Freitag, 25. November 2016, 08:29 Uhr

Gabriels Wartezimmer

Ein Wartezimmer oder Wartesaal ist kein angenehmer Ort. Man wartet, dass das Ereignis passiert, dass die Wartenummer endlich aufgerufen wird, dass der Zug endlich abfährt oder dass die Arzthelferin endlich ins Sprechzimmer bittet. Dauert dies zu lange, wird man erst ungeduldig, dann ärgerlich und schließlich wütend.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seine Partei in den Wartesaal gesetzt und sie muss ungeduldig zusehen, wie andere Züge abfahren, aber der eigene nicht kommt. Und das sie laut Fahrplan noch mehr als zwei Monate warten sollen.

Je länger es dauert, umso größer wird die Angst, zu spät oder überhaupt nicht ans Ziel zu kommen. Wann geht`s denn endlich los?

Festigkeit und Beharrlichkeit waren bisher nicht gerade Gabriel hervorstechenden Tugenden. Nur in der Frage, wer Kanzlerkandidat der SPD werden soll, beharrt er auf seinem „Fahrplan“. Deshalb darf er sich nicht wundern, dass ihm dies als Zaudern ausgelegt wird.

Und Zaudern signalisiert mangelnde Führungskraft. Weil sich der Eindruck verfestigt, Gabriel weiß selbst nicht, ob er wollen will.

Und was soll denn die Überraschung sein, wenn es endlich so weit ist. Er selbst oder Martin Schulz? Beide wären keine Überraschung mehr, auf die sich das lange Warten gelohnt hätte. So geschickt Gabriel in der Sache Bundespräsident agiert hat, wobei er dabei viel Glück hatte, so ungeschickt agiert er in Sachen Kanzlerkandidatur.

Während die CDU schon ihre Kandidatin bejubelt, sitzt die SPD zehn Monate vor der Wahl immer noch im Wartezimmer. Und sie wird langsam ärgerlich und fragt, wann es endlich los geht.

Gabriel muss aufpassen, dass es ihm nicht wie seinem Vorvorgänger Kurt Beck geht, dem das Heft von anderen aus der Hand genommen wurde. Bei Beck endete es mit Rücktritt.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

60 Kommentare

1) mac4ever, Donnerstag, 01. Dezember 2016, 10:10 Uhr

@34 Tulpen:

Was, in aller Welt, ist denn in Ihren Augen Rassismus? Ich sehe nur, dass sie die „neue“ Definition dieses Begriffes, die seit etwa zwei Jahren von interessierter Seite betrieben wird, nutzen, um mit der negativen Konnotation Ihnen persönluch nicht genehme politische Einstellungen zu diskreditieren.

Zu Ihrer Erinnerung, was Rassismus ist: Es ist die Überlegenheitsfantasie der eigenen, zum Beispiel der weißen Rasse, gegenüber anderen. Ich persönlich kenne in D niemanden, der so denkt, in den USA mag das ja anders sein. Und rechtsnationalistische Kreise in Deutschland, von NPD bis zu „Reichsbürgern“, interessieren mich auch nicht.

Wähler der AfD sind zumeist gegen muslimische Masseneinwanderung in Deutschland. Das bedeutet noch nicht einmal, dass sie diese Religion grundsätzlich ablehnen würden, obwohl das oft behauptet wird. Für die Ablehnung dieser Masseneinwanderung gibt es gute Gründe, die oft genug kommuniziert wurden, das ist ein legitimer politischer Standpunkt und hat nichts mit Rassismus zu tun.

Ich spreche Ihnen das Recht ab, Begriffe nach eigenem Gutdünken umzudefinieren, um damit Ihnen nicht genehme politische Einstellungen zu desavouieren. Dies ist ein durchschaubares rhetorisches und deshalb untaugliches Manöver, Definitionsmacht zu erlangen.

2) riskro, Donnerstag, 01. Dezember 2016, 10:15 Uhr

21) Wolfgang Wegener schreibt:

…Da findet man auch eine Erklärung für die jüngsten Ausfälle Seehofers. Denn aus der Nummer „Ohne Obergrenze gibt es keine Koalition mit der CSU“ kommt die CSU wahrscheinlich tatsächlich schlecht wieder raus – das ist zu eindeutig formuliert……….

Horst wird einen Weg finden. Notfalls hält er es mit Konrad. Den hat sein Geschwätz von gestern auch nicht interessiert.

