der Medien, vor denen dieselben natürlich die Augen verschließen, die aber dennoch geführt werden sollten. Denn dass insb. die Bild zu weit gegangen ist, sollte mittlerweile unstrittig sein. Und warum soll nicht auch die Gegenseite ihre Version der Causa verbreiten dürfen?

27) karel, Sonntag, 15. Juni 2014, 22:30 Uhr

Stefan P.
In den Artikeln 58 bis 60 ist dürr geregelt????

In Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundespr%C3%A4sident_%28Deutschland%29
ist zu lesen:
“Neben der völkerrechtlichen Vertretung des Bundes und zahlreichen formal und protokollarisch bedeutenden Aufgaben, besitzt der Bundespräsident wichtige Reservevollmachten, die ihm besonders in Krisenzeiten staatspolitische Aufgaben von großer Tragweite zuweisen.[6] Unter anderem kommen dem Bundespräsidenten im Rahmen des Gesetzgebungsnotstands, bei der Wahl des Bundeskanzlers, bei der Entscheidungsgewalt über die Auflösung des Deutschen Bundestages im Falle einer vom Bundeskanzler verlorenen Vertrauensfrage, bei der Wahl einer Minderheitsregierung und aufgrund der Tatsache, dass ein Gesetz überhaupt erst durch die Unterschrift des Bundespräsidenten Rechtskraft erlangt, wichtige Kompetenzen zu.”

Sehen Sie:
Ohne die Unterschrift des Bundespräsidenten, z.B. in Krisenzeiten, erlangt kein Gesetz Rechtskraft.
Zudem ist eine Entlassung des Bundespräsidenten rechtlich an sehr harte Voraussetzungen geknüpft.

Wenn also ein “Skandälchen” schon den Rücktritt “verlangt”, also auslösen kann, spielen sich hier Vorgänge ab, die eines Rechtsstaates absolut unwürdig sind und die Gefahr beinhalten, demokratiefeindlichen Kräften Freiräume zu verschaffen.

Auch die Zeit des Bundespräsidenten Lübke ist nach Wiki sehr aufschlußreich.
Auch ein Bundespräsident Johannes Rau konnte den Skandal um die unzulässige Nutzung von Firmenflugzeugen im vorherigen Amt als Ministerpräsident überleben.
Nur ein “Wulff” nicht.
Das macht im Hinblick auf unseren “Rechtsstaat” betroffen. Sehr sogar.

Es war auch zu beobachten,
daß in der “Wulff-Kakophonie” ein nicht erwarteter Regierungswechsel stattfand
bei einem gleichzeitigen Verlust von Bundesrats-Mehrheiten.

Sie sehen, auch der Fall Wulff hat viele Gesichter………

28) Erwin Gabriel, Montag, 16. Juni 2014, 00:29 Uhr

@ Stefan P

Ob ein Christian Wulff eine vierstellige Rechnung bar bezahlt, ist genauso belanglos wie ein West-Wagen für einen Ost-Pfarrer zu DDR-Zeiten. Und wenn Sie schon Christian Wulff mit Richard von Weizsäcker vergleichen, dann tun Sie das bitte auch mit Joachim Gauck. Dessen Schuhe sind beiden zu groß.

Selbst, wenn ich (aufgrund der Reden, aufgrund des Umgangs mit den Bürgern etc) nicht Christian Wulff für den Besseren der beiden halten würde, fände ich die Hatz durch die Medien immer noch unerträglich. Was Sie da gesehen und miterlebt haben, sollte Ihnen Angst machen. Dafür sind Sie vielleicht dann doch noch zu jung.

29) Peter Christian Nowak, Montag, 16. Juni 2014, 02:28 Uhr

Wulff rätselt heute noch, warum er Präsident wurde…titelt die Welt
An der krausen Stirn sieht man Herrn Wulff die geistige Anstrengung schon an. –

…nun ja, nach intensivem Nachdenken kommt er zu dem überraschenden Schluss, er wäre der bessere Präsident gewesen.
Kein Wunder, bei Herrn Gaucks “Mobilmachung” , sozusagen seine ganz persönliche Herzensangelegenheit, die künftige Richtlinie deutscher Aussenpolitik, werden in deutschen Kasernen schon mal die Kanonenrohre geputzt.

Unter diesen bedeutsamen Umständen wäre Herr Wulff vielleicht nicht doch..?

30) StefanP, Montag, 16. Juni 2014, 10:32 Uhr

@27) karel

Auch die Regelungen für den Krisenfall gehen über präsidiale Funktionen nicht hinaus. Der Bundespräsident kann nicht einfach seine Unterschrift unter ein Gesetz verweigern, er hat niemals die Befugnis über ordentlich oder nicht ordentlich zu entscheiden. Er muss unterschreiben, wenn er zu der Ansicht gelangt, das Gesetz sei verfassungsgemäß, selbst wenn es ihm politisch zuwider läuft. Er sitzt niemals einer (Not-) Regierung vor, noch kann er einen ihm nicht genehmen Bundeskanzler verhindern. Und er kann nicht selbständig das Parlament auflösen. All das sind übrigens Lehren aus der Weimarer Republik.

Wer präsidiert, an den sind jedoch höhere moralische Anforderungen zu richten. Er wirkt durch seine Reden und sein Vorbild. Nichts sonst. Christian Wulff ist ja – entgegen Ihrer Legende – nicht über ein Skandälchen gestürzt, sondern über den Umgang damit. Ein Präsident, der nur durch das Wort wirken kann, muss auch und gerade dann reden, wenn Zweifel an seiner Redlichkeit entstehen. Er muss integer sein. Das war Wulff nicht, jedenfalls nicht mehr als irgendjemand von der Straße, der sich auch gerne mal einladen lässt und regelrecht ausflippt, wenn man es ihm unter die Nase reibt. Nur zur Klarstellung: ich werde mich nie um das Amt des Bundespräsidenten bemühen!

Wulff hat alle relevanten Informationen scheibchenweise und bis zum Ende höchst unvollständig öffentlich gemacht. Dazu hat er versucht, einen prominenten Vertreter einer kontrollierenden Gewalt mit Drohungen gefügig zu machen. Daran ist nichts Präsidiales nicht mal etwas Souveränes. Er hat sich im ganzen Verfahren kleinteilig und kleinmütig verhalten, nicht anders wie ein Ehebrecher, der von seiner Frau ertappt worden ist.

Das alles geht mich nichts an, wäre es Herr X oder Y. Es würde mich selbst dann nur geringfügig interessieren, wäre es der Ministerpräsident Z oder AB. Wobei – wer vor einem Verfassungsorgan unaufrichtig ist, ist nicht wirklich befähigt zur Ausübung öffentlicher Ämter. Aber: für ein moralisches Amt gelten moralische Regeln.

Und deswegen macht der Vorgang mich in keinster Weise betroffen über unseren Rechtsstaat. Das galt höchstens für das gerichtliche Verfahren.

