Montag, 05. Oktober 2015, 11:48 Uhr

VW unter zwei schlechten Sternen

Die Aufklärung des VW-Skandals und der bitter notwendige Reformprozess bei VW stehen unter keinem guten Stern. Genauer gesagt, unter zwei schlechten. Der eine heißt Piech, der andere Porsche. Die beiden Eignerfamilien, zusammen Mehrheitsaktionär des Konzerns, haben entweder den Ernst der Lage nicht erkannt oder wollen eine schonungslose Aufklärung boykottieren.

Dafür sprechen zwei gravierende Fehlentscheidungen. Die eine war, den zurückgetretenen VW-Chef Winterkorn in seiner Funktion als Vorstandschef der Porsche Automobil Holding zu belassen. Wie kann Aufklärung funktionieren, wenn der – zumindest in seinem Amt – hauptverantwortliche Manager den Aufklärungsdruck der Aktionäre an Aufsichtsrat und Vorstand weitergeben soll?

Der zweite Fehler ist die geplante Berufung des bisherigen Finanzvorstandes Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratsvorsitzenden, die die Familien Porsche und Piech gegen alle Widerstände betreiben. Pötsch hat spätestens am 3. September von dem Skandal erfahren, als die amerikanische VW-Führung ihr Schuldeingeständnis ablegte. Statt aber unverzüglich die Öffentlichkeit zu informieren, schwieg Pötsch – zwei Wochen lang. Er habe, so heißt es, die Schwere der Vorwürfe und die finanziellen Folgen nicht früher absehen können. .

Pötsch ist (Pardon, diese Härte muss sein) entweder ein Lügner oder ein Dummkopf. Entweder hielt er bewusst die Information zurück, weil er zu einem Kungelkartell gehörte, das VW über die IAA und Winterkorn über die Vertragsverlängerung bringen wollte, oder er hat die Bedeutung und die Folgen dieses beispiellosen Skandals tatsächlich nicht erkannt. Beides disqualifiziert ihn für die Rolle des Chefaufklärers.

Zu diesem Trauerspiel passt auch die an inhaltlicher und sprachlicher Einfalt nicht zu überbietende Anzeige von VW. Sechs Mal „eigentlich“, kein Schuldeingeständnis, keine Entschuldigung, nur das lapidare „Wir werden alles tun, um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“. Das ist erschütternd wenig angesichts der Größe des Skandals.

Am wenigsten scheinen die Familien Piech und Porsche begriffen zu haben. Mit „Augen zu und durch“ ist noch nie ein Skandal aufgeklärt worden. Vielleicht wollen sie dies gar nicht.

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28 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Montag, 05. Oktober 2015, 14:25 Uhr

Peinlich, zugegeben, dass VW zu solch einem Trick greifen musste, um die Abgasnormen zu erfüllen. Noch peinlicher, dass sie sich dabei haben erwischen lassen.

Dennoch finde ich ein bisschen traurig, welcher enorme Wind um die Sache gemacht wird. Die Welt bricht nicht zusammen, nur weil ein paar PKW (und 11 Millionen sind nur ein paar, verglichen mit der gewaligen Zahl, die unterwegs ist), mehr Abgase in die Luft bringen, als sie sollten. Verglichen mit dem Abbrennen der Regenwälder, den Luftverunreinigungen durch den Flug- oder Schiffsverkehr, den brennenden Kohleflözen u.a. in Russland und China oder den Fürzen der indischen Kühe debattieren wir hier über die dritte Nachkommastelle.

Als General Motors ein Billig-Zündschloss verbaute und knapp 130 Leute starben, ehe der Autohersteller reagierte, war das öffentliche Geschrei deutlich leiser – trotz der vielen Toten. Und bei VW, wo kein Mensch zu Schaden kam, üben sich wieder die üblichen Selbstgerechten und Weltverbesserer mit Schaum vor dem Mund am Zerfleischen der deutschen Industrie.

