Dienstag, 05. Dezember 2017, 15:57 Uhr

Was Lindner noch lernen muss

Die FDP, die lange Zeit wie das persönliche Eigentum von Christian Lindner erschien, ist doch nicht so monolithisch wie gedacht. Schon zum zweiten Mal musste Lindner ein Machtwort sprechen.

Erst pfiff Lindner seine Generalsekretärin Nicola Beer zurück, als diese es wagte, erneute Jamaika-Verhandlungen ins Gespräch zu bringen, wenn „das Gesamtpaket“ stimme.

Jetzt dementierte und düpierte er seinen engsten Mitstreiter Wolfangang Kubicki öffentlich, der neue Jamaika-Verhandlungen für den Fall nicht ausgeschlossen hatte, dass die Große Koalition nicht zustande kommt. Wenn ausgerechnet Kubicki vom bisherigen Kurs abrückt, dann muss das für Lindner ein Alarmsignal sein.

Das zeigt zweierlei:

1. in der Ein-Mann-Partei FDP regt sich doch so etwas wie Pluralismus, den Lindner während der Jamaika-Sondierungen noch brüsk und massiv unterdrückt hatte. Graf Lambsdorff zum Beispiel weiß, wovon die Rede ist.

2. dem einen oder anderen in der FDP scheint langsam zu dämmern, dass der bis heute unerklärbare Abbruch der Sondierungen vielleicht doch ein schwerer Fehler war, weil eine spannende Zukunftskoalition mutwillig zerstört wurde.

Lindner, der unbestreitbar der Vater des FDP-Erfolges ist, wird einsehen müssen, dass es auch in der FDP abweichende Meinungen gibt. Dies zu akzeptieren muss er noch lernen. Genauso, wie er seine Hybris ablegen muss. Auch wenn er es selbst nicht glauben will: er kann nicht übers Wasser gehen.

 

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