Freitag, 06. April 2018, 12:32 Uhr

Kanzlerkandidat? Spahn sicher nicht

Je mehr sich Jens Spahn von seinem Auftrag, der Gesundheitspolitik, entfernt und stattdessen an seiner konservativen Profilierung arbeitet, desto mehr verliert er an Rückhalt in der eigenen Partei und der Bevölkerung. Das ist für jeden unbefangenen Beobachter erkennbar, nur Spahn selbst kapiert das nicht.

Die große Mehrheit der CDU-Mitglieder will die Partei nicht zur konservativen Partei verengen. Deshalb halten ihn auch nur 36 Prozent der CDU-Anhänger für eine gute Wahl als Gesundheitsminister, ergab der neue ARD-Deutschlandtrend. In der Bevölkerung sind es sogar nur 26 Prozent.

Und mit jeder Äußerung, sei es, dass Hartz-Bezieher angeblich nicht arm seien, oder dass in Teilen Deutschlands weder Recht noch Ordnung herrschten, bringt er mehr Parteifreunde gegen sich auf. Besonders in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen. Da mischen sich persönliche und politische Abneigung.

NRW-Innenminister Herbert Reul, in dessen Verantwortungsbereich Spahn eingegriffen hat, kritisierte ihn scharf: „Die innere Sicherheit verbessert man nicht mit Interviews und flotten Sprüchen, sondern indem man die Dinge anpackt und ändert“.

Spahn hat nicht verstanden, dass die CDU nicht die CSU ist. Die CDU ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer liberalen und weltoffenen Partei geworden. Sie ist keine Kraftmeier-Partei.

Diese Entwicklung kann Spahn nicht zurückdrehen. Er arbeitet an einem Profil, dass in der CDU nicht oder nicht mehr mehrheitsfähig ist. Die CDU ist nicht reif für die von der CSU gewünschte „konservative Revolution“.

Zudem trägt Spahn Unruhe und Streit in die gerade erst gestartete Große Koalition – was bei CDU-Anhängern besonders unbeliebt ist.

Wenn sich bei der bayerischen Landtagswahl herausstellen sollte, dass der Rechtskurs der CSU die AfD nicht entscheidend schwächen kann, dann wird Spahn weiter an Rückhalt verlieren.

Die Frage, wer Angela Merkel als Parteichef und Kanzlerkandidat folgen wird, ist derzeit offen. Eines aber scheint sicher: Jens Spahn wird es nicht.

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