Au weia …

2) olaf, Montag, 05. Oktober 2015, 16:30 Uhr

Aus Sicht der Konzerneigentümer läuft es perfekt, denn Herr Winterkorn sollte im Frühjahr bereits entfernt werden. Heute soll er Verantwortung übernehmen, da er so ein eingeweihter Detailfuchs sei. Der andere Detailfuchs, von deutschen Medien als genialistisch überhöht, war 2008 am Ruder, bis zu eben diesem Frühjahr. Wie schon beim PorscheDeal gilt es, ihn um jeden Preis zu schützen.
Wie kann jemand überall mitentscheiden in Porsche SE und VW AR, aber nichts wissen?
Wie unanständig ist es, hier nebenbei auf sog. „kriminelle Entwickler“ zu verweisen?
Da fehlt ja nur noch das Zitat von „einer ganz kleinen Clique…“.
Ein solches Ausmaß in Dauer und Stückzahl des Betrugs zeugt von vielen Mitwissern, die vielleicht meinten, ganz nah beim Herrgott zu sitzen.
Dieser lässt sie alle nun sauber abschmieren und nutzt den niedrigen Aktienkurs, seine Anteile zu erhöhen.
Ausdrücklich meine ich damit beide Teile der Eigentümerfamilie, die nur für Erfolge und nie für die zahlreichen Fehlentwicklungen verantwortlich zeichneten.

3) Beate, Montag, 05. Oktober 2015, 21:27 Uhr

Die Politik kann den Innovationsprozess bei VW fördern, indem sie die Steuernachlässe für Diesel kassiert und die 7 Milliarden Euro höheren Steuereinnahmen in die Subventionierung des Kaufes von Elektroautos mit einem Kaufpreis bis zu 25000 steckt.

Dazu gehören der Zwang für Tankstellen x Schnellaufladestationen zu betreiben, … usw.

Den Rest macht der Markt und der Wettbewerb.

Eine Dieseltechnologie die für Kleinwagen geeignet ist, aber nicht für grosse schwere Wagen nicht und nur mit Betrug niedrige Verbrauchswerte und hohe Umweltstandards vorgauckelt sollte nicht mehr von der Politik gefördert werden.

Dazu gehört es die Abgasvorschriften für grosse schwere Wagen besonders streng zu machen.

Jeder SUV der nicht mehr gekauft wird ist ein Segen für die Umwelt.

Klimakillerfamilien mit 2 und mehr SUV’s sollten mindestens 10 Flüchtlinge zur Beherbung zugewiesen bekommen.

4) Jakobiner, Dienstag, 06. Oktober 2015, 06:23 Uhr

Der VW-Skandal wird in Deutschland möglicherweise tragischer wahrgenommen als im Ausland.Auch die Angst „Made in Germany“käme damitinternational in Verruf, dürfte übertrieben sein. Eine Chinesin meinte letztens zu mir: Uns Chinesen ist klar, dass für den Smog in Peking nicht VW schuld ist.“

5) StefanP, Dienstag, 06. Oktober 2015, 09:47 Uhr

@3) Beate

Dass ausgerechnet Sie von Markt und Wettbewerb schreiben – nachdem Sie im Satz zuvor Zwang gefordert haben – ist wohl eine besondere Lachnummer.

Wenn Sie von Dieselförderung schreiben, so haben Sie wohl die mehrfach höhere Kfz-Steuer auf Dieselfahrzeuge vergessen?

Innovationen haben sich immer von den Oberklassewagen in die Massenautos durchgesetzt. Ihre Subventionsempfehlung setzt also gegen die Erfahrungen (und damit gegen den Markt) an.

Bisher zeigen sich die Autofahrer weltweit nicht sehr an Elektroautos interessiert. Oder warum bieten die Billighersteller aus Korea, Hyundai und Kia, SUVs für die unteren Einkommensgruppen an? Die Marktdurchdringung geht auf die 20% zu, das sind nicht nur Firmenwagen und Luxusschlitten.

Neue SUVs stoßen tendenziell weniger CO2 aus als der 15-Jahre alte Kleinwagen des Hartz-IV-Empfängers oder der Krankenschwester. Ein Verbot, solche alten Kisten in Deutschland zu fahren, wäre da wohl sinnvoller, oder?

Ihnen ist aber hoffentlich klar, dass jeder Mensch stets nur ein Auto fahren kann, egal wieviel SUVs auf ihn angemeldet sind?!

6) Rainer N., Dienstag, 06. Oktober 2015, 10:08 Uhr

Ach, die Schuldfrage! Irre. Dafür gibt es doch gut bezahlte Sündenböcke. Denn es ist wohl nie die „Tat“ eines Einzelnen. Auch nicht bei VW.