31) StefanP, Montag, 16. Juni 2014, 10:41 Uhr

@28) Erwin Gabriel

Ob ein Christian Wulff eine vierstellige Rechnung bar bezahlt, ist genauso belanglos wie ein West-Wagen für einen Ost-Pfarrer zu DDR-Zeiten.

Nicht, wenn er sich um höchste öffentliche Ämter oder einen Finanzposten bewirbt. Christian Wulff bzw. sein früheres Amt als Teil des Bundesrates hat daran mitgewirkt, dass die Bürger Barzahlungen nur begrenzt steuerlich geltend machen können und dass größere Barbestände generell verdächtig wirken. Wussten Sie z.B., dass der Kunstsammler Cornelius Gurlitt nicht etwa deswegen aufgeflogen ist, weil er Kunst sammelte, sondern weil er bei einer Zugkontrolle hohe Bargeldbestände mit sich führte?

Wenn dies bei einem Normalbürger verdächtig ist, warum sollte es nicht bei einem Bundespräsidenten verdächtig und damit erklärungsbedürftig sein? Können Sie das erklären?

Übrigens: auch Roman Herzog wird mit einem Satz identifiziert, der zu seiner Zeit das Gefühl der Mehrheit traf und deswegen weit weniger umstritten war und ist wie Christian Wulffs Statement über die Zugehörigkeit von Religionen.

32) Ulli, Montag, 16. Juni 2014, 11:30 Uhr

Meine Gedanken trefflich von Ihnen in Worte gefasst…

Vielen Dank

33) Ronald Kaufmann, Montag, 16. Juni 2014, 12:03 Uhr

[quote]…zu viele Vergünstigungen angenommen, seinen Hauskredit verschleiert, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit gesagt und diese nach den Medienenthüllungen nur scheibchenweise zugegeben…[/quote]

Welche Vergünstigungen? Warum sind die in dem fraglichen Prozess nicht zur Sprache gekommen?

Dort war noch nicht mal von 1000 Euro die Sprache.

Wenn die anderen Anschuldigungen auch nur ansatzweise beweisbar gewesen wären, hätte man diese doch in die Verhandlung eingebracht! Durch die fehlende Beweiskraft dieser Punkte zeigt sich mal wieder nur eines: Sie sprechen über Fakten, die die Gerichtsbarkeit nicht anerkennt.

Zu deutsch: Sie schreiben über haltlose Vermutungen in einer Weise, als wären es unwiderlegbare Fakten.

Schämen Sie sich!

Warum soll ein Hr. Wulff überkritisch mit seiner Rolle in dem MEDIEN-Skandal sein, Sie und Ihresgleichen jedoch nicht mit Ihrer Rolle als “Qualitätsmedien”?

Schämen Sie sich!

Ich bin nicht unglücklich darüber, dass Wulff nicht mehr Bundespräsident ist, ich hätte ihn auch nicht gewählt, hätte ich es gedurft. Ihr Artikel wird jedoch weder der Realität, noch der verbleibenden Würde Wulffs gerecht.

Schämen Sie sich!

Zur weiteren Lektüre empfehle ich Ihnen Niggemeier: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/bild-stuerzte-wulff-mit-einer-falschmeldung-das-kuemmert-aber-keinen/

Gruß Ronny Kaufmann

34) Francesco Conradi, Montag, 16. Juni 2014, 12:29 Uhr

Der Bundespräsident steht als Staatsoberhaupt protokollarisch an der Spitze des Staates. Er ist das Verfassungsorgan, das die Bundesrepublik Deutschland nach innen und nach außen repräsentiert. Er übt die klassischen Aufgaben eines Staatsoberhauptes aus und spielt im Zusammenwirken der Verfassungsorgane durchaus eine bedeutende Rolle.
Allerdings wurde unser Grundgesetz nach dem Grundsatz “Nie wieder Weimar!” formuliert, und so wurden die Befugnisse des Bundespräsidenten stark begrenzt, und seine politische Macht ist im Vergleich zum Reichspräsidenten, der in Weimar als eine Art “Ersatzkaiser” fungierte, stark beschränkt. So kann er beispielspeise Notverordnungen gerade nicht alleine erlassen, und er hat auch nicht den Oberbefehl über die Streitkräfte. Er wird auch nicht vom Volk gewählt sondern von der Bundesversammlung.
Zugespitzt könnte man daher durchaus behaupten, dass der Bundespräsident nicht viel mehr ist als der oberste “Grüßaugust”. Die politische Macht liegt im parlamentarischen System der Bundesrepublik viel stärker beim Bundeskanzler mit seiner Richtlinienkompetenz, wie Stefan P richtig festgestellt hat. Vom Bundespräsident wird außerdem “Überparteilichkeit” erwartet, weshalb das Parteibuch ruht oder parteilose Kandidaten gewählt werden. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der “Würde des Amtes”. Man erwartet vom Bundespäsidenten mehr als von den Parlamentariern, zumindest aber Integrität. Feierlich leistet er den Amtseid:
“Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. (So wahr mir Gott helfe.)”
Und nur an diesem Eid und an dieser “Würde” wird ein jeder Bundespräsident gemessen, also an fast übermenschlichen Idealen. Keinesfalls will man im Amte des Bundespräsidenten eine kleinliche Krämerseele, von der man sagen kann, was Marx über die gewählten Volksvertreter in Großbritannien angesichts eines Korruptionsskandals feststellte:
“Die Wahlphilosophie der Parlamentskandidaten besteht demnach einfach darin, dass sie ihrer linken Hand erlauben, nicht zu wissen, was ihre rechte Hand tut, und so waschen sie beide Hände in Unschuld. Ihre Hosentaschen zu öffnen, keine Fragen zu stellen und an die allgemeine Tugend der Menschheit zu glauben – das dient ihren Absichten am allerbesten.”
Sie haben Recht, Herr Spreng, Wulff war nicht mehr tragbar. Der Klüngel in seinem Freundeskreis mit Maschmeyer, Geerkens und Groenewold, das Ticket-Upgrade, seine Brandstifterrede in einer Talkshow mit Michel Friedman, seine Anrufbeantwortersprüche, all das war, wenn nicht kriminell, so doch höchst peinlich. So peinlich jedenfalls, dass es für den Rücktritt reichte. Wenn Wulff das immer noch nicht begreift, wenn er den Unterschied zwischen den Ebenen der Rechtsprechung und der Politik nicht versteht, so ist das eine weitere Bestätigung, dass er eine Fehlbesetzung für die Rolle war. Man kann ja vom Pfaffen aus der Ostzone halten was man will, aber er wird zumindest im Parlament für voll genommen, und er gilt allgemein als integer. Das qualifiziert ihn für die Rolle des Staatsoberhauptes. Gauck kann den Grüßaugust geben ohne dass das Volk ihn für käuflich hält. CW dagegen war für Merkel ein Griff ins WC.
Wenn er nun meint, er müsse Verschwörungstheorien verbreiten, macht er sich erst recht lächerlich. Sein alberner, nichtssagender Satz über den Islam, der angeblich zu Deutschland gehöre, war sicherlich ein Ärgernis für jeden denkenden Menschen. Er hatte aber nicht das geringste mit seinem Rücktritt zu tun! Einen Zusammenhang zwischen diesem Satz und seinem Rücktritt herzustellen, ist entweder naiv oder ein Zeichen von fortgeschrittenem Wahn.
Auch eine Abmilderung (“Islam zu Deutschland, Islamismus nicht”) hätte diesen Unsinnssatz übrigens nicht besser gemacht. Wer zur Integration der Migranten beitragen will, der sollte diese Menschen als Individuen begreifen und nicht als Teil eines Kollektivs.
Marx, man möge mir verzeihen, dass ich ihn erneut zitiere, wusste immerhin noch:
“Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‘harby’, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.”
Gustave Flaubert forderte gar im Namen der Menschheit, “dass der schwarze Stein zermahlen, sein Staub in den Wind gestreut, daß Mekka verwüstet und das Grab von Mohammed entehrt wird. Das ist der Weg, um gegen den Fanatismus anzugehen.“ …

