Mittwoch, 18. Januar 2017, 16:32 Uhr

Lupenreiner Rechtsextremist

Selten wurde jemand so schnell widerlegt wie die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach. Sie hatte bei ihrem CDU-Austritt die AfD als „Fleisch vom Fleische“ der CDU bezeichnet. Der Teil der AfD, den der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke verkörpert, ist nicht „Fleisch vom Fleische“ der CDU, sondern von der NPD oder ihrer verbrecherischen Vorläuferorganisation im 3. Reich.

Höcke, der schon einmal von „1000 Jahren Deutschland“ fabulierte, nannte in einer Rede das Holocaust-Mahnmal ein „Denkmal der Schande“, sprach von „dämlicher Bewältigungspolitik“ und bezeichnete Richard von Weizsäckers historische Rede zum 8. Mai als eine „Rede gegen das eigene Volk“. Höcke enttarnte sich damit endgültig als lupenreiner Rechtsextremist. Er ist ein Fall für den Verfassungsschutz.

Eine genauso große Schande ist, dass kein Mitglied des bürgerlich-konservativen Flügels der AfD den Anstand und die Kraft hat, sich inhaltlich davon zu distanzieren und seinen Parteiausschluss zu fordern.. Auch der feine Herr Gauland nicht. Für ihn läuft das alles unter Wählermaximierung. Irgendjemand muss ja die vagabundierenden ehemaligen NPD-Wähler aufsaugen, so sein bisheriges Credo.

Es dauerte sehr lange, bis sich Frauke Petry wenigstens zur Kritik an Höcke entschloss. Allerdings nicht inhaltlich, sondern nur taktisch-instrumentell. Ihr geht es nur um den möglichen Schaden für ihre Partei.

Das Schlimme aber ist, dass auch Höckes rechtsradikale Tiraden voraussichtlich keinen AfD-Wähler davon abhalten werden, diese Partei zu wählen. Wie bei Donald Trump. Auch bei ihm schreckten seine rassistischen, menschenverachtenden Tiraden keinen Wähler ab.

Es gibt offenbar Wähler, die sind so fertig mit dem liberalen demokratischen Rechtsstaat, dass sie ein Bündnis mit dem Teufel eingehen – nur um ihren Protest und ihren Hass herauszuschreien. Das lässt auch für die Bundestagswahl das Schlimmste erwarten.

Nazis bleiben Teil des politischen Spektrums. Dazu braucht es keine NPD mehr. Höckes AfD ist ihr Erbe.

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7 Kommentare

1) Erwin Gabriel, Mittwoch, 18. Januar 2017, 18:36 Uhr

Zu Höcke stimme ich zu: Der Mann ist Nazi.

Zu Trump ließe sich durchaus das eine oder andere Negative sagen – Rassismus gehört aber nicht dazu. Es sei denn, Sie interpretieren seine rüden Worte gegen die illegale Eineanderung fälschlicherweise als Kampfansage an alle Latinos um.

2) Johannes Lamp, Mittwoch, 18. Januar 2017, 19:11 Uhr

Alle tun jetzt so, als ob die Höcke-Tiraden neu sind.
Der Oberstudienrat aus Hessen hat schon bei seinem legendären Jauch-Auftritt, als er ein Deutschland-Fähnchen falsch herum auf seine Sessellehne legte, nicht mit rechtsradikalen Parolen hinterm Berg gehalten. Lediglich der saarländische Innenminister Bouillon hat ihn mit seinem Satz: „Wollen Sie mich verarschen?“ In die Schranken gewiesen. Vom harmlosen „Politjournalisten“ Jauch kam außer belanglosem Geplapper nichts…
Die zahlreichen Dampfplauderer im Sprengsatz, die sich für Petry, Gauland, Höcke und Meuthen in die Bresche werfen und alles verharmlosen und relativieren, was die rechten Granden so von sich geben, sollten sich in Grund und Boden schämen!
Ich jedenfalls bereue nicht, dass ich das widerliche braune Pack als das bezeichnet habe, was es ist:
Gesocks und die Berufsvertriebene aus Frankfurt passt hervorragend dazu.

