Sonntag, 14. September 2014, 21:32 Uhr

Lechts und rinks

Die letzten beide Tage hatten die Wahlkämpfe in Thüringen und Brandenburg doch noch ein bisschen Fahrt aufgenommen.

Angela Merkel warnte davor, dass mit dem linken Spitzenkandidaten Bodo Ramelow der vor 131 Jahren verstorbene Karl Marx in die Thüringer Staatskanzlei einziehen würde, und die „Bild am Sonntag“ verwandelte eine Vorlage der „heute-show“ in eine massiven Schlagzeile gegen AfD-Chef Bernd Lucke („AfD-Chef lobt die DDR“).

Die Zeitung präsentierte ihn auf Seite 1 mit DDR-Offiziersmütze, weil er – selten geschichtsvergessen – die innere Sicherheit in der Stasi-DDR gelobt hatte. Ganz korrekt zitiert, was es nicht besser macht: Lucke hatte Verständnis dafür geäußert, wenn ehemalige DDR-Bürger meinen, in der DDR sei die innere Sicherheit besser gewesen als in Westdeutschland.

Daraus kann man auf jeden Fall schließen, dass  nach der Wiedervereinigung der Verstand an deutsche Professoren sehr unterschiedlich verteilt wurde. Aber echte Rechtspopulisten fischen, wenn die Themen zusammnpassen, auch links im Trüben. Hierbei dürfte die Seite 1 der „Bild am Sonntag“ eher als AfD-Wahlplakat gewirkt haben. Die Wählerwanderung von links nach rechts weist darauf hin.

Das war ohnehin das Interessanteste an den drei Wahlkämpfen im Osten, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit sich die „Alternative für Deutschland“ von einer Ein-Themen-Partei gegen den Euro in eine zweistellige rechtspopulistische  Protestpartei verwandelt hat, die Wähler aus allen Parteien abzieht – links wie rechts. Dieser Kurswechsel hat sich bei allen drei Wahlen ausgezahlt. Auch deshalb, weil ihre Sympathisanten motivierter und wahlfreudiger sind als die der etablierten Parteien.

Und das wird die entscheidende Fage der nächsten Monate und Jahre: Gehen alle Funktionäre und Mitglieder diesen Weg mit oder zerbricht die AfD daran? Wenn nicht, dann sind die Chancen gut, dass die AfD das Parteiensystem tatsächlich aufmischt. Das Jahr 2016 wird den entscheidenden Hinweis für die Bundestagswahl 2017 geben, wenn in vier Flächenstaaten und in Berlin gewählt wird.

Ansonsten bleibt in Brandenburg voraussichtlich alles beim Alten und In Thüringen werden wahrscheinlich weder Karl Marx noch Bodo Ramelow in die Staatskanzlei einziehen. Die SPD wurde dafür massiv abgestraft, dass sie entgegen den Wünschen ihrer Wähler die Tür zur „Linken“ öffnete. Daraus kann man schließen, dass sie – mit sanftem Druck der Bundes-SPD – die Zusammenarbeit mit der CDU fortsetzt, statt sich, sollte es am Ende des Wahltages beim 45:45 bleiben, auf ein fragiles rot-rot-grünes Bündnis einzulassen.

P.S. Wie schrieb schon Ernst Jandl so treffend? „Lechts und rinks kann man nicht velwechsern“.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

64 Kommentare

1) Paulus, Sonntag, 21. September 2014, 18:58 Uhr

@43 Jakobiner

Bezogen auf die Modellrechnung des „Club of Rom“ hat seinerzeit der US Plitologe Zbi Brzezinski (Sicherheitspolitischer Berater unter Jimmy Carters Präsidentschaft) den Begriff des „Titti-Tainment“ übersetzbar mit „Ernährung und Ablenkung“ eingeführt. Damit soll ausgedrückt werden, dass „der Rest“ unterhalten und versorgt werden müsse. Darin sieht Brzezinski die Möglichkeit, in den hoch industrialisierten Staaten mehr Jobs in den peripheren Zonen (bezogen auf den industriellen Kernbereich) der gesellschaftlichen Wertschöpfung zu erfinden um damit den deprimierenden Sachverhalt zu kaschieren, dass ein großer Teil der Beschäftigten in der „Sinnproduktions- und Unterhaltungsindustrie“ aktuellen Zuschnitts, als eine entbehrliche (nicht-notwendige also kontingente), kulturelle Randerscheinung zu gelten habe.

Die auf dem Theorieansatz von Karl Marx beruhenden Analysen von Robert Kurz sind mir ein Begriff. Einiges von ihm steht auch in meinem Bücherregal, ich würde ihn aber nicht in meine als zitierfähig eingestufte Literatur einordnen (nicht weil er sich als Marxist versteht sondern weitgehend empiriefrei argumentiert), die sich soziologischen und ökonomischen Sachverhalten/Problemlagen zuwendet.

Gruß
Paulus

2) Johannes Lamp, Montag, 22. September 2014, 08:48 Uhr

zu 45) riskro
Wie sagte der Innenpolitikchef der Süddeutschen, Heribert Prantl, so schön: Wer sich damit abfindet, dass Geld die Welt regiert, diesen Satz überhaupt in seinem Sprachschatz führt, ist nicht wert, in einer Demokratie zu leben…

3) riskro, Montag, 22. September 2014, 16:17 Uhr

Muss mich interessieren was ein Heribert Prandl sagt. Heribert Mayer sagte etwas anderes.

Das macht mich traurig, dass Sie sich nicht die Mühe machen wollen mir die Welt zu erklären, zu mal Sie genügend Zeit hier im Blog verschwenden. Kein anderes Hobby?

