Samstag, 15. November 2014, 13:16 Uhr

Beziehungskonten

Das war keine schöne Woche für die SPD. Auf der einen Seite versucht SPD-Chef Sigmar Gabriel fast täglich Wirtschaftskompetenz für seine Partei zu reklamieren, wobei seine konkreten Vorschläge bisher allerdings fehlen, auf der anderen Seite konterkariert die SPD-Linke diesen Versuch, indem sie die Vermögenssteuer wieder einführen will.

Und zu allem Überfluss wird bekannt, wie Altkanzler Gerhard Schröder mithilfe seines Duz-Freundes Carsten Maschmeyer sein Vermögen vermehrte.

Schröder, noch im Bundestagswahlkampf 2013 umjubelter Wahlhelfer seiner Partei, hatte offenbar ebensowenig wie Christian Wulff die Charakterstärke, den Umgarnungen des umtriebigen und umstrittenen Finanzmanagers zu widerstehen. Wahrscheinlich wollte er das auch gar nicht.

Die zwei Millionen Euro, die Maschmeyer an Schröder für die Rechte an dessen Memoiren bezahlte, waren in Wirklichkeit auch ein Geldgeschenk, denn bei einer Auflage von rund 167.000 verkauften Exemplaren war es für Maschmeyer selbst einschließlich von Nebenrechten unmöglich, mehr als eine Million damit zu erlösen.

Und der Zeitpunkt des Handschlag-Deals ist zumindest moralisch anfechtbar – im August 2005, als Schröder noch Kanzler war. Das wirft erneut die Frage auf, wann Schröders Gazprom-Deal vereinbart wurde.

Dass Maschmeyer jetzt versucht, die Ereignisse mithilfe seines publizistischen Beibootes BILD (er ist Großspender von „Ein Herz für Kinder“) zu schönen, ist durchsichtig und unglaubwürdig. Er behauptet, der Deal sei erst im November 2005 mit Schröder fixiert worden (ein Brief an seinen Anwalt besagt das Gegenteil) und die von ihm schon früher bestätigte Million sei netto gemeint gewesen.

Zumindest gilt auch in diesem Fall: Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist. Maschmeyer hatte sich in dem merkwürdigen Freundesbiotop Hannover zielstrebig an führende oder kommende Politiker rangwanzt oder, wie er es nennt, sein Beziehungskonto aufgefüllt, um später davon abheben zu können.

Und deshalb müssen sich auch Leute wie Schröder und Wulff fragen lassen, was Maschmeyer von diesem Beziehungskonto bei ihnen abgehoben hat. War es im Fall Schröder die Veränderung der Riester-Rente im Sinne der Versicherungswirtschaft und ihrer Vertriebsorganisationen wie Maschmeyers AWD?

Opfer ist auf jeden Fall die SPD. Sie hat nicht nur einen Parteitagsredner und Wahlhelfer verloren, sondern auch Reputation. Und das angesichts einer Kanzlerin, die moralisch der Gegenentwurf zu Schröder ist.

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32 Kommentare

1) Johannes Lamp, Samstag, 15. November 2014, 15:14 Uhr

Wie schon mehrfach betont, im kriminellen Feuchtbiotop Hannover kann nichts überraschen!
Dass der Parvenu Schröder nicht empfindlich war, woher seine Dotationen kamen, war schon an seiner Partnerschaft mit Putin, dem lupenreinen Demokraten ersichtlich – eine größere Dimension hat der Deal mit dem Windbeutel und Pornoschnauzbartträger Maschmeyer auch nicht.
Vielleicht ist Geerd auch von Frank Hanebuth als Ehrenmitglied bei den Hells Angels Hannover aufgenommen worden…
Die alte Tante SPD würde mir leid tun, wenn nicht alle alten Schröder-Kumpels, wie Gabriel, Steinmeier und Oppermann (um nur die prominentesten zu nennen) heute in der Führung geisterten.

2) Ralph Schley, Samstag, 15. November 2014, 20:07 Uhr

Schröder ist unter anderem auch für die teilweise Zerstörung bzw Aufsplitterung der SPD verantwortlich. Oscar Lafontain hätte seinen Ministerposten niemals hingeworfen und hätte sich auch nicht der Linken zugewandt wenn Schröders Politik nicht diese Richtung genommen hätte. Schröder hat die Ideale der SPD verraten. Hat eine Unternehmerpolitik betrieben. Hat Dinge getan die Helmut Kohl niemals hätte durchsetzen können.z. B. Spitzensteuersatz senken. Rentenformel ändern und dann propagieren das die Menschen eine zusätzliche private Rente bräuchten um seinen Freunden der privaten Versicherungswirtschaft unter die Arme zu greifen. Agenda 2010 Hartz 4. usw. Übrigens man muß heute mindestens 2500 Euro brutto im Monat verdienen um später eine Rente über Sozialhilfeniveau zu bekommen. Und jetzt rate ich jedem mal zu recherchieren wieviel Millionen Menschen in Deutschland weniger als 2500 Euro brutto verdienen.

