Samstag, 25. Juli 2015, 16:33 Uhr

Tschüs SPD – bis 2021!

Die SPD sitzt strategisch in der Falle. Und zwar so sehr, dass es daraus aus eigener Kraft kein Entrinnen gibt. Sie hat keine Machtoption für 2017 und sie ist weder personell noch inhaltlich in der Lage, einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen.

Die wahrscheinlich unbedachten, mit Sicherheit aber illoyalen Äußerungen des schleswig-holsteinsteinischen Ministerpräsidenten Thorsten Albig haben dies noch einmal schonungslos offengelegt. Er empfiehlt seiner Partei, nicht mehr auf Sieg, sondern auf Platz zu setzen, weil die SPD gegen die „ausgezeichnete Politik“ Angela Merkels ohnehin keine Chance habe.

Das ist zwar ehrlich, aber die Kapitulation einer Partei, die sich immer noch für eine Volkspartei hält.

Das zentrale Problem ist die fehlende Machtoption. Eine vage, wenn auch wenig aussichtsreiche Machtperspektive  wäre ein rot-rot-grünes Bündnis. Diese Rechnung ist aber ohne „Die Linke“ gemacht, die von der SPD als Vorbedingung verlangt, dass sie ihren außen- und sicherheitspolitischen Kurs aufgibt.

Das kann die SPD nicht, wenn sie nicht ihre Politik seit 1998 diskretieren und einen Teil ihrer ohnehin wenigen Wähler verlieren will. Zudem würde sie in einem rot-rot-grünen Wahlkampf Wähler an „Die Linke“ verlieren, weil diese nicht mehr das linke Schmuddelkind wäre.

Gleichzeitig würde ein solcher Wahlkampf völlig ausschließen, dass die SPD in der Mitte hinzugewinnt, was nur ginge, wenn die Partei – was Sigmar Gabriel will – sich für die Wirtschaft öffnet. Er hat erkannt, dass die SPD nur durch Wähler der Mitte die 25-Prozent-Hürde überwinden könnte.

Dies wiederum würde alle Chancen auf Rot-Rot-Grün zerstören und linke SPD-Wähler noch weiter nach links treiben. Also, was die SPD auch macht, es kann nur schief gehen.

Gabriel selbst ist ein weiteres Problem der SPD. Wenn er Parteivorsitzender bleiben will, muss er die Kanzlerkandidatur anstreben. Spätestens seit seinem Grexit-Zickzackkurs ist eigentlich dafür verbrannt. Er hat in der Partei und bei den Wählern mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen verspielt als sich ein Mann erlauben kann, der das ganze Land führen will.

Ein anderer Kandidat, Martin Schulz zum Beispiel, hätte dieses Problem nicht, aber er könnte nur kandidieren, wenn Gabriel verzichtet und sich damit auch um den Parteivorsitz bringt – was gleichbedeutend mit einer schweren SPD-Krise wäre.

Und Schulz könnte nur das werden, was Thorsten Albig seiner Partei empfiehlt, nämlich Spitzenkandidat für eine neue Juniorpartnerschaft unter Merkel.

Albig hat mit diesem Ratschlag übrigens das Letzte verspielt, was einer Partei in aussichtslosen Situationen bleibt, nämlich die Autosuggestion, sich einzureden, man könne es trotz aller Widrigkeiten doch noch schaffen. Diese Autosuggestion ist aber unabdingbare Voraussetzung für die Wählersuggestion.

Das heißt, die SPD hat null Chancen, den nächsten Kanzler zu stellen. Aus der Falle könnte sie nur Angela Merkel befreien, wenn sie entweder 2017 nicht mehr antritt, was nicht zu erwarten ist, oder wenn sie katastrophale Fehler machen würde, was bei ihrem bedächtigen Politikstil auch unwahrscheinlich ist.

Tschüs SPD – bis 2021.

