Dienstag, 26. August 2014, 15:49 Uhr

Der Lustlose

Am Anfang verkörperte er das neue, moderne Berlin, das Menschen aus aller Welt fasziniert, am Ende stand er für das alte. marode Berlin, in dem nichts klappt. Deshalb ist es nur konsequent, dass Klaus Wowereit seinen Rücktritt angekündigt hat- endlich!

Wowereit befreit damit die Stadt von der Last eines Regierenden Bürgermeisters, der erkennbar schon lange keine Lust mehr hatte. Keine Lust an der Arbeit, keine Lust, neue Impulse zu setzen, keine Lust, rechtsfreie Räume in der Stadt zu beseitigen, keine Lust, den Vorstand des Berliner Pannenflughafens BER zu kontrollieren. Und keine Lust, Verantwortung zu übernehmen.

Das Letztere hat sich mit dem heutigen Tag wenigstens geändert. In Berlin dürften heute viele Wetten gewonnen worden sein: der Flughafenbau dauert doch länger als Wowereits Amtszeit.

Wowereit hinterlässt eine Stadt, die – das hat er in den letzten Jahren bewiesen – auch ohne arbeitenden Bürgermeister ein vitales Leben entfaltet. Sie ist ein Sehnsuchtsziel der Jugend der Welt. Das ist nicht sein, aber auch Wowereits Verdienst. Berlin aber braucht Wowereit schon lange nicht mehr.

Wowereits Fall ist tief: vom SPD-Vize und Wunschkanzlerkandidaten der SPD-Linken zum politisch Gescheiterten. Sein Abgang enthüllt wieder einmal die Trostlosigkeit der Berliner Politik. Keine Partei verfügt über Politiker in ihren Reihen, die für das Amt geeignet wären.

Berlin ist eine Großstadt ohne große Persönlichkeiten. Am Ende werden zwei drittklassige Männer der SPD das Amt unter sich ausmachen und die CDU wird begierig weiter bis 2016 mitregieren. Dabeisein ist alles.

Die Forderung der Grünen nach Neuwahlen ist zwar logisch und verständlich, aber wen sollten die Berliner wählen? Berlin ist eine tolle Stadt, aber die Berliner Politik wird noch eine Liga weiter absteigen.

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18 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Dienstag, 26. August 2014, 16:46 Uhr

ENDLICH !

2) rudow1, Dienstag, 26. August 2014, 22:11 Uhr

Es kreisen seit dem Sommer Gerüchte durch die Stadt, dass Klaus Wowereit langsam vor die Wahl gestellt wurde:

Eine Diskussion über Alkohol im Spitzenamt, evtl. Kuraufenthalt während der Amtszeit und darauf folgend die Entmachtung durch die Bezirkschefs, egal was Teile der Fraktion dazu sagen, denn die Basis ist inzwischen stärker und die Wahl steht schon wieder vor der Tür.

oder

ein selbstbestimmer Rücktritt vor der nächsten großen Parteiversammlung und damit verbunden die eigene Entscheidung ob er was ändern will oder nicht.

Er hat sich also für den Rücktritt entschieden, schade. Wowereit hat sehr, sehr viel für Berlin und dessen Bürger getan. Vieles was heute möglich verdankt die Stadt und deren Bürger ihm. Für Ihn wäre es besser gewesen bereits vor 4 Jahren die Zeichen zu erkennen und sich Hilfe zu suchen, die Politik eine Weile hinter sich zu lassen und nach einer Genesung neu zu starten. Gerade er iast ein Beispiel das sowas möglich ist, gerade in einer Stadt wie Berlin ! Er ist mit seiner Homusexualität immer völlig richtig und sehr mutig umgegangen, man hätte ihm gewünscht er hätte dies auch mit anderen Problemen getan.

3) rudow1, Dienstag, 26. August 2014, 22:17 Uhr

Ach, ja : Selbstverständlich gibt es keine Neuwahlen ! Die aktuelle SPD wüsste gar nicht wie (schlimm) diese ausgehen würde und die CDU stünde danach wieder 100 %ig in der Oposition.

Die Piraten und die Grünen wittern gerade Morgenluft als neuer Koaltionspartner, das will weder die SPD-Basis in den Randbezirken noch die Linken.

Bis zum bitteren Ende ……

4) Walter Schmid, Dienstag, 26. August 2014, 22:20 Uhr

Den Zeitpunkt des Rücktritts hätte Wowi auch nach der Landtagswahl in Sachsen wählen können. Beabsichtigt? Schon wieder ein Pluspunkt für die AfD. Neuwahlen wären angebracht. Die AfD wäre m.E sicher nicht abgeneigt! Oder?