3) Werner Berger, Sonntag, 16. November 2014, 02:15 Uhr

Welchen „Umgarnungen“ des Herrn Maschmeyer soll Christian Wulff erlegen sein, dass Sie ihm gleich „Charakterstärke“ absprechen? Ein Ferienaufenthalt in einem Nebengebäude von Maschmeyers Luxusvilla auf Mallorca, für den die Wulffs 335 Euro pro Tag bezahlt haben, nachdem sie im Jahr zuvor in einem öffentlich zugänglichen Ferienclub auf Mallorca von Bild-Leser-Reportern quasi belagert worden waren? Dass Schröders Buchrechte den Kaufpreis von zwei Millionen nicht wert waren, ist offensichtlich. Hier liegt der Fall einer gemischten Schenkung vor. Da die Vereinbarung in Schröders Amtszeit fällt, ist der Vorgang nicht nur moralisch anfechtbar, sondern begründete den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, wenn die Vorgänge nicht bereits verjährt wären.

4) Wolfgang Wegener, Sonntag, 16. November 2014, 13:28 Uhr

@ Werner Berger (#3): Ohne Jurist zu sein, aber ich sehe da auch einen Unterschied zwischen einem Bobbycar und 2 Mio. Zuwendung für ein Buch, welches nicht wirklich auf Interesse stieß. Und als Niedersachse sind mir seinerzeit auch die großformatigen Anzeigen pro Schröder aufgefallen, von denen sich hinterher herausstellte, dass sie privat von Maschmeyer bezahlt wurden (sind die eigentlich als Parteispenden veröffentlicht worden, wie es sich gehört? Falls ja, will ich ja nichts gesagt haben.). Bei Abgeordneten sind im Übrigen sogenannte Dankeschön-Spenden in beliebiger Höhe auch nach der „Verschärfung“ des § 108 e StGB (Abgeordnetenbestechung) zulässig (Anfang des Jahres bei lediglich 3 Gegenstimmen vom Bundestag beschlossen). Aber Schröder war damals ja Amtsträger, für die gelten immerhin halbwegs normale Strafvorschriften. Allerdings nehme ich an, dass das dann schon verjährt wäre.

5) W.Buck, Sonntag, 16. November 2014, 14:16 Uhr

Einfache Frage:
Inwiefern konterkariert die Vermögenssteuer Wirtschaftskompetenz?

Meiner Meinung nach wird hier Wirtschaftskompetenz mit versuchter Erpressung (noch dazu einer wenig glaubwürdigen) verwechselt.

Soweit ich weis gibt es nur zwei Länder Weltweit die keine Vermögenssteuer erheben. Deutschland und Österreich.

Gibt es in den USA keine Wirtschaftskompetenz? Liegt die Schweiz aufgrund ihrer Vermögenssteuer wirtschaftlich am Boden?

Es regt mich immer wieder auf, wie Journalisten ohne Zusammenhänge zu hinterfragen einfach Parolen weiter verbreiten die sie vorgetischt bekommen.

6) Alexander, Sonntag, 16. November 2014, 18:33 Uhr

SPD und Ihr Verhältnis zu Geld und Macht

Immerhin hat Gerd Schröder durch seine Agenda 2010 Wirtschaftskompetenz bewiesen und auch umgesetzt. Dafür verdient er Respekt und Anerkennung. Gerd Schröder kassiert sicherlich auch von Gazprom für seine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender ein umfangreiches Salär. Das gönne ich ihm auch.

Gleichwohl vermisse ich einen einfachen, verständlichen und nachvollziehbaren Wertekannon, der einen verlässlichen Rahmen gibt für sonstige Einnahmen von Politikern.

Der Eindruck, den die oben zitierten SPD-Granden hinterlassen ist natürlich zweifelhaft, da gebe ich Herrn Spreng Recht.

Ihrem letzten Satz stimme ich nicht zu. Der normale Bundesbürger, Wähler vergisst die kurze, peinliche Aufregung spätestens in 2 Wochen. Dann wird eine „neue Sau durchs Dorf getrieben“. Wer interessiert sich denn beispielsweise heute noch für den NSA-Skandal? Das ist doch schon Musik von vorgestern.

Apropos Maschmeyer: Der Cleverness und Wirtschaftskompetenz von Herrn Maschmeyer sind die wenigsten Politiker gewachsen. Es gehört schon sehr viel Sachverstand dazu, sein Vermögen konsequent über drei Jahrzehnte hinweg so erfolgreich ausgebaut und vermehrt zu haben. Dabei hat Carsten Maschmeyer nur ein mittelmäßiges Abitur und ein angefangenes Medizin-Studium vorzuweisen. Solche unternehmerischen Persönlichkeiten sind mir hundertmal lieber als all die ganzen Schwafeltanten und Schwätzer in der hohen Politik.

Außerdem scheint es ja, dass der Erfolg und das Vermögen von Herrn Maschmeyer auf SPD-Politiker einen sehr großen Eindruck hinterlässt und viele SPD-Politiker sich angezogen fühlen von der Erfolgspersönlichkeit Maschmeyer. Warum eigentlich zieht es so viele SPD-Politiker zu Herrn Maschmeyer?

Ich habe Angang der 90er Jahre als Student beim AWD in Berlin angefangen und habe damals Herrn Maschmeyer persönlich kennengelernt. Er war damals schon ein charismatischer, hochintelligenter Unternehmer, der von vielen Konkurrenten völlig unterschätzt worden ist. So wie heute auch!

7) Michael Schmidt, Montag, 17. November 2014, 08:39 Uhr

Albrecht Müller und Co. vertreten auf den Nachdenkseiten schon seit vielen Jahren die These, dass Rot-Grün die Interessen der privaten Versicherungsindustrie mächtig bedient hat, indem sie die gesetzliche Rente demontiert hat. Allerdings gelten diese beiden als bizarre Verschwörungstheoretiker.

