Montag, 20. November 2017, 09:26 Uhr

Die Fehlkalkulation der FDP

Kurz vor Mitternacht zerschlugen sich die Hoffnungen der FDP: Jamaica würde nicht an den Grünen scheitern. Sie waren fast bis zur Selbstaufgabe bereit, bei der Zuwanderung der CDÚ/CSU entgegenzukommen. In dieser Phase der Sondierungen zog die FDP die Notbremse und stieg aus den Verhandlungen aus.

Dieses Szenario legt den Verdacht nahe, dass die FDP von Anfang an nicht ernsthaft verhandelte, sondern nur darauf wartete, dass die Grünen den schwarzen Peter für das Scheitern bekommen. Darauf deutete auch hin, dass keiner so oft von Neuwahlen sprach wie FDP-Chef Christian Lindner.

Das Trauma der FDP von 2013, als sie aus dem Bundestag flog, weil sie die Erwartungen ihrer Wähler in der schwarz-gelben Koalition massiv enttäuscht hatte, wirkte bis in die Nacht vor Sonntag auf Montag fort. Deshalb die Notbremse.

Die FDP allerdings könnte ihre Kalkulation ohne die Wähler gemacht haben. Es könnte eine Fehlkalkulation sein. Der plötzliche Ausstieg verschlechtert ihre Chancen bei Neuwahlen. Jetzt hat die FDP den schwarzen Peter für das Scheitern.

Deutschland steht jetzt vor einer einschneidenden Zäsur. Neuwahlen sind unausweichlich. Und damit verändert sich alles: Tritt Angela Merkel bei Neuwahlen noch einmal an? Wird Martin Schulz erneut Kanzlerkandidat der SPD? Und über allem schwebt die Frage: Nützt das Desaster in erster Linie der AfD?

Diese Nacht ist tatsächlich historisch. Deutschland wird ein instabileres Land werden. Mit möglicherweise neuem Spitzenpersonal – und einer FDP, die verspielen könnte, was sie bei der Bundestagswahl erreicht hat. Und am Ende mit einem Ergebnis, das die Regierungsbildung erneut kaum möglich macht.

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