Samstag, 21. September 2019, 14:36 Uhr

Die perverse Lust, AfD zu wählen

25 Prozent für die AfD in Thüringen, so die neueste Umfrage. 25 Prozent für Björn Höcke, den Führer des ultrarechten Flügels der AfD, einen Rechtsextremisten, der zumindest in seinen Sprachbildern ein heimlicher Hitler-Verehrer ist.

Angenommen, dass der größte Teil dieser Wähler nicht rechtsradikal ist: Was treibt sie an, einen solchen Mann zu wählen? Weil sie abgehängt sind, weil es ihnen schlecht geht? Das kann nicht sein, denn Thüringen ist ein prosperierendes Land mit der im Osten niedrigsten Arbeitslosigkeit.

Oder wählen sie Höcke wirklich deshalb, weil der Bus seltener fährt oder der Landarzt seine Praxis dich macht?

Nein, es muss etwas anderes sein, was diese Wähler antreibt. Es ist offenbar die perverse Lust, es denen in Berlin und den Wessis einmal richtig zu zeigen, ihnen größtmöglichen Schrecken einzujagen.

Man kann sich so richtig vorstellen, wie sie zu Hause vor dem Fernseher sitzen und freudig erregt die neuen Umfragen sehen: Jetzt machen wir die Wessis und die in Berlin richtig kirre, jetzt treiben wir sie in den Wahnsinn. Das haben sie davon, dass sie uns jahrelang nicht beachtet haben.

Rational ist das nicht mehr erklärbar, möglicherweise nur noch psychopathologisch. Für die Art der Wähler ist die Wahl der AfD offenbar ein großes Spiel, das sie mit irrer Freude genießen. Es ist aber ein Spiel mit dem Feuer.

Wenn ein Björn Höcke einmal an die Macht kommen sollte, dann ist die Zeit solcher Spiele vorbei. Dann wird`s richtig autoritär, dann kann – außer seinen Gefolgsleuten – keiner mehr sagen, was er denkt. Dann werden die Freiheiten, die heute Thüringer mit ihrer Wahlabsicht so radikal ausschöpfen wollen, endgültig beerdigt.

Wann werden diese Wähler merken, dass sie ihr eigenes Grab schaufeln?

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