3) hw, Mittwoch, 18. Januar 2017, 20:37 Uhr

Lieber Herr Spreng,

wie viele andere Beobachter auch, tun Sie sich offenbar schwer damit einzusehen, dass die AfD-Wähler diesen Haufen nicht trotz solcher Reden wie der von Höcke in Dresden wählen, sondern gerade deshalb. Es gibt keinen „bürgerlich-konservativen“ Flügel bei der vermeintlichen Alternative. Es gibt nur unterschiedlich offensichtliche und unterschiedlich offene Demokratiefeinde.

4) mac4ever, Donnerstag, 19. Januar 2017, 03:04 Uhr

Höcke ist undiskutabel, aber er ist ebensowenig repräsentativ für die AfD wie Jutta Ditfurth für die Grünen. Letztere gehört der Partei ja nicht mehr an, ich hoffe dasselbe für Höcke.

Werter Herr Spreng, Petry hat sich heute von Höcke distanziert, wie Sie zutreffenderweise anmerken, allerdings hat dieser die Rede erst gestern am 17.1. gehalten. Insofern frage ich mich, wie Sie darauf kommen, es habe „sehr lange“ gedauert, bis sie sich „zur Kritik entschloß“. Und ihr Argument der Instrumentalisierung ist auch nicht überzeugend, denn das müsste dann ja für alle anderen, glücklicherweise zahllosen Kritiker auch gelten – mit dem einzigen Unterschied, dass diese der AfD schaden wollen.

Ich liebe diese Partei nicht, dafür hat sie zu viele Positionen, die ich rundweg ablehne. Das betrifft zum Beispiel die neoliberale Wirtschaftspolitik oder die völlig abstruse Umweltpolitik, die den Klimawandel leugnet. Ich unterstütze sie nur in ihrer Kritik der Merkelschen Flüchtlingspolitik.

Wenn Sie mir jetzt vorwerfen, ich würde die AfD instrumentalisieren, haben Sie sogar recht.

5) Rapunzel, Donnerstag, 19. Januar 2017, 04:35 Uhr

Keiner kann dieses Mal behaupten, „von nichts gewußt zu haben“.

6) Rapunzel, Donnerstag, 19. Januar 2017, 07:26 Uhr

Ich stimme zu Herr Höcke, aber auch seine Partei die AFD wären ein Fall für den Verfassungsschutz.
Leider wissen wir spätestens seit den Vorgängen um die Terororganisation NSU nicht wen oder was der Verfassungsschutz schützt.
Es ist vielleicht schon zu spät für unsere bereits durch rechtsextreme Einflüsse stark veränderte Gesellschaft, wenn jetzt erst begonnen wird gegen Rechtsextremisten und Terroristen entschlossen vorzugehen.
Geltende Gesetze und vorhandene Mittel würden -genau wie im Kampf gegen den IS Terror- ausreichen.
Einzig nutzen, muss man diese (wollen).
Aber, besser spät als nie!

7) StefanP, Donnerstag, 19. Januar 2017, 09:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng, Ihre Aufregung verstehe ich nicht. Ja, Höcke ist ein Extremist. Und ja, das spricht nicht gerade für die AfD. Punkt.

Bei der Partei die LINKE wollte einstmals eine Parteivorsitzende Wege zum Kommunismus (=Diktatur) immer wieder austesten. Die Partei bietet Autonomen oder einer Janine Wissler, Abgeordnete des Hessischen Landtags, eine politische Heimat, die in Teilen die von Ihnen plakatierte liberal-demokratische Grundordnung ablehnen.

Wollen Sie bei jedem Spinner einen Furor veranstalten?

Wie ist Ihre Meinung?

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