Als ich gelesen habe, Bosch habe darauf hingewiesen, die gelieferte Software könne zum Betrug genutzt werden … war mir klar, die Software wurde sicher nicht erstellt, um NICHT zu betrügen. Die Betrugsabsicht war Urheber für die Software. Geschrieben von Programmierern, auf Anweisung. Ein Programmierer wird kaum von sich aus in eine Software eine Betrugstür einbauen. Stellen Sie sich vor, das würde in Buchhaltungssoftware … obwohl ich denke, da gibt es sicher auch welche. Wie es das mit dem „Zehntelpfennig“ in der „Zinsberechnungssoftware“ schon mal gab. Lange her, während meiner Ausbildung wurde uns die Geschichte erzählt. Die Methode war verbrannt.

Aber der „Lieferant“ musste sich einen Persilschein ausstellen. Denn wie die bekannte Redewendung besaht, der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht … oder … literarischer … die Kraniche des Ibykus. Nichts kann auf Dauer geheim gehalten werden.

Aber, wo kämen wir denn auch hin, wenn die wirklich Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Das war einmal … 1789 … als die „kleinen Leute“ es satt hatten, verschaukelt zu werden. Inzwischen werden dort wohl nur noch Hemden zerrissen … und seine Krawatte durfte er ja noch behalten. Auch der Typ ist nur eine Marionette. Falls es irgendwann erforderlich ist, wäre der doch auch als Sündenbock …

und dann wundern Sie sich, Herr Spreng, über die beiden „Fädenzieher“? Die haben genügend Sündenböcke an der Leine. Erinnert mich an den Spruch, der Agenten vorgetragen wird – wenn Sie erwischt werden, kennen wir sie nicht.

Und an Jakobiner, doch, VW trägt durchaus eine Mitschuld, so wie die Chinesen, so wie „Gesetzgeber“,

Für die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen.

Da hat die von Ihnen erwähnte Chinesin ein Wort vergessen, oder Sie haben es unterschlagen. Zwischen nicht und VW gehört „allein“. Dann passt es.

7) wschira, Dienstag, 06. Oktober 2015, 11:05 Uhr

@1) Erwin Gabriel

Mein Gott, Herr Gabriel, mischen Sie sich jetzt auch schon unter die Relativierer?

8) Wolfgang Wegener, Dienstag, 06. Oktober 2015, 11:18 Uhr

Zu 1) Erwin Gabriel „Als General Motors ein Billig-Zündschloss verbaute und knapp 130 Leute starben, ehe der Autohersteller reagierte, war das öffentliche Geschrei deutlich leiser“.

Na ja, so kann man das auch sehen. Es handelte sich allerdings nicht nur um „Geschrei“, sondern es wurden sogar Strafen verhängt: 900 Mio. Dollar (ca. 800 Mio. Euro). Entschädigungsansprüche Hinterbliebene gibt es nicht. Ein Gericht urteilte, dass GM nach der Insolvenz mittlerweile ein völlig anderen Unternehmen sei. (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zuendschloesser-general-motors-zahlt-900-millionen-dollar-a-1053321.html).

Verglichen mit den jetzt in Rede stehenden Strafen von 18 Mrd. US-Dollar für VW (deutsch) ist GM (USA) da sehr glimpflich davon gekommen. Denn Absicht wie nun auch bei der Manipulation durch VW spielte dort auch eine Rolle, GM-s Absicht nahm allerdings tatsächlich Tote in Kauf. Die Schuld wiegt also ungleich schwerer als bei VW.

9) Politikverdruss, Dienstag, 06. Oktober 2015, 11:30 Uhr

Beim VW-Skandal gibt es mal wieder einen Großauftrieb der Heuchler und „Deutschlandhasser“.

Dass die US-Amerikaner erfolgreich versuchen, den US-Automarkt vor deutschen Qualitätsprodukten abzuschotten, kann man ja noch verstehen. Aber die Selbstzerfleischung im eigenen Land ist schon abstoßend.

„Umweltbundesamt (UBA): Autoabgas ist sauberer als Luft“. „Zu welch enormer Abgasentgiftung die Ökotechnik geführt hat, zeigt sich laut UBA-Fachmann Friedrich besonders drastisch daran, dass eine früher häufiger praktizierte Selbstmordmethode mit den neuen Autos nicht mehr funktioniert: „Wer bei geschlossenem Garagentor den Motor laufen lässt verhungert, bevor er an den Abgasen krepiert“, sagte er der ZEIT.

http://www.presseportal.de/pm/9377/181874 oder http://www.zeit.de/2000/42/200042_antitrend.xml