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25 Kommentare

1) Johannes Lamp, Samstag, 25. Juli 2015, 17:35 Uhr

Ich bezweifele, dass Sie, Herr Spreng, Recht mit Ihrer Analyse haben
In Hinsicht auf den irrlichternden Gabriel aus dem Sumpfbiotop Hannover mögen Sie nicht falsch liegen, der illoyalen Blindgänger aus Kiel hat sich schon im Umgang mit der schrillen ZEIT- Mitarbeiterin demaskiert, aber was kann nicht alles passieren…
Was geschieht, wenn sich der schwäbische Pietist und Menschenfreund zum Rücktritt entschließt, den Bosbach macht? Wenn Schäuble hinschmeisst, kracht das sorgfältig ausgependelte Regierungsgebäude zusammen – der Schwabe hat noch einige Rechnungen mit Merkel offen!
Schröder hat das Oder-Hochwasser genutzt, was wird seinem Nachfolger nutzen?
Merkel als russische Perspektiv-Agentin? Kauder als Kaufhausdieb? Fuchs als Sittenstrolch?
Ein Erdbeben in der Eifel, bei dem Nahles als rettender Engel der Verschütteten auftritt?
Spreng als Prophet gefällt mir nicht!
Ps. Von den tatsächlichen Verhältnissen in Hellas hat er auch keine Ahnung!

2) Michael, Samstag, 25. Juli 2015, 17:36 Uhr

Ja, die SPD hat aufgegeben, auf ganzer Linie. Dumm nur, dass das die Basis nicht tatenlos hinnehmen wird. Will man nicht einer in die Bedeutungslosigkeit versinkenden Partei angehören, dann muss man aufstehen. Dann rollen aber auch Köpfe, der Erste ist der vom Erdkundelehrer, der bis heute nicht begriffen hat, was Saldenmechanik bedeutet.

3) miwalla, Samstag, 25. Juli 2015, 17:55 Uhr

Hallo Herr Spreng,

kennen Sie die Zusammensetzung des deutschen Bundestages? Herr Gabriel könnte morgen Kanzler sein, wenn er es wollte. Aber es ist nicht die Machtoption, die ihm fehlt, sondern die Vision, was er mit der gewonnen Macht anfangen sollte. Denn er ist genauso ideenlos wie Kanzlerin Merkel, die auch nichts anderes ist, als eine Verwalterin der Macht.
Dabei gäbe es gerade mit Europa eine neue Option für eine Vision.

4) Wolfgang Wabersky, Samstag, 25. Juli 2015, 21:14 Uhr

Geehrter Herr Spreng! Ihrer Analyse kann man nur in Gänze zustimmen. Die sPD hat keine Chance, die nächste BT-Wahl zu gewinnen, nicht weil die Kanzlerin angeblich so gut ist und alles richtig macht, sondern weil die sPD und ihr Führungspersonal keine eindeutige, und schon gar keine authentische sozialdemokratische Politik machen. Gabriels Wahlversprechen des Politikwechsels war eine faustdicke und dreiste Lüge! Die damit erschlichenen Wählerstimmen hat er dann missbraucht, um Merkel an der Macht zu halten und sich und seinen Kumpanen fette Posten zu sichern. Nachdem Merkels Schwarz-Gelbe Regierung in der letzten Bundestagswahl abgewählt worden war, übernahm die sPD mit Hurra die Steigbügelhalterrolle der FDP – und sie geht jetzt auch deren Weg: Sie wird wahrgenommen als eine Partei, die nur mitregiert und daher bedeutungslos ist. Die sPD wurde zu einer Jasager-Partei ohne eigenes Profil. Deutlich bemüht Gabriel sich, nicht auf der Schleimspur der Kanzlerin auszurutschen. Kein Zweifel: Auch 2017 wird Gabriel dafür kämpfen, Vizekanzler von Merkels Gnaden zu bleiben.
So empfiehlt Thorsten Albig, Steinmeier als Kanzlerkandidaten aufzustellen, der schon einmal der sPD eine Superniederlage (von 23 %) einbrachte. Der geschwätzige Eurokrat Martin Schulz diente sich auch schon voreilig an, den Kanzlerkandidaten für die sPD zu geben, obwohl es bei ihm auch nur zu einer Juniorpartnerschaft reichen würde.
Eine Partei aber, die sich mit der Rolle als Juniorpartner der Union zufrieden gibt, sollte abdanken. Warum sollte noch irgendjemand diese ehemalige Arbeitnehmerpartei wählen, wenn sie sich selber bei zutreffender Selbstkritik für zu unfähig hält? – Tschüss sPD – bis mindestens 2021.

