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Warum Strauß meine Entlassung forderte

Im Mai 1980, Franz-Josef Strauß war schon CDU/CSU-Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl im selben Jahr, verlor die CDU die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit Pauken und Trompeten. In der CDU und in den Medien wurde diese Wahl als Testwahl für Strauß gewertet und der CSU-Chef für die Niederlage verantwortlich gemacht.

Über die Reaktionen schrieb ich in BILD auf Seite 1: “Während Franz-Josef Strauß die Wunden seiner Niederlage leckte, ging Helmut Kohl vor der Bundespressekonferenz in die Offensive…”. Das war für den bayrischen Löwen eine Majestätsbeleidgung. Denn natürlich waren seiner Meinung nach der von ihm verachtete Helmut Kohl und die CDU die Schuldigen. Strauß hatte schon früher in einem Gespräch mit mir bei Kohl einen “Wackelkontakt” festgestellt.

Strauß regte sich über den Satz in BILD so sehr auf, dass er vormittags zu Hause blieb, seine Sekretärin kommen ließ und ihr einen vierseitigen Protestbrief an Axel Springer diktierte, der in der Forderung gipfelte, mich wegen völliger Unkenntnis der politischen Zusammenhänge zu entlassen. Axel Springer verhielt sich korrekt und schickte den Brief zur Beantwortung an BILD-Chefredakteur Günter Prinz, der ihn wiederum an mich weiterleitete, damit ich den Antwortentwurf schreibe. So geschah es auch und ich lehnte es ab, mich zu feuern.