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Merz & Merkel – so fing alles an

Warum sind Friedrich Merz und Angela Merkel von Parteifreunden zu erbitterten Feinden geworden? Auch in der CDU rätseln immer noch viele, wie es so weit kommen konnte, dass sich Friedrich Merz, eines der größten CDU-Talente, mit der Bundestagswahl 2009 aus der Politik völlig zurückzieht. Denn Merz und Merkel waren lange Zeit Verbündete – 1999 bei dem Sturz des Denkmals Helmut Kohl und Anfang 2000 bei dem Sturz Wolfgang Schäubles als Partei- und Fraktionschef, dessen Ämter sie unter sich aufteilten. Um das Zerwürfnis zu verstehen, hilft eine Schlüsselszene, die mir Angela Merkel 2002 erzählte:

Merz war gerade Fraktionschef geworden und fuhr zum Antrittsbesuch bei Edmund Stoiber nach München. Als er zurückkam, traf er Merkel und berichtete ihr in Hochstimmung, Stoiber habe keine Ambitionen, 2002 Kanzlerkandidat zu werden. „Das mache ich dann“, teilte er der überraschten Angela Merkel mit. Und er setzte dann, offenbar verblüfft über seine eigene Kühnheit, hinzu: „Aber Angela, was machst du dann?“. Merkel reagierte cool ( „Mach` dir mal keine Sorgen“) und ließ es dabei bewenden.

Seit diesem Gespräch waren die beiden erbitterte Rivalen. Merkel wusste, dass für sie der Weg ins Kanzleramt nur über die Entmachtung von Merz führen wird. Deshalb war ihre zentrale Bedingung, als sie Anfang 2002 beim berühmten Wolfratshausener Frühstück Stoibers Kanzlerkandidatur zustimmte, dass sie nach der Bundestagswahl auch Fraktionsvorsitzende wird. Damit war das Schicksal von Merz besiegelt, denn Stoiber hielt sich an die Vereinbarung, schenkte Merz aber vor der Wahl nie reinen Wein ein. Der glaubte bis zuletzt, auch aus der für ihn typischen Überheblichkeit, er könne Fraktionsvorsitzender bleiben und fühlte sich beim Sechs-Augen-Gespräch am Wahlabend von Stoiber verraten.