Sonntag, 24. Juli 2016, 13:09 Uhr

Ausgeschalteter Verstand

Terroranschläge, tatsächliche oder vermeintliche, und Amokläufe führen bei vielen Menschen zu Panik. Nur zu verständlich – besonders für Menschen am Tatort. Dann regieren die Instinkte. Der Verstand wird vorübergehend ausgeschaltet.

So geht es merkwürdigerweise aber auch Menschen, die vom Ort des Geschehens weit entfernt sind.  Im Zeitalter von Twitter und Facebook setzen sie Kommentare bei noch ausgeschaltetem Verstand ab.

Die Schnelligkeit der neuen Medien provoziert dazu, sich in völliger Ahnungslosigkeit öffentlich zu äußern. Dabei greifen die eifrigen Tipper auf tief in der Gehirnrinde eingegrabene Vorurteile zurück.

Dann fordert ein CSU-Mann den Einsatz der Bundeswehr. Und ein CDU-Funktionär ruft das Ende der Willkommenskultur aus, obwohl zu diesem Zeitpunkt völlig unklar ist, ob es sich in München um einen Terroranschlag islamistischer Terroristen oder einen Amoklauf handelt. Selbst dann, wenn es ein Terroranschlag gewesen wäre: Was hat das mit Willkommenskultur zu tun?

Wie sich später herausstellt, war es der Amoklauf eines psychisch kranken 18 Jahre alten Deutschen, der offenbar in der Schule gemobbt wurde – allerdings mit iranischer Herkunft, was bei manchen Kommentatoren sofort wieder die übelsten Regionen der Gehirnrinde aktivierte.

Dass dabei die AfD wieder eine besonders miese Rolle spielt, verwundert nicht. Der AfD-Pressesprecher forderte in einem Tweet in Bezug auf die „Terrorlage“ in München: „AfD wählen“ und der Landesvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalt, ein gewisser Andrè Poggenburg, twitterte: „Merkel-Einheitspartei: danke für den Terror in Deutschland und Europa“.

So weit, so dumm. Dieses „Geschenk“ (Alexander Gauland über die Flüchtlingskrise) gab es diesmal nicht für die AfD.

Aber auch seriöse Medien sind nicht frei von diesen Vorurteilen. Selbst noch am Tag danach. Das ZDF beschäftigte sich in seiner „heute“-Sendung tatsächlich minutenlang mit der Frage, ob ein Migrationshintergrund Menschen besonders anfällig für Gewalttaten macht. Ein Thema, das das ZDF exklusiv hatte.

Wulf Schmiese sagte  in dem Beitrag, der Wasser auf die Mühlen der AfD war, dass ein Deutsch-Iraner der Täter war, sei „Thema in Berlin“. Unter Bezug auf Innenminister Thomas de Maizière sagte er, wer Integration suche und nicht finde, sei „anfällig für solche Taten“.

Und, so Schmiese: „Der ethnische Hintergrund gehört immer zum Täterprofil“. Um dann zu schließen, das gelte laut de Maizière auch für Deutsche.

Ein in sich widersprüchlicher, angesichts der Faktenlage überflüssiger und gefährlicher Beitrag. Auch beim ZDF war der Verstand offenbar vorübergehend ausgeschaltet.

P.S. Sieben der neun Todesopfer hatten einen Migrationshintergrund.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

70 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Mittwoch, 03. August 2016, 18:34 Uhr

@ 48) Rainer G., Dienstag, 02. August 2016, 12:49 Uhr
@ 49) Politikverdruss, Dienstag, 02. August 2016, 17:54 Uhr

Sehr geehrter Rainer G., lieber Politikverdruss

vielen Dank für Ihren Rat; allerdings vermag ich die meisten Beiträge von Herrn Lamp richtig einzuordnen, ohne dass ich mich über ihn „aufrege“.

Meine gelegentlichen Schreibfehler sind auf banalere Gründe zurückzuführen: Ich habe einen zunehmenden Sehfehler, eine derzeit kaputte Brille, und einen großen Monitor, auf dem die Schrift sehr klein ist. Gelegentlich schreibe ich meine Kommentare in Word; wenn ich zu bequem bin dazu, tippe ich direkt in das kleine Sprengsatz-Fenster, und dann sehe ich die Tippfehler nicht so gut.

Was Herrn Lamp angeht: Er ist zwar ein meist rüpelhafter Radaubruder, hat aber keine grundsätzlich menschenfeindliche Gesinnung. Dass ihm beim Betrachten von links und rechts gelegentlich die Brille verrutscht, nun gut, Fehler hat jeder. Aber ich halte ihn weder für gewaltbereit noch sonstwie für bösartig. Und gelegentlich hört man auch von ihm ein kluges Wort. Für schlecht erzogen, ja, sehr, aber für einen Clown halte ich ihn eigentlich nicht. Und da ich weiß, dass er mich nicht kennt, kann er mich nicht (bzw. nur durch einen Zufallstreffer) beleidigen.

