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VW unter zwei schlechten Sternen

Die Aufklärung des VW-Skandals und der bitter notwendige Reformprozess bei VW stehen unter keinem guten Stern. Genauer gesagt, unter zwei schlechten. Der eine heißt Piech, der andere Porsche. Die beiden Eignerfamilien, zusammen Mehrheitsaktionär des Konzerns, haben entweder den Ernst der Lage nicht erkannt oder wollen eine schonungslose Aufklärung boykottieren.

Dafür sprechen zwei gravierende Fehlentscheidungen. Die eine war, den zurückgetretenen VW-Chef Winterkorn in seiner Funktion als Vorstandschef der Porsche Automobil Holding zu belassen. Wie kann Aufklärung funktionieren, wenn der – zumindest in seinem Amt – hauptverantwortliche Manager den Aufklärungsdruck der Aktionäre an Aufsichtsrat und Vorstand weitergeben soll?

Der zweite Fehler ist die geplante Berufung des bisherigen Finanzvorstandes Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratsvorsitzenden, die die Familien Porsche und Piech gegen alle Widerstände betreiben. Pötsch hat spätestens am 3. September von dem Skandal erfahren, als die amerikanische VW-Führung ihr Schuldeingeständnis ablegte. Statt aber unverzüglich die Öffentlichkeit zu informieren, schwieg Pötsch – zwei Wochen lang. Er habe, so heißt es, die Schwere der Vorwürfe und die finanziellen Folgen nicht früher absehen können. .

Pötsch ist (Pardon, diese Härte muss sein) entweder ein Lügner oder ein Dummkopf. Entweder hielt er bewusst die Information zurück, weil er zu einem Kungelkartell gehörte, das VW über die IAA und Winterkorn über die Vertragsverlängerung bringen wollte, oder er hat die Bedeutung und die Folgen dieses beispiellosen Skandals tatsächlich nicht erkannt. Beides disqualifiziert ihn für die Rolle des Chefaufklärers.

Zu diesem Trauerspiel passt auch die an inhaltlicher und sprachlicher Einfalt nicht zu überbietende Anzeige von VW. Sechs Mal „eigentlich“, kein Schuldeingeständnis, keine Entschuldigung, nur das lapidare „Wir werden alles tun, um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“. Das ist erschütternd wenig angesichts der Größe des Skandals.

Am wenigsten scheinen die Familien Piech und Porsche begriffen zu haben. Mit „Augen zu und durch“ ist noch nie ein Skandal aufgeklärt worden. Vielleicht wollen sie dies gar nicht.