Ich habe mich schon vor über 10 Jahren gefragt, wie eine Kassiererin, die vielleicht 900 Euro verdient, vielleicht noch ein Kind hat, für das Alter vorsorgen soll.

8) StefanP, Montag, 17. November 2014, 11:24 Uhr

@5) W.Buck

Es regt mich immer wieder auf, wie [Forenteilnehmer] ohne Zusammenhänge zu hinterfragen einfach Parolen weiter verbreiten die sie vorgetischt bekommen.

Zu Ihrer ersten Frage: Wirtschaftskompetenz erweist sich dadurch, dass man wirtschaftliche Zusammenhänge durchschaut und eine Politik betreibt, die Wachstum und Vermögensbildung fördert. Die Vermögensteuer ist ein Instrument der Verteilungsgerechtigkeit, vielleicht auch der fiskalen Erhebung. Es ist kein Instrument, das Wachstum und Vermögensbildung fördert. So führte in Frankreich, wo seit 1982 eine Vermögensteuer auf Privatvermögen (nicht Betriebsvermögen) existiert, zur Abwanderung vermögender Bürger. Das ist das Gegenteil von Kapitalakkumulation, die Wirtschaftswachstum erst möglich macht.

Nur wenige OECD-Staaten haben darüber hinaus eine allgemeine Vermögensteuer, aus den gleichen Gründen, weshalb sie auch in Deutschland ausgesetzt wurde. Daneben bestehen in Deutschland sehr wohl spezielle Vermögensteuern wie in anderen Ländern auch, so z.B. die Grund- und die Grunderwerbsteuer. Die Schweizer Vermögensteuer besteht nur auf kantonaler Ebene, doch in Deutschland sträuben sich Linke, eine kommunale Vermögensteuer (wie z.B. auch in Spanien) zuzulassen. Und ansonsten sind die Steuern und Abgaben in der Schweiz (wie in den meisten OECD-Staaten) auf Einkommen und Ertrag deutlich niedriger als in Deutschland. Wirtschaftskompetenz zeigt sich auch darin zu begreifen, dass entwickelte Länder bei einer Reihe von Kriterien in einem globalen Wettbewerb stehen. Ich weiß: ein ekeliges Wort für Linke.

9) Wolfgang Wegener, Montag, 17. November 2014, 13:28 Uhr

@ W.Buck (#5): Ich denke, Sie übersehen beim Vergleich mit den USA und der Schweiz den Gesamtzusammenhang. Dort sind die Steuersätze bekanntlich äußerst moderat, während bei uns die Vermögenssteuer, die im Übrigen bürokratiemäßig entfernt an die Maut erinnert und insbesondere bei Mittelständllern hochproblematisch ist, on top einer mittlerweile eh schon gigantischen Steuerbelastung käme. Es reicht, verdammt noch mal. Beziehungsweise, es reicht ja offenbar immer noch nicht, um die Infrastruktur mal anzugehen bzw. in manchen Landstrichen die eigentlich notwendige Polizeipräsenz wieder herzustellen. Ein Grund für stetig steigende Steuereinnahmen ist bekanntlich die kalte Progression. Wer vor 20 Jahren 4000 Mark brutto verdiente, dar war sicherlich locker in der Lage, Steuern zu zahlen. Wer heute 2000 Euro brutto hat, sollte gar keine Steuern zahlen müssen. Meine Meinung.

10) Peter Christian Nowak, Montag, 17. November 2014, 16:50 Uhr

Wolfgang Wegener…schauern Sie sich mal die Lohnentwicklung in den Handwerks-, aber auch mittlerweile angekommen, in verschiedenen Akademikerberufen an… (muss grinsen)..Sie werden lachen…von wegen 2000 €…

11) Erwin Gabriel, Dienstag, 18. November 2014, 01:48 Uhr

@ 1) Johannes Lamp, Samstag, 15. November 2014, 15:14 Uhr

Mehr und mehr gewinne ich den Eindruck, dass Sie ein Dummkopf sind – als ob in München oder in Berlin, In Hessen oder Rheinland-Pfalz die Verhältnisse besser wären als in Hannover.

.

@ 8) StefanP, Montag, 17. November 2014, 11:24 Uhr

Ich hab Sie alten (jungen) Streithannes vermisst…
und nicht vergessen: H96 vs 1FCK 1:0 🙂
dennoch Glückwunsch zur guten Plazierung

Zur Vermögenssteuer hab ich eine geteilte Meinung.
Auf der einen Seite: verdient (und hoffentlich versteuert) ist verdient.
Auf der anderen Seite: lieber Vermögenssteuer / Erbschaftssteuer etc hoch und Einkommenssteuer (schleichende Progression) runter (soweit der Staat es fertig bringt, eine einmal erhobene Steuer zu senken) – letztendlich eine Frage der Schwellen.

.

@ 9) Wolfgang Wegener, Montag, 17. November 2014, 13:28 Uhr

>> Es reicht, verdammt noch mal. Von meiner Seite volle Punktzahl …
Von meiner Seite volle Zustimmung

12) Johannes Lamp, Dienstag, 18. November 2014, 10:21 Uhr

zu 11) Erzengel
Und ob!!!
Wie heißt es so schön im Neuen Testament: Selig sind…
Davon sind Sie weit weg!

