Freitag, 20. März 2015, 09:40 Uhr

Allgemeine Volksverwirrung

Also, wie war das jetzt? Hat Jan Böhmermann wirklich Yanis Varoufakis bei einem subversiven Kongress in Havanna den Stinkefinger gezeigt, weil der seine Schulden für zwei Cuba Libre nicht bezahlen wollte, die Günther Jauch an der Bar vorgestreckt hatte? Oder war es Jauch, der Varoufakis den ausgestreckten Mittelfinger entgegenreckte oder Varoufakis Jan Böhmermann?

Oder war alles ein Fake, eine Fälschung? Es liegen doch die Videoaufzeichnungen vor, die der Barmann heimlich gemacht hat. Oder ist das Ganze nur eine Satire?

Auf diesem Niveau ist inzwischen die Berichterstattung sogenannter deutscher Qualitätsmedien angekommen. Wer gestern Onlinemedien las oder TV-Nachrichten schaute, wähnte sich in „Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten“ der „heute-show“.

Einen ganzen Tag diskutierten Journalisten, Leser und Zuschauer über eine Satire Jan Böhmermanns, die selbst bei durchschnittlichem Intelligenzgrad als solche zu erkennen war. Er hatte behauptet, das berüchtigte Stinkefinger-Video mit Varoufakis gefälscht zu haben und seine Redaktion demonstrierte, wie das angeblich geht.

Weil ein paar tausend Zuschauer zur ZDF-Geisterstunde nicht begriffen, dass es sich um Satire handelte, entstand eine Medienhysterie, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat.

Erst kam der Sturm im Internet, wo ohnehin jede noch so absurde Geschichte gerne als Beleg für die eigenen Verschwörungstheorien genommen wird. Anschließend erörterten Journalisten, die mit dem eigenen Bedeutungsverlust zu kämpfen haben, in unzähligen Beiträgen ernsthaft, ob Böhmermann wirklich das Video gefälscht hat oder aber, ob es vielleicht Satire sei. Das ist schon bescheuert genug.

Dann aber setzte das ZDF noch einen drauf und gab eine offizielle Erklärung ab, dass Böhmermanns Satire Satire war. Das erschien dann in Onlinemedien, zum Beispiel bei n-tv , unter der Überschrift „ZDF stellt klar: Es war ein Fake“, was wiederum von einigen Zeitgenossen so verstanden wurde, als habe das ZDF klargestellt, dass das ursprüngliche Varoufakis-Video eine Fälschung war.

Und schließlich fand der inzwischen reale Irrsinn sogar Eingang in die Hauptnachrichten der TV-Sender, wo er wirklich nichts verloren hat. Aber die TV-Macher, die ebenfalls ihren Bedeutungsverlust fürchten, wollten beim Hype dabeisein und sich nicht vom Internet abbraten lassen.

Die TV-Beiträge steigerten natürlich die allgemeine Volksverwirrung, weil die Sender, man muss ja etwas Eigenes haben, Experten interviewten, die erklärten, dass man Videos tatsächlich fälschen kann. Also, so fragt sich der verwirrte Zuschauer, heißt das, dass das ursprüngliche Video doch gefälscht war?

Glückwunsch, Herr Böhmermann. Selten hat jemand Medien so sehr als Null-Medien entlarvt wie Sie.

 

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32 Kommentare

1) Johannes Lamp, Freitag, 20. März 2015, 10:14 Uhr

Was geht’s uns doch gut, dass ein Esel namens Böhmermann es schafft, eine Petitesse deren Ursprung schon einige Jahre her ist, so in den Mittelpunkt der Pseudointeressen von Pseudojournalisten zu lenken!
Der seit vielen Jahren als „großes Talent“ gehandelte Zyniker hat tatsächlich mal wieder die hohle Welt der Journaille enttarnt – schade, dass derartige „Talente“ ihre Fähigkeiten immer nur benutzen, um auf Mißstände hämisch hin zu weisen, statt zu helfen, sie zu beseitigen…

2) Justus, Freitag, 20. März 2015, 11:16 Uhr

Ja, Böhmermann hat sich über Nacht einem Massenpublikum bekannt gemacht und die Mechanismen der Medienlandschaft gekonnt für sich genutzt. Der Glückwunsch ist angebracht. Der Hype dürfte auch noch nicht vorbei sein, denn ob das Fake doch ein Fake war, oder das Fake über das Fake ein Fake, das steht doch gar nicht fest. Das ZDF hat auch nichts bestätigt und nichts dementiert, sondern nur gesagt, dass Herr Böhmermann eine Satire-Sendung macht. Wenn Böhmermann so weitermacht, ist er bald Ko-Moderator von Welke.

Das sollte es dann jetzt aber auch gewesen sein. Nächstes Thema bitte!

3) Arne Hildebrandt, Freitag, 20. März 2015, 11:45 Uhr

Und ich muss sagen, ich habe nur am Rande mitbekommen, dass da irgendwas war mit Mittelfinger, Jan Böhmermann und Fakes.

Als das in den Medien anfangs hoch kam, dachte ich mir noch so, dass irgendjemand da bestimmt irgendwelches Wutbürgertum ansprechen will. Die meisten Artikel in der Folgeteit habe ich dann überblättert.