5) Johannes Lamp, Dienstag, 26. August 2014, 22:34 Uhr

Wowereit war nie der erstklassige, der sich mit erstklassigen umgibt – schon an den blitzartig einsetzenden Nachfolgediskussionen sieht man, dass sich ein zweitklassiger mit drittklassigen umgeben hat!!!
Die letzten Jahre waren eben nicht gut und das war auch nicht gut so…

6) Bert Grönheim, Mittwoch, 27. August 2014, 07:38 Uhr

Ihr Beitrag in Ehren. Ich denke, das Thema ist nur dann zu beurteilen, wenn man in Berlin lebt und soweit möglich das Ohr auf der Schiene hat, was die Entwicklungen in der Politik und vor allem drumherum angeht.

7) W. Zimmer, Mittwoch, 27. August 2014, 08:59 Uhr

Mit Ihrer Analyse, Herr Spreng, haben Sie ins Schwarze getroffen. Der unorthodoxe Politkstil von Herrn Wowereit ist zu gähnender Langeweile mutiert, amtsmüde, entscheidungsmüde. Die Bankrotterklärung der Hauptstadt-SPD. Nachdem in Berlin die CDU bereits politisch abgewirtschaftet hat, folgt nun die SPD. Bin mal gespannt, welche Partei es schafft, dem „Land“ Berlin wieder Leben einzuhauchen. Die beiden Figuren, die nun das Erbe Wowereits antreten wollen, kommen ganz merkwürdig rüber….total unsymphatisch. 😉

8) Erika, Mittwoch, 27. August 2014, 09:00 Uhr

Der echte Berliner

http://www.sueddeutsche.de/politik/ruecktritt-von-klaus-wowereit-mit-ihm-ists-schoener-1.2105116?commentspage=all:2:#comments

9) W. Zimmer, Mittwoch, 27. August 2014, 11:29 Uhr

@5) Johannes Lamp

Ihr Beitrag fordert geradezu ein Vergleich mit Angela Merkel heraus…

„Merkel war nie die erstklassige, die sich mit erstklassigen umgibt – schon an den (hoffentlich bald) einsetzenden Nachfolgediskussionen sieht man, dass sich eine zweitklassige mit drittklassigen umgeben hat!!!
Die letzten Jahre waren eben nicht gut und das war auch nicht gut so“

So ähnlich könnte sich der Abgesang lesen.

10) Paulus, Mittwoch, 27. August 2014, 11:34 Uhr

Dem Beitrag @ 7 von Forist W. Zimmer kann ich mich anschließen, die Analyse von Spreng überzeugt. Sie verweist nach meinem Dafürhalten auf eine tiefer liegende Problemstellung, nämlich die Frage nach der Zukunft einer parlamentarisch, repräsentativen Demokratie, in der die politischen Entscheidungen von Lobbyisten und anderen Vertretern von Partialinteressen dominiert werden und damit Gestaltungsmöglichkeiten der politischen Repräsentanten zunehmend leer laufen? Die Amtsmüdigkeit von R. Koch, O. von Beust und jetzt K. Wowereit weisen in diese Richtung. Hinzu kommt die Tatsache, dass verbliebener politischer Entscheidungsspielraum von der Brüsseler Entscheidungsmaschinerie abgeräumt wird. Angeblich erzwingt die Globalisierung diese Entwicklung.

Apropos Globalisierung: Als „globale Player“ treten immer mächtiger werdende Staaten in Eurasien auf, deren Zahl an Einwohnern mehr als die Hälfte der gesamten Menschheit ausmacht aber nicht einfach die Überzeugung teilt, dass die bei uns praktizierte Form der Demokratie, für den Rest der Menschheit nun das Non-plus-Ultra sei.

Gruß
Paulus

11) Wolfgang Wegener, Mittwoch, 27. August 2014, 12:26 Uhr

@ „Johannes Lamp „Wowereit war nie der erstklassige, der sich mit erstklassigen umgibt “

Also, eins muss man Wowereit ja wohl zugestehen. Dass er als ausgewiesener Linker unter sich einen Finanzsenator hat machen lassen, der Sozialhilfeempfängern empfiehlt, sich einen Pullover anzuziehen, wenn es zu kalt ist, der Hartz4-lern Rezepte macht, wie man sich für gefühlte 4 Euro am Tag gut ernähren kann, der „spart, dass es quietscht“, der muss sich als Führungspersönlichkeit schon sehr stark fühlen und sehr selbstbewusst sein. Ohne Sarrazin stünde Berlin heute finanziell nicht nur am Abgrund, sondern wäre weit darüber hinaus.

Warten wir mal den Nachfolgerr ab. Berlin wird dann nicht mehr das Berlin sein (in der Außenwirkung), welches wir kennen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD wird von Wowereit lobend erwähnt, kein Wort über den Landesvorsitzenden? Riecht irgendwie nach doch nicht ganz freiwilligem Rücktritt, initiieert von irgendwelchen karrieregeilen Typen ohne Format.