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Worum es mir hier geht, ist die Feststellung, dass Wulffs Hohlsatz mit dazu beiträgt, die Religion unter Artenschutz zu stellen. Politik könnte bestenfalls dazu beitragen den Menschen vor der Religion zu schützen.

35) Frank Reichelt, Montag, 16. Juni 2014, 12:59 Uhr

Christian Wulff hatte als Bundespräsident von Anfang an keine Chance, weil ihm von den führenden Meinungsmachern dieses Landes das Format für dieses Amt abgesprochen wurde. Ich stelle mir die Gedankengänge in den Verlagsbüros und Redaktionsstuben ungefähr so vor:

Wie, der “Normalo” soll Bundespräsident werden, (Lang anhaltendes Gelächter) dann könnte ich das ja noch besser, das wollen wir doch mal sehen! Da schicken wir mal gleich unsere Trüffelschweine los und drehen jeden Stein um, wir finden sicher was, bei seiner Frau und ihrer Vergangenheit fangen wir an, das wäre doch gelacht, wenn wir diesen Gernegross nicht aus dem Amt fegen könnten!

Tja, sie haben´s geschafft!

36) W. Zimmer, Montag, 16. Juni 2014, 15:27 Uhr

8) Politikverdruss
33) Ronny Kaufmann

Wie soll die Staatsanwaltschaft etwas beweisen, wenn die Zeugen vor Gericht plötzlich Anfälle von Amnesie haben und sich an nichts mehr erinnern können? So konnten Hotel-Angestellte, als auch prominente Mitbesucher des Münchner Oktoberfests, wie z.B. Hubert Burda und Frau Furtwängler, keine Aussagen mangels irgendwelcher Erinnerungen machen. Und Olaf Glaeseker, bekannt als Zwilling von Herrn Wulff, wusste plötzlich auch nichts mehr. Wahrscheinlich, weil sein ehemaliger Chef in seinem Prozess auch an diversen Erinnerungslücken litt. Fest steht, dass Herr Wulff in seiner Position als Ministerpräsident von Niedersachsen gegenüber dem Parlament über seinen Privatkredit nicht die volle Wahrheit gesagt hat. Sie können die Affäre Wulff aber auch hier (http://de.wulffplag.wikia.com/wiki/Wulffplag_Wiki) in aller ihrer epischen Breite nachvollziehen.

37) Francesco Conradi, Montag, 16. Juni 2014, 16:14 Uhr

Dieses ständige Gerede von “Häme” und “Nachtreten” in den Kommentarspalten! Sicherlich wird es mitunter sehr unangenehm, wenn wieder eine neue Sau durch’s Dorf getrieben wird. In der Causa Wulff kann ich davon allerdings nicht viel feststellen. Hier im Sprengsatz schon gar nicht.

Unangenehm finde ich vielmehr, wenn “den Medien” unterstellt wird, sie kontrollierten das Volk. Die Medien als manipulative, nicht legitimierte Gewalt. Der Journalist als Nestbeschmutzer! Besser sollten Sie über das schöne Wetter schreiben, oder schönes Wetter machen, Herr Spreng. Bloß nichts kritisches über die Obrigkeit schreiben!

Von Nachtreten würde ich schon deswegen hier nicht sprechen, weil Wulff nicht am Boden liegt. Sein Buch wird sich sicher sehr gut verkaufen. Gerade “Verschwörungstheorie” verkauft sich immer gut. Der Erfolg sei ihm gegönnt. Es muss aber doch erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass dieses Buch und Wulffs Selbstherrlichkeit unangebracht sind und dass es nichts mit finsteren Machenschaften zu tun hat, dass er zurücktreten musste.

Wulff dagegen gefällt sich in seiner Opferrolle und geriert sich noch als unbequemer Querdenker. Er ist doch nicht als “Normalo” – was auch immer das sein soll – Bundespräsident geworden, sondern auf dem üblichen Wege, als politischer Karrierist und durch für ihn zunächst glückliche Umstände. Merkel hatte keinen anderen. Zumindest niemanden, der ihr gefährlich werden konnte. Da bot sich der strahlend grinsende Schwiegermutterliebling eben an.

Man sollte wirklich nicht mehr viele Worte über die Pfeife verlieren. Alles Wesentliche ist im Beitrag gesagt. Man kann nur hoffen, dass sich Wulff nach dem Rummel um das Buch zurückzieht, und dass er wenigstens versucht aus seinen Fehlern zu lernen.

38) Erwin Gabriel, Montag, 16. Juni 2014, 23:22 Uhr

@ 31) StefanP, Montag, 16. Juni 2014, 10:41 Uhr

Wenn Fehlverhalten im Vorleben zählt, dann bei beiden. Wenn Patzer im Amt zählen, dann bei beiden. Sie schauen stets selektiv, nach Ihrem Gusto. Und Ihre Argumentation lautet: Christian Wulff hat an der und der Stelle eine Schwäche gezeigt und einen Fehler begangen, also ist er als Bundespräsident und als Mensch unerträglich, und deswegen ist Joachim Gauck gut. Autsch – welch schlichter Gedankengang.

Für mich ist erstaunlich, wie sehr Sie den Punkt verfehlen. Wer hat eigentlich die Macht in unserem Land? Wer bestimmt, wo es lang geht? Wer bereitet welche Entscheidungen vor, wer setzt sie um. Wenn ich sehe, was in der Causa Wulff abgegangen ist, beeindruckt mich – im Gegensatz zu Ihnen – die “Richtlinienkompetenz” des Bundeskanzlers nicht die Bohne. Denn Herr oder Frau Bundeskanzler haben offenkunkundig nichts zu melden.