Man muss sich für ein gelegentliches kluges Wort aber immer durch alle Kommentare kämpfen, was schon ermüdend sein kann, da er ja meist stets das Gleiche schreibt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt…

Herzliche Grüße

E

2) Rainer G., Donnerstag, 04. August 2016, 22:28 Uhr

@ 50) Rapunzel 03.08.2016 – 18:12 Uhr

Meinen Sie die prügelnden ANTIFA-Banden?

3) Johannes Lamp, Freitag, 05. August 2016, 12:05 Uhr

Zu 52) Rainer G.
Nein, das rechte Gesockse! Die vollgepissten jogginganzugtragenden besorgten Bürger, die die deutsche Kultur mit dem Hitlergruß verteidigen!

4) Erwin Gabriel, Sonntag, 07. August 2016, 08:44 Uhr

@ 53) Johannes Lamp, Freitag, 05. August 2016, 12:05 Uhr

>> Die vollgepissten jogginganzugtragenden besorgten Bürger,
>> die die deutsche Kultur mit dem Hitlergruß verteidigen!

Gehen Sie endlich zum Arzt.

5) Politikverdruss, Sonntag, 07. August 2016, 09:20 Uhr

52) Rainer G., Donnerstag, 04. August 2016, 22:28 Uhr,

dieser peinliche Pöbler weiß aber auch gar nichts!

http://www.sueddeutsche.de/news/kultur/mode-gammel-look-oder-modehit-typologie-der-jogginghosentraeger-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-150120-99-07107

6) Johannes Lamp, Donnerstag, 11. August 2016, 09:12 Uhr

Zu 54) und 55) Gabriel und Poverdruss
Treffer, versenkt!

7) Fan, Donnerstag, 11. August 2016, 16:01 Uhr

@Herr Gabriel
Wer soll zum Arzt?

8) Rainer G., Freitag, 12. August 2016, 09:54 Uhr

55) Politikverdruss 07.08.2016 – 09:20 Uhr

Ich denke, er meint den überaus widerlichen Auftritt des Rostockers Harald Ewert während der Naziausschreitungen in Rostock Lichtenhagen 1992.

https://www.youtube.com/watch?v=9X896-t6JvY

Verachtenswert und überaus hässlich, welches Bild der Hansestadt Rostock dieser Mensch auf verabscheuenswürdige Art und Weise deutschlandweit und in die Welt transportiert hat.
Nun bin ich mir aber nicht sicher – und deshalb hatte ich am 04. August nachgefragt -, ob der Herr Rapunzel unter 50) das auch gemeint hatte. Immerhin fand der Vorfall vor 24 Jahren statt und dass der Innenminister deshalb jetzt gehen sollte, wie Rapunzel es fordert, fände ich auch ein wenig überzogen.

Da hätte es weit früher treffendere Gründe für Rücktritte gegeben. So haben sich beispielsweise eine ganze Reihe grüner Politiker mit den Putschisten in der Ukraine vor zwei Jahren solidarisch erklärt und sich so mit handfesten Nazis auf eine Stufe gestellt. Es ist kein Geheimnis (außer für das ZDF mit den Kleber-Nachrichten vielleicht), dass der Rechte Sektor in Gestalt der Svoboda-Partei, offen neonazistische Ziele verfolgt. Dessen Führer Tjagnibok hat keine Skrupel, diese auch öffentlich zu benennen. Wenn es gegen Putin geht, ist es manchem bundesdeutschen Politiker egal, auf welchem ideologischen Mist die neuen Partner wachsen. Hauptsache, es geht gegen denselben Feind und der heißt nunmal Putin, wie es die USA beschlossen haben. Das finde ich skandalös.

Und ich finde es überaus skandalös, wie lasch und nachlässig gegen den pöbelnden und prügelnden Mob staatlicherseits reagiert wird. Egal, ob sich dieser von rechts, oder von links generiert. Und hier haben die ANTIFA-Banden einen unrühmlichen Spitzenplatz in der Statistik erlangt. Die Gewaltbereitschaft linksextremistisch motivierter Straftaten nimmt zu, was selbst unter Bundespolitikern akzeptierbar erscheint.

http://www.huffingtonpost.de/2015/02/26/linksextremismus-linke-gefahr_n_6752454.html

9) Rapunzel, Samstag, 13. August 2016, 18:53 Uhr

@Rainer G.
Nein, ich meine die zahlreich vorhandenen und teilweise in Deutschland sogar staatlich von unseren Steuergeldern finanzierten rechten Terroristen.
Wer den Terorismus nur scheibchenweise und nach Gusto bekämpfen will (wie Thomas DeMaiziére und Angela Merkel es tun), hat nach meiner Meinung schon verloren.