4) nona, Freitag, 20. März 2015, 12:04 Uhr

Nicht zu vergessen dass der ganze Irrsinn sich garnicht erst entfaltet hätte, wäre von Günther Jauch und seiner Redaktion nicht so ein völlig dämliches Fass aufgemacht worden, in dem garnichts drin ist. Der Zustand der deutschen Medien lässt sich auch gut an den vielfältigen Absurditäten der inflationären „Talk“-Shows festmachen, in denen keine Probleme gelöst oder auch nur fruchtbar diskutiert werden, sondern in denen primär die immer selben Leute (Macher der Sendungen inklusive) entlang der immer selben aufgeblasenen Themen um Aufmerksamkeit heischen. Solange bis die Sau durch’s Dorf totgetrieben wurde und eine neue her muss, immer weiter, wieder von vorn, ad nauseam.

5) C.Mayer, Freitag, 20. März 2015, 12:18 Uhr

Was am Sonntag bei Jauch gelaufen ist, war der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Das hat mit einer sachlichen Diskussion, die dem Ernst der Lage des Euros angemessen ist, nichts mehr zu tun. Wie kann es die ARD verantworten, einem Showmaster eine solche Sendung moderieren zu lassen, der straflos einen Minister und Professor der Wirtschaftswissenschaften als Bruce Willis diffamieren darf.
Wie kann es sein, dass ein Günter Jauch, der zweifellos die richtigen Antworten auf die Quizfragen seiner Kandidaten mehr oder weniger fehlerfrei vom Zettel, bzw. Teleprompter ablesen kann mit einem Studiogespräch betraut wird, welches seine intellektuelle Kompetenz bei weitem überschreitet. Der von ihnen Herr Spreng angesprochene Ausschnitt einer Konferenz, die vor Jahren in Zagreb stattfand wurde ohne Nennung des Kontextes dem Publikum offensichtlich nur gezeigt, um den Gast zu diskreditieren. Das nenne ich völliges Versagen der Sendeleitung. Dass ein ernsthaftes Thema derartig dilettantisch vor einem Millionenpublikum abgehandelt wird ist ein Armutszeugnis für die ARD. Man sollte doch erwarten, dass der Interviewer seinem Gast wenigsten minimal geistig folgen kann, um dessen Diskussionsbeitrag wenigstens in Ansätzen zu verstehen.

6) Michael Schmidt, Freitag, 20. März 2015, 12:49 Uhr

Also ich habe mich über Böhmermanns Video scheckig gelacht. 🙂

7) Michael Schmidt, Freitag, 20. März 2015, 12:58 Uhr

Und davon mal abgesehen: Was soll diese Diskussion? Es erinnert mich stark an die Scheindebatte um Peer Steinbrück.

Um mal sinngemäß Jan Böhmermann zu zitieren: „Wir verwüsten zwei, drei Mal ganz Europa, aber wenn uns einer den Stinkefinger zeigt, dann flippen wir aus.“

Was hier in den deutschen Medien so elendig nervt, ist diese Moralisiererei, die sich in allzu vielen Fällen als scheinheilig enttarnen lässt.

Das ist vollkommen in Ordnung, wenn es sich um eindeutig gekennzeichnete Kommentare und Meinungen handelt. Dann kann ich den Kommentator für einen Volltrottel halten oder halt auch nicht. Aber in Nachrichten hat dererlei Bewertung absolut nichts zu suchen, sonst fühle ich mich manipuliert und werde sauer, dass man mir zwangsweise die Gebühren abpresst.

Wie immer, sieht man die Dinge in Amerika realpolitisch und viel klarer. Dort weiß man: Deutschland braucht die Freihandelszone, Deutschland ist abhängig vom Export, und wird daher den Teufel tun, die Freihandelszone oder den Euro mutwillig scheitern zu lassen. Finden Sie sich alle damit ab, die das hier lesen.

Unbenommen ist hierbei natürlich, ob der Euro aus Sachzwängen scheitert, das kann immer passieren. Aber durch eine bloße politische Entscheidung wird er nicht aufgelöst werden; man wird tun, was auch immer nötig ist, den Euro zu halten, so lange es möglich ist.

8) Michael Schmidt, Freitag, 20. März 2015, 12:59 Uhr

Nachtrag: Und daran wird keine Stinkefinger-Diskussion auch nur ein Jota verändern.

Aber es gibt offenbar viele Leute, die sich geistig gerne an einem Nasenring über den Marktplatz führen lassen. Diesen wünsche ich viel Spaß bei der Stinkefinger-Schnappatmung.

9) Michael Schmidt, Freitag, 20. März 2015, 16:40 Uhr

@ Johannes Lamp

schade, dass derartige “Talente” ihre Fähigkeiten immer nur benutzen, um auf Mißstände hämisch hin zu weisen, statt zu helfen, sie zu beseitigen…

Ich finde den Vorwurf etwas überzogen. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist es legitim, wenn die einen hinweisen, während die anderen verbessern.

Selten finden sich das Talent zur zutreffenden Analyse und die Fähigkeit zur Umsetzung in einer Person. Das gibt es zwar, ist aber eher eine Ausnahmeerscheinung.