13) StefanP, Dienstag, 18. November 2014, 11:18 Uhr

@10) Peter Christian Nowak

Also, ich weiß ja nicht wie Sie das sehen: laut dem Statistischen Bundesamt sind die Arbeitnehmerentgelte als Teil des Volkseinkommens im Jahr 2012 um 3,8% und 2013 um 2,8% gestiegen.

Nun raten Sie mal, wie sich die Unternehmensgewinne entwickelt haben. Richtig, Sie vermuten es: in 2012 sind sie um den Faktor 3,4% gesunken und stagnierten in 2013. Und die Zahlen sind nicht von irgendeinem obskuren Unternehmensverband, sondern Teil der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Eine hoffentlich gute Frage noch an Sie: Mehr als 60% unserer „Workforce“ arbeiten bei kleinen und mittleren Unternehmen. Doch diese KMUs sind sehr häufig „Underperformer“, d.h. sie kommen nicht mal auf einen Gewinn von 4,5% (vor Steuern). Ein wesentlicher Teil macht keinen Gewinn oder sogar Verlust. Von der Richtigkeit dieser Behauptung können Sie sich bei Durchsicht des Bundesanzeigers von Unternehmen in Ihrer Umgebung überzeugen.

Doch wie sollen Unternehmen regelmäßige Lohnerhöhungen zahlen, wenn sie selbst kaum Gewinn abwerfen? Ich weiß, Linke haben darauf eine einfache Antwort: solche Unternehmen sind nicht würdig, am Markt zu operieren. Vielleicht machen wir uns dann alle zu einem Volk der Erwerbslosen, das ein Grundeinkommen bezieht?

14) StefanP, Dienstag, 18. November 2014, 11:31 Uhr

@11) Erwin Gabriel

Schön zu hören, dass man vermisst wird. Was hat der FC den 96ern voraus? Bald sind 2 Geißböcke Nationalspieler…

Ich sehe die Vermögensteuer ähnlich ambivalent, nur unter einem anderen Aspekt. Der Staat sollte die Quellen Einkommen / Ertrag, Konsum und Vermögen einigermaßen ausgewogen besteuern und sich nicht nur auf 2 Quellen stützen. Im 18. und 19. Jahrhundert finanzierten sich die Staaten fast ausschließlich über Vermögensabgaben. Doch der Kapitalismus hat Einkommen und Konsum explodieren lassen, ihre Besteuerung ist im Gegensatz zum Vermögen relativ einfach. Das ist der Grund, warum die Vermögensteuer im 20. Jahrhundert stark an Bedeutung verloren hat.

Es ergibt wenig Sinn, tausende Beamte damit zu beschäftigen, dass sie die Steuerbasis überhaupt erst ermitteln, bevor der Staat besteuern kann. Hinzu treten politisch gewollte Abgrenzungsfragen (Betriebsvermögen versus Privatvermögen, Bevorzugung von bestimmten Vermögensarten), welche die Besteuerungskosten für Staat und Bürger ins Absurde treiben können. Zudem ist der Staat nicht bereit, bei zusätzlichen Einnahmen aus Vermögen im Gegenzug auf Steuern auf Einkommen und Ertrag zu verzichten. Die Vermögensteuerapologeten wollen den Steuerbürger nur weiter melken.

15) Walter Schmid, Dienstag, 18. November 2014, 21:00 Uhr

Ihr Statement bedient den Mainstream: entlarven, hassen, jagen und aburteilen. Sie arbeiten m.E an einem Mainstream- Image, weil das im Moment die größten Chancen liefert.Ob Frau Merkel “ moralisch der Gegenentwurf zu Schröder“ ist, darf bezweifelt werden. Auf ihrem Schuldkonto ist die Zerstörungsleistung in Südeuropa, d.h: Die Jugend dort, hat durch Merkels politischen Horrortrip, ihre Chance verloren. Was ist schlimmer? Der Egotrip von ein paar gierigen Männern oder diese flächendeckende Zerstörung europäischer Zukunftspotentiale. Suchen Sie noch einen Beraterjob? Sie inzenieren sich durch Ihren Artikel sehr CDU/CSU nah. Vielleicht ruft Sie Herr Seehofer zurück!
Zu Riesterrente: Nicht Herr Schröder hat das Gesetz zur Riesterrente gemacht, sondern der Dt. Bundestag. Und Herr Maschmeyer war/ist nicht die alleinige Institution, die an der Riesterrente verdient. Unzählige weitere Banken u. Versicherungen haben mitverdient. Wo ist da Korruption? Es ist offensichtlich, dass nun eine Kampagne gegen einen prominenten “ Putin- Versteher „geführt wird.Seltsam, dass die Mainstream- Medien jetzt erst damit rauskommen, war doch vor Jahren schon klar, dass nicht Schröder eine auffällige Beziehung zu Maschmeyer pflegte. Dies wird nun in der Hetze gegen Russland und “ Putinversteher “ eingesetzt. Ich will hier nicht Herr Schröder verteidigen. Aber was sagt denn das Finanzamt zu den Millionenzuflüssen? Bei jedem anderen würde man bei den Erlösen Liebhaberei unterstellen. Ich hoffe, dass das Finanzamt auch richtig hingesehen hat, und Maschmeyer am Ende nicht noch seine Steuerlast drücken konnte. Ja, so ist es, wenn man den Sachverhalt so einseitig sieht.

