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Wulff und Würde

Es hätte für Christian Wulff eine schöne Woche werden können. Zum Wochenende verkündete die Staatsanwaltschaft Hannover ihren Verzicht auf eine Revision gegen den Freispruch des Ex-Präsidenten wegen Vorteilsannahme. Damit wurde Christian Wullf endgültig vom Makel der Korruption befreit und juristisch rehabilitiert. Anschließend hätte er in Ruhe sein zweites Leben aufbauen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette…  Denn Wulff musste unbedingt noch seine Abrechnung mit den Medien unters Volk bringen („Ganz oben – ganz unten“). Ausgerechnet er, die willfährige Marionette der Medieninszenierungen seines „siamesischen Zwillings“ Olaf Glaesecker, wollte nicht darauf verzichten, sich als Medienopfer darzustellen und als Opfer einer konservativen Verschwörung von BILD und FAZ.

Wenn einer partout keine Schuld bei sich sieht, dann hilft nur noch eine Verschwörungstheorie. Angeblich deshalb, weil er den Islam auch zu Deutschland zählte. Schlichter geht’s nicht. Aber anders kann sich Wulff seinen Sturz offenbar nicht erklären. Realitätsverweigerung und selektive Wahrnehmung nennt man das.

Wulff hat mit dem Buch seine verdiente Ruhe selbst gestört und damit seine Affäre und seinen Sturz erneut der öffentlichen Betrachtung freigegeben. Und er muss sich auch gefallen lassen, dass seine Sätze auf der Pressekonferenz zur Buchvorstellung kritisch untersucht werden.

Der Ex-Präsident sagte: „Der Rücktritt war falsch. Und ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt“. Damit hat er erneut bewiesen, dass er nichts aus seinem Sturz gelernt hat.

Unabhängig von den staatsanwaltlichen Ermittlungen war Wulff als Präsident nicht mehr tragbar gewesen. Zu tief hatte er sich in merkwürdige Freundeskreise verstrickt, zu viele Vergünstigungen angenommen, seinen Hauskredit verschleiert, dem niedersächsischen Landtag nicht die Wahrheit gesagt und diese nach den Medienenthüllungen nur scheibchenweise zugegeben.

Das reicht für den Rücktritt eines Präsidenten. Es hätte des Staatsanwaltes nicht mehr bedurft.

In der selben Woche, in der Wulff seinen Fall erneut zur Diskussion stellte, erklärte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil, die Autorität und Würde des Präsidentenamtes komme darin zum Ausdruck, „dass es auf vor allem geistig-moralische Wirkung angelegt ist“. Mehr ist zum Fall Wulff nicht mehr zu sagen. Jetzt sollte er Ruhe geben – und gewährt bekommen.