Schauen Sie sich mal die Kommunisten an: Sie waren sehr umsetzungsstark in der Errichtung ihrer Diktatur, aber an ihrer Analyse der Funktionsweise der Wirtschaft kann man große Zweifel haben…

Ähnliches lässt sich über die Nazis sagen – wobei deren Erkenntnisse über die Beeinflussung von Massen zum großen Unglücke Deutschlands leider zutreffend waren.

10) Johannes Lamp, Freitag, 20. März 2015, 17:35 Uhr

zu 5) C.Mayer
Ich kann Ihrer Meinung nur zustimmen!
Ich habe mir auch diese peinliche Sendung angesehen und mich geschämt, wie der reichste Einwohner von Potsdam einen ihm x-fach überlegenen Intellektuellen vorführen durfte.
Jauch und Gottschalk, Freunde von Jugend an, reich geworden durch die Dummheit der geistigen Kleingärtner in Deutschland, stehen sich in nichts nach in der Fähigkeit, Geist und Empathie vorzutäuschen…
Andererseits denke ich auch manchmal: Die können nichts dafür…

11) Jakobiner, Freitag, 20. März 2015, 19:06 Uhr

Naja, die Stinkefingerdiskussion zeigt die völlige Verblödung zum einen, die heutige stundenlange Live-Berichterstattung über die Sonnenfinsternis zeigt dasselbe. Völlig belanglose Themen wird in der Aufmerksamkeitsökonomie ewig Breite zugestanden, während Zusammenhänge und geoploitische Analysen nie eine Chance haben. Und das Beste: Die Veraschten finden dann den Verarscher auch noch so genial und loben ihn dafür, dass er sie verarscht hat.So sehen die Helden der vermeintlichen Informations- und Wissensgesellschaft aus.

12) Jakobiner, Freitag, 20. März 2015, 19:37 Uhr

Nun ja, nach Filmen wie „Wag the Dog“und der Berichterstattung über die Ukraine dürfte das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die „Lügenpresse“ nachhaltig erschüttert sein–weswegen erklärlich ist, dass die Stinkefinger-Fake-Satire so ernst genommen wurde. Sagt zwar viel über Verschwörungstheoretijker und „Lügepresseggener“ und Putinversteher, aber ebenso über die Gluabwürdigkeit westlicher Medien allgemein in der öffentlichen Wahrnehmung.

13) Dorothea Dormann, Freitag, 20. März 2015, 20:33 Uhr

Hallo,
mutmaßlich – sollte der „Finger“- kein fake sein – strebt Herr VarouFAKELAKIs zumindest etwas Aufrichtiges in dieser seiner Lebensphase an !!!
Was wäre da plakativer&hilfreicher als dieser Finger?
Für die quengeligen Reaktionen der Medien u. der Konsumenten kann kein Grieche was. Nicht mal die Reeder die mit ihren verrosteten Tankern Ölteppiche, Müll – u.Whistleblowern zufolge – neuerdings auch Boatpeople mit „stabilisiertem Navigationssystem“ – dem Meer überlassen.
Dieses wahrscheinlich zur Freude aller Carikativen deren Portfolio mit jedem Flüchtling wächst?

Auch ist es mir wurscht ob Ö-d-konom Varoufakis sich mit DEM Finger in der Nase bohren, oder an den Hämorrhiden kratzen wollte.
Als in BERLIN geboren, geniere ich mich allmählich über die vorauseilenden* Aufreger u. den *Gehorsam der „Eingeborenen“. „Denken lassen“ hat die Menschen in Deutschland schon mal in die,
pardon, Scheiße geqirlt.

Grüße aus Wien & viel Rückgrat wünscht Dorothea

14) Marty Luidischbo, Samstag, 21. März 2015, 13:23 Uhr

Ja, Herr Spreng. Man sollte eigentlich wissen,, dass bewegte Bilder höchst manipulativ sein können. Ich gehöhre zu denen, die schon wußten, dass es Satire war. Aber ich wünchte mir wohl, dass Böhmermann seine Mittelfingerfälschung satirisch präsentieren wollte. Aber das ist nicht alles. Und es ist auch egal ob der Stinkefinger echt oder unecht ist. Aus dem Kontext gerissen ist es erwiesenermaßen sowieso. Es ist doch die Frage was so eine pseudo Journalistische Darstellung alá Jauch mit den Zuschauern macht. Böhmermann hat aber eben nicht nur Herrn Jauch den Spiegel vorgehalten. Wir alle sollten etwas mehr selbstkritisch sein. Das kann auch Ihnen nicht schaden.
Ich finde das war Medienkritik aller bester Sahne!
Für diesen Coup sollte Böhmermann einen Medienpreis bekommen:

http://dnzs-politik.blog.de/2015/03/21/jan-boehmemann-un-spiegel-vorgehalten-20196106/

15) Politikverdruss, Samstag, 21. März 2015, 15:07 Uhr

Ich stimme mit Michael Spreng(„Null-Medien“) überein: Die Qualität der deutschen „Qualitätsmedien“ ist zum Teil als sehr fragwürdig einzustufen. Hier zwei Beispiele:

„Russland als Weltverbesserer? Zum Kotzen!“ (Stern). Beim ESC in Wien wird die russische Sängerin Polina Gagarina das Lied mit dem Titel ein „Traum“ auf „Frieden“ singen. Der Stern vermutet Putin dahinter und spricht von einer „widerlichen Inszenierung“. Ist das bereits ein medialer Verfolgungswahn?

