Samstag, 16. April 2016, 12:49 Uhr

Verantwortung

Zwischen Jan Böhmermann und der Kanzlerin gibt es viele Unterschiede. Einer aber ist besonders aktuell: Böhmermann muss sich im schlimmsten, aber eher unwahrscheinlichen Fall dem Urteil eines deutschen Gerichts stellen, Angela Merkel aber täglich dem Urteil der internationalen Staatengemeinschaft. Jede ihre Handlungen hat Auswirkungen auf die Weltpolitik.

Die Kanzlerin muss nationale und internationale, strategische und geopolitische Gesichtspunkte berücksichtigen. Sie muss permanent die Folgen ihrer Politik bedenken und einkalkulieren. Sie kann und darf es sich bei ihren Entscheidungen nicht leicht machen.

Ein Komiker oder Satiriker dagegen kann es sich leicht machen. Er haut seine Witze, Beleidigungen und Verunglimpfungen raus, wie es ihm gerade passt. Er denkt nicht an die Folgen und berücksichtigt nicht die Reaktionen, wenn er die Provokationsspirale immer weiter dreht.

Das Duell Böhmermann gegen Merkel war ein Duell der Verantwortlichkeit einer mächtigen Politikerin gegen die Verantwortungslosigkeit  eines freischwebenden Satirikers.

Auch wenn die Kanzlerin das Duell nach Meinung eines Teils der Bevölkerung verloren hat, sie konnte nicht anders, als die deutsche Justiz zu ermächtigen, gegen Böhmermann wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes zu ermitteln.

Sie musste bei ihrer Entscheidung unter anderem die Bedeutung des EU-Türkei-Abkommens über die Flüchtlinge berücksichtigen, die NATO-Mitgliedschaft der Türkei, die Gefühle der in Deutschland lebenden türkischen Wähler Erdogans, eines frei und demokratisch gewählten Staatsoberhauptes.

Dabei spielt keine Rolle, dass uns seine Innenpolitik nicht passt und er dabei ist, die Türkei in einen autoritären Staat zu verwandeln.

Wer Merkel jetzt dafür kritisiert, macht es sich sehr leicht. Um sich mit Böhmermann zu solidarisieren, genügt ein Click im Internet. Merkel jetzt einen Kotau vor Erdogan vorzuwerfen, kostet nichts, gibt aber dem Absender das mächtige Gefühl, die Freiheit zu verteidigen.

Politik aber kann sich nicht an kurzfristigen Empörungsritualen orientieren. Sie muss immer auch die langfristigen Folgen berücksichtigen.

Frau Merkel kann auch nicht wie Böhmermann abtauchen und eine Sendung ausfallen lassen. Für sie gibt es keine Flucht aus der Verantwortung.

Deshalb hat sie richtig gehandelt. Bei der Justiz ist der Fall in den richtigen, unabhängigen Händen. Böhmermann hat mit seinem vulgären und rassistischen Gedicht nicht nur die Grenzen der Satire ausgelotet, sondern auch die Grenzen des Anstands überschritten. Dafür muss er sich verantworten. Was ist daran anstößig?

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

108 Kommentare

1) Walter Schmid, Donnerstag, 05. Mai 2016, 10:23 Uhr

Bei einem Kommentator ist Hopf und Malz verloren! Dem kann man nicht mehr helfen! Er ist gefangen in seiner Überheblichkeit und Selbsteinschätzung. Nur noch ätzend zu lesen. Er bringt meist keine Wertschätzung und Respekt gegenüber Mitdiskutanten auf. Der klügste Mann im gesamten Netz ist m.E., Herr Poltikverdruss! Ich hoffe, dass er noch lange hier schreibt.

2) karel, Donnerstag, 05. Mai 2016, 21:09 Uhr

Krishnamurti Aphorismen…..

Wenn der Geist sich vom Falschen befreit,
dann kann das richtige Umfeld für das Wahre geschaffen werden.

3) Erwin Gabriel, Freitag, 06. Mai 2016, 09:17 Uhr

@ 89) Politikverdruss, Sonntag, 01. Mai 2016, 13:51 Uhr

Auch von meiner Seite vielen Dank für das Interview!

4) Politikverdruss, Freitag, 06. Mai 2016, 15:01 Uhr

92) wschira, Montag, 02. Mai 2016, 16:31 Uhr,

bedanke mich für das in mich gesetzte Vertrauen! 🙂

93) riskro, Montag, 02. Mai 2016, 18:25 Uhr,

Zustimmung!

97) Rainer G., Mittwoch, 04. Mai 2016, 07:04 Uhr,

vielen Dank für die guten Wünsche zum Feiertag und für den Zuspruch.

Zielrichtung ist nicht Zensur. Mir reicht schon die Netzzensur von Heiko „Orwell“ Maas. Auch ich schätze den Freiraum, der uns hier im „Sprengsatz“ geboten wird. Aber von Zeit zu Zeit nimmt dieses hämische und beleidigende Persönlichwerden dieses „Polizisten a.D. in leitender Funktion“ ein wenig überhand.

5) Erwin Gabriel, Samstag, 07. Mai 2016, 08:41 Uhr

@ Rapunzel

Die Kanzlerin hat Böhmermann nicht „dem Despoten“ ausgeliefert, sondern der deutschen Gerichtsbarkeit.

6) GSP, Sonntag, 08. Mai 2016, 08:56 Uhr

14) Reinhold Herdler
Mann kann es nicht treffender Sagen.
Schlimm nur, daß es zu wenige gibt, die das begreiefen.

7) Julian, Sonntag, 08. Mai 2016, 16:48 Uhr

Genau, dem ist nichts hinzuzufügen.
Vielleicht mal abgesehen von den, sich mir immer stärker aufdrängendem Gedanken, dass einem Großteil unserer Bevölkerung, insbesondere denjenigen, die sich begeistert dem Rechtspopulismus zuwenden, die Klugheit und die Hintergründe von Frau Merkels Aktionen, nicht recht ins Bewusstsein vordringen.

8) Politikverdruss, Sonntag, 08. Mai 2016, 18:25 Uhr

101) Walter Schmid, Donnerstag, 05. Mai 2016, 10:23 Uhr,

stimme ihnen ausdrücklich zu: „Er bringt meist keine Wertschätzung und Respekt gegenüber Mitdiskutanten auf.“

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