16) Horst Klohocker, Dienstag, 18. November 2014, 21:00 Uhr

Für was steht die SPD im Jahre 2014? Ehrlich gesagt, ich weiß das nicht so genau und dieser Zustand hält schon etwas länger an. Sozialkompetenz wird seit Hartz IV nicht mehr mit der deutschen Sozialdemokratie in Verbindung gebracht. Und ist es bei der Wirtschaftskompetenz nicht so, dass selbst der Leitwolf der Linken Gregor Gysi häufig mehr Wirtschaftskompetenz beweist, als alle SPD Oberen zusammen?

Die SPD kann also nur versuchen, sich selbst neu zu erfinden. Hermann Hesse könnte hierzu den Leitspruch liefern: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ Versucht wurde nach G.S. Vieles – doch außer Versuchung blieb häufig unterm Strich außer einem Nichts weitere Jahre mit Angie! 😉

17) Erwin Gabriel, Mittwoch, 19. November 2014, 10:24 Uhr

@ 12) Johannes Lamp, Dienstag, 18. November 2014, 10:21 Uhr

>> Und ob!!!

Sie lesen zuviel „Bunte“. Wäre Herr Maschmeyer nicht mit Veronica Ferres verheiratet, wäre er auch nur ein weiterer Strippenzieher aus dem Hintergrund. Werfen Sie mal einen Blick auf das Theater in Berlin, etwa auf die Ereignisse um unsere erfolgreiche Drohne, oder auf die Bankenrettung. Was glauben Sie, was man sich erzählt hätte, wenn ein Herr Ackermann mit Frau Verres verheiratet gewesen wäre?

>> Wie heißt es so schön im Neuen Testament: Selig sind…
… die geistig Armen.

>> Davon sind Sie weit weg!
In der Tat.

18) Erwin Gabriel, Mittwoch, 19. November 2014, 10:35 Uhr

@ 16) Horst Klohocker, Dienstag, 18. November 2014, 21:00 Uhr

Ich stimme zu.

Gerhard Schröder hatte nach den langen Kohl-Jahren zumindest eine Chance, etwas nachzuholen, und auch nicht die schlechtesten um sich.

Nach einem Abgang Frau Merkels wird die Chance, etwas zu verbessern, gleich Null sein; alle maßgeblichen Entscheidungen über Politik, Wirtschaft und Geld fällen dann Bürokraten á la Draghi in Brüssel.

Und die SPD, aus meiner Sicht, steht nicht. Sie tut, was sie machen muss, um mit an der Macht zu bleiebn, und sucht ihre Themen aus ein bisserl gespielte Tradition und den Versatzstücken zusammen, die CDU,Grüne und Linke übrig lassen – eine Art Resterampe-Politik.

19) Erwin Gabriel, Mittwoch, 19. November 2014, 10:51 Uhr

@ 14) StefanP, Dienstag, 18. November 2014, 11:31 Uhr

>> Was hat der FC den 96ern voraus? Bald sind 2 Geißböcke Nationalspieler…

Da haben wir mehr (wenn auch nur einen, der für Deutschland aufläuft).
Aber Nationalspieler sind nicht so wichtig wie der Klassenerhalt. Ich drücke die Daumen!

>> Das ist der Grund, warum die Vermögensteuer im 20. Jahrhundert
>> stark an Bedeutung verloren hat.

Wenn ich mich bei den oberen Tausend umschaue, hat zumindest das Vermögen nicht an Bedeutung verloren 🙂

>> Hinzu treten politisch gewollte Abgrenzungsfragen ….

Das ist auch aus meiner Sicht ein Riesenproblem. Bei allen Parteien geht Ideologie vor Sachverstand.

>> Die Vermögensteuerapologeten wollen den Steuerbürger nur weiter melken.

Das wollen ALLE Steuerapologeten; wenn Staat und Kommunen beim Geldausgeben genauso pingelig wären wie beim Geldeinziehen, bräuchten wir so hohe Steuern nicht, und wir hätten trotzdem überall „blühende Landschaften“.

20) Erika, Mittwoch, 19. November 2014, 11:32 Uhr

„Und das angesichts einer Kanzlerin, die moralisch der Gegenentwurf zu Schröder ist.“

Bush`s Grillkönigin von Trinvillershagen (nachdem die Lügen und die Folter im Irak bekannt waren)
und Eventmanagerin von Josef Ackermanns Geburtstag im Bundeskanzleramt, die Frau, die eine Klage angestrebt hat bei der Parteispendenaffäre mit der Begründung, „man müsse zwar einen Finanzbericht abgeben, aber im Gesetz würde nicht stehen, dass die Angaben auch stimmen müssen“.?????

So ist das mit der Moral, jeder hat andere Maßstäbe, aber welche Verfehlungen sind tatsächlich unmoralischer????

21) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 19. November 2014, 14:39 Uhr

Himmel, Stefan P. Sie schon wieder mit Ihrer Küchenökonomie: 4,5% Gewinn! Na und? Ist das nix..oder hängen Sie der Utopie nach, dass ein Unternehmen erst so an die 25% ein Unternehmen ist? Hey…Wirtschaftswissenschaften haben Sie ganz sicher nicht studiert. Also lassen Sie es gut sein!
Und notieren Sie mal, falls Sie sich weiter mit mir beschäftigen: Ich gehöre weder der Linkspartei an, noch bin ich Anhänger irgendeiner Partei…vielleicht bin ich eher ein kritischer Beobachter dessen, was gerade mit entzückender Verve in Europa, mit Merkel als Steuerfrau, in den Abgrund kutschiert wird. Wenn wir uns darüber unterhalten können. dann bin ich gerne bereit, mich mit Ihnen weiter zu unterhalten.
Ansonsten kennen Sie ja meine Einschätzung, was ich von Ihrer Wirtschaftskompetenz halte. Ok?

22) karel, Mittwoch, 19. November 2014, 23:48 Uhr

StefanP.
“ Doch der Kapitalismus hat Einkommen und Konsum explodieren lassen….“
(Die horrenden Schulden auch)

Dem stelle ich entgegen ….
Der technische und organisatorischen Fortschrittt hat zu mehr Wohlstand geführt.
Die „Explosion“ ist eher eine bizarre Folge des „Kapitals aus dem Nichts“.
Diesem preislosen Kapital steht mein „Spar“-Kapital aus Wertschöpfung gegenüber.
Und mein „Kapital“ kann daher auf diesem „Markt“ nur verlieren.
Die Realität zeigt dies heute deutlich, ja überdeutlich.
Ich unterscheide aber:
Unternehmensschulden bewirken langfristig Wohlstand durch Wertschöpfung
für den Unternehmer, für die Arbeitnehmer, auch für die Gesellschaft.
Staatschulden dagegen bewirken nur kurzfristig Wohlstand,
dafür aber langfristig Abhängigkeiten, eben Wertabschöpfung,
die die Reichen reicher, die Armen ärmer und den Staat verarmen läßt.

23) Johannes Lamp, Donnerstag, 20. November 2014, 11:34 Uhr

zu 17) Erzengel
Die Vroni hat das „V“ nur im Vornamen!
Sind Sie tatsächlich so naiv, zu glauben, dass Maschi nur bekannt ist, weil er mit Veronika Ferres liiert ist? Sein Bekanntheitsgrad resultiert aus der Tatsache, dass er mit seiner AWD Hunderttausende ins Unglück, in die Katastrophe, in der Ruin geführt und rechtzeitig in die Schweiz verkauft hat! Leute, wie Sie und der unter 6) brillierende Alexander können den Schaden, den ein so gewissenloser Finanzjongleur angerichtet hat, wegen fehlender Erdung nicht verstehen!
Wenn Sie von der Drohne und der Bankenrettung in diesem Zusammenhang fabulieren, fällt mir nur Goethe ein: Herr, dunkel ist der Rede Sinn!
Die „Bunte“ in einem Atemzug mit meiner Person zu erwähnen, sehe ich als Sakrileg an.
Wg. „Bunte“ hätte ich Sie vor dem I. Weltkrieg ( im Falle Ihrer Satisfaktionsfähigkeit) gefordert…

24) Michael Schmidt, Donnerstag, 20. November 2014, 12:59 Uhr

@22) karel

Dem stelle ich entgegen ….
Der technische und organisatorische Fortschrittt hat zu mehr Wohlstand geführt.

Ich bin da voll und ganz Ihrer Meinung.

Man muss sich nur mal kurz überlegen – als invertierte Robinson-Theorie sozusagen – was passieren würde, wenn man eine Gruppe von Menschen auf einer verwüsteten Insel aussetzt, wo nichts wächst, es keinen Brennstoff gibt, und aufgrund der Verwüstung auch keine Fische in der Nähe sind, es kein Holz gibt, um Fischerboote zu bauen.

Diese Gruppe stattet man nun mit bunt bedruckten Papierscheinen im Werte von Abermillionen aus.

Ist diese Inselbevölkerung dann reich?

Geld ist nur dann etwas wert, wenn die Wirtschaft, in der es zirkuliert, Leistung bringt, die man gegen Geld abrufen kann. (Das sollten sich die Goldstandard-Apologeten auch mal durch den Kopf gehen lassen.)

Mir scheint das ein wirklich trivialer Gedanke zu sein, den man eigentlich nicht weiter erklären muss. Vermutlich muss man Wirtschaftswissenschaften studiert haben, um sich sein Hirn so weit deformiert zu haben, um solche einfachen Zusammenhänge nicht mehr verstehen zu können.

Zwar haben die Neoliberalen eine Steigerung des Wohlstands versprochen, aber offen gelassen, wie er verteilt wird und wessen Einkommen steigen. Insofern haben die Neoliberalen nicht einmal gelogen.

25) Erwin Gabriel, Donnerstag, 20. November 2014, 14:10 Uhr

@ 22) karel, Mittwoch, 19. November 2014, 23:48 Uhr

Meine Zustimmung, und meinen Dank. Das hätte ich weder so knapp noch so gut formulieren können.

es grüßt
E.G.

26) StefanP, Donnerstag, 20. November 2014, 21:05 Uhr

@21) Peter Christian Nowak

Nun ja, man muss sich ja nicht gegenseitig schätzen, um miteinander zu diskutieren. Sonst wären die Parlamente leer und die Linke würde das tun, was sie ohnehin tut: mit sich selbst debattieren, voller Leidenschaft.