„In den USA ist ein perfides Hobby entstanden: Fahrer von Pick-up-Trucks modifizieren ihre Autos, damit die mehr dreckige Auspuffgase in die Luft blasen. Mit den sogenannten Coal Rollers wollen sie Umweltschützer und -politiker provozieren.“ http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/rolling-coal-getunte-pick-up-trucks-blasen-abgaswolken-in-die-luft-a-980149.html

Mit „Kohlewalzen“ gegen Obamas Umweltpolitik: Erzkonservative amerikanische Pick-up-Fahrer bauen ihre Autos so um, dass sie besonders viel Ruß ausstoßen. http://www.sueddeutsche.de/auto/coal-roller-trend-in-den-usa-schmutzige-provokation-1.2041429

Und vor diesen US-Amerikanern will man nun zu Kreuze kriechen? Da kann man nur hoffen, dass VW bald zur Gegenoffensive übergeht.

Und dann die Industrie-feindliche Linke in Deutschland: „Der VW-Skandal ist ein Skandal der gesamten Autoindustrie!“ http://www.linksfraktion.de/nachrichten/vw-skandal-skandal-gesamten-autoindustrie/ Mit Schaum vor dem Mund spielt man den Marktabschottern der US-Industrie in die Hände.

Das ist dann selbst dem SPIEGEL zu viel:

„Made in Germany“ ist am Ende, mit der deutschen Ingenieurskunst ist es aus und vorbei, und die hiesige Wirtschaft steht unmittelbar vor dem Totalabsturz. Drunter machen es viele Politiker, Journalisten und sonstige Experten nicht, wenn sie in diesen Tagen die Folgen des VW-Skandals erklären. Einige, wie die „New York Times“, schlagen sogar den ganz großen Bogen zu Griechenland- und Flüchtlingskrise und sehen die Vormachtstellung Deutschlands in Europa gefährdet.
Angesichts solch apokalyptischer Raserei ist es angebracht, mal ein bisschen auf die Bremse zu treten. Rechts ranfahren. Durchschnaufen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-warum-made-in-germany-nicht-in-gefahr-ist-a-1054582.html

Insgesamt scheint es so, als sei die „Tugend des Maßes“ in den Medien und der Politik Deutschlands völlig verloren gegangen. Einfach schrecklich!

10) Beate, Dienstag, 06. Oktober 2015, 15:22 Uhr

„Neue SUVs stoßen tendenziell weniger CO2 aus als der 15-Jahre alte Kleinwagen des Hartz-IV-Empfängers oder der Krankenschwester. Ein Verbot, solche alten Kisten in Deutschland zu fahren, wäre da wohl sinnvoller, oder?“

Es geht nicht um CO2 sondern um Stickoxide und Feinstaub.

Dem Markt muß man Rahmenbedingungen setzen und einhegen.

Niemand ist gegen Wettbewerb in diesem Kontext.

11) Erwin Gabriel, Dienstag, 06. Oktober 2015, 15:55 Uhr

@ wschira

Relativieren? Na klar.

Die vom Software-Betrug betroffenen VW stoßen weniger Schadstoffe aus als vergleichbare, 10 Jahre alte Fahrzeuge, als der Durchschnitt aller weltweit fahrenden PKW, oder als hubraumstarke SUVs ohne manipulierte Software. Keiner tot, keiner verletzt.

Wie soll ich da als halbwegs vernünftiger Mensch sonst urteilen?

Mich regt vielmehr auf, dass inzwischen jedes durchs Dorf getriebene Liliputaner-Ferkel zur Riesensau erklärt wird. Diese deutsche Neigung, sich beifallheischend ständig selbst zu zerfleischen, ist mir vollkommen unverständlich.

12) Erwin Gabriel, Mittwoch, 07. Oktober 2015, 09:34 Uhr

@ Beate

Ist schon sehr widersprüchlich, was Sie schreiben.

Ansonsten geht es nicht, wie Sie behaupten, um „ent“ oder „weder“.

Stickoxide setzen eher der Gesundheit zu, Kohlendioxid eher der Umwelt. Die „Rahmenbedingungen“ orientieren sich bestenfalls daran, dass irgend ein Bürokrat, nachdem sein Vorgänger durch senken der Norm die Welt verbessert hat, ebenfalls die Welt retten will.

