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Gabriels Wartezimmer

Ein Wartezimmer oder Wartesaal ist kein angenehmer Ort. Man wartet, dass das Ereignis passiert, dass die Wartenummer endlich aufgerufen wird, dass der Zug endlich abfährt oder dass die Arzthelferin endlich ins Sprechzimmer bittet. Dauert dies zu lange, wird man erst ungeduldig, dann ärgerlich und schließlich wütend.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seine Partei in den Wartesaal gesetzt und sie muss ungeduldig zusehen, wie andere Züge abfahren, aber der eigene nicht kommt. Und das sie laut Fahrplan noch mehr als zwei Monate warten sollen.

Je länger es dauert, umso größer wird die Angst, zu spät oder überhaupt nicht ans Ziel zu kommen. Wann geht`s denn endlich los?

Festigkeit und Beharrlichkeit waren bisher nicht gerade Gabriel hervorstechenden Tugenden. Nur in der Frage, wer Kanzlerkandidat der SPD werden soll, beharrt er auf seinem „Fahrplan“. Deshalb darf er sich nicht wundern, dass ihm dies als Zaudern ausgelegt wird.

Und Zaudern signalisiert mangelnde Führungskraft. Weil sich der Eindruck verfestigt, Gabriel weiß selbst nicht, ob er wollen will.

Und was soll denn die Überraschung sein, wenn es endlich so weit ist. Er selbst oder Martin Schulz? Beide wären keine Überraschung mehr, auf die sich das lange Warten gelohnt hätte. So geschickt Gabriel in der Sache Bundespräsident agiert hat, wobei er dabei viel Glück hatte, so ungeschickt agiert er in Sachen Kanzlerkandidatur.

Während die CDU schon ihre Kandidatin bejubelt, sitzt die SPD zehn Monate vor der Wahl immer noch im Wartezimmer. Und sie wird langsam ärgerlich und fragt, wann es endlich los geht.

Gabriel muss aufpassen, dass es ihm nicht wie seinem Vorvorgänger Kurt Beck geht, dem das Heft von anderen aus der Hand genommen wurde. Bei Beck endete es mit Rücktritt.