Freitag, 09. Juni 2017, 08:39 Uhr

Taktische Dummheit

Die britischen Konservativen suchen ihre Premierminister offenbar nach zwei Kriterien aus: totaler Mangel an strategischer Weitsicht und taktischer Dummheit.

David Cameron war derjenige, dem jede strategische Weitsicht fehlte. Weil er die Unterhauswahl gewinnen wollte, versprach der bekennende Europäer seinen EU-kritischen Landleuten ein Referendum über die Mitgliedschaft in der EU. Mit dem bekanntes Ergebnis: Großbritannien verlässt die EU und Cameron verlor seinen Job.

Cameron hatte sich ebenso völlig verspekuliert wie jetzt Theresa May. Sie ist für die taktische Dummheit zuständig.

May setzte ohne Not Neuwahlen an, um ihre Mehrheit auszubauen. Ergebnis: sie verlor ihre Mehrheit, die sie von Cameron geerbt hatte. Sie hatte sich selbst über- und ihren Labour-Gegenspieler unterschätzt. Zudem erwies sie sich als lausige Wahlkämpferin, die mit Kehrtwenden die Wähler verwirrte und die von ihrer Vergangenheit als Innenministerin eingeholt wurde.

Der Schlimmere von beiden ist allerdings Cameron: Der Brexit ist für Großbritannien eine tiefgreifende Zäsur, die nur in einem politischen und ökonomischen Desaster enden kann. Mays Niederlage dagegen ist nur eine Episode.

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