Zweitens ist die Kampagne der Bild-Zeitung gegen Griechenland nur noch mit Abscheu zu betrachten. Man mag die Griechenland-Krise einschätzen wie man will. Diese Stigmatisierung und Diffamierung des griechischen Volkes ist volksverhetzend. So geht man nicht mit befreundeten Staaten um. Wirklich erschreckend aber ist die mediale Einseitigkeit in der Ukraine-Krise.

Richard Sakwa, Fellow des Russia and Eurasia Programms am Royal Institute of International Affairs, Chatham House, sagt aktuell dazu:

„Ich glaube, dass das Vorherrschen einer völlig einheitlichen westlichen Sicht auf die Dinge(Ukraine-Krise) der am meisten beunruhigende Aspekt der ganzen Krise ist. Es ist erschreckend zu sehen, wie die westliche Öffentlichkeit und die Eliten sich dieser falschen Sichtweise angeschlossen haben.“

In Deutschland ist der Vertrauensverlust gegenüber den Medien besonders groß. Nur noch 29 Prozent der Deutschen haben großes oder sehr großes Vertrauen in die Medien. Das heißt, dass 71 Prozent nichts oder fast nichts mehr glauben können. 2012 waren immerhin noch 40 Prozent von der Glaubwürdigkeit der Medien überzeugt.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Umfrage-Daten-Vertrauen-in-die-Medien,ukraine550.html

Und selbst die Politik sorgt sich zunehmend! Frank Walter Steinmeier: „Wenn Medien in die Krise geraten, kann das die demokratische Gesellschaft nicht kalt lassen. Umso mehr, als die Medien zurzeit sogar in einer doppelten Krise stecken. Ihr Wirtschaftsmodell ist in Bedrängnis geraten, und gleichzeitig beginnt eine Debatte über ihren Deutungsanspruch und ihren Informationswert.“

http://www.auswaertigesamt.de/sid_BD83F1CF3D19F00E532FC0D191B51213/DE/Infoservice/Presse/Reden/2014/141115_Rede_BM_anlässlich_Verleihung_Lead_Awards.html (Lesenswert!)

Und schließlich noch wir, das als Putin-Trolle oder Pentagon-Marionetten verspottete und teilweise ausgegrenzte Publikum. Es „ist schon bedenklich, wenn sich mit der Süddeutschen Zeitung ein weiteres großes Haus von der Idee des direkten Austauschs mit dem Nutzer verabschiedet und zum Frontalunterricht zurückkehrt.“ (Der Freitag)

„Fazit“: „Was ich feststelle, ist aber nicht eine erhöhte Fehleranfälligkeit bei den Medien, sondern – zum Teil gezielt, zum Teil unbewusst entstehend – eine Erosion von Vertrauen in Institutionen wie Medien, wie Politik, wie Europa.“ (Chefredakteur ARD-aktuell, Dr. Kai Gniffke)

An den Medien liegt es also nicht! Wer aber verursacht denn „zum Teil gezielt… eine Erosion von Vertrauen in Institutionen wie Medien…? Steckt da etwa eine Verschwörung dahinter?

Kai Gniffke veranschaulicht: „Probleme kann man niemals auf derselben Ebene lösen, auf der sie entstanden sind“. (Albert Einstein)

16) Wolfgang Wegener, Samstag, 21. März 2015, 18:39 Uhr

„Glückwunsch, Herr Böhmermann. Selten hat jemand Medien so sehr als Null-Medien entlarvt wie Sie.“

Mir war J. Böhmermann bis dato völlig unbekannt. Aber bei jungen Menschen ist der offenbar eine große Nummer. Bin heute als bekanntlich politisch Interessierter angesprochen worden von einer jungen Frau (25 Jahre, ebenfalls politisch interessiert), ob ich denn mitbekommen hätte, dass das Stinkefinger-Video von J. Böhmermann „gefakt“ wurde. Wie sie darauf komme? Antwort: Eine Überschrift im überregionalen Teil der Heimatpostille. Unüberhörbar auch der Stolz, dass es dieses Milchgesicht (altersmäßig und intellektuell gesehen) in die Print-Medien geschafft habe.

Was bedauerlicherweise dabei ganz untergeht: Der griechische Außenminister zeigt Deutschland den Stinkefinger, anschließend belügt er ein deutsches Millionenpublikum, indem er das abstreitet, und anschließend wollen diese Leute auch noch unser Geld. Wenn das nicht Stoff für die AfD wäre. Ach ja, wir reden ja hier über Jan Böhmermann. Sorry.

17) Politikverdruss, Samstag, 21. März 2015, 20:57 Uhr

Nun hat diese Oligarchen-Bande in Brüssel völlig überraschend 2000 Millionen Euro Steuergeld „gefunden“. Oh Wunder, in einem Fonds für Entwicklungshilfe versteckt, schlummern 2 Milliarden. Und sogleich „entscheidet“ der Boss, das Geld geht ins „Fass“ nach Griechenland.

Man sieht, die griechische Regierung muss immer nur die Nerven behalten, kurz vor dem völligen Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems findet man in Brüssel immer noch ein paar „Milliarden“, die dann zur Linderung einer „humanitären Krise“ einsetzt werden. Nein, griechische Haushaltslöcher werden damit nicht gestopft.

