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Dienstag, 31. März 2009, 18:03 Uhr

Warum Politiker und Bahn-Chefs stürzen

Politiker oder Unternehmensführer stürzen selten über einen Skandal oder eine Krise, fast immer stürzen sie über ihr katastrophales Krisenmagement. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Rücktritte – von den Ministern Werner Maihofer, Georg Leber und Walter Arendt während der Zeit der sozialiberalen Koalition über Gesundheitsministerin Andrea Fischer und Verteidigungsminister Rudolf Scharping während der rot-grünen Regierungszeit bis zum Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

In eine Krise kann jeder geraten, dann aber muss er den wirklichen Tauglichkeits- und Härtetest seiner Karriere bestehen, nämlich zeigen, wie er die Krise managt. Und da sind die Verhaltensmuster fast immer gleich: erst wird der Skandal geleugnet, dann wird er vernebelt, dann nur bruchstückhaft zugegeben und bagatellisiert, schließlich werden andere dafür verantwortlich gemacht, und am Ende fühlt sich der Betroffene von allen verfolgt – frei nach dem alten Witz: “Was heißt hier ein Geisterfahrer, tausende!”. Dann bleibt nur noch der Rücktritt. Mangelnde Einsicht in die eigenen Fehler gepaart mit der Rolle der verfolgten Unschuld und unbeherrschten Angriffen auf die Kritiker – so lautet das sichere Rezept, um sein Amt zu verlieren.

Dabei ist es im Grunde ganz einfach: Wenn die Krise, wenn der Skandal da ist, dann hilft nur totale Offenheit: völlige und schnelle Transparenz, alle Fakten auf den Tisch (Hosen runter!). Besserung und Beseitigung der Ursachen müssen nicht nur versprochen, sondern sofort umgesetzt werden. Und das Ganze nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Demut, mit der Haltung: Ich habe verstanden. So hat Edmund Stoiber gehandelt, als er am Anfang seiner Amtszeit als Ministerpräsident in den Strudel der Strauß-Affären gerissen zu werden drohte – und rettete dadurch sein Amt. So hat vorbildlich das Unternehmen Shell in Deutschland reagiert, als die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar zum Super-Gau zu werden drohte (“Wir haben verstanden”).

Und eine Fähigkeit ist heute unverzichtbar: Je mächtiger die Medien wurden und je komplexer die Medienszene ist, um so wichtiger ist es für einen Politiker oder Unternehmensführer, medientauglich zu sein. Wer mit den Medien nicht umgehen und sich nicht in ihre Interessenlage versetzen kann, der hat heute schon verloren. Und so ist der Rücktritt von Hartmut Mehdorn ein Musterbeispiel dafür, wie man sich – trotz unbestrittener Fähigkeiten – um seinen Job bringen kann.

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11 Kommentare

1) Android, Dienstag, 31. März 2009, 18:18 Uhr

Ja genau Herr Sprengspatz,

und weil Sie Androiden zum lachen bringen

hier was zum nachdenken.

“Schramma steht am Ende da, wie wenn man seinen Namen rückwärts ausspricht.”

MfG
Eure Angelika

2) ratho, Dienstag, 31. März 2009, 18:51 Uhr

Wobei man aber festhalten muss, dass Herr Mehdorn damit wahrscheinlich seiner Entlassung zuvor gekommen ist. Denn wenn erst mal die CDU/CSU mit der FDP und der Linkspartei (:-)) die Regierung bilden, wäre vermutlich der Bahnchef gegen einen CDU nahen Manager ausgetauscht worden. Und da Herr Mehdorn sich mit einer (relativ) guten Bilanz verabschiedete, müssen sich die folgenden an ihm messen lassen.

3) nona, Dienstag, 31. März 2009, 19:01 Uhr

Hosen runter, ja, schon. Allerdings geht das gelegentlich mit der Versuchung einher, völlige Offenheit lediglich vorzutäuschen, um anderes zu verschleiern (z.B. das wahre Ausmass des Debakels). Und wer dann *dabei* erwischt wird, der schadet sich natürlich mehr als wirkliche Offenheit es gekonnt hätte. Und völlige Offenheit schützt auch nicht vor Reputationsverlust, wenn sie mit Anlass gehäuft auftritt – wer sich ehrlich als inkompetent hinstellt, der steht zuerst als inkompetent da, und erst an zweiter Stelle als ehrlich.