10) Rapunzel, Sonntag, 14. August 2016, 12:07 Uhr

Wer wie die CDU den rechten Terrorismus nicht entschlossen bekämpft, setzt auch dem Terror des IS nicht wirksam etwas entgegen.
Wir brauchen Sicherheit statt rechte Augenwischerei!

11) Erwin Gabriel, Sonntag, 14. August 2016, 15:57 Uhr

@ 57) Fan, Donnerstag, 11. August 2016, 16:01 Uhr

>> Wer soll zum Arzt?

Ich habe Herrn Lamp gemeint. Ob man auf ihn eingeht oder nicht, er fühlt sich offenbar nur wohl, wenn er über andere in beleidigender Fäkalsprache herziehen kann. Auch dafür gibt es zwar von Göbbels bis über NPD bis zu einigen extremen Pegida-Jüngern Vorbilder, aber dass sind eigentlich die, die Herr Lamp zu bekämpfen vorgibt. Dass er mit seinem Sprachgebrauch den gleichen Sprachgebrauch auf der Gegenseite legitimiert, versteht Herr Lamp offenbar nicht.

Ich empfinde diese Sprache grundsätzlich als widerlich, und ich finde, sie hat in einem Forum, in dem sich der Gastgeber gleichermaßen um freie Meinungsäußerungen als auch um gesitteten Ton bemüht, nichts zu suchen.

12) Erwin Gabriel, Sonntag, 14. August 2016, 18:20 Uhr

@ Rapunzel

Es heißt nicht „rechter Terror“, sondern „rechtsextremer Terror“.

13) Johannes Lamp, Dienstag, 16. August 2016, 09:32 Uhr

Zu 61) und 62) Erwin Gabriel
Sie haben es gerade nötig – bescheinigen mir Fäkalsprache und bringen mich in Zusammenhang mit Reichspropagandaminister Goebbels, NPD und Pegida…
Ich finde widerlich, wie Sie für alles Rechte Entschuldigungen finden und in pastoralem, bigottem und onkelhaftem Ton versuchen, die Foristen als Schaf im Wolfsfell hinters Licht zu führen.
Ihre Sprache, schwankend zwischen oberlehrerhaftem Gesäusel und arrogantem, ständig wertendem, Gehabe, ist geprägt von der Furcht, als dumpfer Reaktionär enttarnt zu werden…
Wo ist der Unterschied: Rechter Terrorismus – rechtsextremer Terrorismus, Sie sollten das Badewasser besser temperieren…

14) Erwin Gabriel, Dienstag, 16. August 2016, 13:22 Uhr

63) Johannes Lamp, Dienstag, 16. August 2016, 09:32 Uhr

>> Sie haben es gerade nötig – bescheinigen mir Fäkalsprache und bringen
>> mich in Zusammenhang mit Reichspropagandaminister Goebbels, NPD und Pegida…

Nun – Sie benutzen Fäkalsprache (ob ich das bescheinige oder nicht), und Sie ziehen über Ihre Gegner her wie die oben Genannten. Ist für jedermann nachlesbar.

Dann stelle ich keinen „Zusammanhang“ zwischen Ihnen und Pegida / Nazis & Co her (ich nehme Ihnen schon ab, dass diese Typen Ihnen heftig zuwider sind). Ich verweise aber auf die offensichtliche Gleichheit der Mittel. Da sind Sie leider keinen Deut besser. Und ich finde, dass derartige sprachliche Entgleisungen nicht hierher gehören.

Mich wundert bestenfalls, dass Sie – bei so viel Verachtung für das rechtsextreme Gesocks – sich ständig berufen fühlen, mit deren sprachlichen Mitteln zu arbeiten.

