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Eine deutsche Familie im Jahr des Wahnsinns

Es ist eine deutsche Familie – die Familie Hetze aus Sachsen. In ihr bündelt sich der ganze Wahnsinn, der vielen Menschen Angst vor den eigenen Landsleuten macht.

Der eine, Karsten, organisierte den Mob, der in Clausnitz den Bus mit den Flüchtlingen blockiert und die verängstigten Menschen bedroht hat.

Der zweite, Thomas, ist Mitglied der AfD, war aber gleichzeitig Leiter des Flüchtlingsheims in Clausnitz. Ein Verschwörungstheoretiker, der glaubt, dass hinter der Flüchtlingswelle die USA stecken, um den Norden Europas zu destabilisieren. Und der sagte, die „oberste deutsche Regierung arbeitet absichtlich gegen Deutschland“.

Der dritte, Frank, baut Container, in denen Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Er empfiehlt die Internetseite der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry mit einem „Gefällt mir“.

Drei Brüder, eine Familie. Zwei verdienen am Flüchtlingselend, alle drei sind AfD-Sympathisanten und/oder Asylgegner. So absurd kann die Wirklichkeit des Jahres 2016 sein.

Flankiert wird dieses Trio von einem Polizeipräsidenten, der gegen die Flüchtlinge ermittelt, weil einer, wahrscheinlich ein Kind, dem Mob den Stinkefinger gezeigt hat. Und der damit Frauke Petry die Steilvorlage lieferte, den Flüchtlingen eine Mitschuld an den Ereignissen zu geben.

Den ganzen Wahnsinn krönt ein Ministerpräsident, der jahrelang Rechtsradikalismus in seinem Land verharmloste und leugnete, jetzt aber völlig durchdrehte, in dem er den Randalierern vorwarf, „keine Menschen“ zu sein, sondern Verbrecher. So, als wären fremdenfeindliche Verbrecher keine Menschen.

Das sind sie aber – sächsische Bürger wie die Brüder Hetze.

Dieser Beitrag erschien heute im Rahmen meiner Kolumne im „Berliner Kurier“.