5) ralph, Samstag, 25. Juli 2015, 23:40 Uhr

Ich sehe da einige Dinge anders.
Wenn die SPD sich weiter hin zur angeblichen Mitte und zur Industrie wendet, dann wird sie keine Wähler dazu gewinnen, sondern verlieren. Wenn man mitbekommt was die Parteibasis wirklich möchte dann ist das etwas völlig anderes. Die Basis will wieder Sozialdemokratische Politik.
Kein Freihandelsabkommen wie es Gabriel vorbereitet. Sie will die Rücknahme bzw Änderung der sogenannten Hartz 4 Gesetze. Anderungen bei der Leiharbeit und was noch alles an den inzwischen 8 Millionen Arbeitnehmern in prekären Arbeitsverhältnissen verbrochen wurde.
Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. Eine andere Außenpolitik .
Eine sozialere Bürgernahe und Verlässliche Politik.
Die Menschen haben immer mehr das Gefühl das sie von der Politischen Klasse hintergangen werden. Das Vertrauen schwindet.
Das könnte eine gefährliche Eigendynamik entwickeln sollte es zu einer spürbaren Wirtschaftskrise kommen, was in absehbarer Zeit, vor 2017 wahrscheinlich ist.

Ich schweife aber ab. Tatsache ist, das die SPD unter einem großen Mitgliederschwund leidet, der sich unter Gabriel noch verstärken wird sollte er an seiner Machterhaltungspolitik um jeden Preis festhalten. Und 25 Prozent bei der nächsten Bundestagswahl sind dann ein sehr optimistisches Ergebnis

6) Reinhold Herdler, Sonntag, 26. Juli 2015, 09:33 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

sie machen mir der SPD, mit ihrer Überschrift, zuviel Hoffnung. Das wird auch 2021 und 2026 nichts, den diese Partei ist schon lange keine Volkspartei mehr. Woher sollen den die Wähler kommen, die bereit sind eine billige Kopie der CDU zu wählen. Etwas anderes stellt doch die SPD mit dem augenblicklichen Führungspersonal nicht mehr da.

Die SPD ist keine Alternative mehr und jedes Wahlkreuz für diese Partei, ist verschwendet. Damit hat man nur Frau Merkel gewählt und das kann man einfacher haben.

7) Michael P., Sonntag, 26. Juli 2015, 13:01 Uhr

Das in der Tat nicht immer sehr geschickte Auftreten der SPD mal außen vor – die Machtoptionen der CDU und ihrer Kanzlerin Merkel sind ja ohne eine notorisch klamme FDP so sicher auch nicht. Linkes und rechtes Lager liegen in Deutschland schon lange ungefähr gleich auf. Besonders sicher sind die Machtoptionen deshalb für keines der beiden Lager. Vorteile hat die Union nur insoweit, wie es relativ wahrscheinlich wieder auf eine Große Koalition hinausläuft.

Freundliche Grüße, verbunden mit bestem Dank für immer wieder interessante, lesenswerte Positionen, M.P.

