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Kontinuität oder (Auf)Bruch?

In einem sind sich Armin Laschet und Friedrich Merz einig: Norbert Röttgen ist der böse Bube, der eine Teamlösung im CDU-Personalstreit zerschlagen hat. Das ist es aber schon: Armin Laschet und Merz verfolgen völlig unterschiedliche Ansätze, für die CDU neue Wähler zu gewinnen und verlorene zurückzuholen. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen.

Laschet ist der freundliche Versöhner aus NRW, der seine Schwäche, nämlich auch die konservative klare Kante zu beherrschen, mit Hilfe von Jens Spahn zu kompensieren versucht. Seine Botschaft: “Wir bilden die Breite der Partei ab”. Ein Coup zweifellos, aber einer, der auch zieht?

Wird Laschet besser im Tandem oder bleibt er der nette, liberale Mann, der sowohl in den großen Linien als auch im Konkreten schwach, manchmal provinziell wirkt? Warum sollten Merz- Anhänger jetzt deshalb, weil Spahn bei Laschet angeheuert hat, ihrem Idol den Rücken kehren?  Das ist eine Schlüsselfrage für den Ausgang des Duells.

Merz dagegen ist konkret, zeigt klare Kante, zeigt die großen Linien wie auch Lösungen aus seiner Sicht auf. Seine Botschaft: Er stehe für Aufbruch, Laschet für Kontinuität. Mit Äußerungen über Grenzschließungen (Nie mehr Kontrollverlust!), über rechtsfreie Räume in Großstädten und die Aufgabe, das Vertrauen in den Rechtsstaat zurückzugewinnen,  greift er nach AfD-Wählern, aber verprellt er damit nicht die Mitte? Er ist wirklich kein rechter Politiker, aber er macht nach rechts verlorenen Wählern Angebote.

Aber was bietet er der Mitte, den Wählern, die zu den Grünen abgewandert sind? Das ist die zweite Schlüsselfrage.

Merz leugnet natürlich nicht den Klimawandel, aber er findet es falsch, nur auf Elektromobilität zu setzen. Und er setzt auf moderne Technologien und in der Energiepolitik nicht nur auf Wind und Sonne. Die Grünen müssen das als Kampfansage empfinden. Aber auch die CDU-Wähler, die zu ihnen abgewandert sind?

Merz versucht seine Schwächen (junge und weibliche Wähler) zu kompensieren, indem er einen neuen Generationenvertrag anbietet, um die Belastungen der Jüngeren in der Zukunft zu vermindern, und indem er eine Generalsekretärin berufen will.

Er setzt sich von Merkel nicht nur in Fragen der Migration, sondern in der Europa- und in der EZB-Politik ab, hält ihre Einmischung zu Thüringen aus Afrika für falsch. So etwas sei Sache der Partei, nicht der Kanzlerin. Es fällt nach wie vor schwer, sich eineinhalb Jahre Zusammenarbeit mit Merkel vorzustellen.

Am Ende entscheiden folgende Fragen die CDU-Wahl: Wird die Krise der CDU als so groß empfunden, dass Kontinuität und ein bisschen Aufbruch reichen oder muss es – zumindest inhaltlich – zum Bruch mit Merkel kommen? Kann die CDU durch Merz noch mehr Wähler an die Grünen verlieren oder mehr von der AfD zurückgewinnen? Wollen die Delegierten eine weichen Neuanfang oder eine harte Zäsur?  Klare Kante oder freundlichen Zusammenhalt?

Und wie positionieren sich die CSU und Markus Söder?

Das Rennen ist völlig offen.