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In der Flaute segelt Merkel am liebsten

Es ist nicht so, dass die Deutschen keine sozialdemokratische Politik mögen. Im Gegenteil: viele genießen die von der SPD erkämpften sozialen Errungenschaften, freuen sich über den Mindestlohn oder gehen gern wieder mit 63 in Rente.

Sozialdemokratische Politik ist durchaus beliebt –  aber nur dann, wenn sie unter Aufsicht und Schirmherrschaft von Angela Merkel stattfindet. Oder wenn sie von einem Mann wie Helmut Schmidt gemacht wurde, von dem es hieß, er sei ein guter Kanzler, leider aber in der falschen Partei.

Es ist auch nicht so, dass sozialdemokratische Kanzler nicht beliebt sind – zumindest eine Zeit lang. Bei der CDU sind sie – nachträglich – dann aber am beliebtesten, wenn sie wie Gerhard Schröder die Arbeit erledigen, die unter ihrer Führung liegen geblieben war.

Eigentlich hätten die Deutschen gern eine immerwährende Große Koalition, die die Stärken beider Parteien und ihre besten Köpfe miteinander verbindet, auch wenn sie über erdrückende Mehrheiten und eine schwache Opposition schimpfen.

Vor diesem Hintergrund muss Martin Schulz, nachdem der erste Hype wie ein Soufflé zusammengefallen ist, versuchen, wieder in die Nähe einer sozialdemokratischen Regierungsoption zu kommen. Ein aussichtsloses Unterfangen, nicht nur wegen der tiefen Abneigung der Wähler gegen Rot-Rot-Grün.

Es gibt keinen zweiten Hype mit ein und der selben Person. Jetzt gibt es für einen entzauberten Kanzlerkandidaten nur noch die mühselige Arbeit auf der 25-Prozent-Ebene. Er versucht es mit einer, wie es so schön heißt, kämpferischen Rede, mit einem 72-seitigen Programm, das nicht nur Gerhard Schröder kaum gelesen hat. Und mit Angriffen auf Merkel und die CDU.

Schulz beschwert sich, dass sich Merkel nicht der Auseinandersetzung über Deutschlands Zukunft stelle. Dass sie wieder asymmetrisch demobilisiere, also versuche, die SPD-Wähler einzuschläfern, damit sie am Wahltag zuhause bleiben. So wie 2009 und 2013. Schulz nennt das in seiner Verzweiflung einen „Anschlag auf die Demokratie“.

Merkel wird das nicht beunruhigen. Was soll sie sich aufregen, wenn, böse gesagt, die Maus von unten gegen den Regierungstisch klopft. Sie wird genauso wie bisher weiter machen, so, wie es sich in ihren Augen bewährt hat. Denn: Sie kennen mich.

Unaufgeregt, geradezu stoisch, freundlich, inhaltsarm, ihr internationales Ansehen ausspielend. Für ein Land, in dem alle „gut und gerne leben“ – wie ihr inhaltlich bescheidener Wahlslogan heißt.

Schulz wird sich daran abarbeiten, unermüdlich, äußerlich unverzagt – und am Ende wie vor ihm Steinmeier und Steinbrück verlieren. Die Zeit der SPD kommt, wenn überhaupt, erst wieder nach Merkel.

Der kleine Hauch von Wechselstimmung, der im Frühjahr ein paar Wochen wehte, ist wieder der sommerlichen Flaute gewichen.

Und in der Flaute segelt Merkel am liebsten. Wenn sich nichts bewegt, kann sie keiner überholen.