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Mittwoch, 18. März 2009, 10:44 Uhr

Politiker in der Medienfalle

Der Umgang mit den Medien ist für Politiker eine Gratwanderung. Einerseits brauchen Sie die Medien zur Vermittlung ihrer Politik und zur persönlichen Profilierung, andererseits können die Medien das von ihnen geschaffene Image auch schnell wieder zerstören. Allerdings muss der Politiker dazu die Hand reichen.

Zwei führende Politiker sind in dieser Woche in die Medienfalle geraten. Der eine ist Wirtschaftsminister zu Guttenberg, der derzeitige Medien-Liebling. Dass er von den Journalisten hoffiert und bewundert wird, ist verständlich, denn der Politik mangelt es an charismatischen Figuren mit Star-Appeal. Die Medien aber wollen, wenn man ihnen den kleinen Finger reicht, gleich die ganze Hand.  So auch bei zu Guttenberg, der dem Drängen der Fotografen nachgab und sich in New York auf dem Times Square mit ausgebreiteten Armen in Hollywood-Pose ablichten ließ. Ein fatales Foto, das so gar nicht zur Wirtschafts- und Finanzkrise passt, das von Opfern dieser Krise als Verhöhnung empfunden werden kann. Prompt kommt auch schon die erste Medien-Häme, so in der “Süddeutschen” unter der Überschrift: “Der kleine Baron in der großen Stadt”.

Wenn Guttenberg Pech hat, dann könnte dieses Foto der Anfang einer Trendwende in den Medien sein. Denn die Medien schreiben einen Politiker genauso schnell wieder herunter wie sie ihn hochgeschrieben haben. Schröder und Merkel können ein Lied davon singen. Sie sind schon mehrmals im Medien-Paternoster hoch und wieder herunter gefahren. Es müssen nur zwei, drei Großjournalisten die Trendwende verkünden und die Meute folgt ihnen. Die meisten Journalisten, auch die Berliner, sind Herdentiere, die Leitwölfen folgen. Guttenberg kann vorerst noch Glück haben, weil die Medien seinen Star-Appeal noch nicht völlig ausgebeutet haben, aber das Foto vom Times Square wird in den kommenden Monaten häufiger zu sehen sein, als dem Minister lieb sein kann.

Der zweite, der in die Medienfalle ging, war Thüringens Ministerpträsident Althaus. Sein “Bild”-Interview, als Demonstration von Kraft geplant, legt in Wirklichkeit seinen Schwächen offen. Einerseits ist er zu krank, um am CDU-Parteitag teilzunehmen, er konnte nicht einmal eine Video-Botschaft schicken, anderseits spielt er in “Bild” den starken Mann. Eine schlechte Inszenierung und eine kontraprodutive dazu, weil sie sich selbst entlarvt. Und Althaus machte einen zweiten schweren Fehler: er nutzte das Interview zu Angriffen auf den politischen Gegner, den die CDU noch kurz zuvor um Fairness mit dem angeschlagenen Ministerpräsidenten gebeten hatte. Damit beendete Althaus die Schonfrist und eröffnete den Wahlkampf, ohne an ihm teilnehmen zu können, weil er natürlich nach wie vor zu krank dafür ist.

Rudolf Scharping hat sich einst für einen Fotografen der “Bild am Sonntag” den Bart abrasiert. Es dauerte nicht lange, dann war auch politisch der Bart ab.

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13 Kommentare

1) Michael, Mittwoch, 18. März 2009, 13:54 Uhr

Guter Beitrag. Was mich interessieren würde: Wer zählt denn in Deutschland alles so zu diesen Großjournalisten, die eine Trendwende herbeischreiben können?

2) fischidoc, Mittwoch, 18. März 2009, 16:44 Uhr

Ja, treffend kommentiert….! Allerdings: wie hätten Sie auf den, offenbar von den Politstrategen um Herrn Althaus ausgeklüngelten “deal” (Exclusivität incl. schöner “home-story” versus Polit-PR) in Ihrer Zeit als Chefredakteur der “BAMS” reagiert??;)))

3) m.spreng, Mittwoch, 18. März 2009, 17:12 Uhr

Als BamS-Chef hätte ich diesen Deal natürlich auch gemacht. Das erste Interview mit Althaus war ein journalistischer Scoop. Journalisten und Politiker haben nun mal eine unterschiedlich Interessenlage. Ich sah nie meine Aufgabe darin, das Kindermädchen der Politiker. zu spielen und sie von für sie schädlichen Handlungen abzuhalten. Das ändert nichts daran, dass ich das Vorgehen von Althaus für falsch halte.

Und zu Thema Großjournalisten: Ich will keine Namen einzeln herausstellen, aber man muss nur in “Spiegel”, “Stern” oder die “Süddeutsche” schauen, damit einem die Namen auffallen.