Und Hauptverursacher von Feinstaub sind Heizungen ( besonders im Winter die Kamine) und die Landwirtschaft. Will ich den effizient bekämpfen, müssen wir im Winter die Heizungen abschalten, dürfen landwirtschaftliche Flächen nicht mehr beackern, und wir verbieten den LKW-Verkehr. Wenn wir dann noch dafür sorgen, dass Rest-Europa und folgt, damit nicht versehentlich deren Feinstaub hier herüber weht, dann leben wir wirklich gesund (von Mangelerkrankungen und schweren Erkältungen mal abgesehen).

PS: Gibt es irgend ein Thema, bei dem Sie die Kirche mal im Dorf lassen können?

13) Rainer N., Mittwoch, 07. Oktober 2015, 10:32 Uhr

Feinstaub!

… gelangt Feinstaub vorrangig aus Dieselmotoren …

Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes sollen in Deutschland jährlich im Schnitt rund 47.000 vorzeitige Todesfälle auf die zu hohe Feinstaubbelastung zurückzuführen sein.

Keiner tot, Herr Gabriel?

Autofahrer sind wie Raucher … Selbstmordattentäter … frei nach Pispers!

14) wschira, Mittwoch, 07. Oktober 2015, 11:22 Uhr

@11) Erwin Gabriel

„Die vom Software-Betrug betroffenen VW stoßen weniger Schadstoffe aus als vergleichbare, 10 Jahre alte Fahrzeuge, als der Durchschnitt aller weltweit fahrenden PKW, oder als hubraumstarke SUVs ohne manipulierte Software. Keiner tot, keiner verletzt.“

Oh ja, und auch weniger als der erste Benz, ganz sicher. Aber ist das ein Kriterium? Und wenn das alles so harmlos ist (“ Keiner tot, keiner verletzt.“), warum werden dann die grössten Dreckschleudern aus den Innenstädten verbannt? Warum kommen immer mehr Alarmmeldungen von Fachärzten über die steigende Anzahl von Lungenkranken infolge Autoabgasen? Wirklich “ Keiner tot, keiner verletzt.“?

Ich kann aber auch, im Gegnsatz zu Ihnen, in einer betrügerisch erlangten Zulassung für über 11 Millionen Dreckschleudern kein Liliputaner-Ferkel erkennen.

Genau das meinte ich mit „Relativierung“.

15) wschira, Mittwoch, 07. Oktober 2015, 11:38 Uhr

5) StefanP, Dienstag, 06. Oktober 2015, 09:47 Uhr

@3) Beate

„Wenn Sie von Dieselförderung schreiben, so haben Sie wohl die mehrfach höhere Kfz-Steuer auf Dieselfahrzeuge vergessen?“

Ich habe ja hin und wieder schon festgestellt, dass Sie es mit Fakten nicht so haben. „Mehrfach höher“ also mindestens 2-3-fach, bedeutet eine mindestens 100-200% höhere KFZ-Steuer für Dieselfahrzeuge. Wollen Sie das wirklich behaupten? Also wenn ich die Steuertabellen ansehe, komme ich, je nach Schadstoffklasse auf knapp das Doppelte. Für „mehrfach“ habe ich andere Grössenordnungen.

Und dass SUV’s tendenziell (Sie meinen wahrscheinlich prozentual) weniger Schadstoffe ausstossen als Uraltfahrzeuge, ist eine Binse. Für die Gefährdung durch Schadstoffe zählt aber die absolute Menge, und da dürften SUV’s ein Mehrfaches (ich benutze auch mal dieses Wort) selbst der Uraltfahrzeuge ausstossen.

16) Don Corleone, Mittwoch, 07. Oktober 2015, 13:50 Uhr

So schlecht dürften die „zwei schlechten Sterne“ nicht sein, unter denen VW sich befindet. Allen Analysten und Kaffeesatzlesern zum Trotz stiegen beide Aktien (Stämme und Vorzüge) heute um 7%, was für einen einzigen Tag ziemlich sensationell ist.

Ich bin sowieso der unverschämten Ansicht, dass die deutsche Abgas-Schummelei, die auch die amerikanische und fernöstliche Konkurrenz ungeniert betreibt, allen möglichen Auguren, politisch wie medial, nur ein willkommenes Mäntelchen ist, um von den wahren Krisen abzulenken, als da sind: Flüchtlings-Tsunami, Griechenlands unverändertes Pokerspiel, Zwist und Auflösungserscheinungen der EU, EZB-Hütchenspiel, nahende neue Finanzkrise, Chaos in Arabien, Afghanistan und großen Teilen Afrikas, ratlose EU und USA, etc.

