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Samstag, 28. Februar 2009, 13:00 Uhr

Schröder wollte nie Rot-Grün

Für Gerhard Schröder gab es 1998 kein “rot-grünes Projekt”, im Gegenteil: der SPD-Kanzlerkandidat strebte eine große Koalition an, weil er befürchtete, der linke SPD-Flügel werde zusammen mit den Grünen seine geplante Modernisierungspolitik verhindern. Außerdem wollte er nicht von Oskar Lafontaine und einer Handvoll unberechenbarer Abgeordneter abhängig sein. Schröder hätte lieber mit Volker Rühe von der CDU, mit dem er sich gut verstand, ein Bündnis geschlossen.

So freute er sich am Wahlabend im Bonner Niedersachsen-Keller zwar über den Wahlsieg, sein Laune aber wurde deutlich schlechter, je höher der Sieg ausfiel. Bei nur wenigen Bundestagssitzen über der absoluten Mehrheit für Rot-Grün hätte er den Versuch mit der großen Koalition gemacht – mit der Begründung, man brauche eine stabile Regierungsmehrheit. Seine Messlatte dafür: weniger als 15 Stimmen Mehrheit für Rot-Grün.  Je besser aber die Hochrechnungen wurden, um so mehr entschwand Schröders Machtperspektive. Als es dann 21 Bundestagssitze über der absoluten Mehrheit für Rot-Grün waren, sagte er verärgert: “Scheiße, jetzt muss ich das machen”.

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9 Kommentare

1) Magda Geisler, Montag, 02. März 2009, 23:33 Uhr

Sehr interessant. Mir ist allerdings nicht mehr erinnerlich, ob Schröder vor der Wahl so dezidiert seine Modernisierungspläne vorgestellt hat. Spnst hätten ihn bestimmt auch andere Leute noch gebremst oder nicht?
Denn diese Politik war – aus meiner Sicht – keine Modernisierung. Da muss er aber eine Menge entsprechende spindoctors gehabt haben.

2) ckwon, Donnerstag, 05. März 2009, 16:21 Uhr

Klingt für mich nicht sehr überzeugend (auch wenn ich nicht weiß, woher sie ihre Informationen haben oder ob sie selbst nur spekulieren).

Die “Modernisierungspolitik” kam ja erst so richtig mit der Agenda 2010 Jahre später, und ich glaube nicht, dass die schon so fertig in der Schublade lag.

3) Dag, Freitag, 06. März 2009, 07:17 Uhr

Herr Spreng, das ist in der Tat sehr interessant, und es ist nicht der erste lesenswerte Eintrag hier. Und Ihr Blog scheint nun, angesichts der Empfehlungen und Verlinkungen, die ich mittlerweile in drei prominenten Blogs gesehen habe, auf angemessene Aufmerksamkeit zu stoßen.

Zwei Dinge jedoch: Diese Schröder-Geschichte ist faszinierend, aber es fehlt mir sehr der Hinweis darauf, woher Sie diese Information haben. Ich nehme an, Sie saßen nicht in Hörweite – oder etwa doch? Das ist etwas anderes als Ihre Enthüllung aus dem biografischen Nähkästchen in Sachen Erika Steinbach, wo Sie von vornherein deutlich machen, wie Sie das wissen.

Die andere Sache: Es wäre ganz gut, wenn Sie hin und wieder selbst in die Kommentare Ihres Blogs gehen – jedenfalls, wenn etwas unklar geblieben ist.

Generell aber: Es ist gut, wenn ein profilierter Journalist, der etwas zu erzählen hat, sich ein Blog hinstellt und seine Kommentare zum Zeitgeschehen selbst ausstrahlt. Davon gibt es noch viel zu wenige. Sie werden schon finanziell ausgesorgt haben, Sie müssen auch nicht mehr bestimmte taktische Rücksichtnahmen üben – machen Sie was draus!

4) m.spreng, Freitag, 06. März 2009, 08:15 Uhr

Die Anekdoten sind Geschichten, die ich selbst erlebt habe. In der Wahlnacht im Niedersachsen-Keller saß ich neben Schröder.

5) Dag, Freitag, 06. März 2009, 08:27 Uhr

Das ist ja nun wirklich ein Hammer.

(Eine technische Sache noch: Der Vordruck im Kommentarfeld kann man weglassen; der wird hier von einigen Kommentatoren versehentlich in den Kommentar mit hineingetragen.)

6) Udo, Montag, 30. März 2009, 09:48 Uhr

Weil Sie geschickt umschiffen, ihm die Messlatte auch wortwörtlich zuzuschreiben, kann man den Kommentar “Scheiße, jetzt muss ich das machen.” auch anders verstehen, nämlich als den Karriereschwenk, der es an diesem Abend war.

7) Martin, Sonntag, 10. Mai 2009, 21:39 Uhr

@ m. spreng: und aus welchem Grund geben Sie Ihr Insider-Wissen ausgerechnet zehneinhalb Jahre nach der besagten Bundestagswahl preis?

8) m.spreng, Sonntag, 10. Mai 2009, 23:53 Uhr

Weil jetzt der Abstand groß genug ist und Gerhard Schröder keine politischen Ämter mehr hat. Außerdem war die Tatsache, dass Schröder 1998 eine große Koalition wollte, schon lange bekannt. Ich habe nur eine Szene dazu geliefert.

9) Eve, Mittwoch, 23. September 2009, 15:46 Uhr

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Sehr geehrter Herr Spreng,

Ihre Anekdoten sind alle spannend und gut geschrieben! Haben Sie mal daran gedacht ein Buch herauszubringen? Bei der Anzahl an interessanten Geschichten die sie liefern können, vornehmlich zu Personen die in der aktuellen Politik keine tragende Rolle mehr spielen, wette ich Sie haben noch viel mehr im petto zu Merkel, Stoiber und Co.

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