Zu jung für einige Einsichten, wie gesagt. Denn dass Sie (warum auch immer) nur bzw. noch stinkig sind über die damalige und keinesfalls entscheidene Mitwirkung Christian Wulffs an den “Bargeld-Regelungen” sind, will ich Ihnen nicht unterstellen.

39) Daniel, Dienstag, 17. Juni 2014, 08:30 Uhr

Nein, er lernt wirklich nicht dazu.
Amt weg, Frau weg, Freunde weg. Gerichtsverfahren im Scheinwerferlicht der gesamten Öffentlichkeit. Und trotz allem kein Anflug von Demut und Einsicht in die eigenen Fehler und Schwächen.

Nein, er ist und war nie DER Richtige.

40) Erwin Gabriel, Dienstag, 17. Juni 2014, 12:17 Uhr

@ 37) Francesco Conradi, Montag, 16. Juni 2014, 16:14 Uhr

>> Von Nachtreten würde ich schon deswegen hier nicht sprechen,
>> weil Wulff nicht am Boden liegt.

Frau weg, Job weg, Gerichtsverfahren im Scheinwerferlicht, Ruf ruiniert – wenn Sie das nicht “am Boden” nennen, was dann?
.

>> Die Medien als manipulative, nicht legitimierte Gewalt.

Ich will Informationen, keine Urteile – denken kann ich wie jeder andere selbst. Nennen Sie mir ein Medium, dass mich in die Lage versetzt, ein eigenes Urteil zu fällen, und nicht mehr; ein Medium, dass mir nicht das Urteil gleich selbst mit vorschreibt.
.

>> Bloß nichts kritisches über die Obrigkeit schreiben!

Kritisches? Gerne, erst Recht über die Obrigkeit, gerade hier.

Aber “kritisch” darf nicht einseitig sein, den einen “hui”, den anderen “pfui”. Und “kritisch” sollte auch nicht gelogen oder zusammenphantasiert sein, sondern etwas mehr Substanz haben als bei der BILD gelesen und sich drüber aufgeregt.

Wenn der Journalist, statt etwas zu wissen, etwas nur annimmt, soll er das ganz klar Annahme nennen; wenn er, statt etwas zu wissen, etwas nur vermutet, soll er das ganz eindeutig Vermutung nennen, und nicht so tun, als handle es sich um Fakten.

KEIN Mensch ist frei von Fehlern, keiner ist perfekt. Es gibt kein Schwarz, kein Weiß, sondern stets fleckiges Grau. Dieses Grau als Weiß oder Schwarz zu erklären, geschieht immer mit Absicht, ist immer manipulativ und stets gelogen.
.

>> Es muss aber doch erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass … es nichts
>> mit finsteren Machenschaften zu tun hat, dass er zurücktreten musste

Es ist sicherlich genauso erlaubt, darauf hinzuweisen, dass das Gegenteil schon dokumentiert wurde. Folgen Sie mal den hier verlinkten Informationen.

41) Wolfgang Wegener, Dienstag, 17. Juni 2014, 12:25 Uhr

Also, über manchen Kommentar hier wundere ich mich doch sehr. Ich danke der StA Hannover, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens war m. E. nach zwingend geboten. Und wäre die Presse diesen Dingen nicht nachgegangen, hätte ich jegliches Restvertrauen in eine freie, kritische Presse in diesem Land endgültig verloren.

Ich begründe dies exemplarisch mit einm Zitat: “Ein weiteres Geldgeschenk über 2500 Euro soll seine spätere Frau von ihrer Mutter laut deren schriftlicher Erklärung Weihnachten 2007 erhalten haben – in bar. Die Scheine habe sie bis zu einem weiteren Sylt-Urlaub im August 2008 aufbewahrt, den ebenfalls Groenewold buchte und vorfinanziert haben soll. Auch in diesem Fall will Wulff die Kosten von 1540 Euro bar erstattet haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erscheint eine so lange Aufbewahrung des Bargelds “zumindest wirtschaftlich als unvernünftig”, da Wulffs Konto jedenfalls im Juli 2008 um mehr als 10 000 Euro überzogen war. (a href=” http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84162297.html“>Quelle).

Herr Wulff sollte froh und dankbar sein, dass er nun nach Abschluss des Verfahrens nicht mehr Anwaltskosten von vermutlich mehreren hundert Euro pro Stunde zu zu zahlen hat. Ansonsten möchte ich von diesem Herrn nichts mehr hören.

42) Politikverdruss, Dienstag, 17. Juni 2014, 19:37 Uhr

36) W. Zimmer, Montag, 16. Juni 2014, 15:27 Uhr,

ach, Herr Zimmer, Sie fragen „wie soll die Staatsanwaltschaft etwas beweisen…“

„Sine ira et studio sollen Staatsanwälte ermitteln. In der Causa Wulff haben sie das nicht ohne, sondern mit Zorn und Eifer getan.“ So Heribert Prantl/SZ, einer der wenigen Spitzenjournalisten des Landes, der den Medien-Skandal!!! Wulff von Anfang an sehr kritisch begleitet hat.

45 Bankkonten wurden durchsucht, 37 Telefonanschlüsse überprüft und acht Hausdurchsuchungen durchgeführt. Zehntausende Seiten Ermittlungsakten. Ungezählte Ermittlungsbeamte. Das war ein Ermittlungsexzess. (Prantl)

Man mag ja über Wulff denken was man will. Das ist hier aber nicht der Punkt. Es geht darum, dass die deutschen Medien völlig außer Rand und Band gerieten und glaubten, sie seien „berechtigt“ , eine politisch unliebsame Personen medial „hinzurichten“.

Dass Sie nicht darüber nachdenken und sich stattdessen über amnesiale Zeugen echauffieren, macht mich nachdenklich.

43) karel, Dienstag, 17. Juni 2014, 23:32 Uhr

Wulff und “Würde”……

Seit wann zählt “Würde” ?
So etwas soll noch zählen?
Nicht eher ein “Muff”, ein Relikt der “alten” Zeit?
Heute eher ein Stoff, um sich der Lächerlichkeit preiszugeben…..
Besonders seit den 70ern.
Wurden die Zeiten nicht “moderner”?

Zugegeben, ein harter Tobak.
Nur, paßt er nicht in diese “neue” Zeit?
Bleibt nur die Frage: “Wem paßt das nicht”……

Gruß in die Runde
karel

44) Werner Berger, Mittwoch, 18. Juni 2014, 00:10 Uhr

>>Ausgerechnet er, die willfährige Marionette der Medieninszenierungen seines “siamesischen Zwillings” Olaf Glaesecker,

„Willfährige Marionette“? Was soll denn diese Attacke?

>>wollte nicht darauf verzichten, sich als Medienopfer darzustellen und als Opfer einer konservativen Verschwörung von BILD und FAZ.

Die Zitat aus FAZ und BILD sind eindeutig. Ich kann Wulffs Interpretation gut nachvollziehen.