Und die Kanzlerin tourt durch Indien. (Sari statt Hosenanzug wäre ein optischer und modischer Gewinn, sowohl für den unverblümt angepeilten Friedensnobelpreis als auch den UNO-Chefsessel.)

P.S. an Herrn Spreng: Ich war schon lang nimmer hier, emsig im Ausland unterwegs. Ich stehe nicht an, Ihnen meine persönlichen Daten mitzuteilen, falls Sie mich noch zulassen.. Herzliche Grüße!

17) karel, Mittwoch, 07. Oktober 2015, 13:53 Uhr

VW unter 2 schlechten Sternen?
Da sehe ich eher Politik und Gewerkschaften.

Die 2 guten Sterne, das waren eher Leute wie Porsche, insbesondere Piech.

Als Piech antrat, war dieser Gewerkschafts-Saftladen VW eher konkursreif.
Erst unter dem Druck von notwendig werdenden Massenentlassungen (30.000)
kehrte Vernunft in den Genossen-Etagen ein. Man kürte die 26-Std.-Woche.
Und bei dem abnorm hohen Tarif-Niveau mußte niemand „hungern“.

Und heute?
Für die Herstellung von 10 Mio Autos braucht VW 600 000 Mitarbeiter,
Toyota kommt mit 375 000 aus.
Es ist der Kostendruck durch die viel zu hohen Personalkosten in der Motorenfertigung Salzgitter, der die Ingenieure scheitern ließ.
Salzgitter produziert täglich ca. 7000 Motoren mit ca. 6500 Mitarbeitern.
Andere Motorenwerke, z.B. in Chemnitz, auch Audi in Ungarn benötigen im Verhältnis dazu nur halb so viel Mitarbeiter.
VW Wolfsburg erwirtschaftet kaum Rendite. Im Gegensatz zu den hochprofitablen Töchtern.

Es war höchste Zeit für den Rücktritt von Winterkorn mit seinen viele unerledigten „Baustellen“.
Ein Paukenschlag zur rechten Zeit, um VW, insbesondere Wolfsburg als maroden Koloß, zukunftsfester aufzustellen.
Ich sehe in der entfachten Hysterie eine Strategie, die die wahren Ursachen wieder mal zu verschleiern versucht.

18) Politikverdruss, Donnerstag, 08. Oktober 2015, 09:12 Uhr

13) Rainer N., Mittwoch, 07. Oktober 2015, 10:32 Uhr

Sie behaupten: „… gelangt Feinstaub vorrangig aus Dieselmotoren …“

Ich habe andere Informationen:

„Feinstaub kann sowohl aus natürlichen wie auch aus anthropogenen (menschlichen) Quellen stammen. Welche Quelle an welchem Ort dominiert, hängt von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab.

Hauptverursacher der natürlichen Staubbelastung (auch von Feinstaub) sind:

• die Erosion von Gesteinen (hauptsächlich durch Wasser und Wind) samt folgender Deflation, beispielsweise Sahara-Staub und sonstige Flugstäube
• Kleinstlebewesen, z. B. Pilzsporen
• Partikelneubildung aus Vorläufern in der Atmosphäre
• Pflanzen (Pollen vieler Pflanzen können Allergien auslösen; siehe auch Pollenflugkalender)
• Seesalz durch Gischt und Trocknung
• Vulkanausbrüche
• Waldbrände
• kosmischer Partikeleinfall

Hauptverursacher des anthropogenen Anteils am Feinstaub in Deutschland waren um 2001 (laut Bundesumweltministerium und ergänzenden Quellen):

• Wirtschaft: 74.000 t/Jahr
o Industrie: 60.000 t/Jahr
o Schüttgutumschlag: 8.000 t/Jahr
o Industriefeuerungen: 6.000 t/Jahr
• Verkehr: 64.000 t/Jahr
o Straßenverkehr: 42.000 t/Jahr
 Abgase der
 Otto-Motoren
 Diesel-Motoren (siehe: Dieselruß): 29.000 t/Jahr
 Abrieb von
 Fahrzeugkatalysatoren
 Antriebssystemen (Kardanwellen, Dichtungen, Getrieben)
 Bremssystemen, Bremsenabrieb: 7.000 t/Jahr (Ergänzung)
 Reifen, Reifenabrieb (Gummireifen): 6.000 t/Jahr (Ergänzung)
 Straßenbelag, Straßenoberfläche: derzeit keine Angaben verfügbar
 Aufwirbelung von Straßenstaub

o Luftverkehr, Schiffsverkehr und sonstiger Verkehr: 16.000 t/Jahr
 Abgase der
 Turbinen-Antriebe
 Düsen-Antriebe (Raketen-Antriebe)
 Partikel durch verglühende Satelliten und Raketen-Antriebsstufen

o Schienenverkehr: 6.000 t/Jahr
Abgase Dieselmotoren
 Bremssand
 Abrieb Rad-Schiene
 Abrieb Kohleleiste des Stromabnehmers und der Oberleitung
 Zermahlung des Schotters