Ich kann Sie beruhigen: es interessiert mich Null, was Sie glauben dass ich studiert hätte oder beruflich tue oder nicht tue. Das mag für Sie von Belang sein, für mich nicht. Was ich jedoch interessant finde, ist, wie Sie regelmäßig die Argumente ignorieren, die Ihre Grundthesen angreifen. So diesmal Ihre implizierte These, die Arbeitnehmer kämen immer zu kurz. Als ich Ihnen dazu die VGR um die Ohren (nur bildlich!) gehauen habe und aufgezeigt habe, dass zwar die Arbeitnehmerentgelte von 2011 auf 2013 deutlich zugelegt haben, die Unternehmergewinne jedoch gesunken sind, ist Ihnen das kein Wort der Verteidigung oder intelligenten Argumentation wert. Sie schaffen es übrigens auch immer nur, einen Schlag auszuhalten und mit Verbalinjurien zu antworten…

Gut, und Sie zeigen bei Ihrem Ausweichmanöver, dass Sie weder von Mathematik noch Betriebswirtschaft Ahnung besitzen. Und Zeitungen höchst unaufmerksam lesen:

4,5% Gewinn! Na und? Ist das nix..oder hängen Sie der Utopie nach, dass ein Unternehmen erst so an die 25% ein Unternehmen ist?

So wenig Worte und alles falsch. Genial!

1. 4,5% sind ein Durchschnittswert und der Text macht deutlich, dass ein wesentlicher Teil der Mittelständler diese Quote nicht erreicht.
2. Die Prozentsatz widerlegt nicht, dass die Gewinne selbst absolut nicht gestiegen sind, die Arbeitnehmerentgelte jedoch sehr wohl. Aufpassen mit relativen und absoluten Zahlen, ich dachte, Sie sind da Experte!
3. EBIT ist der Wert vor Steuern und Zinsen. Doch Unternehmer müssen üblicherweise auf das eingesetzte (Fremd-) Kapital Zinsen zahlen, was das Ganze leicht ins Minus zieht. Ohne Zinsen führt ein EBIT nach Steuern wegen der Ausschüttungsbelastung zu einer Auszahlung von 3,1%, die wiederum bei Mehrheitsgesellschaftern mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt werden – bei Mittelständlern keine Seltenheit. Es verbleiben dann beim Spitzensteuersatz 1,75% Netto-Rendite. Toll!
4. Die berühmten 25% beziehen sich auf die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank. Hätten Sie nicht Mathe nach der 4. Klasse abgewählt, so wüssten Sie, dass je kleiner der Nenner, desto weniger wird auch im Zähler benötigt um einen hohen (Prozent-) Wert zu erreichen. Wussten Sie, dass Banken eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (bezogen auf die Bilanzsumme) haben und damit eine relativ hohe Rendite aus mathematischen, nicht betriebswirtschaftlichen Gründen leichter als in anderen Branchen zu erreichen ist? Sie hätten Zeitung lesen sollen. Nun, die Zahl von 4,5% bezieht sich jedoch, wie meist üblich, auf die Umsatzrendite, was wiederum etwas ganz anderes ist als die Eigenkapitalrendite, die als Kennziffer außerhalb des Bankenbereichs weniger verwandt wird.

Sie sehen: mathematisch falsch, betriebswirtschaftlich falsch, alles falsch. Und nun werden Sie wie üblich die Diskussion beenden. Berechenbar sind Sie auch.

27) StefanP, Donnerstag, 20. November 2014, 21:15 Uhr

@22) karel

Der technische und organisatorischen Fortschritt hat zu mehr Wohlstand geführt.

Ich dachte, das wäre das Wesen des Kapitalismus: Kapitalakkumulation und Distribution nach Knappheiten. Sie sagen das Selbe. Von 1200 bis 1800 hat die globale Wirtschaft trotz der Entdeckung Amerikas und genialer Erfindungen praktisch kein Wirtschaftswachstum vorzuweisen gehabt. Seit 1800 explodierte das globale Wachstum. Und Sie wollen hoffentlich nicht behaupten, Chinas wirtschaftlicher Aufstieg habe nichts mit der Freigabe von Märkten seit Anfang der 1980er Jahre zu tun, sondern plötzlich hätten die Chinesen tolle technische Eingebungen gehabt.

24) Michael Schmidt

Zwar haben die Neoliberalen eine Steigerung des Wohlstands versprochen, aber offen gelassen, wie er verteilt wird und wessen Einkommen steigen.

Märkte sorgen nicht für eine gleichmäßige Verteilung, sie verteilen Prämien für Erfolg. Für die Korrektur des Markterfolges ist nach Lehre der Neoliberalen der Staat zuständig.

28) Peter Christian Nowak, Freitag, 21. November 2014, 19:29 Uhr

Mann Stefan P.
wie denn was denn?..Sie glauben doch im Ernst nicht, dass ich Sie auf die ganzen schwachmadigen, grotten falschen, betriebswirtschaftlichen Unsinn, für den Sie stundenlang in IT recherchiert haben, und das noch falsch, und anschließend stundenlang in die Tasten gehauen haben, dass ich mich hinsetze, und das alles korrigiere? Vielleicht sind hier ein paar Leute, die vor Ihrem Gesslerhut eine tiefe Verbeugung vollziehen; mich können Sie aber von Ihrer Scharlatanerie nicht überzeugen. Jetzt haben Sie sich stundenlang für Ihren Text für mich Mühe gegeben…und dann meiere ich Sie so ab….hätten Sie weniger oder gar nicht geantwortet, hätten Sie mehr Zeit als Schneeball-Unternehmer in der „Finanzdienstleistungsbranche“ gehabt. Hoffentlich fallen nicht allzu viele Leute auf ihr Geschwätz ein.