4) Johannes Lamp, Montag, 22. September 2014, 20:22 Uhr

zu 53) riskro
Trollmäßig freue ich mich über die Trauer eines Ignoranten – ihr Poem unter 45) verrät aber, dass Ihre Zeit auch nicht gerade beschränkt ist und wer sich nach Waffenexporten sehnt und auf die Genesung einer m.E. skrupellosen Wirtschaft hofft, kann nicht alle Latten am Zaun haben…

5) riskro, Dienstag, 23. September 2014, 09:15 Uhr

54) Joh. Lamp
woher wissen Sie, dass ich einen Maschendrahtzaun habe. Den Rest ihres Beitrages sollten Sie noch mal überdenken, nach dem Motto: Gelesen ist noch nicht verstanden.

6) Johannes Lamp, Dienstag, 23. September 2014, 17:24 Uhr

zu 48) Schmunzler
Bravo!!!

7) Erwin Gabriel, Dienstag, 23. September 2014, 22:15 Uhr

@ 54) Johannes Lamp, Montag, 22. September 2014, 20:22 Uhr

Selbst an den wenigen Stellen, wo ich Ihnen zumindest teilweise zustimmen kann, habe ich das intensive Gefühl, dass Sie sich nicht einmal im Ansatz über die Folgen dessen klar sind, was Sie fordern.

8) Paulus, Mittwoch, 24. September 2014, 17:26 Uhr

@54 Johannes Lamp

Nicht alle Latten am Zaun hat jemand, der von einer „skrupellosen Wirtschaft“ faselt, bei nicht mit „Genesung“ (wovon?) zu rechnen sei. Solch ein aufgeregter Blödsinn ist mir lange nicht begegnet. Auf Wirtschaftsysteme wie z. B. „der Kapitalismus“ passen keine ethischen Attribute. Denn das „System Kapitalismus“ ist nicht die Summe einzelwirtschaftlicher Entscheidungen, die durch einen Mangel an ethischer Steuerung entbehren. Sondern sie (die Entscheidungen) folgen einer inneren systembedingten Logik. So sieht es jedenfalls ein prominenter Journalist und Kapitalismus Kritiker des 19. Jahrhunderts, dessen philosophischen Hintergrund von Kant und Hegel geprägt wurde. Seine wichtigsten Lehrmeister „in Sachen politische Ökonomie“ heißen Adam Smith (dessen Arbeitswertlehre und dessen Unterscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert als Überwindung des sog. Wert-Paradoxons) und David Ricardo. Sein Name: Karl Marx. der Titel seines Hauptwerk ist nicht „der Unternehmer“ sondern „das Kapital“. Ich empfehle Ihnen diese Lektüre von 3 Bänden in Gänze, er wird ihren moralischen Furor ein wenig abkühlen. Vielleicht entdecken sie sogar die logischen Schwächen seiner Analyse.

Gruß
Paulus

9) Johannes Lamp, Mittwoch, 24. September 2014, 19:07 Uhr

zu 57) Erwin (so hieß auch mein Vater!) Gabriel
Doch!!!

10) Johannes Lamp, Donnerstag, 25. September 2014, 10:42 Uhr

zu 58) Paulus
Ich hätte Sie mal gerne als Saulus erlebt, ob das Strunz-Geschwafel da auch so ausgeprägt war?
Wer nötig hat, mit seiner Belesenheit so anzugeben, dokumentiert damit, dass er eigene Verdauungsprobleme nicht erkannt hat.
Ich habe mich übrigens schon mit Marx beschäftigt, als Sie noch ein feuchter Traum Ihres spätpubertierenden Erzeugers waren – mir hat`s geholfen…

11) Johannes Lamp, Donnerstag, 25. September 2014, 11:00 Uhr

Postscriptum zu 58) Paulus
Zu meiner Zeit an meiner Alma mater bezeichnete man VWL und BWL als „Schmalspur“ – uns hatte man am humanistischen Gymnasium übrigens auch korrekte Orthographie und Interpunktion beigebracht!

12) Erwin Gabriel, Montag, 29. September 2014, 19:05 Uhr

@ 60) und 61) Johannes Lamp, Donnerstag, 25. September 2014

Glauben Sie wirklich, dass man Sie ernster nimmt, wenn Sie Argumente durch niveaulose persönliche Verunglimpfungen ersetzen?

E.G.

13) Johannes Lamp, Dienstag, 30. September 2014, 10:31 Uhr

zu 62) Freund Gabriel
Was sind niveaulose persönliche Verunglimpfungen?
Im demokratischen Staatswesen haben alle eine Stimme, aber da es mehr Idioten (im Sinne der griechischen Antike) gibt und die gewöhnlich (hier im übertragenen Sinne) zum einen die Mehrheit stellen, zum anderen die Akustik beherrschen, ist man gezwungen, zu holzen!!!
Feingeistige Töne, wie sie gewöhnlich der Hannoveraner flötet, gehen unter!!!

14) Erwin Gabriel, Donnerstag, 02. Oktober 2014, 10:19 Uhr

@ 63) Johannes Lamp, Dienstag, 30. September 2014, 10:31 Uhr

>> … ist man gezwungen, zu holzen!!! Feingeistige Töne,
>> wie sie gewöhnlich der Hannoveraner flötet, gehen unter!!!

Au weia …

Sie meinen also, dass ich meine Meinung gegen Sie eher durchsetzen kann, wenn ich Sie nicht begründe, sondern Sie als kommunistische Dumpfbacke und linken Idioten abstemple? Dann bleibe ich lieber Hannoveraner.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


granny - the social agency from Berlin