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Warum Politiker und Bahn-Chefs stürzen

Politiker oder Unternehmensführer stürzen selten über einen Skandal oder eine Krise, fast immer stürzen sie über ihr katastrophales Krisenmagement. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Rücktritte – von den Ministern Werner Maihofer, Georg Leber und Walter Arendt während der Zeit der sozialiberalen Koalition über Gesundheitsministerin Andrea Fischer und Verteidigungsminister Rudolf Scharping während der rot-grünen Regierungszeit bis zum Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

In eine Krise kann jeder geraten, dann aber muss er den wirklichen Tauglichkeits- und Härtetest seiner Karriere bestehen, nämlich zeigen, wie er die Krise managt. Und da sind die Verhaltensmuster fast immer gleich: erst wird der Skandal geleugnet, dann wird er vernebelt, dann nur bruchstückhaft zugegeben und bagatellisiert, schließlich werden andere dafür verantwortlich gemacht, und am Ende fühlt sich der Betroffene von allen verfolgt – frei nach dem alten Witz: „Was heißt hier ein Geisterfahrer, tausende!“. Dann bleibt nur noch der Rücktritt. Mangelnde Einsicht in die eigenen Fehler gepaart mit der Rolle der verfolgten Unschuld und unbeherrschten Angriffen auf die Kritiker – so lautet das sichere Rezept, um sein Amt zu verlieren.

Dabei ist es im Grunde ganz einfach: Wenn die Krise, wenn der Skandal da ist, dann hilft nur totale Offenheit: völlige und schnelle Transparenz, alle Fakten auf den Tisch (Hosen runter!). Besserung und Beseitigung der Ursachen müssen nicht nur versprochen, sondern sofort umgesetzt werden. Und das Ganze nicht mit Überheblichkeit, sondern mit Demut, mit der Haltung: Ich habe verstanden. So hat Edmund Stoiber gehandelt, als er am Anfang seiner Amtszeit als Ministerpräsident in den Strudel der Strauß-Affären gerissen zu werden drohte – und rettete dadurch sein Amt. So hat vorbildlich das Unternehmen Shell in Deutschland reagiert, als die geplante Versenkung der Ölplattform Brent Spar zum Super-Gau zu werden drohte („Wir haben verstanden“).

Und eine Fähigkeit ist heute unverzichtbar: Je mächtiger die Medien wurden und je komplexer die Medienszene ist, um so wichtiger ist es für einen Politiker oder Unternehmensführer, medientauglich zu sein. Wer mit den Medien nicht umgehen und sich nicht in ihre Interessenlage versetzen kann, der hat heute schon verloren. Und so ist der Rücktritt von Hartmut Mehdorn ein Musterbeispiel dafür, wie man sich – trotz unbestrittener Fähigkeiten – um seinen Job bringen kann.