4) Marc, Mittwoch, 18. März 2009, 17:54 Uhr

“Journalisten und Politiker haben nun mal eine unterschiedlich Interessenlage. ”
Wie wahr, wie sagte mir einmal einmal ein städtischer Pressesprecher, als bei einer Information partout mauern musste: “Jeder von uns hat seine Aufgabe.”

5) kluelz, Mittwoch, 18. März 2009, 19:58 Uhr

Gibt es ein Beispiel für einen kompetenten Politiker, den Journalisten je abgeschossen hätten?

6) Katzhkau, Mittwoch, 18. März 2009, 23:41 Uhr

Mal ehrlich, wie kann man so dumm handeln wie im Fall Althaus.
Das wirkt alles so platt durchinszeniert.
Hält er seine Wähler für so dumm, sind sie es am Ende sogar?

7) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 19. März 2009, 10:00 Uhr

Im “tagesschau-blog” heisst es zwar süffisant zum Wirtschaftsminister: “Aber abgesehen von manchem unüberlegten Bildmotiv scheint Guttenberg tatsächlich kaum Fehler zu machen.” Aber noch ist er everybodys darling. Vermutlich mangels Alternative. (Man stelle sich nur einmal einen Moment den wackeren Glos in dieser Situation vor.)

8) Le Kommentateur, Donnerstag, 19. März 2009, 11:47 Uhr

Ihr Zitat: ” Das erste Interview mit Althaus war ein journalistischer Scoop.”
Ganz ehrlich: Unter einem Scoop stelle ich mir aber etwas ganz anderes vor. Die Bild war durch den “Deal” die erste, die ein Interview mit dem “starken” Althaus hatte – Pech für Althaus, dass er in den restlichen Medien jetzt der “Schwache” ist.

9) Uwe Alschner, Donnerstag, 19. März 2009, 21:26 Uhr

Sie sprechen davon, im Fall Althaus handele es sich um “(e)ine schlechte Inszenierung und eine kontraprodutive dazu”.
Interessant wäre Ihre Meinung zur Frage, welchen Spielraum Althaus wirklich hatte. Sie, Herr Spreng, kennen doch gut das Handwerk im 15. Stock des ASH.
Althaus ist ein tragischer Fall: Er hat gleich mehrfach die Kontrolle verloren: Zunächst auf der Piste (durch Fahrfehler oder Überheblichkeit) und dann durch die eigene Verletzlichkeit in der Rekonvaleszenz. Er ist vom Subjekt zum Objekt, vom Handelnden zum Getriebenen geworden: Einige Parteifreunde stellen ihn in Zweifel – und zwar lang vor seinen eigenen Äusserungen. Andere beknien ihn, unbedingt weiterzumachen, obwohl er – für alle sichtbar und glaubwürdig – schwer an der Bürde trägt. Und dann kommt Herr Diekmann und macht ein “Angebot”. Mario Puzo nannte es “an offer he couldn’t refuse”.
Mehr dazu unter http://www.fette-henne.info/2009/03/16/bild-oder-bloed/

10) makle, Dienstag, 24. März 2009, 16:58 Uhr

Weil sich das für die Landtagswahl in Thüringen chancenreiche Politpersonal nach Meinung der CDU anscheinend ausschließlich auf Herrn Althaus beschränkt, wird diese abstoßende Schmierenkomödie inszeniert. Ich teile uneingeschränkt die Meinung von Kurt Beck, wie sie in seinem Interview mit dem “Hamburger Abendblatt” nachzulesen ist. Herr Althaus ist nur anzuraten, den Wert seiner Gesundheit über seine Loyalität gegenüber seiner Partei zu stellen.

11) makle, Dienstag, 24. März 2009, 17:01 Uhr

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12) Wolf-Dieter Herrmann, Freitag, 27. März 2009, 10:05 Uhr

Journalismus als Falle ?
Der Journalist als Fallensteller ?
Um raus zu kommen aus der Falle, muss der Politiker die Hand reichen ?
Das ist Journalismus ???

13) Ubbo Gramberg, Donnerstag, 30. April 2009, 18:11 Uhr

Sie waren einfach zu schnell! Siehe hierzu auch einen guten Monat später “CICERO” Mai 2009 “Der Darling-Faktor”, S. 90/93. (Wie konnten Sie eigentlich die Albernheit unserer Bundesfamilienministerin übersehen??) Aber natürlich ist die Versuchung der Selbstdarstellung (wie auch immer) für Politiker schon aus beruflichen Gründen stets sehr groß. Allerdings – wie wir auch im Fernsehen bestätigt finden – scheint diese Art von “Striptease” ohnehin eine der grundsätzlichen menschlichen Eigenschaften zu sein. Was gewiss evolutionäre Gründe hat.

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