Sonntag, 15. März 2009, 23:56 Uhr

Seehofer, der Bonsai-Strauß

Horst Seehofer ist ein netter Kerl. Treffen mit ihm sind angenehm und amüsant, weil er zu den wenigen Politikern gehört, die zur Selbstironie fähig sind. 2002, als ihn eine schwere Herzerkrankung monatelang in die Klinik und in die Rehabilitation zwang,  hatte er mit dem Politikerleben (und beinahe mit dem Leben) fast schon abgeschlossen. Damals hatte er sich vorgenommen, in der Politik kürzer zu treten, nur noch das zu tun, was er für richtig hält und was ihm Spaß macht.

Heute, 2009, ist er zu seiner eigenen Überraschung bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef. Und er überträgt seine persönliche egoistische Lehre aus der Krankheit auf seine heutige Politik. Auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Das ist heute die Devise seines politischen Handelns. Das bekommen Parteifreunde zu spüren, das erleidet täglich die Kanzlerin. Sie hat Seehofer einmal ein “unguided missile” genannt. Heute weiss Seehofer genau, was er tut. Er hält sich an das CSU-Motto, das seit Franz-Josef Strauß gilt: erst kommt die CSU, dann Bayern, dann lange nichts, und dann erst die Union und Deutschland.

Seehofer kämpft, obwohl ohne Alternative in seinen Ämtern als Ministerpräsident und CSU-Chef, wieder einen Überlebenskampf. Denn Parteien lieben ihre Spitzenleute nur so lange, so lange sie erfolgreich sind. Und Seehofer hat bis heute nicht bewiesen (oder beweisen können), dass er das ist. Und das treibt ihn um. Auf dem Höhepunkt seiner Macht zu scheitern – das wäre sein Alptraum. Denn erst das CSU-Ergebnis bei der Europa-Wahl und bei der Bundestagswahl werden zeigen, ob er erfolgreich, ob er in den Augen seiner Partei der Richtige ist und ob das desaströse Wahlergebnis der CSU ein Ausrutscher war oder der neue Standard  in Bayern ist.

Diesem Überlebenskampf ordnet Seehofer alles unter. Täglich feuert er Breitseiten gegen Berlin oder lässt sie feuern. Kein Tag vergeht ohne Angriff auf Angela Merkel, die CDU und die große Koalition. Seien es niedrigere Mehrwertsteuersätze für bayerische Gastwirte, die Ärzte-Proteste, die Europa-Skepsis, das Umweltgesetzbuch, Vertriebene, Managergehälter, der Papst, Guantanamo – jeden Thema wird nur daraufhin untersucht, ob es zum Angriff gegen Merkel, gegen Berlin, gegen “die da oben” taugt. Jedes Thema, das nicht bis 3 auf den Bäumen ist, wird von der CSU mißbraucht. Das Gesamtergebnis der Union bei der Bundestagswahl ist dabei nebensächlich.

Seehofer war immer stolz darauf, dass er dem Volk aufs Maul schaut. Das muss ein Politiker auch tun. Aber heute macht er dies ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf objektive Zwänge, ohne Rücksicht auf übergeordnete staatliche Interessen. So unterminiert er das Vertrauen der Bürger in die staatlichen Institutionen. Es haidert in Bayern.

Und Seehofer verzettelt sich, seine Motz-Strategie nutzt sich ab. Irgendwann werden auch die Medien müde. Wer täglich stichelt, kann nicht mehr verdeutlichen, was ihm wirklich wichtig ist. Im Gegensatz zu Franz-Josef Strauß, der sich große Themen aussuchte, der seine Angriffe wuchtig und mit der ganzen Kraft seiner Person vortrug, feuert Seehofer ununterbrochen oder lässt feuern – ohne Zielkoordinaten, in der Hoffnung, irgendein Schuß werde bei den bayerischen Wählern treffen. Strauß schlug zwei Mal im Jahr auf den Tisch, Seehofer klopft täglich von unten dagegen.  Dahinter steckt keine Linie, kein Konzept für eine bessere oder andere Politik, kein großer Wurf, sondern nur kleines Karo. Am Ende würde man sich nicht wundern, wenn die CSU die große Koalition verlassen würde, weil es beim Treffen des Koalitionsausschusses Gulasch- statt Leberknödelsuppe gibt.

Seehofer ist kein Strauß, nur ein Bonsai-Strauß. Aber die CSU ist ja auch geschrumpft.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

1 Kommentare

1) Johann Roth, Dienstag, 31. März 2009, 10:59 Uhr

Wo gibts die 100,- Euro, den Haider-Hunderter?
Im Wahllokal als Begrüßungsgeld?

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder