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Montag, 09. März 2009, 07:12 Uhr

Blutiges Täubchen mit Lafontaine

Oskar Lafontaine war schon immer ein Genussmensch. Gutes Essen, gute Weine, alles aber immer zu dick aufgetragen, ohne wirkliche Kenntnis vom Genuss. Ich erinnere mich an an einige Essen mit ihm, eines davon in seiner Landesvertretung in Bonn. Er schmückte sich als Ministerpräsident mit einem Sternekoch, der uns mittags blutiges Täubchen als Herzstück eines Vier-Gänge-Menüs servierte.

Lafontaine hatte auch die unangenehme Eigenart, in Restaurants die erste Flasche Rotwein allein deshalb als verkorkt zurückgehen zu lassen, um seine Kennerschaft zu beweisen. Und die Weine suchte er so aus: Bei einem Essen in einem Gourmettempel in Saarbrücken zog er eine kleine Plastikkarte des Wirtschaftsmagazins “Capital” aus der Brieftasche, auf der die angeblich guten Jahrgänge mit vollen Gläsern und die schlechten mit halbvollen oder leeren Gläsern gekennzeichnet waren.

Nur bei einem Essen im Bonner Feinschmeckerlokal “Le Marron” wirkte Lafontaine abwesend und konnte  sich gar nicht richtig auf die Speisen und Weine konzentrieren. Das war eine Woche vor dem SPD-Parteitag, auf dem er Rudolf Scharping stürzte – eine angeblich spontane Entscheidung.

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2 Kommentare

1) dissenter, Donnerstag, 12. März 2009, 08:30 Uhr

Danke, Herr Spreng! Nachdem uns zum zehnten Jahrestag seines Rücktritts viele, viele wichtige, unabhängige Zeitungen – angeblich spontan – in Erinnerung rufen, wie groß Lafontaines Verantwortungsscheu ist, wie eitel und egomanisch er immer schon war und wie inkompetent, setzen Sie noch einen drauf und zerstören die letzte Legende, die ihn noch umgibt. Seht her, er ist gar kein Bonvivant!

Danke für dieses Stück Aufklärung! Jetzt bin ich sicher, dass die Linkspartei keine Perspektive hat!

2) Thom, Freitag, 20. März 2009, 20:07 Uhr

Oh danke, danke für diese beim Wort zu nehmende Persiflage auf den Teufe, äh, ich meine Lafontaine, der mit seiner bösen Linkspartei unser schönes Land verschandeln will.

Ich frag mal so: Daß ein CDUler gegen Lafo ätzt: ist das nicht selbst für nen Schwarzen uncool? Was mein Vorredner hier beschreibt, so ganz naiv, ist doch gerade das Problem: alle schreiben in diesem Land immer das selbe. Der böse Lafo. Und die bösen Populisten der Linkspartei. Ich halte von deren Populismus auch nix, aber daß sie in einigen Fragen deutlich klarer gesehen haben, als der Rest des Parteienspektrums läßt sich nicht leugnen. Vielleicht ist es gerade die Einäugigkeit in diesem Land, die Verbesserung verhindert; vielleicht gerade das Phänomen, das man nur hören will, was man eh schon zu wissen meint: Der Lafo kann nix, Hochstapler, Bösewicht.

Ich bin mir im übrigen sicher, daß es für die Rotweingeschichte keine zwei Beispiele gibt. Aber das ist auch nicht schlimm. Die Leute hier brauchen keine Fakten, die wollen Geschichten. Wie die Börsianer Geschichten wollten. Nur daß sich Geschichten ganz schnell in Luft auflösen.

Die Linkspartei habe keine Perspektive: wohl denn. Sollte sie überflüssig werden, um so besser. Wer aber noch viel weniger eine Perspektive hat, ist die CDU. Konservatismus, Xenophonie und Marktradikalismus haben im neuen Jahrhundert keine Perspektive. Ebenso wenig wie das heuchlerische C im Namen.

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