Und alles so demokratisch! Nicht nur die Reformlisten der Griechen hat Herr Junker selbst geschrieben, nun sorgt er mit „ungenutzten Milliarden“ aus Brüssel für Freude im griechischen Finanzministerium. Überhaupt, das neue Geschäftsmodel der Griechen, Reform-Listen gegen Milliarden, scheint sich bestens zu bewähren.

Und wenn mal ausnahmsweise keine Milliarden zu finden sind, steht wie ein Turm in der Finanzschlacht immer noch der Burgherr Draghi. Seine berühmten „Not-Kredite“ passen immer. Denn schließlich ist Griechenland ja anerkannter „Dauer-Notfall“. Draghi erteilt den Griechen in diesen „Notfällen“ die Lizenz zum Selberdrucken der benötigten Euros.

In zwei Tagen wird Herr Tsipras dann doch noch die Kanzlerin aufsuchen. Die wird wieder knallhart „Reform-Listen“ fordern, die Juncker sogleich schreibt. Wegen der humanitären Krise lassen sich diese Reform-Listen nicht umsetzen und welch ein Zufall, irgendwo findet man wieder ein paar Milliarden. Danach beginnt das „Spiel“ von neuem.

Und der Steuerzahler? Der bekommt etwas für sein Geld. Die Medien unterhalten ihn mit Sensationsgeschichten vom Stinkefinger oder von den „faulen Griechen“. Das lenkt ein wenig ab und kanalisiert aufkommenden Zorn in die gewünschte Richtung. Und so kommt ein richtiges Europa-Bewusstsein bei den Bürgern auf.

Demokratie geht vom Volk aus, so sagt man. Danach verliert sich ihre Spur. Worum geht’s? Hier wird eine Dauerkrise am Laufen gehalten, in deren Windschatten der Superstaat „Europa“ entstehen soll. Dabei ist allen Beteiligten inzwischen klar: Ein „Schulden-Deal mit den Griechen dauert mittlerweile kaum so lange, wie eine Feuerpause in der Ukraine.“ Und die vereinigten Staaten von Europa wird es auch nicht geben.

18) Heinz Ellmann, Sonntag, 22. März 2015, 06:49 Uhr

das war doch alles ganz anders…
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/extra9086_v-original.jpg

@5) C.Mayer
Sie haben vollkommen recht!

19) Julian Konopka, Sonntag, 22. März 2015, 13:51 Uhr

Varoufakis und der Fingertrick

Es gibt im fernen Griechenland
Minister mit der Zauberhand
er zeigt uns seinen Mittelfinger
empört die Bildzeitung von Springer
den deutschen Michel damit sehr
denn nichts erregt ihn noch viel mehr
als jener Offenbarungseid
der endet großes Griechenleid
die Schulden fulminant zu streichen
das Deutschvermögen aufzuweichen

Denn es ist nicht der Mittelfinger
des Griechen Übel-Überbringer
auch sind es nicht der Finger zwei
des Varou-Victors Konterfei
erst wenn der dritte Finger steigt
die Pleite hiermit angezeigt
dann werden Illusionen platzen
am deutschen Ego kräftig kratzen
das Rettungsgeld, es ist verloren
die Wahrheit endlich ausgeboren

Die schwarze Null ist nicht zu halten
nur rote Zahlen zu verwalten
die Griechen mit dem Grexit raus
der Tragwand in dem Eurohaus
dann folgen Portugal and Spain
und sagen zu den Schulden wayne
dann ist der Eurotraum am Ende
doch folgt die positive Wende
denn Merkel, Schäuble sind blamiert
und werden endlich wegvotiert

20) StefanP, Montag, 23. März 2015, 11:26 Uhr

@17) Politikverdruss

Nun hat diese Oligarchen-Bande in Brüssel völlig überraschend 2000 Millionen Euro Steuergeld „gefunden“. Oh Wunder, in einem Fonds für Entwicklungshilfe versteckt, schlummern 2 Milliarden. Und sogleich „entscheidet“ der Boss, das Geld geht ins „Fass“ nach Griechenland.

Sie schießen viel zu weit. Die 2 Mrd. Euro sind der Unfähigkeit der griechischen Politik und Bürokratie geschuldet, die einfach nicht in der Lage ist, zweckgebundene Mittel auflagengemäß abzurufen. Das ist ein altes Leid mit diesem nepotistischen Staat. Kein anderes Land in Europa liefert ein solches Trauerspiel aus politischer Unfähigkeit und verwaltungstechnischem Dilettantismus ab.

Seit Jahren steht auch das Angebot der deutschen Bundesregierung, Athen mit deutschen Beamten beim Aufbau einer Finanzverwaltung zu helfen. Abruf der Anfrage? Nada.

Vor einigen Wochen gab es von dem Schweizer Finanzministerium das Angebot an Varofakis, im Auftrag Athens die auf griechischen Vermögen lastenden Steuern an den hellenischen Fiskus abzuführen. Reaktion der Post-Kommunisten? Nada.

21) W. Zimmer, Dienstag, 24. März 2015, 09:10 Uhr

@19 Julian Konopka

Sehr schönes Gedicht. Ich hoffe sehr, dass das “ denn Merkel, Schäuble sind blamiert
und werden endlich wegvotiert“ wahr wird.