>>Wenn einer partout keine Schuld bei sich sieht, dann hilft nur noch eine Verschwörungstheorie.

Sieht er keine Schuld bei sich? Haben Sie das Buch gelesen, Herr Spreng? Er räumt doch Fehler ein.

>>Angeblich deshalb, weil er den Islam auch zu Deutschland zählte. Schlichter geht’s nicht.

Wie gesagt, die Zitate aus FAZ und BILD sind eindeutig.

>>Aber anders kann sich Wulff seinen Sturz offenbar nicht erklären. Realitätsverweigerung und selektive Wahrnehmung nennt man das.

Ich nenne das seine subjektive Sicht der Dinge. Ein historisches Fachbuch wollte er ja nicht vorlegen.

>>Der Ex-Präsident sagte: “Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt”. Damit hat er erneut bewiesen, dass er nichts aus seinem Sturz gelernt hat.

Er hat eine von der Ihren abweichende Meinung geäußert. Weil er eine andere Meinung hat, attestieren Sie ihm Unvermögen („nichts gelernt“). Das ist nicht gerade sehr tolerant.

>>Zu tief hatte er sich in merkwürdige Freundeskreise verstrickt,

Aha. „Merkwürdige Freundeskreise“. Wer soll denn das sein? „Zu tief verstrickt“ klingt auch gut, entbindet von konkreten Vorhaltungen. Hätte er dem Ehepaar Geerkens die Freundschaft aufkündigen sollen, als er Ministerpräsident wurde? Dass an seiner Freundschaft zu David Groenewold nichts auszusetzen war, ist gerichtlich festgestellt, das Gericht hat ihm sogar bescheinigt, das Trennungsprinzip zwischen Amt und Privatem gewahrt zu haben. Mit Herrn Groenewold möchte ich nicht befreundet sein, trotzdem maße ich mir nicht an, einem Politiker vorzuschreiben, mit wen er befreundet ist.

>>zu viele Vergünstigungen angenommen,

Welche waren das noch einmal? Ein Bobbycar als Zugabe beim Autokauf, marktübliche Leasingraten, Übernachtungen bei Freunden, für die er – anders als Frau Schausten – keine 150 Euro pro Nacht gezahlt hat, ein Hochzeitsgeschenk, das darin bestand, dass man ein befreundetes Ehepaar in dessen Ferienhaus in Italien besucht…

>>seinen Hauskredit verschleiert, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit gesagt und diese nach den Medienenthüllungen nur scheibchenweise zugegeben.

Der Hauskredit wurde nicht „enthüllt“, Wulff selbst hat den Privatkreditvertrag Reportern von BILD und Stern offengelegt. Die Auskunft vor dem Landtag war richtig, im übrigen habe ich noch davon nie gehört, dass ein Politiker der Öffentlichkeit die Finanzierung seines Privathauses vorgelegt hätte. Auf scheibchenweise Fragen können auch nur scheibchenweise Antworten erfolgen.

>>Das reicht für den Rücktritt eines Präsidenten. Es hätte des Staatsanwaltes nicht mehr bedurft.

Sie zeihen Wulff der Realitätsverweigerung. Dieser Vorwurf fällt spätestens hier auf Sie zurück. Ohne die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hätte es keinen Rücktritt gegeben, und Wulff wäre heute noch im Amt.

>>Mehr ist zum Fall Wulff nicht mehr zu sagen.

Dafür haben Sie aber noch eine ganze Menge mehr gesagt.

>>Jetzt sollte er Ruhe geben – und gewährt bekommen.

In einem freien Land kann jeder seine Meinung frei äußern, auch Herr Wulff.

Ihnen, Herr Spreng wünsche ich, dass auch Sie irgendwann Ihren Frieden mit Wulff finden, trotz Ehrensold, Büro und Chauffeur.

45) Rainer N., Mittwoch, 18. Juni 2014, 10:06 Uhr

Nun da bin ich auch mal wieder mit einem Beitrag. Obwohl es eigentlich überflüssig ist, drauf hinzuweisen:

Wie immer funktioniert das Peter-Prinzip auch bei Politikern.

Siehe zur Zeit Gauck.

Dank an J.T. für den Beitrag, sehr zutreffend. Ich hätte aber ein Bild von Wilhelm II benutzt, von der “Hunnenrede”.

https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer

Da sollte eigentlich nun dieser Gauckler schnell den Posten wieder abgeben (müssen)! Kriegstreiberei ist jedenfalls schlimmer als so ein Bobbycar … aber wenn ich es richtig betrachte, seit Gustav Heinemann hatten wir KEINEN Bundespräsidenten der das Amt verdient hat.

Und das Merkel hat in der Kabine der Spieler auch nichts zu suchen. Peinlich diese Spieler, peinlich der Trainer. Peinlich diese Merkel. Peter-Prinzip auf allen Ebenen.

46) StefanP, Mittwoch, 18. Juni 2014, 10:09 Uhr

@38) Erwin Gabriel

Nochmal: Sie verfehlen den Punkt. Ein Politiker stürzt nicht über geringes Fehlverhalten. Heute nicht. Früher nicht. Er stürzt wegen dem Umgang mit dem Fehler. Medienprofis wie Beckenbauer haben es drauf und die Souveränität. Eine Souveränität, die man von einem Spitzenrepräsentanten unseres Landes erwarten kann, ja erwarten muss.

Was ist an Franz Beckenbauer so lobenswert? Immer, wenn eine Affäre ruchbar wurde, hat er sich hingestellt, meist der BILD ein Interview gegeben oder eine Homestory machen lassen, in dem ausführlichst berichtet werden durfte und damit war der Käse durch. Wen hätte es wirklich interessiert, wenn Wulff gegenüber dem niedersächsischen Landtag genau und ausführlich Auskunft über seine Beziehungen zu seinem Ziehvater gegeben hätte? Eine solche Nachricht hätte es bestenfalls in der HNA noch auf Seite 1 geschafft, das wär’s aber auch gewesen. Sein langes Schweigen, sein scheibchenweises Agieren und sein Umgang mit der Presse haben ihm den K.O. versetzt – nicht die Einladungen eines Herrn Grunewald, seine Barzahlungen oder sein Privatkredit.

Eigentlich ist das absolut bekannt und jeder PR-Berater empfiehlt die Offenheit seinen Mandanten, egal ob Politiker, Manager oder Unternehmen. Und dennoch handeln nur wenige danach.

Ich will Ihnen sagen, wie ich das beruflich verinnerlicht habe: Ist mir ein Bug passiert, versuche ich kurz das still und heimlich zu lösen. Zeigt sich, dass das nicht möglich ist, eskaliere ich sofort, was später ohnehin nicht zu verheimlichen ist. Ich lege offen, benenne meine Schuld und damit ist es durch. Wenn danach jemand mir querkommen will, kann ich immer darauf verweisen, dass ich kommuniziert und das auf meine Kappe genommen habe. Es funktioniert, am Anfang gehört nur ein bisschen Mut dazu. Ein Mut, den Christian Wulff nie in seinem politischen Leben hatte.