8) M. Boettcher, Sonntag, 26. Juli 2015, 16:16 Uhr

Analysen, die lediglich den Anschein objektiver Betrachtung vorgaukeln, sind kaum geeignet erhellend oder tiefsinnig zu wirken. Die SPD verliert nicht Wähler, weil sie sich zu einer wie auch immer gearteten politischen ‚Mitte“ oder nach links orientiert, sondern weil sie ihre Klientel, Bürger mit eindeutig sozialdemokratischer Überzeugung, verraten hat. Solange die dafür verantwortlichen Führer der Partei weiterhin den Ton in der Partei angeben und aus der SPD eine schlechte Kopie der FDP machen, solange wird die SPD weiter Wähler verlieren, egal was sie sagt oder tut. 2013 hatte die SPD eine ziemlich theoretische Chance die Regierung zu übernehmen. Theoretisch deshalb, als das mit den Agenda 2010 Anhängern und der letztlich unveränderten Führung nicht zu machen war, und auch deshalb, weil sich u. U. auch Bündnis90/Die Gurken zu einer Koalition mit CDU/CSU bereit gefunden hätten. Das war auf absehbare Zeit die letzte Chance und die jetzige SPD wird nie wieder auch nur in die Nähe einer solchen Gelegenheit kommen. Nicht 2017, nicht 2021 und ziemlich sicher auch nicht danach. Vielmehr ist der Niedergang der Partei praktisch vorgezeichnet. „Genosse“ Gabriel, der die Stufe der Inkompetenz schon vor langer Zeit erreichte und natürlich weiß, dass er mehr als die Vizekanzlerschft nie wird erreichen können, kommentierte den Abschluß der Verhandlungen um eine Regierungsbeteiligung 2013 bekanntlich damit, dass noch nie zuvor eine 25%-Partei soviel sozialdemokratische Politik in einen Koalitionsvertrag hinein schreiben konnte. Abgesehen davon, dass durchaus fraglich ist, dass die jetzige SPD für sozialdemokratische Politik steht, wird ihm bzw. seinen Nachfolgern dieser Satz bei 20, 15, 10 und schließlich 5% noch im Halse stecken bleiben, bevor jemand die SPD endgültig beerdigt. Auf dem Grabstein wird stehen: „Wir haben Jahrzehnte lang konsequent Politik gegen die Interessen des Volkes gemacht, was uns leider niemand gedankt hat. Es ist unfassbar!“

9) Michael Schmidt, Sonntag, 26. Juli 2015, 18:14 Uhr

Vermutlich existiert ein Bierdeckel, auf den Merkel gekritzelt hat: „Oppermann wartet bis 2021“. 🙂

10) Michael Schmidt, Sonntag, 26. Juli 2015, 18:24 Uhr

(Eine Anspielung auf die Saga, dass Kohl 1993 am Rande der Hannover-Messe auf einen Bierdeckel kritzelte: „Schröder wartet bis 1998“)

11) Alexander, Montag, 27. Juli 2015, 08:20 Uhr

Die Volksparteien haben sich innerlich verbraucht und müssen sich neu „erfinden“

Ich stimme dem Kommentar zu, die SPD macht derzeit keinen guten Eindruck. Und die SPD hat zu allererst ein massives Führungsproblem. Es fehlen klare, kantige Führungspersönlichkeiten á la Schröder, Helmut Schmidt, Willi Brandt.

Mir fällt hierzu ein 5 Jahre alter Kommentar von Herrn Spreng ein, der im Juni 2010 auf der Seite sprengsatz.de veröffentlicht worden ist. In diesem Kommentar geht es um Merkel, die im Kommentar formulierte Kritik passt sehr gut zu dem heutigen Führungs-Dilemma der SPD:

„Was Merkel fehlt sind Mut, Souveränität und Phantasie. Der Mut zur Führung. Voranzugehen, statt CSU und FDP hinterherzumoderieren. Langfristigen Erfolg hat nur der Risikobereite. Wären frühere Kanzler so wie Merkel gewesen, hätte es keine Westbindung Deutschlands, kein vereintes Europa, keinen Euro und keine Wiedervereinigung gegeben. Und, bei aller Fehlerhaftigkeit, auch keine Agenda 2010. Die Phantasie, endlich ihr Projekt zu finden, ihre Vision zu formulieren, wie Deutschland in zehn Jahren aussehen soll und dafür die richtigen politischen Weichen zu stellen. Nur die Phantasie der Politik weckt die Phantasie der Wähler, sich für die in Berlin wieder positiv zu interessieren. Auf Sicht fahren nur diejenigen, die im Nebel ihr Ziel nicht mehr erkennen können.“