22) W.Buck, Dienstag, 24. März 2015, 09:39 Uhr

OK. Böhmermann hat die Medien mies aussehen lassen.

Der Punkt jedoch ist, dass Günther Jauch, ein durchaus guter Entertainer seit geraumer Zeit versucht ein Format zu moderieren das sich als „Polit-Talk“ versteht.

Das kann er jedoch nicht. Seit Anfang an war dieses Format tendenziell. Es werden z.B. regelmässig olle FDP Kumpe von FDP-Mann Jauch aus dem Hut gezaubert die eigentlich längst in der Versenkung verschwunden sind.

Beim Stinkefinger-Gate hat Jauch nicht einmal ansatzweise versucht den Zusammenhang zwischen der Geste und der Rede herauszuarbeiten.

Frei nnach der BILD-Logik: wir haben da ein schönes Bid und schlachten es mit der maximal möglichen Empörung unter vernachlässigung jeden Fakts aus.

Jauch ist billigster Boulevard Journalismus. Leider macht die ARD diesen Etikettenschwindel mit.

Und leider scheinen viele Bürger nicht mehr über genug Kritikfähigkeit zu verfügen um zu sehen was BILD oder Jauch da so liefern.

23) Johannes Lamp, Dienstag, 24. März 2015, 17:45 Uhr

zu 22) W. Buck
Günther Jauch ein guter Entertainer?
Jauch kann Antworten auf Fragen, die er kaum versteht, von Karten ablesen, auf denen Antworten stehen, mit denen er häufig nichts anfangen kann!
Jauch steht nicht für Boulevardjournalismus – Jauch steht für Anbiederung an die Mächtigen.
Man könnte jetzt formulieren: Er tut was er kann!
Richtig ist: Man muss können, was man tut!
Zuletzt: Entertainer sind Persönlichkeiten, wie Sammy Davis jr., Frank Sinatra, Bette Midler, die Blues Brothers und vielleicht hier Harald Schmidt – Jauch und Gottschalk sind dagegen armselige Dilettanten.

24) riskro, Dienstag, 24. März 2015, 17:55 Uhr

10) J.L.

Hätte nie gedacht diesen Menschen mal zustimmen zu müssen.

25) riskro, Dienstag, 24. März 2015, 18:50 Uhr

4) nona
Volle Zustimmung. Der Ablauf dieser Talk-Shows ist immer der gleiche. Viel Gelaber sogenannter Experten –zu denen auch unser Blog-Betreiber gehört.

Ich sehe mir diese Sendungen nicht mehr an, dazu ist mir meine Zeit zu kostbar. Es bringt nichts.

5) C.Mayer, 12) Jakobiner

So arbeiten sie unsere Medien.

Wer wissentlich Tatsachen verschweigt, ungeprüft Nachrichten verbreitet, mit Unterstellungen Meinungsmache betreibt, Halbwahrheiten berichtet, Sachverhalte aus dem Zusammenhang reißt, die dadurch eine andere Aussage erhalten und somit unter dem Deckmantel der Pressefreiheit systematisch arglistig Täuschung betreibt: LÜGT!!

26) Politikverdruss, Dienstag, 24. März 2015, 20:29 Uhr

20) StefanP, Montag, 23. März 2015, 11:26 Uhr,

ich teile Ihre Zweifel!

Im Nachkriegs-Griechenland gelang es nur einer Gruppierung, das politische Klientelsystem zu zerschlagen. Das war die griechische Militär-Junta der 60erund 70er Jahre.

Leider bauten die griechischen Obristen dann ihren eigenen Klientelismus auf. Danach haben sich die politischen Lager in Griechenland abwechselnd von links nach rechts immer wieder „bedient“.

Der Klientelismus ist seit Jahrhunderten fest in der Kultur Griechenlands verankert. Das System der „Rousfetia“ (klientelistische Gefälligkeiten) herrscht ungebrochen.

Notwendig wären systemüberwindende grundlegende Reformen. Schafft die braun-rote Regierung Tsipras das? Ich bin noch nicht überzeugt.

Sie sind mit üppigen Wahlversprechungen an die Macht gekommen und haben das gemacht, was die anderen Parteien vor ihnen auch immer gemacht haben: Ihrer Klientel „Gefälligkeiten“ versprochen.

Der Historiker und Griechenland-Experte Heinz A. Richter verdeutlicht, warum wir leider wenig Grund zur Hoffnung haben:

„Syriza war bis zur Wahl ein Klientelverband im Wartezustand. Wer in Griechenland an die Macht kommt, wird automatisch klientelistisch. Die gegenwärtige Situation ähnelt der von 1981, als die Pasok erstmals die Parlamentswahl gewann. Sie trat als linke sozialistische Partei an. Andreas Papandreou gab damals ähnliche Sprüche von sich wie jetzt Alexis Tsipras. Innerhalb weniger Monate war die Pasok ein Klientelverband – einfach weil sie an der Macht war. Hinzu kommt, dass Syriza zur Hälfte aus übergelaufenen Pasok-Subnetzen besteht, die klientelistisch funktionieren.“

Richter weiter: „Die andere Hälfte sind Kommunisten und linke Sozialisten – die sind gegen die Klientelpolitik. Die Frage ist: Kann Tsipras die Partei dorthin steuern, wohin er will?“

http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/griechenland-syriza-tsipras-klientelismus

Wenn man die griechische Politik aber nicht ändern kann, was bleibt dann für die EU? „Weiter so“ oder „raus aus dem Euro“.