47) Erwin Gabriel, Mittwoch, 18. Juni 2014, 12:26 Uhr

42) Politikverdruss, Dienstag, 17. Juni 2014, 19:37 Uhr

>> Man mag ja über Wulff denken was man will. Das ist hier aber
>> nicht der Punkt. Es geht darum, dass die deutschen Medien
>> völlig außer Rand und Band gerieten und glaubten, sie seien
>> „berechtigt“, eine politisch unliebsame Personen medial
>> „hinzurichten“.

Danke, dass Sie dass so auf den Punkt bringen.
.

@ 44) Werner Berger, Mittwoch, 18. Juni 2014, 00:10 Uhr

ich schließe mich an.

48) Politikverdruss, Donnerstag, 19. Juni 2014, 14:56 Uhr

Der Verfassungsjurist Gernot Fritz will die Staatsanwaltschaft Hannover in der Sache Wulff wegen „Rechtsbeugung“ und „Verletzung von Privatgeheimnissen“ anzeigen. (FAZ Online 19.06.14)

Gernot Fritz in der FAZ: „Mit Blick auf die konkreten Tatvorwürfe war die Einrichtung einer 28-köpfigen Ermittlungsgruppe unter Beteiligung von vier Staatsanwälten bereits ein absolut singulärer Vorgang in der deutschen Rechtsgeschichte. Die Dauer und Intensität der Ermittlungstätigkeit sowie die Anzahl der Zeugenvernehmungen, Durchsuchungen und grundrechtseinschränkenden Maßnahmen drängt den Verdacht auf, dass die Strafverfolgungsbehörden sich nicht auf die gebotene Sachverhaltsaufklärung beschränkt, sondern das Ziel verfolgt haben, die rechtlich gebotene Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu vermeiden, indem ständig neue, aber zur Erhärtung des Tatvorwurfs nicht naheliegende Spuren verfolgt wurden, die sich für den Betroffenen gleichwohl nachdrücklich rufschädigend auswirkten.“

Man darf gespannt sein, was dabei noch so alles rauskommt. Denn wie man ja weiß, sind Staatsanwälte weisungsgebunden. Vielleicht erfahren wir ja doch noch, was z.B. Herr Busemann aus Niedersachsen damit zu tun hatte, nach dem Motto: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Nun müsste man irgendwie noch die „Medien“ drankriegen. Stellvertretend für die Medien könnte Frau Schausten „angeklagt“ werden. Ihre während des Interviews mit Wulff vor Millionen Bürgern ausgesprochene Lüge ist unvergessen. Und ihren Job bei den ÖR hat sie auch immer noch.

49) Erwin Gabriel, Donnerstag, 19. Juni 2014, 18:55 Uhr

@ 46) StefanP, Mittwoch, 18. Juni 2014, 10:09 Uhr

>> Nochmal: Sie verfehlen den Punkt.

Ich (und der eine oder andere hier) reden von etwas anderem als Sie.

Sie halten den Umgang Wulffs mit den enthüllten Verfehlungen für problematisch, und halten ihn deswegen für ungeeignet als Bundespräsident. Nun, dass Christian Wulff nicht frei von Fehlern ist, sagt er selbst, da werde ich ihm nicht widersprechen. Das Wulffs Umgang mit Fehlern eher an einen Normalo-Politiker im Tagesgeschäft als an einen Bundespräsidenten erinnert, wird von mir nicht bestritten. Sie sagen “schwarz”, ich sage “dunkelgrau” – können Sie damit leben?

Wenn ich auf das Wirken Christian Wulffs als Bundespräsident schaue (Reden und Verhalten in offizieller Funktion), so hat er die negativen Erwartungen, die ich an ihn hatte, schon sehr entkräftet bzw. ins Positive verkehrt. Das bezieht sich nicht auf den (aus meiner persönlichen Sicht überflüssigen und falschen) Satz zum Islam, sondern auf sein Verhalten in der NSU-Affäre oder seine Rede in Lindau. Dagegen steht sein ungeschickter Umgang mit Sarrazin (was immer man von Sarrazin halten mag – den hätte man, hätte er nicht zugestimmt, nicht weg bekommen). In Summe ganz ordentlich, aber nicht brilliant. In jedem Falle aus meiner Sicht deutlich besser als das Gebaren von Joachim Gauck in gleicher Funktion. Das ist meine hier schon des öfteren begründete subjektive Wahrnehmung. Die müssen Sie nicht teilen, nur akzeptieren.

Die Frage, ob denn nun Wulff oder Gauck Bundespräsident ist, oder wer von den beiden das Amt besser ausfüllt, ist für mich bestenfalls eine Frage der Nachkommastelle. Viel, viel wichtiger ist für mich die Frage, wie sich die Medien verhalten haben. Ob Sie Kachelmann, Hoeness oder Wulff nehmen, da ging es praktisch nur am Rande um objektive Berichterstattung, nur am Rande um die Wahrheit, um Aufklärung, um Hilfe bei der Meinungsbildung etc.

Es ging in diesen und anderen Fällen darum, jemanden fertig zu machen, um die Kerbe auf dem Gewehrkolben, um Meinungsführerschaft, um Eitelkeit und Macht, darum, der Erste zu sein, der enthüllt, oder die “beste” Enthüllung zu haben. Und was man nicht hat, wird aufgebauscht oder erfunden. Wenn man nichts Genaues weiß, wird halt gelogen.

Das kann man dokumentieren, wie man will – egal. Da sind Journalisten selbst genau so wenig an Aufklärung interessiert wie die Bundesregierung in Sachen NSA-Affäre.

Medien sind wichtig, Aufklärung ist wichtig. Medien haben Macht. Aber daraus leiten sie keine Verantwortung ab, sondern missbrauchen diese Macht immer wieder aufs Neue (Die ADAC Motorwelt ist nur das letzte bekannte Beispiel, aber was dort passiert, passiert jederzeit und überall in unterschiedlichsten Ausprägungen). Das widert mich an, und das macht mir Angst. Denn dieses Verhalten beeinflusst Politiker und Politik mehr als alles andere.

>> Ich lege offen, benenne meine Schuld und damit ist es durch. …
>> Ein Mut, den Christian Wulff nie in seinem politischen Leben hatte.

Sie werden diesen Mut auch bei keinem Journalisten finden. Und fehlerfrei sind die auch nicht.

Sorry für die Ausführlichkeit und Länge.

E.G.

50) Politikverdruss, Freitag, 20. Juni 2014, 12:06 Uhr

49) Erwin Gabriel, Donnerstag, 19. Juni 2014, 18:55 Uhr ,

ich teile Ihren treffenden Beitrag!

51) StefanP, Freitag, 20. Juni 2014, 14:30 Uhr

@49) Erwin Gabriel

Nun, dass Christian Wulff nicht frei von Fehlern ist, sagt er selbst, da werde ich ihm nicht widersprechen.

