Sonntag, 15. März 2009, 23:56 Uhr

Genscher, BILD und die Pressefreiheit

Die Meinungs- und Pressefreiheit gehörte für Hans-Dietrich Genscher immer zu den nachrangigen Rechtsgütern – zumindest dann, wenn es um ihn oder die FDP ging. Er hatte zu den Medien ein rein instrumentelles Verhältnis. Interventionen bei Chefredaktionen hinter dem Rücken der Bonner Korrespondenten, um eine Geschichte zu verhindern oder den Trend zu beieinflussen, waren für ihn an der Tagesordnung. Das ging nicht ohne willige Helfer, so auch in diesem Fall.

Während der Zeit der sozial-liberalen Koalition war die FDP in einen entscheidenden Steuerfrage, in der sie sich öffentlich zuvor unverbrüchlich festgelegt hatte, mal wieder umgefallen und BILD plante deshalb folgerichtig die Schlagzeile “Genscher fiel um”. Allerdings informierte ein V-Mann Genschers in der BILD-Chefredaktion den Minister über die geplante Schlagzeile, worauf dieser massiv bei der Chefredaktion intervenierte. Sie knickte ein und änderte die Zeile in “Genscher gab nach”. Aber auch dies wurde dem FDP-Chef hinterbracht, der erneut intervenierte. Darauf wurde die Schlagzeile zum zweiten Mal geändert in “Drama in Bonn”. Die Metamorphose einer BILD-Schlagzeile.

Genscher hatte gesiegt, aber das Beispiel beweist, dass zur Einschränkung der Pressefreiheit immer zwei gehören.

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