Was ist die Vision der SPD für die kommenden zehn Jahre? Welche Problemlösungs-Strategien, welche Programmatik bietet die SPD an zur Lösung der europäischen Probleme angesichts der Globalisierung und dem damit verbundenen globalisierten, brutalen Wettbewerbsdruck? Welche Strategien offeriert die SPD zur Lösung ökologischer und sozialer Probleme? Oder einmal ganz konkret: Wie kann der deutsche Arbeitnehmer gegen einen indischen Arbeitnehmer bestehen angesichts der brutalen Lohn-, Preis-Verhältnisse in Asien, Afrika oder Südamerika? Wie kann die deutsche Industrie bestehen angesichts eines derartigen Wettbewerbsdruckes?

Aber zurück zur SPD: Das aktuelle Führungspersonal der SPD wird die Krise nicht meistern, sondern aussitzen und sich dabei in partei-internen Auseinandersetzungen zerfleischen, bis die SPD österreichische Verhältnisse erreicht hat. Das ist meine Prognose. Schade eigentlich!

12) Politikverdruss, Montag, 27. Juli 2015, 09:41 Uhr

Jaaah, unsere größte Sorge ist, dass die SPD keine(n) Merkel-gefährdende(n) Kanzlerkandidatin(en) auf die Beine bringt.

Frau Kraft zeigt ja mittlerweile Einsicht gegenüber dem Peter-Prinzip. „Malu“ Dreyer ist nach wie vor „beliebt“. Frau Schwesig wird erst Ruhe geben, wenn wir mehr Kitas als Kinder haben und Frau Nahles arbeitet weiter an einem Mindestlohn von 20,95 Euro. Dazu die SPD-Herren der Schöpfung mit Steinbrück, dem 20-Prozent-Holer, Siggi Gabriel neuerdings „Zickzack-Siggi“(früher Siggi-„Popp“) genannt und aus der zweiten Reihe Herr Albig, die personifizierte SPD-Zukunft aus „Schläfrig“-Holstein.

Wie sagt der Volksmund: „Von nix kommt nix“. Jahrzehntelange „parteipolitische Inzucht“ bleibt eben nicht ohne Auswirkungen(SPIEGEL).

Stellt sich die Frage, warum Frau Merkel mit „all dem“ beim Wähler so durchkommt? In personeller Hinsicht ist es in der Union ja kein Deut besser. Oder glaubt jemand daran, dass Herr Dobrindt Deutschland in die Zukunft führen wird. Es läuft beim Wähler eben nach der Devise: Von den schlechten Alternativen ist die Merkel-CDU gerade noch akzeptabel.

Solange es bei der Griechenland-„Rettung“ „nur“ bei Bürgschaften bleibt, wird der deutsche Michel kaum aufmucken. Das wird sich erst dann ändern, wenn z.B. der Soli zur Griechenland-Rettung angehoben wird. Bei einem Thema aber verrechnet sich die Union: Die völlig unkontrollierte Migration wird den Politikern auf die Füße fallen. Und zwar gewaltig! „Die Regierung befürchtet einen Asyl-Kollaps“, titelt die FASZ (26.07.15). Das wird den „inneren Frieden“ Deutschlands gefährden! Und die Bundesregierung schaut zu.

In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt finden in wenigen Monaten(13.März 2016) Landtagswahlen statt. Die Iden des März! Die Politiker dieser Bundesländer( zwei rot-grüne und eine schwarz-rote Landesregierungen) werden Fehler der Bundesregierung in der Asylpolitik ausbaden. Das wird die letzten Gemeinsamkeiten der GROKO in Berlin aufbrauchen. Erste Alarm-Meldungen vom grünen Kretschmann in BW sind bereits zu hören. Und auch die CDU versucht angesichts größer werdender „Zeltstädte“ vom Thema abzulenken und mit einem „Einwanderungsgesetz“ Problemlösungskompetenz unter Beweis zu stellen.