Es geht nicht um Fehler und auch einem Bundespräsidenten gesteht man Fehler zu. Wulff, Sie können es auch gerne so fassen, hat nach eigener Einschätzung eine ganze Menge Fehler gemacht. Eben eine Handvoll zuviel für sein Amt. Deswegen musste er gehen. Übrigens trage ich lieber dunkelblaue Anzüge. 😉

Innerhalb kurzer Zeit sind zwei Bewohner von Schloss Bellevue vorzeitig ausgezogen. Für ein so langweiliges Amt wie das des Bundespräsidenten viel zu viele. Das hat das Amt beschädigt. Was erwartet man (die Verfassung) von einem Bundespräsidenten? Er soll beliebt sein, sich aus dem politischen Tagesgeschäft heraushalten, nachdenkliche Reden halten und im Ausland keine Peinlichkeiten erzeugen. Und: er sollte so lange bleiben, wie er gewählt ist. In diesem Sinne füllt Gauck das Amt perfekt aus. Dass sich mancher an seinem Steckenpferd Freiheit stört, sollte man da hinnehmen. Es hat sowieso nichts zu sagen, denn er kann keine politischen Entscheidungen treffen.

Wieso sind die Medien die Bösen? Zu einer Presseclub-Sendung ließ sich von der federführenden ARD-Redaktion kein Kollege finden, der bereit war, für eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit und einen späteren Rentenbezug einzutreten. Dummerweise sehen die meisten Arbeitnehmer in einem frühen Ruhestand ein Lebensziel. Sie lassen sich davon schon gar nicht von Medien beeinflussen. Bei der Berichterstattung über Personen verhält es sich ganz ähnlich: Die Leute lesen und sehen lieber Homestorys, Berichte über persönliche Streitereien und Beziehungskrisen als politische Strategien und wirtschaftliche Zusammenhänge. Das Persönliche ist immer auch politisch.

In Umfragen sagen wir, das geht so nicht, nur um dann den Fernseher einzuschalten, wenn Kübel von Schmutz ausgeschüttet werden. Der Unterschied: im Presseclub wird eine die Mehrheit zersetzende Meinung nicht einer bestimmten Zeitung zugeordnet und diese abgestraft. Wer sich jedoch weigert, den Voyeurismus zu bedienen, braucht sich über sinkende Auflagen nicht zu beklagen. Wer ist der Schuldige? Der Journalist oder der Medienkonsument?

Ich verstehe auch nicht die Aufregung über die NSA-Affäre, gerade von jungen Menschen. Wie selbstverständlich posten sie das Privateste und Intimste auf Netzwerkseiten in die Welt, teilen auf WhatsApp das Albernste einer Community mit und verwenden als Passwörter einfachste Stichworte. Wenn das aber jemand aus professionellen Gründen liest, ist das ganz schlimm. Das ist wie früher beim Abiturball: die Noch-Mitschülerin verbringt den gesamten Abend mit Ihnen und dem heißesten Dekolleté des Erdballs. Sie hätten es auch nicht verstanden, wenn Sie nach zahlreichen Tänzen und viel Sekt nachts um 2 Uhr einen Fingerklaps erhalten hätten, wenn sich Ihre Hand irgendwohin verirrt hätte. 🙂

52) kleinErna, Freitag, 20. Juni 2014, 16:08 Uhr

Einige Schreiber hier übersehen völlig, worum es sowohl bei Wulff, wie bei Spreng in dieser Sache hier geht, nämlich nicht um irgendwelche Paragraphen, auch nicht um ehemalige, oder aktuelle Bundespräsidenten und auch nicht um BILD, SZ oder SPIEGEL, es geht um Christian Wulff. Ganz alleine um ihn und sein Verhalten als MP seinem Landtag gegenüber und sein weiteres Verhalten als BP der Presse und der Öffentlichkeit gegenüber. Und hier hat er erhebliche Mängel gezeigt, die ihn als Bundespräsidenten mehr als disqualifiziert haben.
Jetzt im Nachhinein zu behaupten, seine Äußerungen zum Islam wären die Ursache für den Shitstorm, den er ausgelöst hat, sind ein weiteres Indiz dafür, dass er mit dieser totalen Fehleinschätzung, die auf Verfolgungswahn bei ihm schließen läßt, nicht befähigt war, ist und wäre, eine Republik wie die Unsere nach innen wie nach aussen zu repräsentieren. Was wäre da ggf. noch alles auf uns zugekommen, im Laufe einer langen Amtszeit (Heinrich Lübke und seine Aussetzer lassen grüßen)?
Ich war und bin sicher auch weiterhin skeptisch, was diverse Einschätzungen des Herrn Spreng zu politischen Vorgängen betrifft, im vorliegenden Fall gebe ich ihm aber in vollem Umfang recht und hätte ich an seiner statt den Blog geschrieben, wäre er etwas länger, dafür aber noch wesentlich vernichtender geworden, was die Amtsführung, vor Allem aber den Charakter des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff betrifft!
Nun darf weiter gelästert werden, auch über meinen vorstehenden Beitrag. Schönes Wochenende allerseits.

53) Erwin Gabriel, Samstag, 21. Juni 2014, 17:40 Uhr

@ 52) kleinErna, Freitag, 20. Juni 2014, 16:08 Uhr

Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, warum Sie sich in die Lage versetzt sehen, den Charakter eines Menschen derart zu verurteilen, ohne ihn persönlich zu kennen?

54) Erwin Gabriel, Samstag, 21. Juni 2014, 17:54 Uhr

@ 52) kleinErna, Freitag, 20. Juni 2014, 16:08 Uhr

Nachtrag:

>> Was wäre da ggf. noch alles auf uns zugekommen,
>> im Laufe einer langen Amtszeit (Heinrich Lübke und
>> seine Aussetzer lassen grüßen)?

Die ach so peinlichen Zitate Heinrich Lübkes (z.B. “Equal goes it loose” oder die Begrüßung “.. liebe Neger …” ) waren von Spiegel-Mitarbeitern frei erfunden worden. Diese als Nachrichten weitergetragenen Diffamierungen haben den Ruf von Lübke stärker beschädigt und geprägt als die kleinen Unsicherheiten, die sich aufgrund von Zerebralsklerose und beginnender Demenz in seine späteren, meist frei vorgetragenen Reden schlichen.

55) riskro, Sonntag, 22. Juni 2014, 10:21 Uhr

Politikverdruss 8) schreibt u.a. :
<<>>

Die Justiz war noch NIE unabhängig. Gewaltenteilung ist das Papier nicht Wert auf dem sie steht

>>>Unsere politischen Parteien wählen unsere politischen Eliten aus. Wir dürfen danach „wählen“, was man in Hinterzimmern ausgekungelt hat.>>>

Noch nicht mal dann dürfen wir wählen.