Ich muss aber auch nicht alles verstehen…

15) Hrolf Leutsch, Mittwoch, 17. August 2016, 12:40 Uhr

Schade, dass man sich den Sprengsatz öfter mal ansehen muss, um bei diesem Beitrag nicht nur zu staunen.
In einer alten Sage hieß es mal, dass man den Mörder eines der Helden nicht auch noch mit Namen nennen sollte. Was die Menschheit damals an Weisheit gewonnen hat, hat sie inzwischen wohl wieder verloren. So ist der Name eines norwegischen Arschlochs (so oder so ähnlich könnte man ihn ja auch nennen und alle wissen, um wen es geht) heute in Deutschland bekannter als die Namen der Mitglieder unseres Regierungskabinetts.
Und hier werden auch zwei erwähnt, die man nicht beim Namen nennen sollte (man denke an den Erfolg Kohls gegen LaFo) oder zumindest müsste. Da ist dieser komische, rechtspopulistische Haufen, der kaum noch als Partei wahrnehmbar ist, seit sie die rechts-Augen-Blindheit ihres eigentlich eher an Wirtschaft interessierten Gründers eindrucksvoll abgestraft hat und sich seither selbst im Wege steht. Wenn von solchem Pöbel das kommt, was da eben kommt, dann kann man sich sagen „naja, das sind halt geistig und charakterlich Minderbemittelte, was soll’s“. Viel erschreckender ist da doch doch wohl, dass die CSU dieselben doofen Sprüche ‚raushaut und die Regierung von heute lahm legt, um ihrem verstorbenen Hals- und Rückgratlosem zu huldigen; „rechts von uns…“
Und dann dieser Fleisch gewordene Narzissmus, der in seinen MoMa-Zeiten schon regelmäßig den Eindruck gemacht habe, er wäre ein arg verkaterter Praktikant, der sich an diese Position irgendwie hochgeschlafen haben muss. Wer den dreimal gehört hat, schaltet doch ab, wenn sie/er dieses Gesicht sieht. Frau Hayali stellt sich hin und kann angeblich nicht verstehen, warum das Volk die öffentlich-rechtlichen kaum noch vom Staatsfernsehen Nordkoreas unterscheiden kann. Wen will die denn da verarschen? Wäre sie tatsächlich zu doof, es zu verstehen, dann würde sie sich ja nicht in alle Öffentlichkeit stellen, um dies zuzugeben“, sondern sie hält ihr subjektives Verständnis offensichtlich für maßstäblich. Dieses „an meinem Wesen kann die Welt genesen“ ist doch eine grundfaschistoide Haltung und -gefühlt- ohne Ende hochnäsig wie -mütig. Die bekommt dann auch noch einen Preis. Aua, das tut weh.
Und wenn’s weh tut, schaue ich ja immer wieder gerne hier herein, die Seite finde ich nach wie vor super, nur dieser Beitrag… naja.
Ach, und der Vollständigkeit halber: Ängste werden meines Wissens vom Mandelkern erbrütet, die Gehirnrinde ist nicht zum Fühlen, sondern zum Denken und wohl eher kein Platz für Vorurteile. Aber ich bin kein Neurologe.

16) Hrolf Leutsch, Mittwoch, 17. August 2016, 12:56 Uhr

solange Sie noch am Moderieren sind…
Ersetzen Sie lieber „Arschloch“ durch „Massenmörder“, falls Begriffsklassifikationen hier mehr zählen als Begriffsinhalte (wofür ich viel Verständnis hätte)
Und bitte korrigieren Sie das falsche „habe“ zu hat und streichen Sie die überflüssigen Anführungszeichen
Besten Dank im Voraus

17) Günter Springer, Samstag, 20. August 2016, 09:06 Uhr

erika,
zwar etwas spät aber Danke, vielen Dank für Ihren Beitrag!

18) Fan, Dienstag, 23. August 2016, 18:22 Uhr

Der Abgang des „Märchenonkels“ Bosbach lässt hoffen, dass demnächst wieder mehr Verstand und Vernunft die politische Rechte durchziehen kann.

19) Fan, Dienstag, 23. August 2016, 18:25 Uhr

Herr Gabriel, setzen Sie doch endlich die ideologischen Scheuklappen ab.
Der rechte Terrorismus hat im Merkel-Deutschland seinen Rückzugsraum und seine „Aktionsplattform“.
Jeder der etwas anderes behauptet, lebt in Berlin, Ostdeutschland oder hinter dem Mond.

20) Johannes Lamp, Mittwoch, 24. August 2016, 11:14 Uhr

Zu 68) und 69) Fan
Ich würde Bosbach nicht unbedingt als Märchenonkel bezeichnen.
Seine tiefe Enttäuschung, nicht bei der Vergabe von Kabinettsposten berücksichtigt worden zu sein,
hat ihn so werden lassen, wie er nun mal ist: Ankündigung großen Widerstands, dann eingeknickt,
in jeder Talkshow immer seine Solidarität versichernd, immer etwas wider den Stachel lökend,
die Pofalla-Beleidigung (Arschloch) schweigend, aber verständnisvoll schluckend – Weltstar im Bergischen Land…
Übrigens, Gabriel hat keine Scheuklappen, er ist gar kein Pferd!

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