29) Politikverdruss, Samstag, 22. November 2014, 21:17 Uhr

20) Erika, Mittwoch, 19. November 2014, 11:32 Uhr,

mittlerweile teile ich Ihre Skepsis gegenüber der Kanzlerin.

Lange Zeit schien es so, als würde die Kanzlerin in der Ukraine-Krise eine vermittelnde Position einnehmen. Seit ihrer Rede in Sidney wissen wir aber, dass dieser Schein trog. Die Rede, die sie nur kurz nach dem 4-Stunden-Gespräch mit Putin gehalten hat, war vorbereitet und nicht etwa das Ergebnis des Vier-Augengesprächs mit Putin(Auszug):

“Wir verhängen wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland, soweit und solange sie erforderlich sind. Das Ziel dieses Ansatzes ist eine souveräne und territorial unversehrte Ukraine, die über ihre Zukunft selbstbestimmt entscheiden kann.”

Wenn das die (strategische) Zielsetzung zur Konfliktbewältigung sein soll, dann steht uns eine deutliche Konfliktverschärfung bevor:

1. Gegenwärtig verschärft sich die Lage schon: Der US-Vize-Präsident besucht Herrn Jazenjuk in Kiew und hat amerikanische Waffen und Ausrüstung im „Gepäck“. Herr Biden, der die EU zu Sanktionen gegen Russland gezwungen hat, droht Russland darüber hinaus mit neuen Sanktionen.

2. Vom US-Präsidenten ist kaum noch etwas zu erwarten. Er will die Vereinigten Staaten bis zum Ende seiner Amtszeit nun offensichtlich per Dekret regieren. Und erwartungsgemäß beginnt die US-Opposition damit, die Regierung wegen Überschreitung der Amtsbefugnisse zu verklagen.

3. Von europäischer Ebene aus ist auch keine Konfliktentschärfung zu erwarten. Herr „Wenn-es- ernst-wird-muss-man-Lügen“-Junker wird gerade von seiner jüngsten Vergangenheit eingeholt. Und wenn die Europäer nicht so wollen wie der US-Hegemon es vorgibt, dann wird eben Zwang ausgeübt. Darauf folgt europäische Willfährigkeit. Kennen wir ja schon.

4. Innenpolitisch räumt die Kanzlerin gerade an der ukrainischen Front auf. Widersacher wie Matthias Platzeck oder Lothar de Maziere werden kalt gestellt. Ob ihre große Linie noch mit der ihres Außenministers Steinmeier übereinstimmt, wird immer zweifelhafter. Sie scheint jetzt eher auf solche Scharfmacher wie Schockenhoff zu hören.

5. Die „Vierte Gewalt“ ist in dieser Frage ein völliger Ausfall. Zuweilen gewinnt man den Eindruck, die deutschen Medien seien noch regierungshöriger als die in der damaligen DDR. Die Medienhetze gegenüber Russland kann man nur noch fassungslos und mit großer Abscheu zur Kenntnis nehmen.

6. Wirtschaftlich treffen uns Bürger die Sanktionen. Bis Weihnachten sind 50.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die deutsche Wirtschaft nimmt schaden. Die USA dagegen bleiben von den Auswirkungen der Sanktion weitgehend verschont.

Insgesamt verfolgt die Kanzlerin in der Ukraine-Krise nun einen Kurs, der nur noch den Interessen der USA, nicht aber unseren eigenen Interessen entspricht. Man kann jetzt nur noch auf die SPD hoffen. Minister Gabriel hat sich bereits gegen weitere Sanktionen ausgesprochen. Vielleicht gelingt es der SPD-Spitze, der Kanzlerin klar zu machen, dass ein instabiles und wirtschaftlich geschwächtes Russland nicht in deutschem und europäischem Interesse liegen kann.

Mit Blick auf unser politischen Eliten fragt man sich wirklich: Wer regiert uns bloß! Die europäische Finanz-und Schuldenkrise ist nicht ausgeräumt und schwächt uns weiter. Die islamischen Staaten um uns herum drohen zu explodieren. Der Nahe und Mittlere Osten gleicht einem Pulverfass, Millionen Menschen sind auf der Flucht und die deutschen und europäischen Politiker haben nichts Besseres zu tun, als nun auch noch die zweitgrößte Nuklearmacht Russland in unserer Nachbarschaft zu destabilisieren.

Verdammt noch mal, ihr „Schlafwandler“, hört auf damit! Setzt euch endlich an den Verhandlungstisch und klärt das.

30) Erika, Montag, 24. November 2014, 12:36 Uhr

@) 29) Politikverdruss, Samstag, 22. November 2014, 21:17 Uhr

Ja, ich kann mich Ihrem Appell nur anschließen.

31) Walter Schmid, Dienstag, 25. November 2014, 21:00 Uhr

@Politikverdruss
Prima Artikel! Kann alles unterschreiben! Ich glaube, dass die Truppe noch am Verhandlungstisch einschläfen wird. Vielleicht fällt einer mit dem Kopf auf den Tisch und hat die zündende Idee!

32) peter Christian Nowak, Mittwoch, 26. November 2014, 11:36 Uhr

Politikverdruss

Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Sehr gut!

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