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Was tun mit dem „Pack“?

„Pack“ hat Sigmar Gabriel diejenigen Menschen(feinde) genannt, die vor dem Flüchtlingslager in Heidenau herumpöbelten. Aber das „Pack“ ist überall: in Freital, bei den Pegida-Demonstrationen in Dresden, als Hooligans in Köln.

Was also tun mit dem „Pack“?

Gutmeinende sagen, man müsse mit diesen Menschen reden, in den Dialog treten,  sie durch Argumente  überzeugen. Das sei der einzige Weg.

Stanislaw Tillich kann berichten, wie es ausgeht, wenn man es versucht. 20 Minuten lang hat der sächsische Ministerpräsident versucht, mit den Demonstranten in Heidenau zu sprechen. 20 Minuten lang wurde er bepöbelt. Er konnte keinen einzigen Satz zu Ende führen.

Für Tillich ein Schlüsselerlebnis, hatte er doch bisher geglaubt, dass der Rechtsradikalismus in seinem schönen Sachsen kein großes und ein beherrschbares Problem sei. Jetzt wurde er eines Schlechteren belehrt.

Früher haben sich Dumpfmenschen – bis auf die NPD-Leute – kaum getraut, darüber zu sprechen, was in ihnen vorgeht. Früher hatten sie Angst, anzuecken, sich zu isolieren.

Aber seit Thilo Sarrazin („Man wird doch mal sagen dürfen…“), seit Pegida, auch seit der AfD trauen sich immer mehr, den Unrat aus sich herauszulassen. Zur Lawine ist die Zahl der sich artikulierenden Menschenfeinde durch die sozialen Netzwerke geworden.

Plötzlich merken sie, dass sie nicht allein sind, sondern viele, fühlen sich als Teil einer starken Gemeinschaft – mit der Folge, dass sie für Argumente erst recht unzugänglich sind. Ein Dialog ist unmöglich. Überzeugung schon gar nicht.

Was also tun mit dem „Pack“?

Gegenöffentlichkeit ist sicher wichtig und gut, ändert aber nichts an der menschenfeindlichen Einstellung dieser Menschen. Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung gelten als für rechtsradikale Ansichten ansprechbar.

Was also tun mit dem „Pack“?

Wer gewalttätig wird, volksverhetzende Parolen ruft, ist ein Fall für die Polizei und den Staatsanwalt. Aber was ist mit den anderen?

Es gibt nur ein Mittel: Sie sozial und gesellschaftlich zu ächten. Im Sportverein, am Stammtisch, am Arbeitsplatz, überall dort, wo sie den Mund aufmachen. Sie müssen wieder Angst bekommen, sich zu artikulieren, weil sie dann ausgegrenzt, isoliert werden.

Jede kleine Bemerkung, jeder „Negerwitz“, jede ausländerfeindliche Äußerung, jeder dumpfe Satz muss sofort als solcher gebrandmarkt und verurteilt werden. Auch im Gespräch im kleinen, im privaten Kreis. Es reicht nicht, nur peinlich berührt wegzuschauen. Solange, bis die Dumpfmenschen, oder zumindest die meisten davon, wieder schweigen.

Wenn es leider schon so ist, dann ist es immer noch besser, bis zu 15 Prozent schweigende Dumpfmenschen unter sich zu haben, als solche, die sich artikulieren. Es ist besser, sie beißen zu Hause vor Wut ins Handtuch, als dass sie öffentlich vor Asylantenunterkünften krakeelen.