Montag, 09. Mai 2016, 14:01 Uhr

Die Opfer der Verrohung

Zwei Meldungen von einem Tag, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben:

In der Slowakei sind erstmals Flüchtlinge von Sicherheitskräften beschossen worden. Sie hatten illegal die Grenze überquert und waren in einem Auto unterwegs. Eine syrische Frau musste mit einer Kugel im Rücken in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In dem beschossenen Auto waren noch zwei völlig dehydrierte Flüchtlinge, die ebenfalls ärztlich behandelt werden mussten.

In Wien trat der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann zurück.

Beide Meldungen haben aber sehr wohl etwas miteinander zu tun. Beide sagen etwas über den Zustand Europas in Zeiten rechter Verrohung aus.

Faymann wurde von den Geistern verschlungen, die er gerufen hatte, als er sich vom Menschenfreund zum Anti-Humanisten wandelte. Seine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik, die zur Abschottung Österreichs geführt hat, nützte nicht seiner Partei oder dem Koalitionspartner ÖVP, sondern nur der rechtspopulistischen bis rechtsradikalen FPÖ.

Wie die Präsidentschaftswahlen in Österreich zeigen, führt die Anpassung an den – vermeintlich – rechten Zeitgeist dazu, dass die alten demokratischen Parteien marginalisiert werden.  Wer diesem Zeitgeist nachgibt, stärkt nur die rechten Parteien.

In der Slowakei wurde brutal demonstriert, wozu diese Abschottung am Ende führen kann. „Notfalls“ müsse die Grenze mit Schusswaffen verteidigt werden, haben in Deutschland schon Frauke Petry und Beatrix von Storch von der AfD gesagt. Wo bleiben ihre Dankschreiben an die Slowakei?

Die Verrohung Europas geht weiter. Und die Demokraten in vielen Ländern schwanken wie ein Rohr im Wind, statt sich ihr konsequent und unter Einsatz ihrer eigenen politischen Karriere entgegenzustellen.

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54 Kommentare

1) Walter Schmid, Donnerstag, 19. Mai 2016, 13:46 Uhr

Viele AfD Mitglieder haben mir auf versch. Wahlveranstaltungen zu verstehen gegeben, dass die Aussagen von Frau Petry und Frau von Storch total daneben waren und den Wahlkampf dadurch geschwächt haben( es war sehr viel Unruhe in der AfD nach den Aussagen, so meine Wahrnehmung). Manche Landtagskandidaten sind wohl durch diese, über den “ Gebrauch von Schusswaffen „, nicht in den Landtage eingezogen.Und die leitenden Polizeidirektoren sind über den mittleren Polizeidienst gekommen. Solche Karrieren gibt schließlich auch noch! Die haben alles erlebt. Das sind keine, die direkt von der Uni gekommen sind( Abi nachgemacht und studiert). Denen braucht man nichts vorzumachen. Unser Problem ist, dass es viele Menschen gibt, die einem das Wort im Munde verdrehen. Die durch Sprache immer alles so hinzubiegen, bis sie Recht haben. Das sind aber Menschen, die meist nur mit Sprache umgehen können und dann ist aber Feierabend.Es gibt auch noch praktische Macher in unserem Leben, die auch die Wirtschaft voran gebracht haben. So viel dazu! Jetzt können sich die Schlaumeier hier zu Worte melden, die Germanistik studiert haben.

2) Rainer G., Sonntag, 22. Mai 2016, 08:31 Uhr

Wann und wo findet die Runde mit Johannes Lamp bei einem gepflegten Pils statt?
Bin unbedingt dabei!

3) Erwin Gabriel, Dienstag, 24. Mai 2016, 12:11 Uhr

Herr Lamp,

mal Spaß beiseite: Mit Alexander, Rainer G. und mir, Sie vielleicht mit Unterstützung durch Herrn W.Schira – wollen wir mal scheuen, ob wir eine persönliche Runde hinbekommen?

Es grüßt
E.G.

4) Johannes Lamp, Dienstag, 24. Mai 2016, 16:01 Uhr

zu 52) Erwin Gabriel
Freud`scher Versprecher – scheuen…
Lassen wir es bei unserer Brieffreundschaft – das Wasser war viel zu tief…

5) Rainer G., Donnerstag, 26. Mai 2016, 15:18 Uhr

Schade…
Ich hätte Zeit und große Lust dazu. Muss ja kein Pils sein, ein guter Tropfen edlen Weines wäre ein vollwertiger Ersatz.

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