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Ein ehrenwerter Mann?

Hans-Olaf Henkel ist ein ehrenwerter Mann. Er war IBM-Chef, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), er ist Mitglied von Amnesty International – eigentlich ein liberaler Mann.

Er hat nur ein Problem: er ist sehr eitel, will wichtig sein, eine Rolle spielen, Aufmerksamkeit erregen. Deshalb vollführte er in den den letzten Jahren ein politische Irrfahrt, die ihn am Ende zur „Alternative für Deutschland (AfD)“ und für sie ins Europa-Parlament führte.

Diese Station hätte er besser ausgelassen. Denn die AfD zerstört seine Reputation und stellt sein bisheriges Leben infrage.

Wie kann es ein Mitglied von Amnesty International zum Beispiel verantworten, mit einem Mann wie dem Co-Vorsitzenden der AfD, Konrad Adam, in einem Verein zu sein, der zu dem Attentat von Sydney sagte: „Das zeigt, dass es keiner Masseneinwanderung bedarf, um Menschen in Gefahr zu bringen – ein Einzelner genügt“.

Oder wie kann ein ehrenwerter Mann in einer Organisation Mitglied sein, die mit der islam- und fremdenfeindlichen Pegida sympathisiert, wie der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland, der sich sonst seine Ratschläge in der russischen Botschaft holt.

Wie kann ein anständiger Mann Mitglied einer Partei sein, in der es fast jede Woche zu rechtsradikalen Vorfällen kommt. Die jüngsten: der Vorsitzende des AfD-Schiedsgerichtes in Baden-Württemberg nannte Barack Obama einen „Quoten-Neger“, ein hessisches Landesvorstandsmitglied fälschte seine rechtsradikalen Lebenslauf bei den „Republikanern“. .

Ein anderer Funktionär behauptete, das KZ Dachau sei von den Allierten gebaut worden, und ein Landtagsabgeordnter veröffentlichte antisemitische Karrikaturen. Und in NRW-Kommunen gibt es zwei Zweckbündnisse der AfD mit Rechtsradikalen.

Hans-Olaf Henkel warnt zwar gelegentlich vor Rechtsradikalen in der AfD und geht zu Pegioda auf Distanz, aber bleibt dabei. Wie lange noch? Ist denn die Droge Wichtigkeit so stark und verführerisch, dass ein Mann bereit ist, sich bis zur Unkenntlichkeit zu verändern?

Henkel sollte noch vor der Wahl in Hamburg (15. Februar) die Flucht ergreifen, bevor es heißt: Hans-Olaf Henkel war ein ehrenwerter Mann.