Sonntag, 13. Juli 2014, 18:11 Uhr

Die starke, schwache Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann an ihrem 60. Geburtstag eigentlich sehr zufrieden sein: sie ist innenpolitisch unangefochten, überstrahlt alle anderen deutschen Politiker an Beliebtheit. Sie wird die stärkste Frau Europas und die mächtigste der Welt genannt. Eine großartige Leistung, ein Grund zum Feiern.

Aber ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Macht wird sie als eine ohnmächtige Kanzlerin vorgeführt. Und das von den USA, die sie immer so geschätzt hat. Ihr Sehnsuchtsland der Freiheit bedroht die Freiheit ihrer Landsleute und ihre Kanzlerschaft. Die US-Adminstration lässt Merkel schrumpfen. Sie, die starke Frau, wird von der amerikanischen Regierung genauso wenig ernst genommen und genauso wenig als souverän respektiert wie das von ihr regierte Land.

Die US-Geheimdienste spähten  und spähen die Deutschen aus, allen voran Angela Merkel. Und die US-Regierung denkt im Traum nicht daran, irgendwelche Konzessionen zu machen. Kein No-Spy-Abkommen, keine Entschuldigung für die CIA-Agenten, nicht einmal ein Eingeständnis.

Merkel prallt an der außen- und sicherheitspolitischen Überheblichkeit der USA genauso ab wie alle anderen Staats- und Regierungschefs dieser Welt.

Es ist leider eine lange Tradition: US-Regierungen kennen nur ein Interesse, das ihres Landes, und berücksichtigen nicht auch die Interessen anderer Nationen. Daher auch die vielen Desaster der amerikanischen Politik. Kluge Außen- und Sicherheitspolitiker versetzen sich in die Interessenlage anderer Völker, nehmen Rücksicht auf deren Mentalität und deren andere Auffassungen. Nicht so die USA.

Und genau das ist Merkels Problem. Plötzlich wird die große Kanzlerin ganz klein. Und da liegt auch die Gefahr, die ihr im Inneren droht. Die Kaiserin hat gegenüber den USA keine Kleider an. Noch sehen das ihre Wähler nicht, aber das kann schon bald geschehen.

Daran kann auch Symbolpolitik wie die Aufforderung an den höchsten Repräsentanten der CIA in Deutschland, das Land zu verlassen, nichts ändern. Denn die USA ändern sich nicht. Und mehr traut sich die Kanzlerin nicht, weil sie keinen Weg zu kennen glaubt, die USA in ihre Schranken zu weisen und zur Besinnung zu bringen, ohne eine Eiszeit in den Beziehungen zu verursachen.

Diese Ohnmacht gefährdet Merkels Macht in Deutschland. Kein angenehmes Geburtstagstagsgeschenk von Barack Obama. Ein Feier mit sehr gemischten Gefühlen.

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52 Kommentare

1) Erika, Sonntag, 20. Juli 2014, 12:36 Uhr

Wäre es nicht Angela Merkel, könnte man es nicht „schön“ schreiben!

http://www.cicero.de/berliner-republik/geheimdienstaffaere-ami-go-home-angela-merkel-geburtstagsgeschenk/57934

<<<"Wer hätte das je gedacht? Dazu passt das unfreiwillige Geschenk aus Amerika ganz wunderbar. Zum Sechzigsten darf die ostdeutsche CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin auch mal rufen, was auf jeder westdeutschen Friedensdemo seit Kriegsende die beliebteste Parole der Linken war und bis dato vom politischen Establishment für ziemlichen Schwach-, zumindest Leichtsinn gehalten wurde: Ami go home!

Auch wenn es nur einen Ami betrifft, der sich zudem Zeit lässt – die Kanzlerin hat sich damit bei ihrem Volk noch beliebter gemacht."<<<<

2) Klaus S., Freitag, 22. August 2014, 16:13 Uhr

Es ist doch so einfach zu verstehen.

Frau Dr. A. Merkel ist ein Hampelmann oder eine Hampelmännin?

Innenpolitisch gesehen:

Die Elite sitzt in der Wirtschaft. Die zweite Garnitur ( auch Fr. Dr. A. Merkel) in der Politik. Die Macht im Staate hat immer die Oligarchie und die Aufgabe der Politiker (Lobbyisten) besteht darin, Gesetze so zurecht zu schneidern, das, dass Volk weiterhin klein gehalten wird und die Interessen der – richtig – Reichen und somit Mächtigen gewahrt- oder sogar verbessert werden.

Die Politiker sind und bleiben in einer „Demokratur“ immer die Hampelmänner der Wirtschaft. Dieses ungeschriebene „Gesetz“ wird sich wohl auch nie ändern (z.B. Ansonsten ausbleiben der Lobbyisten- bzw. Wahlkampfspenden).

Einem Barack Obama wird es da nicht viel besser gehen, wie Frau Dr. A. Merkel.

Zukunft

Die Politiker könnten allerdings diese „Demokratur“ wieder mehr zur Demokratie werden lassen, in dem sie wieder das Zepter in die eigene Hand nehmen und z. B. der Oligarchie solche Gesetze auf das Auge drücken, die dem Volke nützen. Dazu braucht es extrem viel Idealismus, viel Verantwortung und sehr viel Zivilcourage.

Mir ist schon bewusst, dass ein „idealer“ Politiker, der diese „Demokratur“ wieder mehr zur Demokratie verwandeln würde, dieses Vorhaben vielleicht auch mit dem Leben bezahlt.
Bei einem kleinen Blick in die Büchse der Pandora, sollte man die Verquickung von Industrie, Politik, Justiz und Mafia erwähnen und sie immer im Auge und Hinterkopf behalten.

Aussenpolitisch gesehen:

Deutschland hat den II Weltkrieg verloren.
Deutschland hat keinen Friedensvertrag.
Deutschland könnte sich nur Machtpolitisch von den USA lösen, durch eine völlige Neutralität, mit allen Konsequenzen z.B. Nato Austritt, EU Austritt, u.s.w. nach dem Vorbild der Schweiz.

Deutschland ist nach wie vor von den Amerikanern (USA) besetzt.
Ein eventueller Atomkrieg würde somit vom so genannten „Freund und Verbündeten USA“ wissentlich und gewollt auf Deutschem Boden stattfinden.
Atomraketen der Amerikaner (USA) sollen auf Deutschem Boden sogar noch erneuert werden.
Abhöranlagen (z. B. Echelon) für Lauschangriffe der Amerikaner (USA) auf Deutschem Boden.
u.s.w.

Die Amerikaner (USA) haben das Sagen in Deutschland auf Grund ihrer überragenden Militärmacht.
Unsere Souveränität ist nur Fassade. Machen wir uns doch nichts vor:
Deutschland hat – immer – zu kuschen.

Es ist wie im wilden Westen. Der Waffenträger hat die alleinige Macht.

Das zum Thema: Die starke, schwache Kanzlerin.

Stark (clever) ist unsere Kanzlerin nur, da sie niemals an ihrem eigenen Ast sägen würde, auf dem sie sitzt.

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