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Politiker in der Medienfalle

Der Umgang mit den Medien ist für Politiker eine Gratwanderung. Einerseits brauchen Sie die Medien zur Vermittlung ihrer Politik und zur persönlichen Profilierung, andererseits können die Medien das von ihnen geschaffene Image auch schnell wieder zerstören. Allerdings muss der Politiker dazu die Hand reichen.

Zwei führende Politiker sind in dieser Woche in die Medienfalle geraten. Der eine ist Wirtschaftsminister zu Guttenberg, der derzeitige Medien-Liebling. Dass er von den Journalisten hoffiert und bewundert wird, ist verständlich, denn der Politik mangelt es an charismatischen Figuren mit Star-Appeal. Die Medien aber wollen, wenn man ihnen den kleinen Finger reicht, gleich die ganze Hand.  So auch bei zu Guttenberg, der dem Drängen der Fotografen nachgab und sich in New York auf dem Times Square mit ausgebreiteten Armen in Hollywood-Pose ablichten ließ. Ein fatales Foto, das so gar nicht zur Wirtschafts- und Finanzkrise passt, das von Opfern dieser Krise als Verhöhnung empfunden werden kann. Prompt kommt auch schon die erste Medien-Häme, so in der “Süddeutschen” unter der Überschrift: “Der kleine Baron in der großen Stadt”.

Wenn Guttenberg Pech hat, dann könnte dieses Foto der Anfang einer Trendwende in den Medien sein. Denn die Medien schreiben einen Politiker genauso schnell wieder herunter wie sie ihn hochgeschrieben haben. Schröder und Merkel können ein Lied davon singen. Sie sind schon mehrmals im Medien-Paternoster hoch und wieder herunter gefahren. Es müssen nur zwei, drei Großjournalisten die Trendwende verkünden und die Meute folgt ihnen. Die meisten Journalisten, auch die Berliner, sind Herdentiere, die Leitwölfen folgen. Guttenberg kann vorerst noch Glück haben, weil die Medien seinen Star-Appeal noch nicht völlig ausgebeutet haben, aber das Foto vom Times Square wird in den kommenden Monaten häufiger zu sehen sein, als dem Minister lieb sein kann.

Der zweite, der in die Medienfalle ging, war Thüringens Ministerpträsident Althaus. Sein “Bild”-Interview, als Demonstration von Kraft geplant, legt in Wirklichkeit seinen Schwächen offen. Einerseits ist er zu krank, um am CDU-Parteitag teilzunehmen, er konnte nicht einmal eine Video-Botschaft schicken, anderseits spielt er in “Bild” den starken Mann. Eine schlechte Inszenierung und eine kontraprodutive dazu, weil sie sich selbst entlarvt. Und Althaus machte einen zweiten schweren Fehler: er nutzte das Interview zu Angriffen auf den politischen Gegner, den die CDU noch kurz zuvor um Fairness mit dem angeschlagenen Ministerpräsidenten gebeten hatte. Damit beendete Althaus die Schonfrist und eröffnete den Wahlkampf, ohne an ihm teilnehmen zu können, weil er natürlich nach wie vor zu krank dafür ist.

Rudolf Scharping hat sich einst für einen Fotografen der “Bild am Sonntag” den Bart abrasiert. Es dauerte nicht lange, dann war auch politisch der Bart ab.