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Die Selbstmörder von G+J

Selbstmord aus Angst vor dem Tod – das ist das einzige, was deutschen Verlagen und Verlegern als Rezept gegen die Existenzkrise der Printmedien noch einfällt. Jüngstes Beispiel ist die Zeitschrift „Brigitte“, die alle Textredakteure entlassen will. Texte kommen dann nur noch von freien Journalisten und werden technisch gemanagt.

Damit verliert die einst so stolze „Brigitte“ ein weiteres Stück ihrer DNA. Und für die freien Journalisten ist das auch kein Zuckerschlecken, denn mit Sicherheit werden deren Honorare gedrückt. Sie können froh sein, dass die „Brigitte“ nicht dem Modell der „Huffington Post“ folgt und gar keine Honorare bezahlt, weil die Ehre, dort zu schreiben, Lohn  genug sei. Bei „View“ habe ich das auch schon erlebt.

Die „Brigitte“ ist ein weiteres Beispiel, wie die Verlage den Niedergang der Printmedien beschleunigen. Statt die Kernkompetenz, nämlich guten Journalismus auszubauen, wird nur noch verschlankt oder ganz eingespart. Irrwitzigstes Beispiel ist die „Westfälische Rundschau“, die gar keine Redakteure mehr hat.

Erst kannibalisierten die Verleger ihre Blätter, indem sie die Leser an eine Kostenloskultur im Internet gewöhnten und jetzt fressen sie ihre eigenen Redakteure. Da sind diejenigen, die „nur“ in Billig-GmbHs ausgelagert wurden, fast noch gut dran.

Es ist ein verhängnisvoller Kreislauf, der da in Gang gesetzt wurde. Am Ende steht die Abschaffung oder Fast-Abschaffung des einzigen Mehrwerts, den Zeitungen und Zeitschriften noch bieten können – guten Journalismus, geschrieben von Redakteuren und Reportern, die noch Zeit zur Recherche und Formulierung haben. Gruner+ Jahr, das werden künftige Entwicklungen auch beim „Stern“ zeigen, gehört zu den Vorreitern dieser Entwicklung.

Was die schlauen Controller und Sparfüchse nicht bedenken: Warum soll man am Ende die Blätter noch kaufen?