„Weiter so“ wird in den europäischen Parlamenten immer schwerer durchsetzbar, wird die Parteien an den politischen Rändern stärken und damit letztlich den Bestand der EU gefährden.

„Raus aus dem Euro“ wäre ein Segen für alle. Nur die Politik müsste den Fehler eingestehen und korrigieren. Das scheint aber so unwahrscheinlich wie das Verschwinden des Klientelismus in Griechenland.

27) Manfred Peters, Mittwoch, 25. März 2015, 22:56 Uhr

”Im Lauf der Woche soll es nach Angaben der Schweizer Regierung zu Gesprächen mit der griechischen Regierung kommen.
Soweit zu den Fakten der Handlungen einer Regierung, die offensichtlich die jahrelangen Fehler neoliberaler Regierungen mit griechischem Charme innerhalb von Tagen ausmerzen soll.
Aber keine Lüge ist dem bekennenden Sozialdarwinisten und Kommunistenhasser Stafan Pietsch zu dämlich um es nicht in einem Forum zu verwenden, wo er sich seiner Stammtischclaqueure sicher sein kann.
Fakt ist: ”In den letzten Jahren war der griechische Eifer, Steuersünder zu belangen gering. …
Im Oktober 2010 hatte die damalige französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin Christine Lagarde dem griechischen Finanzministerium eine Datei mit den Namen von mehr als 2000 griechischen Staatsbürgern übergeben, die zweifelhafte Konten bei der Schweizer Filiale der britischen HSBC-Bank unterhielten. …”

Das alles kann man bei verstehendem Lesen aus einem garantiert linken Medium erfahren.

28) Alexander, Donnerstag, 26. März 2015, 15:23 Uhr

@ 20) StefanP – sehr guter Kommentar zum griechischen Disaster!

Noch eine Ergänzung dazu, die das ganze Theater erhellt: Der ehemalige griechische Finanzminister Papakonstantinou wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er in der von der IWF erhaltenen Liste mit den griechischen Kontoinhabern von Konten in der Schweiz alle Verwandte seiner Familie hat löschen lassen. Diese Liste umfasst griechische Staatsbürger mit einem Schwarzgeldkonto. Während seiner Amtszeit ist denn auch diese Liste verschwunden.

Mein Fazit: Wie sollen derart korrupte Politiker die von der EU geforderte Bekämpfung der Korruption durchsetzen?

Das passt zwar nicht zum Thema dieses Blogs, dafür ist es aber trotzdem sehr erhellend. Und bezeichnenderweise ist darüber nur kurz in den Medien berichtet worden.

29) Jakobiner, Dienstag, 31. März 2015, 08:04 Uhr

Zu Politikverdruss>:

„Innerhalb weniger Monate war die Pasok ein Klientelverband – einfach weil sie an der Macht war. Hinzu kommt, dass Syriza zur Hälfte aus übergelaufenen Pasok-Subnetzen besteht, die klientelistisch funktionieren.“Richter weiter: „Die andere Hälfte sind Kommunisten und linke Sozialisten – die sind gegen die Klientelpolitik.“

Die Kommunisten mögen vielleicht gegen Pasok- und Neo Democratia-Klientelnetzwerke sein, sind sie deswegen aber schon gegen Klientelismus an sich? Genauso möglich, dass sie eben kommunistische Klientelpolitik betreiben werden und ihre Leute Pöstchen und Privilegien zuschustern wollen. Das fängt schon an mit der Wiederientsellung von entlassenen Staatsbediensteten, der Weigerung Syrizas Kapitalkontrollen einzu führen oder die 800 Mrd. Euro griechisches Fluchtkapital in der Schweiz sich ausliefern zu lassen–trotz der Bereitschaft der Schweiz dies zu tun. Da fragt man sich auch, ob Syriza wirklich eine linke Partei ist, da sie eben ebenso die Oligarchen de facto schützt. Stattdessen soll jetzt Griechenland mit einer Art Steuerblockwartsystem überzogen werden, das eher die Mittelständler (Restaurantbesitzer, Händler,Taxifahrer, etc.) treffen wird.

30) Politikverdruss, Dienstag, 31. März 2015, 10:55 Uhr

29) Jakobiner, Dienstag, 31. März 2015, 08:04 Uhr,

Stichwort: „Steuerblockwartsystem“.

Da sprechen Sie einen auch historisch interessanten Sachverhalt an. Beim Thema „Blockwartsystem“ müsste man in Deutschlands Medienwelt eigentlich sensibel reagieren. Schließlich gab es im Dritten Reich auf der untersten Partei-Stufe Blockwarte, von der Bevölkerung als „Treppenterrier“ verspottet. Sie sollten jeweils in 40 bis 60 Haushalten die Stimmung sondieren, gegebenenfalls denunzieren.

Warum sollen nun internationale Sozialisten nicht einmal bei nationalen Sozialisten gesellschaftspolitische Anleihen machen?