4) alessandro, Dienstag, 31. März 2009, 19:35 Uhr

»(…) trotz unbestrittener Fähigkeiten (…)« … die da wären?

Als früherer Dauer-Bahnkunde kann ich nur sagen, dass mich wenige Dinge in den letzten Jahren so verärgert haben, wie die in meinen Augen unglaublich konfuse und kundenfeindliche Geschäftspolitik der Bahn. Angefangen bei der schmerzhaft dämlichen Idee, die Kunden eines Unternehmens, dessen Hauptvorteil seine ständige Verfügbar- und somit flexible Nutzbarkeit ist, zur Frühbuchung zu drängen. Über die sicherlich unglaublich teure begleitende Werbekampagne, die stumpf postulierte, dass das neue System supereinfach wäre, obwohl es alles andere als das war und bei den meisten Kunden nur Fragezeichen hinterließ (und entsprechend bald wieder verändert wurde, bis es wirklich niemand mehr durchschaute, Schalterbeamte eingeschlossen). Bis hin zu ständigen Preissteigerungen, die dazu geführt haben, dass man in den meisten Fällen als Alleinfahrer (!) in einem PKW günstiger von A nach B kommt, als mit der Bahn (Bahncards und Aktionen einmal außen vor gelassen).

Zahlreiche weitere Punkte wurden heute hier aufgezählt.

Mehdorns Krisenmanagement war in meinen Augen also kein Ausrutscher, sondern eine konsequente Weiterführung der Unternehmenspolitik.

5) asdrubael, Dienstag, 31. März 2009, 19:36 Uhr

“Und so ist der Rücktritt von Hartmut Mehdorn ein Musterbeispiel dafür, wie man sich – trotz unbestrittener Fähigkeiten – um seinen Job bringen kann.”
Welche Fähgikeiten sollen das denn sein? Die der PR oder die seinen eigentlichen Job gut zu machen? Bei letzterem hat Mehdorn nämlich alles andere als geglänzt, siehe beispielsweise:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3858

Alleine der geplante Börsengang war ein Unfug von “Transrapid Ausmaßen”.

6) Cem Basman, Dienstag, 31. März 2009, 23:22 Uhr

Jedem Unternehmer und Manager ins Gebetbuch. Ja.

7) alessandro, Dienstag, 31. März 2009, 23:34 Uhr

@asdrubael: Zwei Dumme, ein Gedanke und das auch noch annähernd synchron … und als i-Tüpfelchen mit dem gleichen Link zu den Nachdenkseiten versehen. Sachen gibt’s …

8) PeterM, Mittwoch, 01. April 2009, 13:40 Uhr

Ja ja, das liebe Krisenmanagement von Politikern. Gerne erinnere ich mich da auch an die schwarz-gelben Chaosjahre: Möllemann, Lambsdorff, Stoltenberg, Seiters (kurz und schmerzlos) oder Günther Krause…

9) Dag, Mittwoch, 01. April 2009, 21:21 Uhr

Als allgemeine Beobachtung gut, aber was den Hartmut Mehdorn betrifft: der ist nicht einfach an schlechtem Krisenmanagement gescheitert, und schon gar nicht aus Anlass einer bestimmten Krise. Der Mann war doch schon längst eine einzige Zumutung, ganz zurecht bereits als peinlichster Berliner, unbeliebtester Deutscher, usw. gewählt.

Das große Rätsel bei dieser unglaublichen Person war doch, wieviel der sich erlauben konnte, bevor es dann endlich mal soweit war. Der hatte mehr als sieben Leben.

10) Thom, Donnerstag, 02. April 2009, 00:39 Uhr

Die unbestrittenen Fähigkeiten sind so unbestritten, daß man erst mal jemanden finden muß, der sie nicht bestreitet.

11) Tstetse, Donnerstag, 02. April 2009, 12:35 Uhr

der name mehdorn wird bleiben als ein synonym für die arroganz der macht und für die dummheit der abgehobenheit!

they always come down! ;)

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