Die SPD wird ihr Profil mit Blick auf die nächste Bundestagswahl nur außerhalb der Regierungsverantwortung schärfen können. Das geht nur durch eine harte linke Politik, die den erneuten Zugang zu linken Wählerschaften ermöglicht. Deshalb: Schluss mit der GROKO! Her mit einer Opposition im Bundestag, die diesen Namen verdient. Und dann Attacke! Schluss mit der konsensualen Verkleisterung politischer Lösungen. Die Demokratie lebt von harter Opposition mit klaren politischen Alternativen.

Darin liegt die Chance der SPD! Jetzt braucht es nur noch einen SPDler, der den Mut aufbringt, den Schlussstrich zu ziehen.

13) Wolfgang Wegener, Montag, 27. Juli 2015, 12:11 Uhr

Also, ich muss mich als Wähler wirklich nicht in die Probleme der SPD hineinversetzten. Albig hat natürlich recht: Besser mit der CDU in der Regierung als in der Opposition – das mit dem Kanzler wird eh nichts.

Die Höchststrafe für mich als Wähler wäre eine Regierung, an der die Grünen beteiligt sind. Das ginge mit der CDU zusammen. Als nächst Schlimmeres käme wieder eine Groko. Und als letzt Schlimmeres käme eine CDU-Alleinregierung. Soviel zu den realistischen Optionen.

Was davon wahr wird, entscheidet sich nicht zuletzt dadurch, ob AfD bzw. Alfa sich berappeln (wenn man weiter so konzeptionslos in der Zuwanderungs/Asylbewerberfrage rumorgelt, traue ich selbst der NPD noch was zu), und wieviele Stimmer der CDU dadurch verloren gehen.

14) Erwin Gabriel, Montag, 27. Juli 2015, 12:48 Uhr

Der Weg zur Mitte ist meiner Meinung nach schon nicht falsch, aber es sollte ein eigener Weg und nicht der Weg der CDU sein. Solange die SPD dort kneift, wo sie etwas bewirken und Flagge zeigen könnte (etwa bei TTIP), und solange ihr zum Beweis „sozialdemokratischen Gesinnung“ nichts anderes einfällt, als „denen da unten“ noch mehr Geld zu versprechen und dafür die Mittelklasse abzukassieren, wird das nichts.

15) Michael P., Montag, 27. Juli 2015, 12:59 Uhr

Nachtrag: Das Dillemma der SPD ist wohl, dass sie einerseits eine kapitalistische marktwirtschaftlich-demokratische Systempartei ist, andererseits die Interessen der Arbeiterschaft, Angestellten, linker Selbstständiger u.ä. vertreten will. Da es Deutschland nach Schröders Arbeitsmarktreformen ökonomisch relativ gut, um nicht zu sagen blendend geht, ist die Notwendigkeit der Vertretung sozialdemokratischer Belange derzeit nicht sehr hoch – zumal das durch die sozialdemokratisierte Wirtschaftspartei der Merkel-CDU großteils mit erledigt wird. Diese Konstellation wird wohl in der Großen Koalition am besten umgesetzt und wiedergegeben.

16) Tiedgen, Dienstag, 28. Juli 2015, 10:19 Uhr

@ 8 M. Boettcheri,

ich stimme Ihnen zu, dass man nur wenige Daten hat, um auf eine Prognose des Wählerverhaltens zu schließen. Ich erinnere an das formallogische Induktionsproblem, d.h. dass man von einer kleiner Stichprobe (Umfrage 2000 Personen) kaum auf etliche Millionen Wählerstimmen schließen kann. Außerdem weiß man nicht, wofür sich die Nichtwähler (> 40 %) entscheiden werden.