Hans Magnus Enzensberger sprach einmal vom „Blockwartsystem der EU“. Vielleicht dachten die Syriza-Leute, dass sie, wenn sie schon derart viele Vorgaben der EU zu erfüllen hätten, sich auch am EU-Blockwartsystem ein Beispiel nehmen könnten.

Enzensberger hat in diesem Zusammenhang von der Metamorphose der Demokratie in die „Postdemokratie“ gesprochen. Ihr Erkennungszeichen sei, dass zwar die demokratischen Institutionen funktionieren, aber die relevanten Entscheidungen an anderer Stelle und vor allem ohne Mitwirkung der Bürger getroffen werden.

Eine dieser „anderen Stellen“ ist die EZB. Aber selbst diese „andere Stelle“ zeigt nun im Zusammenhang mit der unendlichen Geschichte der Griechenlandrettung ein gerüttelt Maß an Unsicherheit. Denn, wir erinnern uns, die EZB verfügt ja seit Kurzem auch über eine Bankenaufsicht.

Die EZB-eigene Bankenaufsicht, unter Führung von Daniele Nouy, befürchtet nun, dass die von „Europa-Präsident“ Draghi großzügig gewährten ELA-Kredite von der griechischen Regierung EU-rechtswidrig zur Staatsfinanzierung genutzt werden „könnten“. Wie kommt Frau Nouy bloß darauf?

Währenddessen scheint das Vertrauen der griechischen Bürger in ihre neue Regierung nicht gerade zuzunehmen. Sie „plündern“ ihre Bankkonten: Dez 2014 vier Milliarden, Jan 12 Milliarden, Feb 8 Milliarden und März 3 Milliarden.

Aber zurück zu dem von Ihnen angesprochenen Thema: Ja, es kommen Zweifel auf, ob Syriza der Aufgabe gewachsen ist, diesen Augiasstall auszumisten. Eine „herkuleshafte“ Aufgabe. Vielleicht gelingt sie ja noch einmal. Ich wünsche es den Griechen.

31) Jakobiner, Mittwoch, 08. April 2015, 15:16 Uhr

Zu Politikverdruss:
„Warum sollen nun internationale Sozialisten nicht einmal bei nationalen Sozialisten gesellschaftspolitische Anleihen machen?“

Und was dann als nächste „Anleihe“von den Nationalsozialisten? Arbeitslager, Konzentrationslager, Euthanasie, ein Krieg mit der Türkei oder mit Russland zusammen gegen die NATO?

Ebenso auffällig, wie die Syriza-Unabhängige Griechen-Koalition mit der Geschichte umgeht. Erst wird sich als Wiege der westlichen Demokratie und der europäischen Zivilisation dargestellt, wennn es um EU-Kredite geht. Nun entdeckt man Byzanz und die gemeinsamen kulturellen Wurzeln mit Russland, da man Putin anschnoren will.Vor allem die atheistiosche und agnostiostische linke Syriza betont nun neuerdings die Bedeutung der orthodoxen Kirche als Kulturidentitätsstifter–ähnlich wie Putin in Russland.Bin mal gespannt, welche hellenisch-chinesischen Kulturgemeinsamkeiten dann entdeckt werden, sollte Tsirpas auch noch in Peking vorstellig werden–vielleicht haben dann die Griechen auch noch die Seidenstrasse bereist.Und natürlcih darf auch nicht fehlen, dass jetzt Wiedergutmachungsforderungen genau in der Höhe der griechischen Staatsverschuldung zusammengerechnet werden–Schuldenschnitt durch die historische Vordertür.

32) Politikverdruss, Donnerstag, 09. April 2015, 09:44 Uhr

31) Jakobiner, Mittwoch, 08. April 2015, 15:16 Uhr,

ich verstehe gar nicht, dass ich hier, Ihnen gegenüber, eine linke Regierung „verteidigen“ muss!
Man mag die Griechenland-Politik der letzten Jahre grauselig finden, aber Griechenland ist immer noch ein souveränes Land mit frei gewählter souveräner Regierung. Staatsstrukturen, die viel demokratischer sind, als die der EU, mit ihren zahlreichen demokratischen Schwächen.

Nun wird die Moskaureise des griechischen Regierungschefs von EU-Politikern, wie Martin Schulz(SPD und designierter Kanzlerkandidaten-Darsteller) und Rebecca Harms(Heuchel-Grüne) als „umstritten“ hingestellt.

Ja gibt’s denn sowas? Da erlaubt sich der Regierungschef des EU-EZB-IWF-Protektorates Griechenland doch tatsächlich gute Beziehungen zu einem Nachbarstaat zu halten bzw. aufzubauen.

Hat der junge Alexis von Griechenland denn nicht mitbekommen, dass die Kaiserin Angela der „Heiligen europäischen Euro-Zone“ die Reichsacht verhängt hat über den „Bösen Putin“ aus dem schrecklichen Ostland?

Das von Joe-„habe-EU-zu Sanktionen-gezwungen“-Biden im Auftrag des größten aller Friedensnobelpreisträger aus dem White House erzwungene, einzig zu Lasten Europas gehende Sanktionsgebäude erhält nun deutliche Risse.

Alleine dafür möge man den Griechen die nächsten Kredittranchen „verhandlungsfrei“ zugesagen.

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