Sonntag, 07. Juni 2009, 23:45 Uhr

Wenn Genscher baden geht

Seit dem berühmten Badefoto von Reichspräsident Ebert und Wehrminister Noske in der Weimarer Zeit achten Politiker peinlich darauf, dass sie nicht in diesem –  von ihnen als entwürdigend empfundenen – Zustand in der Zeitung erscheinen. So auch Hans-Dietrich Genscher. Während einer Südostasien-Reise machten wir einen Tag Station auf Bali, wohnten am Strand in den Pertamina-Cottages der staatlichen indonesischen Ölgesellschaft.

Kurz vor Sonnenuntergang wollten – nach den Journalisten – auch endlich Genscher und seine Frau im Meer schwimmen gehen. Vorher aber sammelten seine Leibwächter bei allen mitreisenden Fotografen mit Nachdruck die Kameras ein, damit es ja kein Foto des Außenministers in Badehose gibt. Die Fotografen ließen sich dies unter Protest gefallen. Schließlich waren sie auf der Reise vom Wohlwollen Genschers abhängig.

Der mit mir reisende Fotograf von „Bild am Sonntag“ holte aber seine Zweitkamera aus dem Bungalow und fotografierte das Ehepaar Genscher dennoch. Das Foto ist aber nie erschienen.

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5 Kommentare

1) Martin, Montag, 08. Juni 2009, 07:07 Uhr

Aus moralischen Gründen (Anstand) oder weil es einfach nicht gut/interessant genug war?

Ich bin ja bei der ganzen Berlusconi-Story hin- und hergerissen. Einerseits finde ich es prinzipiell ziemlich widerlich wenn Fotografen heimlich und illegal auf irgendwelche Bäume oder über Mauern klettern und mit teleskopartigen Vergrößerungsfaktoren auf Nackte-Haut-Jagd bei Promis oder Politikern gehen. Andererseits hat Berlusconi das mit seinem seltsamen Herumeiern in der Noemi-Frage selbst provoziert – ich würde z.B. in Deutschland schon genau wissen wollen, ob ein Bundeskanzler mit Minderjährigen verkehrt oder nicht.

2) Nashwin, Montag, 08. Juni 2009, 10:27 Uhr

„… achten Politiker peinlich darauf, dass sie nicht in diesem – von ihnen als entwürdigend empfundenen – Zustand in der Zeitung erscheinen.“

Na ja, sagen wir, sie achten fast alle peinlich darauf.

3) Wack, Montag, 08. Juni 2009, 11:05 Uhr

Was Herrn Berlusconi angeht: Da empfinde ich kein Mitleid, wenn sein Privatleben öffentlich gemacht wird. Immerhin macht er genau damit auch Politik. Selbst schuld.

4) Jörg, Montag, 08. Juni 2009, 13:38 Uhr

Ich bin ja durchaus ein Genscher-Fan, aber ein Foto in Badehose möchte ich denn doch nicht sehen!

5) ßadaßing, Dienstag, 28. Juli 2009, 13:08 Uhr

Passt aber ins Bild, dass sich gerade BILD nicht dem Wunsch eines Politikers nach Privatsphäre beugen kann. Ein Foto von Genscher beim Baden hätte keinen Nachrichtenwert, sondern ausschließlich voyeuristische Beweggründe gehabt.

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