<<>>

Weil es die Staatsform Demokratie gar nicht gibt. Auch dann nicht, wenn man den Begriff mit den Attributen „parlamentarische“ oder „direkte“ versieht.

Es gibt nur eine Staatsform: „Die Diktatur“ !

Ausgeübt als: Parteien/Militär-Diktatur oder in Form einer Allein-Diktatur (Syrien)

49) Erwin Gabriel schreibt:<<<>>>

Den Medien geht es nicht darum jemanden fertig zu machen. Den Medien geht es darum Auflagen und Einschaltquoten zu steigern. Nur DASS bringt Geld in die Kasse. Nur darum geht es und darum, dass mit positiver Berichterstattung bei uns Leser/Höhrer kein Euro zu verdienen ist.
Um dieses Ziel zu erreichen geht man notfalls über Leichen. Je “prominenter” einer ist, desto länger kann man das Thema ausschlachten. Das garantiert Gewinn über einen längeren Zeitraum.
Der Sprengmeister macht da keine Ausnahme

GELD regiert die WELT!!!!!!!!!!! Haste was – biste was.
Je mehr haste man hat – je mehr biste hat man.

56) karel, Montag, 23. Juni 2014, 00:23 Uhr

Stefan P.
“Dunkelblaue Anzüge”?

Ich hatte einen, der mir vorgesetzt war:
stets dunkelblaue Anzüge,
ein glänzender Theoretiker,
ein glänzender Rhetoriker,
der Mann war 2-fach diplomiert,
einfach brilliant.
Das ist ehrlich, das hatte meine Akzeptanz.

Nur bei Entscheidungen, die er tragen, verantworten sollte,
zitterten seine Hände, standen Schweißperlen auf der Stirn.

Ich übernahm die Verantwortung….
und prompt ging´s ihm sichtlich besser…..
Soviel zu “blauen Anzügen”….

Stefan P., das ist keine Affront gegen Sie,
hat eher was mit “blauen Anzügen” zu tun.
Lebenserfahrung…. mehr nicht.

Gruß
karel

57) W. Zimmer, Montag, 23. Juni 2014, 11:28 Uhr

@42) Politikverdruss

Ich echauffiere mich nicht, ich merkte lediglich an, dass bei Amnesie der Zeugen ein Staatsanwalt einen schweren Stand hat. Und auch ein Prantl hat nicht immer recht, obwohl ich seine Einlässe durchaus zu schätzen weiß.

58) kleinErna, Dienstag, 01. Juli 2014, 04:30 Uhr

53) Erwin Gabriel: wenn Sie ernst nehmen, was Sie mir da schreiben, dürften Sie die Hälfte Ihrer bisherigen, relativ häufigen Beiträge hier, nie veröffentlicht haben.
Über Wulff, der eine öffentliche Person war und ist, wurde so viel veröffentlicht, auch Interviews mit ihm zum Thema, dass man daraus durchaus Schlüsse auf ihn als Person ziehen konnte. Wenn Sie das nicht können, wird Ihnen Niemand böse sein. Ich hoffe aber, dass Sie sich in der Lage sehen, Zwei und Zwei zusammen zu zählen.
Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Sie bei Ihren Beiträgens so gut wie nie zum Thema selbst äußern, sondern immer nur Beiträge Anderer kritisieren. Bei Ihnen weiß man praktisch nie, was Sie selbst zum Thema wissen oder denken, man weiß nur immer, was Ihnen an der Meinung Anderer nicht passt. Das ist nicht unbedingt eine Auseinandersetzung mit “offenem Visier!”

59) Erwin Gabriel, Donnerstag, 03. Juli 2014, 11:29 Uhr

@ 58) kleinErna, Dienstag, 01. Juli 2014, 04:30 Uhr

>> Bei Ihnen weiß man praktisch nie, was Sie selbst zum Thema
>> wissen oder denken, man weiß nur immer, was Ihnen an der
>> Meinung Anderer nicht passt.

ich kann schwer nachvollziehen, wie sie zu Ihrer Einstellung kommen. Ich beziehe durchaus häufig Position, und ich meckere nicht nur, sondern schließe mich des öfteren auch anderen Ansichten an.

Sie denken (bzw. schreiben), dass es nur und ausschließlich um die Person Christian Wulffs geht, und Sie werfen mir und anderen vor, diesen Punkt nicht zu verstehen.

Ich sehe das halt vollkommen anders. Der “Skandal” ist aus meiner Sicht eben nicht das Verhalten von Wulff (dessen angebliche Verfehlungen man ja vergeblich staatsanwaltlich nachzuweisen suchte), sondern das Verhalten der Medien.

Ich verstehe die Mechanik der Medien aufgrund einer langjährigen Innensicht sehr gut. Die Berichterstattung gegen den damaligen Bundespräsidenten war geschickt vom Axel Springer Verlag gesteuert. Ich konnte ihr zwar ein erklärtes Ziel (“Wulff muss weg”) und viele persönliche, abfällige Meinungen, aber nur wenig Fakten entnehmen. Da habe ich dann in der Tat zwei und zwei zusammengezählt, und mein Ergebnis war eben nicht “Christian Wulff ist ein korrupte Betrüger, der mit einer ehemaligen Prostituierten verheiratet ist”, sondern, dass es eine gezielte Medienkampagne gab.

Die “Veruteilung” von Christian Wulff habe ich deshalb lieber der Staatsanwaltschaft überlassen, die trotz enormen Aufwand und enormen Druck, endlich “Ergebnisse zu liefern”, nichts gefunden hat (was mich in meiner Zurückhaltung im Urteil über die Person Christian Wulff eher bestätigt).

Ich habe nie bestritten, dass es für das Amt des Bundespräsidenten stärkere, moralisch gesfestigtere, intelligente, klügere, reifere, kurzum, besser geeigente Kandidaten geben mag (selbst wenn ich meinen ehemaligen Wunschkandidaten Joachim Gauck nach dem bisherigen Verlauf seiner Amtszeit nicht dazu zählen kann).

Wie sich die Medien geben, wie sie Meinung und Politik machen, statt Meinungen und Politik zu erläutern, wie sie ohne rechtliche Grundlage Urteile fällen und exekutieren, wie sie Druck und Erpressungspotential gegen Politiker ausüben, wie sie ihre verbrieften (und durchaus erforderlichen) Rechte für eigene Interessen missbrauchen, kann gewaltigen Einfluss auf mein Leben haben.

Im Vergleich dazu beeinflusst ein Bundespräsident, mag er nun Joachim Gauck oder Christian Wulff heißen, mein Leben genauso wenig wie der Trainer unserer Fußball-Nationalmannschaft. Läuft es gut, freut man sich; wenn nicht, geht das Leben trotzdem weiter.

Sie mögen eine Christian Wulff so hart beurteilen, wie Sie wollen bzw. wie Sie es getan haben. Aber Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Sie nur aufgrund von Hörensagen und aufgrund sehr subjektiver Berichterstattung urteilen.

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