Bis zur Bundestagswahl sind es noch 2 Jahre, bis dahin wird uns das „Griechen-Schulden-Problem“ nochmals auf die Füße fallen und wir haben dann vielleicht 1 Mio Flüchtlinge zusätzlich im Land haben. Wenn Herr Schäuble, in aller ministerialen Loyalität, jetzt schon auf einen Contra-Kurs umschwenkt, dann werden das 2 politisch ungemütliche Jahre.

Auch ich glaube, dass sich die SPD zu sehr auf die alten Kampfparolen gegen die „bösen Unternehmer“ konzentriert, weil das der Identitätswahrung dient. In Zeiten der neoliberalen Modifikation der Konzerne nach amerikanischen Vorbild scheint das auch erfolgversprechend zu sein.

Aber die Zukunft der innovativen Wirtschaft liegt in Deutschland bei den mittelständigen Unternehmen, denn in den börsennotierten Konzernen geben längst die renditehungrigen Investoren den Ton an. Wer dort für einen Bruchteil des Tariflohns als Zeitarbeiter oder Werkvertragler arbeitet, entdeckt das Thema „Leistungsgerechtigkeit“ für sich neu.

Wahrscheinlich sitzen die Arbeitnehmer und die mittelständischen Unternehmer bereits im selben Boot. In Norddeutschland hat das seit Jahrhunderten Tradition, dass man Krisen gemeinsam bewältigt. Deshalb gibt es dort auch ein wirtschaftsaffineres SPD-Klientel und eine eher sozialliberale Haltung. Das ist dann die „Politische Mitte“.

17) Jakobiner, Dienstag, 28. Juli 2015, 16:55 Uhr

Die SPD sollte sich gleich auflösen. Die Anhänger des Seeheimer Kreises sollen gleich zur CDU gehen, die Parteilinken gleich zur Linkspartei. Dann hätte man wieder klare wählbare Alternativen. Aber diese selbstparalysierte Bastardpartei, die weder Fisch noch Fleisch ist, braucht niemand mehr.

18) Woody Guthrie, Dienstag, 28. Juli 2015, 18:47 Uhr

Nun ja, im Prinzip haben sie sicher recht Herr Spreng. Nur was Schulz angeht hat er auch einige Patzer hingelegt mit Griechenland und TTIP zum Beispiel.
Gabriel ist aus meiner Sicht nicht tragbar als Chef der SPD. Er muss zurücktreten und Platz machen für andere. So wäre 2017 eine Stimmenzuwachs möglich aber erst 2021 in der Tat erst der Sieg mögich.

WG

19) R. Penkalla, Mittwoch, 29. Juli 2015, 10:02 Uhr

„Tschüss SPD – for ever“ muss es heißen …. diese Partei hat sich in den letzten Jahren selbst erledigt, sie hat es nur noch nicht gemerkt …

20) riskro, Freitag, 31. Juli 2015, 09:20 Uhr

Wenn überhaupt wäre „NUR“ Scholz ein Kanzlerkandidat.

13) Wolfgang Wegener

Welche Konstellation bleibt demzufolge übrig? Wäre vielleicht einen Versuch wert.

21) C.Mayer, Freitag, 31. Juli 2015, 17:38 Uhr

Solange sich die SPD programmatisch nicht von der CDU unterscheidet gibt es keinen Grund, statt des Originals das Plagiat zu wählen.

22) CitizenK, Samstag, 01. August 2015, 18:26 Uhr

Was ist schlecht daran, wenn die SPD ihre Möglichkeiten realistisch einschätzt, nicht mehr als ein Korrektiv leisten zu können? Immerhin hat sie für die Menschen einiges herausgeholt: Mindestlohn, Mietpreisbremse, Bestellprinzip bei Maklern usw.

Aber nicht nur Journalisten sehen den politischen Prozess wie einen Boxkampf zwischen Merkel und Gabriel, sondern leider auch viele Kommentatoren hier.

Da wird immer beklagt, die Parteien seien nur an der Macht und nicht an den Menschen interessiert. Jetzt macht das eine Partei – nicht freiwillig und im Rahmen ihrer Möglichkeiten – und erntet nur Häme.