3) Rainer G., Donnerstag, 01. Dezember 2016, 15:14 Uhr

@ 32) Politikverdruss 29.11.2016 – 11:32 Uhr

Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Die einen meinen, die Kanzlerin gäbe ein schreckliches Erscheinungsbild ab, andere finden sie vielleicht wunderschön und anderen wiederum ist es egal, Hauptsache sie macht eine traumhafte Politik. Das alles ist offenbar Geschmacksache, denn ich kenne Personen, die allen drei Lagern zuzuordnen sind. Allerdings nicht gleichzeitig.

Ihr Kleidungsstil ist wahrlich gewöhnungsbedürftig und ich meine, dass ihre diesbezüglichen Berater wegen groben Unfugs angezeigt werden müssten. Aber ihr scheinen die verschiedenfarbigen Knopfleisten und die dazugehörigen Jacken zu gefallen.
Ich hätte an ihrer Stelle auch den Haarschnitt beibehalten, den sie vor der Walzschen Grundrestaurierung hatte, statt dieser derzeitigen Betonfrisur.
Auch die bis aufs Blut abgekauten Fingernägel waren hier im Blog vor über sechs Jahren schon einmal Thema. Wie ich schon sagte, es gab für und wider. Es ist unvorstellbar, aber man kann auch solche Unarten und Äußerlichkeiten schönschreiben.

Im Prinzip wäre es ziemlich egal, wie sie sich ausstaffiert, wenn das Ergebnis ihrer Politik dem von ihr geleisteten Amtseid entsprechen würde. Aber genau das ist meine Kritik und so entsteht für mich ein kausaler Zusammenhang zwischen Erscheinungsbild und Politik.

4) Politikverdruss, Donnerstag, 01. Dezember 2016, 19:52 Uhr

33) mac4ever, Dienstag, 29. November 2016, 15:29 Uhr,

Sie stellen die richtigen Fragen! Wo liegen die tieferen Motive derer, die für die Förderung illegaler Migration votieren:

“Then there are Soros’s actions on behalf of illegal immigration. From the US to Europe to Israel, Soros has implemented a worldwide push to use immigration to undermine the national identity and demographic composition of Western democracies. The leaked emails show that his groups have interfered in European elections to get politicians elected who support open border policies for immigrants from the Arab world and to financially and otherwise support journalists who report sympathetically on immigrants.”

http://www.jpost.com/Opinion/Our-World-Soross-campaign-of-global-chaos-464770

“The EU should „do its best to undermine“ the „homogeneity“ of its member states, the UN’s special representative for migration has said.”

http://www.bbc.com/news/uk-politics-18519395

Leider wird das in unseren „Qualitätsmedien“ nicht diskutiert.

5) riskro, Freitag, 02. Dezember 2016, 12:22 Uhr

01.09.2013: „mit mir wird es keine Pkw-Maut geben“

01.12.2016: „Bundesregierung und Brüssel haben den Streit über eine Pkw-Maut beigelegt.

02.12.2016: „CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt begrüßte den Kompromiss, mit
dem ihre Partei ein Wahlversprechen einhalte“.

Die Einigung zwischen BR und EU bedeutet noch lange nicht, dass die Maut auch kommt.
Dobrindt geht selbst davon aus, dass sie in dieser Legislaturperiode nicht mehr eingeführt werden kann. Nach der nächsten Wahl stehen neue Koalitionsverhandlungen an. Ich gehe davon aus, dass die Pkw-Maut keinen Eingang in diese Verhandlungen haben wird.

Das ist aber in meinen Augen nicht das Problem. Hasselfeldt feiert die Einhaltung des Wahlversprechens ihrer Partei. Die Kanzlerin, als Inhaberin der Richtlinienkompetenz, hat ihr Wahlversprechen schon 2013 gebrochen, in dem sie zugelassen hat, dass die Einführung der Maut damals Eingang in den K.-Vertrag gefunden hat.

Merkel begründet ihre erneute Kandidatur für die Kanzlerschaft u.a. damit, dass sie tönt:

Sie kennen mich.

Ich kenne sie als eine Frau, die ihre Wahlversprechungen nicht einhält. Ich erspare mir alle Wahlversprechungen, die sie gebrochen hat, aufzuzählen. Sie dürften allen Schreibern in diesem Blog bekannt sein.