• Privathaushalte und Kleinverbraucher: 33.000 t/Jahr

o Heizungen
 Gas-Brenner
 Öl-Brenner
 Holzheizungen
 andere Heizungen

o sonstiges
 Räucherwerk
 Kerzen und andere
• Elektrizitäts- und Fernheizwerke: 19.000 t/Jahr
o Öl-Brenner, Gas-Brenner, Kohle-Brenner
o Filterstäube
o Kühlmittel
• Landwirtschaft: 15.000 t/Jahr
o Tierhaltung: 7.500 t/Jahr (ca. 4,5 % der Gesamtmenge, Ergänzung)
o Sonstige: 7.500 t/Jahr (ca. 4,5 % der Gesamtmenge, Ergänzung)

Dies ergab eine Gesamtzahl von rund 205.000 t/Jahr. (Wiki) Nur 29000 t stammen von Otto-und Dieselmotoren. Diese Liste ist noch nicht vollständig. So steigt z.B. die Feinstaubbelastung durch das Silvesterfeuerwerk explosionsartig an.

Lieber Rainer N., bitte überprüfen Sie noch einmal Ihre Angaben.

19) wschira, Donnerstag, 08. Oktober 2015, 12:50 Uhr

@16) Don Corleone

„Ich war schon lang nimmer hier…“

Tatsächlich, und niemand hat Sie vermisst… 🙂

20) Don Corleone, Donnerstag, 08. Oktober 2015, 13:26 Uhr

@19) wischira
Wie schön! Ich Sie ebenfalls nicht. Küss‘ die Hand, Herr oder Frau Kerkermeister!

21) Rainer N., Donnerstag, 08. Oktober 2015, 16:12 Uhr

@ Politikverdruss … nö, die Angaben kannte ich auch … nur, ich wollte damit darauf hinweisen das durch den Feinstaub auch aus Dieselmotoren durchaus Menschen zu Tode gekommen sein können.

Nur darum ging es mir.

Aber viel interessanter finde ich diesen Text – zu Betrügereien:

http://if-blog.de/guestauthor/mein-freund-der-softwarebetrueger/

Gerade im Zusammenhang mit VW.

Nach wenigen tausend Kilometern war ein VW-Katalysator komplett im Eimer – und jeder wußte das! Aber damit nicht genug: Durch gezielte Lobbyarbeit, nicht nur von VW, wurde erreicht, daß es keine Abgasuntersuchung für Katalysator-Fahrzeuge gab – eine unglaubliche Farce, die aber niemand bemerkte.

22) Erwin Gabriel, Donnerstag, 08. Oktober 2015, 23:11 Uhr

@ wschira

Ist Betrug, bleibt Betrug, keine Frage. Wird ja weder von VW noch von mir geleugnet.

„Keiner tot, keiner verletzt“ muss ich für Sie wohl etwas präziser ausführen: Ich bin mir sicher, dass niemand gestorben ist, nur weil die betroffenen VW mehr Abgase als versprochen ausgestoßen haben.

Und wenn Sie fragen, ob der relative Schadstoff-Ausstoß ein bzw. „das“ Kriterium sei, frage ich zurück, ob der absolute oder theoretische Schadstoff-Ausstoß eines ist.

Es grüßt
E.G.

23) Erwin Gabriel, Freitag, 09. Oktober 2015, 10:42 Uhr

@ 21) Rainer N., Donnerstag, 08. Oktober 2015, 16:12 Uhr

>> nur, ich wollte damit darauf hinweisen das durch den Feinstaub auch
>> aus Dieselmotoren durchaus Menschen zu Tode gekommen sein können.

Zustimmende Ergänzung: Aus allen Dieselmotoren (nicht nur aus denen vonVW).