@ ralph

Ich bezweifle, dass die von Ihnen vorgeschlagene linke Politik (die auch ich mir wünschen würde) bei den Wählern mehr Erfolg hätte. Die Grünen mit ihrem Trittin-Programm haben das ja bei der letzten Wahl leidvoll erfahren.

23) Michael Schmidt, Samstag, 01. August 2015, 21:57 Uhr

@ 16) Tiedgen

Ich erinnere an das formallogische Induktionsproblem, d.h. dass man von einer kleiner Stichprobe (Umfrage 2000 Personen) kaum auf etliche Millionen Wählerstimmen schließen kann.

Das ist kein formallogisches Induktionsproblem. Da haben Sie etwas ganz falsch verstanden. Man schätzt für mögliche Ereignisse die Wahrscheinlichkeiten ab, dass sie eintreten. Das ist etwas ganz anderes als logische Schlüsse zu ziehen.

Haben Sie mal von Nate Silver gehört? Bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008 sagte er für 49 aus 50 Staaten den Gewinner korrekt voraus. Die 35 Senatoren, die in diesem Jahr zur Wahl standen und die Wahl gewannen, sagte er komplett richtig voraus.

2012 sagte er für die Präsidentschaftswahlen das Ergebnis für alle Staaten korrekt voraus und bei den Senatswahlen im selben Jahr sagte er 31 Gewinner richtig voraus, bei 33 Senatssitzen, die zu vergeben waren.

Sie sehen, dass man inzwischen ziemlich gute statistische Methoden zur Verfügung hat. Und wenn man sich mal die Voraussagen hierzulande anschaut, dann sind diese nicht wirklich grob falsch, sondern liegen mit einer Schwankungsbreite von 2-3% um das tatsächliche Wahlergebnis.

Das kann natürlich entscheidend dafür sein, wer die nächste Regierung stellt oder auch nicht, aber trotzdem liegen die Prognosen nicht allzu arg falsch.

24) Erwin Gabriel, Sonntag, 02. August 2015, 12:12 Uhr

@ 21) C.Mayer, Freitag, 31. Juli 2015, 17:38 Uhr

>> Solange sich die SPD programmatisch nicht
>> von der CDU unterscheidet gibt es keinen
>> Grund, statt des Originals das Plagiat zu wählen.

Das sehe ich anders.

Die CDU ist doch das Plagiat, nicht die SPD. Wenn es also nach Originalität (oder überhaupt um Inhalte) ginge, hieße der Kanzler Steinbrück, Steinmeier oder Gabriel. Aber wen interessieren schon Inhalte?

Es ist doch offenkundig so, dass die Mehrzahl der Deutschen sich eine Kanzlerin Merkel wünscht, egal was sie sagt oder (nicht) tut. Den gesagt hat sie schon alles: Für und gegen Euro-Rettung, für und gegen Atomkraft, für und gegen Zuwanderung, für und gegen Homo-Ehe etc. Entschieden hat sie (falls sie überhaupt entschieden hat) letztendlich so, wie es die SPD getan hätte bzw. gefordert hat.

25) Beate, Sonntag, 23. August 2015, 21:44 Uhr

„Das kann die SPD nicht, wenn sie nicht ihre Politik seit 1998 diskretieren und einen Teil ihrer ohnehin wenigen Wähler verlieren will. “

Was gibt es da zu diskreditieren?

In Kosovo wurde ein Mafiastaat geschaffen.

Dem die Menschen weglaufen.

Dahin wollen die CDU und SPD gemeinsam die Menschen wieder zurückschicken?

Das darf nicht sein!

Denn in einem Mafiastaat gibt es keine Menschenrechte , die man einklagen könnte.

Da gilt für Albanien, … genauso.

Wenn die deutsche Exportwalze die Arbeitsplätze vor Ort in den Emmigrationsländern zerstört hat, werden die Menschen hierher kommen.

Dafür hat die CDU und insbesondere Merkel die Verantwortung, die ihre gescheiterte Wirtschaftspolitik nicht ändern will.

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