In dem Beitrag „Gabriels Wartezimmer“ schreibt der Sprengmeister über Gabriel u.a., ich zitiere:

Festigkeit und Beharrlichkeit waren bisher nicht gerade Gabriel hervorstechenden
Tugenden. Nur in der Frage, wer Kanzlerkandidat der SPD werden soll, beharrt er auf
seinem „Fahrplan“. Deshalb darf er sich nicht wundern, dass ihm dies als Zaudern
ausgelegt wird.

Und Zaudern signalisiert mangelnde Führungskraft. Weil sich der Eindruck verfestigt,
Gabriel weiß selbst nicht, ob er wollen will.

Herr Spreng wie steht es mit der Glaubwürdigkeit Ihrer Kanzlerin?
Aber Glaubwürdigkeit von Merkel ist für M.S. wohl nicht so wichtig, die Hauptsache ist, sie bleibt in seinen Augen in ihren Aussagen „stabil“ und „berechenbar“. Im Klartext bedeutet das, Wahlversprechungen darf man nicht so ernst nehmen, sie werden nicht eingehalten.
Ich wüsste im Vorfeld einer Wahl nur gerne: WELCHE sie nicht einhält?

Eins erschließt sich mir auch nicht, was hat Gabiels Zaudern mit seiner Führungsstärke zu tun!

Wie steht es mit der Führungsstärke der Kanzlerin, die trotz Inhaberin der ihr vom Grundgesetz garantierten Richtlinienkompetenz nicht in der Lage ist, zu verhindern, dass ein gegebenes Wahlversprechen Gegenstand des Koalitionsvertrags wird.

Aber das hat wohl einen ganz pragmatischen Grund:
Machtgeilheit schlägt Wahlversprechen!

Gerade schiebt ein Eliten-Vertreter im Schloss Bellevue einen anderen Eliten-Vertreter das Bundesverdienstkreuz zu.
Gauck ehrt Martin Schulz.

6) Jakobiner, Sonntag, 04. Dezember 2016, 10:00 Uhr

Zu Mao4ever:

„Zu Ihrer Erinnerung, was Rassismus ist: Es ist die Überlegenheitsfantasie der eigenen, zum Beispiel der weißen Rasse, gegenüber anderen. Ich persönlich kenne in D niemanden, der so denkt, in den USA mag das ja anders sein“

Das ist der traditionelle, biologistische Rassismusbegriff, der an Rassen orientiert ist. Inzwischen gibt es vor allem einen Kulturrassismus, der sich seit der Neuen Rechten auf den sogenannten Ethnopluralismus stützt. Sie sind da leider nicht auf dem aktuellsten Stande, Mao.

7) Günter Springer, Sonntag, 04. Dezember 2016, 11:40 Uhr

Oben werden zu diesem Thema 54 Kommentare angezeigt.
Wenn ich nach unten scrolle ist nach dem 5. Kommentar schon das ende erreicht,

Kann mir das einer erklären?
Ich wäre sehr dankbar!

8) Wolfgang Wegener, Sonntag, 04. Dezember 2016, 12:47 Uhr

riskro 2) schreibt „Horst wird einen Weg finden. Notfalls hält er es mit Konrad. Den hat sein Geschwätz von gestern auch nicht interessiert.“

Na ja, wenn man bedenkt, dass etwa 1 Jahr nach der BT-Wahl in Bayern gewählt wird, und die AfD dort bereits jetzt bei 9 Prozent liegt (CSU bei 44 Prozent), dürfte das nicht ganz einfach werden. Ich würde mir an Stelle der AfD eine derartige Steilvorlage jedenfalls nicht entgehen lassen.

BTW: Wieso werden von 59 Kommentaren hier eigentlich nur 5 angezeigt? Der letzte Stand waren 39 Kommentare, und 39 plus 5 sind 44. 15 Kommentare sind also „veröffentlicht“, aber gar nicht angezeigt worden? Versteh ich irgendwie nicht.

9) Johannes Lamp, Sonntag, 04. Dezember 2016, 18:50 Uhr

Zu 5) riskro
Der letzte Absatz war zum wiederholten Mal zum Fremdschämen…

10) Erwin Gabriel, Montag, 05. Dezember 2016, 09:53 Uhr

Ergänzung:

http://www.achgut.com/artikel/oesterreich_ein_triumph_des_ancient_regime

11) Frank Reichelt, Freitag, 09. Dezember 2016, 18:39 Uhr

@ m.spreng

Sind Sie eigentlich auch wie Ihre Kollegen Steingart und Fleischhauer der Meinung, dass ein Bundeskanzler zwingend Abitur braucht?

Wie ist Ihre Meinung?

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