>> http://if-blog.de/guestauthor/mein-freund-der-softwarebetrueger/

Danke für den überaus interessanten Link. Ich schließe mich folgendem Zitat gerne an:

“ … ist die aktuelle Affäre doch eigentlich lächerlich: Es wird eine praxisfremde Vorschrift erlassen und VW genügt dieser Vorschrift mit einem praxisfremden Verhalten im Test. Der Test ist doch bestanden — so what?“

Es grüßt
E.G.

24) M. Schubert, Freitag, 09. Oktober 2015, 15:49 Uhr

Zitat: „Merkels Schlüsselsatz bei Anne Will war: “Ich muss meinen Weg gehen”. Notfalls geht sie sie ihn allein“.
Das sollte sie ganz schnell tun. Aber dann bitte nicht mehr als Kanzlerin. Was sie Deutschland und Europa langfristig antut ist noch gar nicht zu ermessen, Ich hoffe inständig, daß es nur noch Tage sind bis zur Merkeldämmerung

25) Politikverdruss, Freitag, 09. Oktober 2015, 18:12 Uhr

20) Don Corleone, Donnerstag, 08. Oktober 2015, 13:26 Uhr,

schön, mal wieder etwas von Ihnen zu hören!

26) Politikverdruss, Freitag, 09. Oktober 2015, 18:13 Uhr

21) Rainer N., Donnerstag, 08. Oktober 2015, 16:12 Uhr,

verstehe, Sie haben es „gut gemeint“!

27) Rainer N., Sonntag, 11. Oktober 2015, 20:52 Uhr

Ach, Politikverdruss, ich fand den Artikel zu den Betrügereien vorher, hab ihn mir „aufgehoben“, weil ich so eine Antwort wie Sie geschrieben habe erwartete. War ja so leicht zu finden, dass Feinstaub aus vielen Quellen stammt. Also eine vorsätzliche Weglassung der anderen Daten.

Da ich auch einige Jahre in Oldenburg / Oldenburg lebte, kannte ich auch die Meldung, dass dort angedacht wurde, die Busse anders fahren zu lassen, weil da sehr oft die Grenzwerte überschritten werden. In meinem jetzigen Wohnort wird da nichts an den „belasteten Straßen“ gemessen.

Und an Erwin Gabriel. Nun, Betrug ist Betrug. Auch wenn es sich um unsinnige Verordnungen oder Gesetzt handelt. Ich würde da lieber die Methode von Henry David Thoreau erwarten.

Beschrieben in: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat.

Da ich Programmierer bin, ich würde solche „Programme“ nicht schreiben, mit denen so „gemogelt“ werden kann. Auch, weil mir bewusst ist, nichts kann für immer unentdeckt bleiben. Dann beweisen Sie mal, dass Sie auf Anordnung gehandelt haben.

Bleibt nur noch der Wunsch, für alle Verkehrsteilnehmer, dass sie von einem mit gefälschter Fahrtenschreiberkarte fahrenden LKW nicht irgendwann einmal am Stauende von so einem Fahrer plattgefahren werden.

Ein Bekannter war LKW-Fahrer. Der hat den Beruf gewechselt, weil er sich nicht strafbar machen wollte. Und er hatte auch keine Lust als Doppelagent (zur Zeit als die Mauer noch stand) für Polen und BND zu arbeiten.

28) Politikverdruss, Freitag, 16. Oktober 2015, 13:37 Uhr

„Mit Lust am Skandalisieren scheinen manche den Untergang von Volkswagen herbeischreiben zu wollen.“ Und: „Manchen kann auch die Dimension des Skandals einfach nicht groß genug sein.“

„Nachdem VW klarstellte, dass man für die Reparatur der betroffenen Fahrzeuge 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt habe und man die angebliche Strafe in Höhe von 18 Milliarden Euro nur aus Medien kenne, meldete eine Zeitung aus Süddeutschland, dass der Schaden bis zu 50 Milliarden Euro betragen werde. Das spornte wohl einen publicitysüchtigen Ökonomen aus Berlin an, der tags drauf die Schadenssumme mal eben auf 100 Milliarden Euro verdoppelte. Solche Luftbuchungen sind weder seriöse Berichterstattung noch seriöse Wissenschaft.“

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-abgasskandal/abgasaffaere-das-vw-problem-13858880.html

Holger Steltzner, FAZ, hat die Skandalisierungswut deutscher Medien und „linker Ökonomen“ trefflich skizziert. Manchmal wünschte man diesen Deutschlandhassern, die Wirtschaftsgrößen dieses Landes würden sich entschließen, dieses wirtschaftsfeindliche Land zu verlassen.

Wie ist Ihre Meinung?

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