12) Wolfgang Wabersky, Mittwoch, 27. August 2014, 12:36 Uhr

Der eigentliche Skandal ist, dass Klaus Wowereit selbst den Termin seines Abgangs bestimmen konnte. In einer funktionierenden Demokratie bei halbwegs gescheiten Wählern hätte man ihn schon vor längerer Zeit aus dem Amt entfernen müssen. Dabei hat Wowereit durchaus viel für Berlin geschafft, vor allem im Kulturbereich. Er hat den Zeitpunkt für einen guten Abgang verstreichen lassen, denn die letzten vier Jahre etwa war er sichtbar ausgebrannt; das Flughafendesaster hätte er politisch schon nicht überleben dürfen. Aber wer hätte das Amt übernehmen können? Die sich momentan als Nachfolger anbietenden SPD-Bonzen können das Amt nicht annähernd so ausfüllen wie ein Wowereit in guten Jahren. Es nützt nichts, man wird eine Persönlichkeit außerhalb Berlins suchen und finden müssen, damit die Stadt politisch nicht drittklassig wird.

13) Alexander, Mittwoch, 27. August 2014, 17:29 Uhr

Berliner Parteipolitik ist ein Grauen.

Die Berliner Parteipolitik aller Parteien und insbesondere der CDU, FDP und SPD sind traditionell seit alten Westberliner Zeiten eine einzige Schlangengrube.

Ich war sehr lange im christdemokratischen Spektrum Mitglied, zuerst Junge Union, dann RCDS und CDU und kann diesen Kommentar nur bestätigen. Selbst unter den Granden Diepgen und Landowsky war es unerträglich. Zumindest hatten diese beiden Granden ihre Gegner gut im Griff, oder effizient weg-gemeuchelt, so dass die CDU nach außen einen harmonischen Eindruck machte. Nur unter Richard von Weizsäcker verbesserte sich kurz die Atmosphäre.

Und die SPD steht mindestens genauso schlecht da; auch historisch betrachtet von Momper über Stahmer und so weiter. Von der FDP schweigen wir besser gleich einmal.

Die einzige Option ist, dass ein fähiger Politiker aus der Bundespolitik für 2-4 Jahre die Regierung in Berlin übernimmt – mit der Zusicherung auf eine gute Karriere auf Bundesebene, ansonsten geht keiner freiweillig in die Schlangengrube.

14) nurmalso, Donnerstag, 28. August 2014, 09:30 Uhr

berlin ist schon lange eine unregierbare stadt geworden. da reiht sich ein klaus wowereit nur ein, das aber auf schillernde art und weise (zumindest in der anfangszeit)
die diskussion um seine verdienste für die stadt hin oder her – mit einem hat herr spreng recht: das nachfolgende personal (wer immer das auch sein mag) spielt ein paar klassen tiefer und der aufbau eines kronprinzen war dem wowi scheissegal.

15) Walter Schmid, Donnerstag, 28. August 2014, 20:22 Uhr

@Alexander
Mir fällt momentan nur Stegner als fähigen Politiker ein. Nenne Sie doch mal weitere Namen!

16) Alexander, Freitag, 29. August 2014, 11:46 Uhr

@15 Walter Schmid

Naja, bei Stegner habe ich so meine Bedenken. Das ist ein ganz hervorragender Partei- und Machtpolitiker, clever bis gerissen, aber mit Inhalten und beispielsweise mit mutigen Reformprogrammen ist er mir noch nicht aufgefallen.

Bei der CDU fällt mir de Maiziere ein, der allerdings unabkömmlich ist. Peer Steinbrück will sicherlich nicht mehr. Oppermann – eher nicht. Christian Wulf passt auch nicht mehr, aber dann Herr Spreng wieder viel Kommentararbeit zu erledigen.

Auch gut Deutsch: Mir fällt auch kein Namen ein

17) Johannes Lamp, Freitag, 29. August 2014, 15:19 Uhr

zu 15) Walter Schmid
Stegner würde mir auch gefallen (war übrigens Fußball-Schiedsrichter in der Oberliga) – er hätte mit Sicherheit keine Angst vor den mafiösen SPD-Strukturen in Berlin. Schade nur, wenn er zu schnell assimiliert würde…

18) Walter Schmid, Samstag, 30. August 2014, 11:51 Uhr

@Alexander
Reformer werden meistens aufs Abstellgleis geschoben. Wenn man in der Politik was werden will, ist Anpassung angesagt. Schade! Deshalb finde ich es Klasse, dass es noch Politiker gibt, die gegen die Parteiführung sind. Man braucht halt immer Mehrheiten hinter sich, um was zu werden. Solange das so ist, wird sich m.E nichts ändern, ausser Anpassung mit Abnicken verbunden. Es geht um Machterhalt, Geld und Gier! Ich hoffe, dass sich noch weitere Parteien gründen werden. Platz dafür ist! Die AfD wird m.E morgen den den Lohn dafür bekommen( meine Prognose 8,5%plus x).

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