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Montag, 03. November 2014, 14:32 Uhr

Gauck darf das

Ein linker Ministerpräsident Bodo Ramelow, flankiert von SPD und Grünen, ist sicher kein Unglück für Deutschland. Der Ex-Wessi, Christ und verkappte Sozialdemokrat ist unverdächtig, der SED nachzutrauern.

Ebenso aber ist es kein Unglück, wenn Bundespräsident Joachim Gauck sich über das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen öffentlich Gedanken macht und fragt, ob man der Linkspartei vertrauen kann, dass sie weit genug weg ist von den Vorstellungen, die einst die SED hatte bei der Unterdrückung der Menschen.

Gauck hat ohne Polemik eine Debatte befördert, die SPD und Grüne aus machtpolitischen Gründen gescheut haben, und die die CDU grotesk und auch heuchlerisch überzeichnet. Gauck mit seiner Lebensgeschichte darf das. Er darf gerade in diesem Fall die Grenzen seines Amtes austesten oder vielleicht sogar ein bisschen überschreiten. Ein Christian Wullf mit seinem CDU-Hintergrund hätte das nicht gedurft.

Immer noch haben die meisten Mitglieder der “Linken” einen SED-Hintergrund und im thüringischen Landtag sitzen drei Abgeordente mit Stasi-Vergangenheit. Und immer noch tut sich “Die Linke” sehr schwer, die DDR als Unrechtsstaat zu identifizieren.

Die Aufregung über Gauck ist taktischer Natur. “Die Linke” weiß, dass das Thema immer noch viele SPD-Leute und grüne Ex-Bürgerrechtler umtreibt, und will, indem sie Gauck den Mund verbietet, die ganze Debatte unterdrücken.

Eine solche Debatte aber ist ein Kennzeichen einer offenen und pluralistischen Gesellschaft. Und deshalb darf auch ein ehemaliger DDR-Bürger, der jetzt Bundespräsident ist, die Fragen stellen, die ihn und viele andere umtreiben. Das wird auch Frau Kipping noch lernen.

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Mittwoch, 29. Oktober 2014, 14:42 Uhr

Die Selbstmörder von G+J

Selbstmord aus Angst vor dem Tod – das ist das einzige, was deutschen Verlagen und Verlegern als Rezept gegen die Existenzkrise der Printmedien noch einfällt. Jüngstes Beispiel ist die Zeitschrift “Brigitte”, die alle Textredakteure entlassen will. Texte kommen dann nur noch von freien Journalisten und werden technisch gemanagt.

Damit verliert die einst so stolze “Brigitte” ein weiteres Stück ihrer DNA. Und für die freien Journalisten ist das auch kein Zuckerschlecken, denn mit Sicherheit werden deren Honorare gedrückt. Sie können froh sein, dass die “Brigitte” nicht dem Modell der “Huffington Post” folgt und gar keine Honorare bezahlt, weil die Ehre, dort zu schreiben, Lohn  genug sei. Bei “View” habe ich das auch schon erlebt.

Die “Brigitte” ist ein weiteres Beispiel, wie die Verlage den Niedergang der Printmedien beschleunigen. Statt die Kernkompetenz, nämlich guten Journalismus auszubauen, wird nur noch verschlankt oder ganz eingespart. Irrwitzigstes Beispiel ist die “Westfälische Rundschau”, die gar keine Redakteure mehr hat.

Erst kannibalisierten die Verleger ihre Blätter, indem sie die Leser an eine Kostenloskultur im Internet gewöhnten und jetzt fressen sie ihre eigenen Redakteure. Da sind diejenigen, die “nur” in Billig-GmbHs ausgelagert wurden, fast noch gut dran.

Es ist ein verhängnisvoller Kreislauf, der da in Gang gesetzt wurde. Am Ende steht die Abschaffung oder Fast-Abschaffung des einzigen Mehrwerts, den Zeitungen und Zeitschriften noch bieten können – guten Journalismus, geschrieben von Redakteuren und Reportern, die noch Zeit zur Recherche und Formulierung haben. Gruner+ Jahr, das werden künftige Entwicklungen auch beim “Stern” zeigen, gehört zu den Vorreitern dieser Entwicklung.

Was die schlauen Controller und Sparfüchse nicht bedenken: Warum soll man am Ende die Blätter noch kaufen?


apparent media - iPhone Apps aus Berlin