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Freitag, 20. März 2015, 09:40 Uhr

Allgemeine Volksverwirrung

Also, wie war das jetzt? Hat Jan Böhmermann wirklich Yanis Varoufakis bei einem subversiven Kongress in Havanna den Stinkefinger gezeigt, weil der seine Schulden für zwei Cuba Libre nicht bezahlen wollte, die Günther Jauch an der Bar vorgestreckt hatte? Oder war es Jauch, der Varoufakis den ausgestreckten Mittelfinger entgegenreckte oder Varoufakis Jan Böhmermann?

Oder war alles ein Fake, eine Fälschung? Es liegen doch die Videoaufzeichnungen vor, die der Barmann heimlich gemacht hat. Oder ist das Ganze nur eine Satire?

Auf diesem Niveau ist inzwischen die Berichterstattung sogenannter deutscher Qualitätsmedien angekommen. Wer gestern Onlinemedien las oder TV-Nachrichten schaute, wähnte sich in “Wischmeyers Logbuch der Bekloppten und Bescheuerten” der “heute-show”.

Einen ganzen Tag diskutierten Journalisten, Leser und Zuschauer über eine Satire Jan Böhmermanns, die selbst bei durchschnittlichem Intelligenzgrad als solche zu erkennen war. Er hatte behauptet, das berüchtigte Stinkefinger-Video mit Varoufakis gefälscht zu haben und seine Redaktion demonstrierte, wie das angeblich geht.

Weil ein paar tausend Zuschauer zur ZDF-Geisterstunde nicht begriffen, dass es sich um Satire handelte, entstand eine Medienhysterie, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat.

Erst kam der Sturm im Internet, wo ohnehin jede noch so absurde Geschichte gerne als Beleg für die eigenen Verschwörungstheorien genommen wird. Anschließend erörterten Journalisten, die mit dem eigenen Bedeutungsverlust zu kämpfen haben, in unzähligen Beiträgen ernsthaft, ob Böhmermann wirklich das Video gefälscht hat oder aber, ob es vielleicht Satire sei. Das ist schon bescheuert genug.

Dann aber setzte das ZDF noch einen drauf und gab eine offizielle Erklärung ab, dass Böhmermanns Satire Satire war. Das erschien dann in Onlinemedien, zum Beispiel bei n-tv , unter der Überschrift “ZDF stellt klar: Es war ein Fake”, was wiederum von einigen Zeitgenossen so verstanden wurde, als habe das ZDF klargestellt, dass das ursprüngliche Varoufakis-Video eine Fälschung war.

Und schließlich fand der inzwischen reale Irrsinn sogar Eingang in die Hauptnachrichten der TV-Sender, wo er wirklich nichts verloren hat. Aber die TV-Macher, die ebenfalls ihren Bedeutungsverlust fürchten, wollten beim Hype dabeisein und sich nicht vom Internet abbraten lassen.

Die TV-Beiträge steigerten natürlich die allgemeine Volksverwirrung, weil die Sender, man muss ja etwas Eigenes haben, Experten interviewten, die erklärten, dass man Videos tatsächlich fälschen kann. Also, so fragt sich der verwirrte Zuschauer, heißt das, dass das ursprüngliche Video doch gefälscht war?

Glückwunsch, Herr Böhmermann. Selten hat jemand Medien so sehr als Null-Medien entlarvt wie Sie.

 

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Samstag, 07. März 2015, 15:03 Uhr

Linke Dilettanten

Die griechische Regierungspartei Syriza wird aus mehren Gründen in die Geschichte eingehen, einer aber ist in der Politik ganz selten: dass eine Partei ein Land schon (endgültig) ruinierte, bevor sie überhaupt an die Regierung gekommen war.

Seit dem sich abzeichnenden Syriza-Wahlsieg gingen die – ohnehin niedrigen – Steuereinnahmen drastisch zurück, weil viele Griechen auf eine Abschaffung der Immobiliensteuer setzten, die Kapitalflucht verschärfte sich dramatisch, und die-  ohnehin niedrige – Investitionstätigkeit kam fast völlig zum Erliegen.

Jetzt steht die neue Regierung vor noch leereren Kassen als erwartet. Um sich Geld für die Tagesausgaben zu beschaffen, plündert sie schon die Rentenkasse. Es wird immer fraglicher, ob Griechenland die nächste Zeit als Mitglied der Eurozone überlebt. Es geht nicht mehr um Monate, sondern wahrscheinlich nur noch um Tage.

Und die neue Regierung hat noch kein einziges Gesetz auf den Weg gebracht, geschweige im Parlament durchgesetzt, um die Vereinbarungen mit der Euro-Gruppe zu erfüllen. Offenbar deshalb, weil sie sich ihrer eigenen Abgeordneten nicht mehr sicher ist.

Das Problem der neuen griechischen Regierung ist nicht, dass sie von der Linken geführt wird, sondern, dass sie aus Ideologen und Dilettanten besteht, die die Realität leugnen. Für sie gilt wirklich das Pippi-Langstrumpf-Lied “Zwei mal drei macht vier…Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”.

Die griechische “Villa Kunterbunt” aber ist ein Kartenhaus kurz vor dem Zusammenbruch.

Die einzige Hoffnung ist jetzt, dass das Gespräch von Ministerpräsident Tsipras mit dem Chef der liberalen Oppositionspartei “To Potami” ein Versuch ist, die Regierungsbasis zu verbreitern. Mit den überzeugten Europäern würde zum ersten Mal die Realität in diese Regierung einziehen.

Mehr Hoffnung gibt es nicht mehr, denn auch Neuwahlen könnten den “Grexit” oder “Graccident” kaum noch aufhalten.


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